Die Mär von den offenen Stellen

In der Debatte um die Arbeitslosen in unserem Land wird immer wieder angeführt, dass wir genügend offene Stellen haben — was natürlich totaler Quatsch ist. Und selbst wenn die Zahl von den oft übermittelten 1 Mio. offener Stellen zutrifft, wie kommt diese dann zustande? Nun, nehmen wir ein, ein Unternehmen sucht 25 Elektrotechniker und meldet dieses ganz normal der ARGE. Gut, die ARGE kann auf die Schnelle nicht helfen, gibt den Auftrag weiter an 3 Zeitarbeitsfirmen. Nun, dass die Zeitarbeitsunternehmen die Mitarbeiter adhoc stellen können, ist ungewiss, und was machen diese dann?

Richtig, sie melden den Bedarf bei der ARGE.

Wir rechnen nach:
Arbeitsagentur Erstkontakt durch Personal suchendes Unternehmen = 25 Offene Stellen.
Zeitarbeitsfirma I meldet der Arbeitsagentur ? Genau: 25 Offene Stellen.
Zeitarbeitsfirma II verfährt gleichermaßen ? ebenfalls: 25 Offene Stellen.
Zeitarbeitsfirma III und schließlich nochmals: 25 Offene Stellen.

Schwuppdiwupp. Simsalabim. Drei Mal Schwarzer Kater: 100 Offene Stellen für Elektrotechniker.

(via Andreas)

6 Antworten zu “Die Mär von den offenen Stellen”

  1. Oli sagt:

    Gute Firmen ergreifen schon lange die Eigenintiative, sprich die Stellen landen gar nicht mehr dort. Das wird zwar insgesamt nicht derart viel ändern, aber dem einen oder anderen vielleicht vor Ort helfen, wenn er sich anderswo umschaut.

  2. kobalt sagt:

    Zwar gibt es jede Menge Arbeit in Deutschland, doch der Arbeitsplatz nützt nix, wenn man von dem Lohn nicht leben kann.
    Und viel aussagekräftiger als die Veröffentlichung der Arbeitslosigkeitsstatistik in den Nachrichten wäre es, die Zahlö derjenigen zu veröffentlichen, die eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausüben bzw. die Zahl derjenigen zu veröffentlichen, deren Einkommen mindestens durchschnittlich hoch ist.

  3. Grainger sagt:

    Selbst wenn die 1 Million offene Stellen stimmen würden (was ich aber wie Chris ehrlich bezweifle) haben wir immer noch zwischen 5–10 Millionen (je nach dem welcher Statistisk/Aussage man glauben schenken will) Arbeitslose und Arbeitssuchende.

    Also hätten wir selbst nach offiziellen Zahlen nur Stellen für 10–20%, und selbst 10% sind noch geschönt.

  4. Oli sagt:

    Rechne mal noch dazu, das einige Leute schlichtweg für bestimmte Berufe nicht geeignet sind und das einige Regionen eventuell einen Überhang besitzen etc. In der Praxis reduziert sich das tatsächliche Angebot als gewaltig.

  5. Yerodin sagt:

    Den Aussagen sind sowiso nicht zu trauen. Meiner Meinung nach sind das alles nur Schutzbehauptungen.

    1998: Die Web 1.0 Welle rollte. Vollmundig wurde versprochen: Informatik DAS Zukunftsfeld. In den nächsten Jahren brauchen wir sicher 1.000.000 Programmierer. Zig Leute gingen an die Uni/Fh oder Ausbildung, nur um dann erzählt zu bekommen, dass man sie doch nicht braucht.

    2001: Altenpflege war nun das Zukunftsfeld. Gleiches Ergebnis, wenn auch nicht so stark.

    Seit 2005: wir haben angeblich 100.000de offene Ingenieursstellen. Warscheinllich nächstes Jahr schonwieder vergessen.

    Fazit: die Lebensspanne dieser vollmundigen Versprechungen haben einen Lebenszyklus von unter 5 jahren, also kommt man nie in die Bedrängnis seine Versprechen einhalten zu müssen, da sie mangels Fachkreiten nicht erfüllt werden müssen.

  6. Oli sagt:

    Die Informatiker braucht man schon, ebenso die Ingenieure, nur schielt jedes Land weltweit immer gerne auf Fachkräfte aus dem Ausland, da billiger. Nur für diese ausländischen Fachkräfte ist Deutschland auch kein Anreiz, die gehen lieber in die USA.
    Aber derart viele Leute studierten nie Informatik und die Rate der Abbrecher war und ist weitaus höher, aus diversen Gründen. Muß man sich vor Ort anschauen, dann sieht man auch eher die Probleme.

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