Die Liebe der Piraten. Der Hass der Linkspartei.

Ich gebe zu, ich habe längere Zeit durchaus mit der Linkspartei sympathisiert — auch wenn ich sie in der ganzen Zeit nur einmal gewählt habe. Doch dafür möchte ich mich nicht rechtfertigen. Sie waren halt sympathisch, gegen die herrschende Meinung polemisierend, insbesondere gegen die SPD, die auch heute noch — bis auf wenige Ausnahmen an der Basis — eine Ansammlung von fremdgesteuerten Machtpolitikern ist, die ebenso in der Union oder FDP Karriere machen könnten.

Es ist Zeit für ein kleines Resümee und ein Ausblick.

Wenn man sich die Plakate der Linkspartei anschaut, sie plakatieren heute immer noch die gleichen Sätze wie vor fünf Jahren — keine Entwicklung, kein Fortschritt, kein Nichts. Es ist schlichte Langeweile. Wer in Deutschland kann, außer den bekannten Forderungen, Hartz IV muss weg! Raus aus Afghanistan! Inhalte der Linkspartei aufzählen? Ich behaupte: Niemand, der nicht der Linkspartei nahesteht.

Auf Twitter macht sich das besonders beim Thema Piratenpartei — die ich bekanntlich auch kritisch begleite — bemerkbar. Der ganze Hass, der dem System und der SPD entgegengebracht wird, schlägt dort in vielen Teilen auch den Piraten entgegen.

Warum? Weil diese Piraten mir nichts, dir nichts das Alleinstellungsmerkmal der Linkspartei aufgebrochen haben. Auf einmal ist da eine Partei, die auch unsere repräsentative Demokratie infrage stellt. Nur gibt es im Gegensatz zur Linkspartei einen entscheidenden Unterschied: Die Piraten entfachen eine Debatte über eine moderne Demokratie, über Bürgerbeteiligung und Transparenz — oder wie es Frank Schirrmacher ausgedrückt hat: Tyrannei der Masse war ein entlarvender Begriff, weil er zeigt, dass wir in Wahrheit in einer Demokratiedebatte sind und nicht in einer Programmdebatte.

Gut sechs Monate nach dem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus haben die Piraten mehr erreicht, als die Linkspartei nach Jahren als Oppositionspartei im Deutschen Bundestag oder den Landtagen. Die Piraten wirken frisch, sie wirken jung, sie wirken modern. Die Linkspartei wirkt dagegen wie die UDSSR kurz vor ihrem Untergang.

Selbstverständlich gibt es in der Piratenpartei auch Wirrköpfe — doch kann man hier durchaus Nachsicht walten lassen, die Piraten sind noch jung, wichtig ist, wie sie daraus lernen. Im Gegensatz Linkspartei: Dort schreiben etablierte Parteivorsitzende Castro-Glückwünsche, Landtagsabgeordnete verharmlosen den Mauerbau und die Stasi, Bundestagsabgeordnete treten offen für den Kommunismus ein. Die Piraten lernen hoffentlich aus berechtigter und harscher Kritik. Bei der Linkspartei hat man den Eindruck, als würde man sich dort mit jeder Kritik ein wenig mehr einbetonieren.

Bei den Piraten ist kein Hass auf das System erkennbar. Die Piraten sind nicht politikverdrossen. Im Gegenteil. Sie wollen unser Land, unsere Demokratie verbessern, sie treten für Etwas ein, nicht gegen Etwas. Darum geht auch der Vorwurf der Protestpartei völlig ins Leere. Auch ich muss mich an diesem Punkt für vergangene Äußerungen am eigenen Schopf packen.

Bleibt nur die Aufforderung an die Piraten, keine Kopie der FDP zu werden. Die Äußerungen Lauers oder des Bundesvorsitzenden Nerz über die Zukunft der Schlecker-Mitarbeiter lassen da durchaus die Nackenhaare zu Berge stehen. Man kann nur hoffen und sich wünschen, dass die Basis diesen marktradikalen Wirrungen einen Riegel vorschiebt. Deutschland braucht eine moderne, sozialliberale Partei aber keine marktradikale Kopie der FDP, die im vermeintlich modernen, transparenten Gewand daherkommt.

