Die Linke – altbacken und geschichtsvergessen

«Die Linke hat gestern bewiesen, wie altbacken und geschichtsvergessen sie ist. Sie hätte im dritten Wahlgang Christian Wulff wählen sollen. Das wäre eine Duftmarke gewesen.»

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Foto: m.joedicke | CC-Lizenz

Neben Angela Merkel und Guido Westerwelle hat die Bundespräsidentenwahl gestern einen zweiten großen Verlierer hervorgebracht: die Linkspartei. Dass SPD und Grüne gemeinsam mit konservativen Medien und den Springer-Postillen auf die Linke eindreschen, ist politischer Alltag. Und doch – diesmal ist die Linkspartei daran nicht unschuldig. Sie hat es geradezu herausgefordert. Wenn schon Unterstützer wie Jochen auf Distanz zur Linkspartei gehen, sollte diese einmal in sich gehen und sich selbst fragen, ob man weiter Protestpartei ist oder politisch gestalten möchte. Das Problem der Linkspartei am gestrigen Tage war, dass sie alle über sie verbreiteten Vorurteile bestätigt hat und genauso gehandelt hat, wie man es von ihr erwartet. Die Linkspartei hat ihre Unterschrift unter die Artikel von FAZ & Co. gesetzt.

Sicher, wer von sich selbst behauptet, sozial zu denken und links zu sein, was auch immer das für den Einzelnen bedeutet, der hatte seine Probleme mit Christian Wulff und Joachim Gauck. Doch ging es gestern nicht darum, einen Bundeskanzler oder Ministerpräsidenten zu wählen, sondern einen Bundespräsidenten. Die Macht des Bundespräsidenten ist die des Wortes, Jochen merkt an, er sei schlicht und ergreifend der Notar der Bundesregierung. Es steht jeder Partei frei, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, wie es die Linkspartei mit Jochimsen getan hat – doch wenn die Kandidatin zurückzieht, hat man sich für einen der anderen Kandidaten zu entscheiden. Kann ich nicht, gibt es nicht. Will ich nicht, ist Demokratieverweigerung.

Den Vogel schoss gestern Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Niedersachsen ab, der davon sprach, die Wahl zwischen Stalin und Hitler zu haben. Dehm hat sich eine unfassbare Entgleisung geleistet, die Wulff und Gauck mit Massenmördern gleichsetzt, Millionen von Opfern werden nachträglich erneut zu Opfern gemacht. Während Gregor Gysi für eine pragmatische und durchaus sympathische Linke steht, steht Dehm für eine geschichtsvergesse, die DDR-verherrlichende Linke, Strömungen innerhalb der Linkspartei, die den Kommunismus verehren und in unserem Land wieder einführen würden, wenn sie die Möglichkeit bekämen. Käme diese Linke an die Macht, wäre es unverantwortlich und es ist ein stückweit nachzuvollziehen, warum Rot-Grün in die Fänge von Schwarz-Gelb getrieben werden.

Die Linke ist und bleibt Protestpartei – und ist dabei in Teilen genauso gefährlich wie die NPD. Die Linke gestaltet nicht, sie zerstört. Dass mag in manchen Fällen richtig und notwendig sein, Oppositionsarbeit ist in einer parlamentarischen Demokratie genauso wichtig, wie die Regierungsarbeit. Doch wenn man die Chance bekommt, zu gestalten, ist es demokratische Pflicht, diese Chance zu ergreifen. Es gab gestern für die Linkspartei gute Gründe, Joachim Gauck nicht zu wählen. Für den pragmatischen Teil rund um Gregor Gysi sind es die Äußerungen zum Afghanistan– und Kosovo Krieg, sowie Gaucks streng neoliberale Ansichten. Es hat sich aber auch gezeigt, dass Gauck für weiter Teile der Linkspartei unwählbar war, weil diese noch nicht mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hat, sich diese sogar zurückwünscht.

20 Jahre nach der Wiedervereinigung kennt unsere Jugend die Mauer nur noch aus Geschichtsbüchern. Wie selbstverständlich besuchen wir heute Hamburg, fahren morgen nach Dresden um am Wochenende in Berlin zu feiern. Ich überlege gerade, wann ich das letzte Mal die Worte Ossi oder Wessi gehört habe – es ist mit Sicherheit Jahre her. Für die Menschen in unserem Land ist die Wiedervereinigung im Kopf bereits abgeschlossen. Und das ist verdammt gut und richtig so. Dass es noch kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede gibt, ist selbstverständlich, 30 Jahre Trennung lassen sich nicht innerhalb weniger Jahre wegwischen.

Die Linkspartei hat gestern bewiesen, dass sie selbst die Wiedervereinigung noch nicht vollzogen hat. Innerhalb der Linken besteht die Mauer noch. Auf der einen Seite sehen wir die Pragmatiker, die sicherlich auch eine Rot-Rot-Grüne Bundesregierung erfolgreich tragen würden, auf der anderen Seite streng kommunistische Bestrebungen. Wären die Mannen rund um Gregor Gysi & Co. in der Überzahl und hätten die Führung innerhalb der Partei, so hätte die Linke gestern Christian Wulff gewählt – vielleicht mit wenigen Abweichlern.

Wulff hat sich schon immer präsidial gegeben, hat die erste Muslimin und die erste Ostdeutsche in ein westdeutsches Kabinett geholt. Ich gehe davon aus, dass in ein, zwei Jahren nicht mehr davon die Rede ist, dass Wulff CDU-Parteipolitiker ist, weder auf der einen politischen Seite, noch auf der anderen. Die Betonköpfe innerhalb der Linken haben gestern jedoch gewonnen und bewiesen, dass sie das wirkliche Sagen innerhalb der Linken inne haben. Die Linkspartei hat gestern jegliche Chance vertan, nicht nur Protestwähler einzusammeln. Die Linke in Deutschland, und damit meine ich nicht nur die Partei, ist gestern um Jahre zurückgeworfen worden.

Die Linkspartei hätte im dritten Wahlgang Christian Wulff wählen sollen.
Das wäre ein Knall und das richtige Zeichen, auch an Rot-Grün, gewesen.

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30 Antworten zu “Die Linke – altbacken und geschichtsvergessen”

  1. Frank Köhntopp sagt:

    Man stelle sich mal vor die Linken haetten im ersten Wahlgang _geschlossen_ Gauck gewaehlt — das waere der groesste Politik-Hack in der Geschichte der Bundesrepublik gewesen und haette wahrscheinlich kurzfristig Neuwahlen erzeugt.
    Aber so smart sind die halt nicht…

  2. Chris sagt:

    Blödsinn, typische Politker-Sprachblasen à la SPD. Hätte die Linke keinen eigenen Kandidaten vorgeschlagen und geschlossen mit Rot-Grün gestimmt, wäre es mit Sicherheit nicht zum schwarz-gelben GAU gekommen. Dann hätte der Korpsgeist schon im ersten Wahlgang gegriffen.

    Diese Aussagen sind so sinnbefreit wie «Nachts ist es kälter als draußen».

    Gauck war und ist für jeden halbwegs links und sozial denkenden Menschen unwählbar.

  3. Moritz sagt:

    Auch wenn ich dem Beitrag nur teilweise zustimmen kann, so finde ich die beiden letzten Sätze doch angebracht. Hätte Die Linke Wulff gewählt, hätte sie mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Zu erst einmal hätte die Regierung den verhassten Linken Dank entgegen bringen müssen — allein der Gedanke lässt mich breit grinsen. Zudem hätte die Linkspartei Rot-Grün gezeigt, dass sie sehr wohl im 21. Jahrhundert angekommen ist, aber keine Machtspielchen anderer Parteien mitmacht — schon gar nicht wenn die so tun, als würden sie die Opposition vertreten, ohne mit einem Drittel der Opposition zu sprechen.