Diese Vorschusslorbeeren haben die Piraten durchaus verdient. Genauso wie sie die Linkspartei zu Beginn bekommen hat. Die Linke hat mittlerweile aber jegliche Sympathie verspielt, das beweisen auch die aktuellen Umfragen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfallen: Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, fliegt die Linkpartei genauso wie die FDP mit Pauken und Trompeten aus dem Landtag, während die Piraten einen erneuten Wahlerfolg feiern könnten. Zu wünschen wäre es.

Warum soll ich heute noch die Linkspartei wählen? So sehr ich es mir wünschen würde, Hartz IV wird nicht abgeschafft werden — man kann die gröbsten Fehler der Agenda 2010 nur korrigieren und das Leben für die Betroffenen ein stückweit erträglicher machen. Auch hier muss man die Piraten im Blick haben, spannend wäre an dieser Stelle beispielsweise, was die Piraten über den Datenschutz von Hartz-IV-Empfänger zu sagen haben, der praktisch nicht existiert, jeder Hartz-IV-Empfänger muss heute wie der größte Post-Privacy-Aktivist nackt vor dem Staat auf die Knie gehen. Während die Linkspartei immer noch Hartz IV muss weg plakatiert, diskutieren die Piraten seit langer Zeit über moderne Lösungen wie das BGE, welches ALG I und ALG II überflüssig machen würde. Polemisch gesagt ohne politische Verordnung: Die Piraten überholen die Linkspartei mit links.

Wenn ich mich zwischen Hass und Liebe entscheiden soll, wähle ich die Liebe. Darum sind für mich im Moment die Piraten bei aller Kritik und Anmerkungen die einzig wählbare Partei. Während bei der Linkspartei der Vorwurf der Protestpartei, keine eigenen Inhalte zu haben, ins Schwarze trifft, sie lebt von der Schwäche der etablierten Parteien, geht dieser Vorwurf bei den Piraten weit daneben. Selbstverständlich haben sie zu mehreren Themen noch keine Meinung. Doch das ist völlig unerheblich. Dank der Piratenpartei befinden wir ins mitten in einer Demokratiedebatte. Das das ist mehr als alle anderen Parteien zusammen in den letzten Jahren erreicht haben. Und jeder Mensch kann teilnehmen, ob Piratenmitglied oder nicht.

Aus Liebe zur Demokratie.

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26 Antworten zu “Die Liebe der Piraten. Der Hass der Linkspartei.”

  1. leser sagt:

    disclosure: nicht unbedingt zu veröffenlichen

    … aber, der mittlere Absatz ist doppelt (Löschantrag 😉

  2. Ist gefixt, danke. :) Immer dieses Copy & Paste… 😀

  3. leser sagt:

    Zitat: «Das das ist mehr als alle anderen Parteien zusammen in den letzten Jahren erreicht haben.»

    Man könnte sich wundern, da das gerade in Deutschland passiert.

    Eigentlich schon geil — oder?

  4. Jean Luc sagt:

    Wieso braucht die Linkspartei neue Inhalte, wenn die alten Verbrechen immer noch aktuell sind?
    Das Mitmischen Deutschlands in den Kolionalkriegen der USA sollte für jeden aufrechten Menschen ein wichtigeres Thema sein als das Wahlrecht mit 16.