    Aber auch dass Die Linke sich im letzten Wahlgang zum Großteil enthalten hat, finde ich okay. Einfach um zu zeigen, dass bei dieser Wahl eben niemand gewählt werden konnte, der wirklich ALLE Deutschen vertritt. Wulff tut das nicht und Gauck auch nicht, wobei es sichere größere Fehlbesetzungen als diese beiden für das Amt des Bundespräsidenten gibt.

    Zum Schluss muss aber auch ich sagen: die Linksparte ist einer der Verlierer bei dieser Wahl. Schuld daran sind sicherlich einige sture Linke. Schuld daran sind aber auch die Sozialdemokraten und die Grünen, die der Linken bewusst einen Oppositionskandidaten reingewürgt haben, ohne sich mit ihr abzusprechen.

  4. […] bis die Umfragewerte wieder ein bisschen steigen. (Mancher Linke sieht das so ähnlich wie ich. Andere Linke sehen das alles natürlich ganz anders.) Geschrieben von Marc in Medienjunkie, Schwarzseher […]

  5. gnah sagt:

    Wie definiert sich Pragmatismus?
    Warum wird das Wort Pragmatismus benutzt, um damit zu suggerieren, man müsse nur ähnlich ideologisch verfestigte Prinzipien haben, wie die vorherrschende Politikerschaft?

    Wenn man den Begriff schon verwendet, wird man nicht herumkommen, den Pragmatismus-Grad der Linkspartei mit dem der anderen Parteien zu vergleichen. Und schon wird er obsolet, weil KEINE einzige Partei nach Prinzipien handelt, die in irgendeiner Form an Vernunft und Moral erinnern — geschweige denn sich an real existierende Verhältnisse anpassen.

    Deshalb ist es müßig, die Linke in Pragmatiker und Ideologen zu unterteilen, denn Ideologie ist es immer.

    Weiterhin als nächste Frage: Muss man jetzt pragmatisch sein? Das würde bedeuten, entsprechend der real auffindbaren Verhältnisse zu reagieren. Oder möchte man gestalten? Dann hat man wohl den Anspruch, reale Verhältnisse zu ändern und somit zu agieren.

    Wieso wird hier beides gleichzeitig gefordert?

    Und viel wichtiger: Wieso wird das eigentlich ausschließlich von der Linken eingefordert? Weil man sich bei den anderen 4 Parteien schon daran gewöhnt hat?

  6. […] Einen guten Artikel zum Thema hat auch F!XMBR veröffentlicht. […]

  7. tn sagt:

    Warum sollte die Linke einen Bundespräsidenten wählen und dadurch mittragen, dessen «Macht des Wortes» wahrscheinlich gegen ihre eigene Uberzeugung and Inhalte genutzt wird? Sie hätte viele Stammwähler im Osten verloren um im Westen ein paar Wechselwähler zu gewinnen. Die Linke fordert von sich selbst eine wirkliche Alternative anzubieten, das geht nur wenn den Reden auch entsprechende Taten folgen.
    Wenn zwei Gesichter für die gleichen Inhalte stehen, dann gibt es eben für die Linke keine Wahlmöglichkeit. Deswegen ist es auch keine Demokratieverweigung den demokratischen Weg der Enthaltung zu gehen.

  8. David sagt:

    Dass Argument, was ich in diesem Zusammenhang einzig einigermaßen überzeugend finde, ist das, dass der Bundespräsident nicht gleich die Bundeskanzlerin ist, sondern eben bloß «Notar» ist. Er wird keine Soldaten nach Afghanistan schicken. Er wird keine Sozialreformen beschließen, die der Linke nicht in den Kram passen würden. Er setzt nur seine Unterschrift darunter, gut.

    Gleichwohl verstehe ich den Vorwurf der Demokratieverweigerung nicht. Eine Enthaltung ist eben nicht keine, sondern eine Haltung. Wieso kann man sich überhaupt enthalten, wenn das so undemokratisch ist? Wieso ist die Option überhaupt vorgesehen im Rahmen einer Bundesversammlung?

    Ich kann zumindest in Ansätzen den ablehnenden Reflex verstehen, keine Unterschrift unter die Artikel von FAZ & Co. zu setzen.

    Und dass die Linke um Jahre zurückgeworfen wurde? Eher bleibt alles beim Alten. Ihre Wähler wird das Wahlverhalten nicht sonderlich gestört haben.

    Die Wahl Wullfs wäre lediglich ein Zeichen für undogmatischen Pragmatismus gewesen. Ob das beim Wähler so gut angekommen wäre, ist eine andere Frage. Auch die Linke betreibt ab und an – wie andere Parteien auch — schlichtes vote-seeking.

    P.S.: Dehm ist ein Idiot. Und die Dehms in der Linken sind auch tatsächlich das eigentliche, strukturelle Problem, nicht unbedingt das Verhalten bei der Wahl des Bundespräsidenten.

  9. Oliver sagt:

    Daß es mit der CDU und der Linken kracht ist verständlich, diese arbeiten beide entgegengesetzt. Daß SPD/Grüne nicht so gut mit den Linken können liegt weniger an dem «SED-Nachfolger», sondern mehr in der Tatsache begründet, daß in der Linken viele ehemalige Genossen ihre Arbeit verichten und auch einige Grüne erblickt man dort. In einigen Ländern waren dies teils hochkrätige Abgänge, die man nicht so richtig verschmerzen kann. Und Apropos Ost-CDU, also diese in den 50ern gewaltsam mit der SED gleichgeschalteten Partei der DDR, wieviele Mitglieder dieser ehemaligen Ost-Partei beherbergt die Union und wieviel von dem Geld der SED konnte sie dafür einstreichen? Ca. 4 Millionen Euro plus die parteiliche Infrastruktur — wohlwollend verzichtete man auf «sonstige» Besitztümer der Partei. Wie man sieht, Politik ist ein durch und durch verlogenes Geschäft … man beschäftigt die Bundeslemminge und zieht stramm marschierende Parteisoldaten als Nachfolger für die politische Elite heran.

  10. Micxs sagt:

    Zum Teil möchte ich dir Recht geben aber möchte auch widersprechen. Ja die Linke krankt zum Teil an den Betonköpfen die Staatssystem wie Sozialismus oder Kommunismus noch für eine gute Idee halten und auch über Aussagen so mancher DDR-Nostalgie-Befürworter schüttel ich oft den Kopf.

    Dabei ist das Spektrum und auch die Entschlüsse die durch Versammlungen beschlossen werden aber dazu geeignet diese Betonkopfströmungen auszubremsen bzw. nicht zum Zuge kommen zu lassen. Ich halte den Hitler/Stalin Vergleich auch für dermaßen bescheuert, aber genau solche Punkte werfen die Linke immer wieder zurück.

    Zum gestrigen Verhalten möchte ich sagen das ich vollkommen damit leben kann. Die Wahlenthaltung im 3. Wahlgang war und ist konsequent im Handeln. Der Vergleich Pest und Cholera finde ich aber statthaft. Und es ist konsequent sich zu enthalten wenn man nur die Wahl des kleineren Übel hat.

    Das Problem ist aber doch ein ganz anderes. Grüne und SPD versuchen von oben herab über die Linke zu bestimmen und wenn die Linke nicht wie die Hartz4-Verbrecher und Kriegstreiber springt wird sofort von «nicht demokratiefähig» usw. gesprochen. Zur Not holt man dann noch die SED-Keule raus und leider gibt es bei den Linken immer noch Leute die sich zu selten dämlichen Aussagen hinreißen lassen.

    Was die neoliberale SPD und die Öko-FDP will ist das sich die Linke auf sie zubewegt. Die Linke würde damit aber ihre Positionen aufweichen und ihre Wähler abschrecken die sie genau wegen ihrer Positionen wählen. Ich finde es gut das die Linke auf ein Gespräch in Augenhöhe pocht, denn als Steigbügelhalter bzw. Mehrheitenbeschaffer für Rot/Grün wäre ich mir auch zu schade.