  5. Thomas sagt:

    So sehr ich dir zustimme, muss ich natürlich anfügen, dass es die SPD war, die Die Linke erst möglich gemacht hat durch die Offenlegung der linken Flanke. Dass Die Linke dann nicht ebenfalls eine sozialdemokratische Partei werden kann, ist offensichtlich. Auf Bundesebene haben wir sowieso nur eine Ansammlung sozialdemokratischer Parteien (Peter Sloterdijk). Dass eine Partei links der SPD bestehend zum einen aus enttäuschten Sozialdemokraten, auch aus Mob besteht, den man lieber nicht dabei hätte (Trotzkisten, Stalinisten, …) ist also klar. Man muss das natürlich scharf kritisieren was Die Linke zum Teil so macht, aber irgendwo ist es nachvollziehbar. Eine KPD gibt es nicht mehr. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Ich habe mehr den Eindruck als würde Die Linke noch am wenigsten gegen die Piraten giften. Ein bisschen schade finde ich allerdings, dass die Piraten offensichtlich die FDP beerben und nicht die SPD. Bei all dem Gelächter gegen die FDP, hätte die SPD deren Prozentsätze viel mehr verdient.

  6. Anonymous sagt:

    Ich würde grundsätzlich sowohl Ihre Analyse der politischen Entwicklung bzw. den politischen Stillstand in diesem Land, als auch die Deutung der Chancen der Piratenpartei unterschreiben.

  7. im-pulze sagt:

    «…man kann die gröbsten Fehler der Agenda 2010 nur korrigieren und das Leben für die Betroffenen ein stückweit erträglicher machen.»

    Das ist so traurig, dass man sich mit negativen Ereignissen und Ergebnissen einer Politik einer ehemaligen bürgerlichen Arbeiterpartei schon abgefunden hat.

    Jetzt haben wir bald Demokratie, aber immer noch Armut. Klasse.

  8. Incredibul sagt:

    Zu Hartz IV/ nicht nur Datenschutz haben die Piraten schon Beschlüsse:
    https://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2013/Wahlprogramm

  9. Anonymous sagt:

    «Es ist Zeit für ein kleines Resümee und ein Ausblick.» => «einen Ausblick»

    «Man kann nur hoffen und sich wünschen, dass die Basis diesen marktradikalen Wirrungen ein Riegel vorschiebt.» => «einen Riegel vorschiebt»

    «Vorschlusslorbeeren» => «Vorschusslorbeeren»

  10. Rüdiger sagt:

    man muss das System nicht hassen aber man sollte anstreben es zu überwinden. Da mir das bei den Piraten in Gänze fehlt, sind sie letztendlich trotz aller aufgesetzter Hippness nicht weniger angepasst als das gesamte bürgerliche Lager und auch nur deshalb werden sie gehypt. Weil sie dem Kapitalismus nicht wehtun.

  11. @Anonymous: Danke, ist korrigiert. :)

    @im-pulze: Siehst Du, Dein Kommentar zeigt eximplarisch, warum die Linke in Deutschland auf keinen grünen Zweig mehr kommen wird, Du bestätigst meine Worte. Früher hatten die Linke alle Intellektuellen in ihren Reihen versammelt, heute fehlt die Fähigkeit, selbst den einfachsten Schritt voraus zu denken. Was passiert, denn wenn ein neues System (ob es nun BGE oder VfL heißt, ist dabei unerheblich) geschaffen wurde? Richtig, Hartz IV wurde abgeschafft. Das hat nichts damit zutun, ob man sich mit der Agenda 2010 angefunden hat, sondern dass man etwas Neues schaffen möchte. Das Eine ist dann die Folge vom Anderen…

  12. Incredibul sagt:

    @Rüdiger Dann fragen sie mal die Kulturindustrie (Begriff im Sinne von Adorno&Horkheimer), vor wem sie mehr Angst haben: Linkspartei oder Piraten.

  13. Stefan sagt:

    Zitat:» eine Ansammlung von fremdgesteuerten Machtpolitikern». Nenn’ doch bitte mal ein paar Namen

    Von welchen LINKEN geht deiner Meinung nach Hass gegen die Piraten aus? Bis jetzt lese ich nur von CSU, FDP…

    Was hat (vermeintlicher) Hass auf ein System mit Politikverdrossenheit zu tun?

    DIE LINKE will den Demokratischen Sozialismus. Die Piraten wollen weiter im Kapitalismus wurschteln. Das ist der signifikante Unterschied…

    Wenn du schon selbst zugibst, dass die Piraten eine Kopie der FDP werden könnten, zeigt dass doch wie weit beide Parteien auseinanderliegen.