    Was denken sich Öko-FDP und SPD auch dabei? Sie bestimmen einen Kandidaten und die Linke soll springen? «They say jump, you say how high»? Nee so kann und wird das nicht laufen und das finde ich gut so. Ein Gespräch auf Augenhöhe um einen gemeinsamen Kandidaten zu finden, wäre der richtige Weg gewesen.

    Aber das war gar nicht das Ansinnen bei dem Kandidaturvorschlag von Trittin. Machtstrategisch ein hervorragender Zug. Er brachte die Regierungskoalition in Bedrängnis und ist geeignet Negativpropaganda gegen die Linke zu fahren, wenn die nicht springen wie es Grüne und SPD gerne wollen. Das sie nicht gesprungen sind rechne ich den Linken hoch an. Rot/Rot/Grün kann nur auf Augenhöhe passieren. Die billigen machtstrategischen Spielchen der Öko-FDP und der Seeheimer-SPD sind nichts weiter als durchschaubare Versuche die Linke und ihre Positionen aufzuweichen und daher für dieLinke Wähler das übliche Spiel und billige Propaganda.

  11. Anonymous sagt:

    Ach quatsch, hätten die Linken Wulff gewählt wäre von SPD und Grünen genauso auf sie eingedroschen worden, von wegen «seht her, was für ein Schlingerkurs, nicht regierungsfähig, so sehr an der DDR haften geblieben dass sie sogar den Merkel-Kandidaten wählen um bloß nicht für Gauck stimmen zu müssen, usw».

    Du sagst «Betonköpfe», vielleicht eher «prinzipientreu» wenn man die Münze wendet?

    (wow, der erste Artikel seit ich das Blog seit ein paar wochen zunehmend lieber verfolge, mit dem ich überhaupt nicht d’accord bin. Anyway… that’s life :-))

  12. onli sagt:

    Dein Humor macht mir immer wieder zu schaffen.

  13. Hannes sagt:

    hätten sie für wulff gestimmt wäre gemekert wurden, hätten sie für gauck gewählt hätten sie als rückradlos dagestanden.… Meiner Meinung nach hätten sie für Gauck stimmen sollen… war aber ne loose/loose/loose Situation

  14. Alex sagt:

    Ist dieser Artikel wirklich ernst gemeint oder verstehe ich nur die feine Ironie gerade nicht? Die Linkspartei hätte Wulff wählen sollen und weil sie das vollkommen überraschenderweise nicht tat, ist sie altbacken und geschichtsvergessen? Sorry Chris, wenn das wirklich ernst gemeint war, hast du diese Meinung exklusiv.
    Dir persönlich mag der liebe nette Herr Wulff ja recht sympatisch sein, ist er mir grundsätzlich ja auch. Neben seiner muslimischen Ministerin hat er aber z.B. auch noch einen rechten Scharfmacher als Innenminister, der Roland Koch vermutlich noch für einen Alt-68er hält. Während Gauck am Tag vor der Wahl zumindest noch bei den Linken vorstellig wurde, um eventuelle Fragen zu seiner Sichtweise und seinen Zielen zu klären, hatte Wulff das nicht mal nötig. Wulff hat zwar Gauck nach der leidigen Zeremonie gestern die Hand gegeben, die Kandidatin der Linken wurde einfach nur ignoriert. So sieht deiner Meinung nach ein wählbarer Präsident aus, der alle Deutschen vertreten soll? Indem er mehr als 10% der Deutschen per se für nicht vorhanden erklärt? Ganz außen vor lassen wir mal die inhaltlichen Probleme, die die Linken mit dem Politik und dem Demokratieverständnis von Wulff gehabt haben dürften.
    Hätten die Linken also für Wulff gestimmt, hättest du sie heute dafür in einem Artikel gefeiert und bei der nächsten Wahl auch das «Ich habe Links gewählt»- Banner auf der Page gehabt?

    Und zum Thema Stimmenthaltung könnte ich auch gleich noch stundenlang losschwadronieren, was ich aber lieber lasse. Fakt ist, das Stimmenthaltungen legitimes Mittel sind und keineswegs undemokratisch oder nur Fundametalopposition. Das die Linken also beim letzten Wahlgang Ihre Kandidatin zurückgezogen haben und sich bei der letzten Wahl der Stimme enthalten haben, ist für mich ehrlich gesagt überhaupt kein Argument für die Behauptung, altbacken und geschichtsversessen zu sein.

  15. Nachdenker sagt:

    Sehr guter Artikel zur gestrigen Wahlveranstaltung. Allerdings möchte ich in den Raum stellen, das *wenn* die Linkspartei Wulff gewählt hätte, sie ebenso gut Gauck hätte wählen können. Denn welche Argumente gegen Gauck hätten dann gegriffen?

    Ich denke, der Schlamassel begann wesentlich früher: als die Kandidaten gesucht und ausgewählt wurden. Und da haben SPD und Grüne sicherlich genauso viele Fehler gemacht wie die Linkspartei. Sie hätten einfach früher miteinander sprechen sollen — auch wenns nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten hinausgelaufen wäre. Dann hätte sich Gregor Gysi aber nicht mehr einfach so hinstellen können und wie ein beleidigtes Kind gewirkt, was nicht in den gemeinsamen Sandkasten darf…

  16. Avatara sagt:

    Nicht wählen ist Demokratieverweigerung?
    Sich bei der Wahl zwischen Konservativ-Neoliberal und Konservativ-Neoliberal zu enthalten ist Demokratieverweigerung?
    Ich hoffe doch nicht.

    Mal durch den Text gegangen:
    Wenn die Linkspartei das tut, was ihr «Leitmedien» immer vorwerfen, dann ist das also falsch. Wenn sich sich also nicht blind an die Macht klammert, sondern das tut, was sie vorher sagt.
    Es ist also unverantwortlich sich dem Gegenteil der eigenen politischen Überzeugung zu verweigern.

    Zudem ist es natürlich die «Schuld» der Linkspartei, wenn SPD und Grüne aus machtpolitischen Gründen ihre Wahlversprechen brechen.
    Die Kommunisten sind schuld an der deutschen Kriegsbeteiligung,am sozialen Kahlschlag. So les ich den folgenden Satz:
    «Käme diese Linke an die Macht, wäre es unverantwortlich und es ist ein stückweit nachzuvollziehen, warum Rot-Grün in die Fänge von Schwarz-Gelb getrieben werden.»

    Als nächstes widersprichst du dir dann. Auf der einen Seite billigst du dem Bundespräsidenten nur die Macht des Wortes zu (du grenzt ihn damit vom Bundeskanzler oder Ministerpräsidenten ab), auf der anderen Seite hätte die Linke Gestern Politik gestallten können. Für eins der beiden musst du dich da schon entscheiden, entweder ist der BP nach politischer Ansicht zu wählen, oder ohnehin nur eine farce auf dessen Rücken Parteispielchen gespielt werden dürfen.

    Dann kommt eine Wende mit der ich nichts anfangen kann. Wulff ist doch keinen deut wählbarer für die Linke. Ich versteh hier auch nicht worauf du eigentlich hinaus willst. Die Linke verstößt ebend nicht gegen ihr Parteiprogramm und verweigert Gauck die Stimmen, obwohl sie der Regierung eins «auswischen» könnte (was vllt. im Kasperletheater sinnvoll wäre).

    Warum Wulff wählen, der auch für die FDP wählbar ist? Hätte die Linke gestern Wulff gewählt, die von dir angesprochenen Medien hätten einen nie dagewesenen Sturm der Entrüstung losgelassen, dass die Angst vor dem Stasi Jäger zu groß gewesen wäre. Es gibt keinen politischen Grund für die Linke Wulff zu wählen, der Shitstorm hätte sich jedoch nicht nur aus der verweigerung, sondern sogar aus der bekämpfung Gaucks ernährt.