    Und was erwartest du von einer linken Partei…NATÜRLICH gibt es da auch Kommunisten…

    An deinem Statement ist einiges richtig (Plakate), aber leider auch viel Polemik. Zu viel…

  14. Klaus sagt:

    hallo:)
    bei den meisten gebe ich dir recht, wobei ich das über die grünen sagen würde 😛 den gregor mag ich zwar … egal ^^

    thema schlecker nicht ^^ jetzt haben die ganzen Mitarbeiter denen gekündigt wurde einen Grund auf abfindung&co zu klagen was per gerichtskostenbefreiung quasi kostenlos ist. mit der auffanggeselchaft wäre dies nicht möglich gewesen. außerdem ist der unterschied nicht groß ob man nun 80% oder 65% vom amt bekommt harzIV drohte eh wenn es die meisten nicht sogar in vorm von aufstockergeld bekommen hätten.

    außerdem wenn du es mitbekommen hast wollen die kinder von schlecker nun als investor auftreteten und «Schlecker» kaufen somit wäre die auffanggeselschaft nur ein 70 mio geschenk der steuerzahler für die familie schlecker gewesen

    apropo harzIV das ganze thema würde sich mit dem BGE auflösen und das fordern auch die linken nicht nur die piraten :-)

    aber sonnst sehr gut geschrieben … kann sowas nicht so dolle :( mfg klaus

  15. Off Topic sagt:

    Der Captcha-Link ist super 😀
    http://www.youtube.com/da.….2i86tnEo
    Aber der Sinn erschließt sich mir nicht ganz, wenn man den Zwischenteil einfach löschen kann …

  16. Kreszentia Flauger sagt:

    An Deiner Kritik ist was dran, aber bissel flach finde ich schon, dass Du die Kalte-Kriegs-Argumentation mitmachst, die bei jedem an den Haaren herbeigezogenen Anlass auf die Linke draufhaut, Beispile Glückwunsch-Telegramm an Castro. Vergleich das mal mit Angela Merkels Glückwunsch an Vietnam, wo sie sogar Unterstützung zusagt:

    [Link gelöscht. Seite sagt mir nichts, keine Quellenangabe bzgl. Merkels Schreiben]

    Mich nervt dieses verlogene Messen mit zweierlei Maß entsetzlich, und ich muss leider feststellen, Du rasselst drauf rein.

  17. Ich habe das Gefühl, dass du dich selbst zu sehr auf die Logik einlässt, die du eigentlich verabscheust. Einerseits bemängelst du zu wenig Demokratie in Deutschland und freust dich über eine angestoßene Demokratiedebatte (letzteres zurecht). Anderseits erklärst du, dass sich Hartz-IV nicht abschaffen lässt. Dabei sind die Regelungen der Agenda 2010 durch unser demokratisches System möglich gewesen. Warum sollte Hartz-IV also nicht auf dem selben demokratischen Wege wieder abgeschafft werden können?

    Darüber hinaus ist «Hartz-IV» abschaffen eine völlig richtige Forderung (wie du im Zusammenhang mit dem Datenschutz richtig anmerkst) um die Diskussion in Richtung einer repressionsfreien Grundsicherung zu lenken. Ob das dann ein BGE oder eine Sozialhilfe ohne Repression und Nackt-machen wird, sei mal dahingestellt. (Wobei ich ein großer Anhänger des BGE bin.)

    Insgesamt kommt mir dein Artikel so vor, als kommt es dir entgegen, dich mit den Inhalten der LINKEN nicht weiter beschäftigen zu müssen, weil man ja jetzt über Demokratie reden kann. Ich denke, dass man über Demokratie reden sollte aber dabei linke Inhalte nicht vergessen darf. Außer man ist eben kein Linker.