    Die Linke hat gestern das gemacht was zu erwarten war, sie hat nicht den Kakao getrunken durch den sie vorher gezogen wurde. SPD und Grüne haben einen Neoliberalen berufen um eine bröckelnde Regierung zu entzweien und den Medien Munition zu liefern. Man heroisiert die Wählerverarsche als «Staatstragend».
    Die Wahl eines Bundespräsident der die Linke und ihre Positionen als nicht Regierungsfähig betrachtet wäre nichts anderes als eine komplette Selbstaufgabe der eigenen Oppositionellen Positionen.

    Ein Hoch auf die Medien die Machpolitische Kinderein als Demokratie verklären, ich empfehle hier noch.

  17. Oliver sagt:

    >auf der anderen Seite hätte die Linke Gestern Politik gestallten können.

    Politik ist auch Akzente zu setzen, Brücken zu bauen in der Gesellschaft, insgesamt eine Aufgabe, die dem Bundespräsidenten zukommt. Man muß also schon eine gewisse Basis mitbringen, was denn Politik überhaupt bedeutet!

  18. bloedbabbler sagt:

    Hi Chris,
    sorry aber diesmal verstehe ich deinen Eintrag nicht recht.
    Wenn man deine letzten Artikel zu den 2 (Haupt-)Kandidaten betrachtet, ist die einzig logische Konsequenz eben die Enthaltung.
    Ich halte es nicht nur für demokratisch lupenrein ;-)sich bei dieser Auswahl zu enthalten, sondern für absolut notwendig.
    Sollten doch die anderen einen der Grüßauguste wählen, die liegen ideologisch auch alle dicht dran an deren Weltbild, sowohl am Schafskopf im Wolfspelz, als auch von Gundel Gaukeley.
    Ich befürchte Du bist dem Mediendruck des PR-Spektakels diesmal ein wenig hörig geworden, eine meiner Meinung nach bessere Einschätzung der Problematik bietet der Spiegelfechter
    Und Dieter ‘der Liedertextegott’ Dehm mit der Stasivergangenheit, welcher uns solch hirnrweichenden Liedtextzeilen wie:
    Das Telefon schweigt wie gefrorenes Holz beschert hat, sollte alleine schon für diesen Teil seiner Vergangeheit mit einer Dauerkarte Nordkorea beglückt werden, findet
    Ihnen Ihr Blödbabbler

  19. […] F!XMBR “Die Linke – altbacken und geschichtsvergessen” […]

  20. Olli sagt:

    Die LINKE hat meiner Meinung nach genauso gehandelt, wie es in dieser Situation jede andere Partei auch gemacht hätte. Zugegeben, gestern war ich auch sauer, aber die unsagbaren schlechten Interviews der spd und auch der Gruenen haben mir da schnell Klarheit und einen anderen Blick verschafft. Die Pokerstrategie der SPD/Gruenen ist voll aufgegangen. Die Linken sind — weil sie eben nicht umgefallen sind — diskreditiert und alle schimpfen auf sie. Ob es nachhaltig zur Beschädigung der LINKEN taugt, wird sich zeigen.
    Ich empfehle hierzu den hervorragenden Artikel in Spiegelfechter.

  21. Oliver sagt:

    Ich halte weder etwas davon die Linken als Universalschuldige abzustempeln, ich sehe da immer noch Potential, noch dieses Geplänkel von «die anderen sind schuld» aus Richtung der Linkspartei. Im Moment packen die Linken die Demontage auch ohne die Hilfe anderer, diese Mischpoke aus ehemaliger Ostpartei/Westpartei, Kommunisten, Ex-SPDler, Ex-Grüner etc. erzeugt immer Reibung. Der Zusammenschluß erfolgte Hals über Kopf und ist imho auch immer noch synonym für das «Ost/West-Verhältnis innerhalb Deutschlands. Da können Fundis sich nun die Köpfe eindellen oder gar stoisch gegen die Wand pfeffern, es bringt nichts. Solange kein echter Zusammenhalt in der Partei per se existiert, solange wird man auch nicht gegen andere Parteien mit voller Kraft antreten können.

  22. C sagt:

    Schöner Artikel — doch den Kommunismus kann man in keinem Land einführen (Kommunismus = Staatenlosigkeit) Der Sozialismus nach Sovietvorbild ist jedoch eine Staatsform die verachtenswert ist und niemanden zu wünschen ist.

    Natürlich war die Wahl zwischen Gauck und Wulf für die Linke die Wahl zwischen Pest und Cholera, jedoch hätten sie dies geschlossen öffentlich verteidigen müssen. Einige haben es getan, andere sich für Gauck ausgesprochen. Gauck ist der Musterfeind der Linken, und das nicht weil er ein «DDR-Bürgerrechtler» gewesen war. Leider weiß das nicht einmal ein großteil der sonst so aufgeklärten Netzgemeinde (F!XMBR Leser ausgeschlossen ;) )

  23. Anonymous sagt:

    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was das Problem von @Chris ist. Durch die Enthaltung hat DIE LINKE Wulff doch gewählt! Enthaltung ist im Übrigen genauso demokratisches Recht wie Stimme für G, für W oder ungültig. Letzteres (ungültig) ist nur bei Kommunal-, Landtags-, Bundestags– und Europawahlen nicht sinnvoll, da man dadurch die Finanzen den gewählten Parteien zukommen lässt.
    Demokratie ist manchmal schwer zu ertragen, aber man bekommt sie nur ganz oder gar nicht!

  24. superguppi sagt:

    gännse fleischt mal den goffer uffmachen?

    Kennt diesen Spruch jemand?

    Wenn der Zöllner an das Auto herantrat und sprach: «Waffen, Munition?»

    Kam als Antwort «Nein Danke»

  25. Nachdenker sagt:

    Kann mir eigentlich mal jemand vernünftig erklären, warum die Linkspartei ihre Kandidation im dritten Wahlgang zurückgezogen hat? Was hätte die Partei sich angetan, wenn Frau Jochimsen auch im dritten Wahlgang nicht gewählt worden wäre? Und so hätte die Linkspartei nicht so «offen» Wulff gewählt…

    Btw: Wird Schloss Bellevue jetzt umbenannt in Castle Wulffenstein? :-)

  26. Hätte die Linke keine eigene Kandidatin aufgestellt, hätte es auch nicht so viele Denkzettel-Gauckianer in den Reihen der Union gegeben. Hätte die Linke also Gauck gewählt, wäre Wulff bereits im ersten Wahlgang zum Präsidenten gewählt worden. Ich weiß … hätte, hätte, hätte ;-)

  27. Observator sagt:

    Es wäre gegangen — einen eigenen Kandidaten aufstellen und trotzdem im ersten Wahlgang Gauck wählen. ;-)

  28. Sissy Berk sagt:

    Es war ja gerade das taktisch Geschickte an der Aufstellung von Herrn Gauck, daß der zwar für Teile von CDU und FDP durchaus wählbar erschien, für große Teile der Linken aber gerade nicht. Man tut wahrscheinlich niemandem unrecht, wenn man man die Initiatoren in Kreisen bei SPD und Grünen vermutet, die ohnehin keine allzu großen Anhänger einer Zusammenarbeit mit der Linken waren und sind. Die Linke hätte dem allenfalls begegnen können, indem sie den Spieß umgedreht und einen Kandidaten aufgestellt hätte, der seinerseit für SPD und Grüne wählbar gewesen wäre (vielleicht Herrn Gysi? Aber ob der sich das hätte antun wollen?) Geradezu genial wäre es natürlich gewesen, jemanden zu finden, der dann auch noch von CDU/CSU und FDP gewählt werden könnte, aber da fiele mir allenfalls der Weihnachtsmann ein …

  29. Cicero sagt:

    Fr. Jochimsen hatte ihre Kandidatur nach dem Ergebnis des 2. Wahlganges auf eigenen Enschluß zurückgezogen, die Linke hat lediglich ihrem Wunsch entsprochen..

  30. Cicero sagt:

    @Sissy Berk
    warum soll Fr. Jochimsen für SPD oder Grüne nicht wählbar sein?

    Siehe: Dr. Lukrezia Jochimsen, DIE LINKE.


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