  18. Econsim sagt:

    Ein sehr guter Artikel, finde ich. Aber ein paar Einwände: Die Mainstreammedien haben die Linke so sehr auf dem Kieker, dass sie jede Verfehlung des unbedeutendsten Provinzpolitikers an die ganz große Glocke hängen. Teilweise wurde sogar schlichtweg gelogen, zum Beispiel als behauptet wurde, die Linke wolle die Börsennachrichten im Fernsehen verbieten. Die Richtigstellungen interessieren die leichtgläubige Masse kaum. Mitunter wurde Kreispolitikern zu schwierigen Bundesthemen so sehr auf den Zahn gefühlt, wie man es sich mal bei den hohen Tieren wünschen würde. Anschließend wird das Debakel ausgestrahlt und höhnisch belacht. Insofern hat die Linke sogar ein wenig Respekt verdient, dass sie den gebündelten Medienattacken halbwegs wacker standhielt. An die Piraten trauen sich die Medien nicht. Sie berichten wohlwollend, um es sich nicht mit der wachsenden sympathisierenden Leserschaft zu verscherzen, und so ergibt sich ein Schaukeleffekt. Zur Marktradikalität ist anzumerken, dass sie in einigen Bereichen selbst von der FDP nicht ausreichend vertreten wird. Dass Banken vom Staat gestützt undd Verluste sozialisiert werden, ist ganz und gar nicht marktkonform. Auch wenn es in der Situation kaum eine Alternative gab, so wären doch mehr Maßnahmen zu treffen gewesen, um zukünftig ein Dilemma dieser Art zu verhindern. Das Problem der FDP ist weniger die als herzlos verschrieene Marktradikalität, die offenbar nur dann auf die FDP angewendet wird, um sie mies zu machen. Das Problem besteht mehr darin, dass sie nicht konsequent marktradikal ist, sondern durch ihren beschämenswerten Lobbyismus ihren eigenen plakatierten Idealen zuwider handelt — oder aber nicht entschieden genug in der Regierung dafür eintritt. Am schwersten aber wiegt bei der FDP, dass sie keine Führungspersönlichkeiten hat, sondern nur Prototypen der geschniegelten Karrieristen, derer man so überdrüssig geworden ist und denen man kein Wort mehr glaubt. Zum Vorteil der unorthodox daherkommenden Piraten.

  19. Klaus sagt:

    Habe zweimal geschaut, ob das Veröffentlichungsdatum dieses Beitrags der 1. April war.

    Nach all dem Piraten-bashing, das ich bei F!XMBR früher gelesen habe, finde ich diesen, hm, Gesinnungswandel bemerkenswert. Meinen Respekt.

  20. ich war es nicht sagt:

    @thomas: Eine KPD gibt es nicht mehr?
    Etwas mehr Recherche, bitte. Es gibt sogar mehr als eine aktive in D-land … 😉

  21. FF sagt:

    Es gibt da noch ein paar Punkte:

    1) die «Linke» schleppt nun mal in einem sauschweren Rucksack die deutsche Geschichte mit sich herum — was andererseits auch verdienstvoll ist. CDU, SPD und FDP tun ja lieber so, als hätten ihre Ost-Ableger nie was mit der DDR zu tun gehabt.

    2) die «Linke» hat keine Medien-Lobby. Im Gegenteil. Unsere schwarz-rot-grün-gelbe Journaille schreibt lieber den 2345. Artikel über die FDP, als nur einmal die Positionen der Linken adäquat darzustellen.

    3) Die «Piraten» dagegen werden von den Medien einstweilen wie ein neues Spielzeug ans Herz gedrückt — als nette Abwechslung inmitten der Merkelkauderpofallagabrielsteinmeierbrück-Ödnis.

    Das kann sich aber schnell ändern…

  22. (ein anderer) Chris sagt:

    Auch wenn ich die NRW-Ausprägung der Linken für eine Chaotentruppe halte, überlege ich ernsthaft, sie demnächst zu wählen. Und zwar deswegen, damit sie im Landtag vertreten ist.
    Denn auch, wenn sie keine ihrer Forderungen, Anträge und was es da sonst noch so geben mag, durchrbingen wird: Die Linke bekommt Medienecho, und es ist gut, dass die Themen der Linken (und seien es nur Hartz4 und kein Krieg) im öffentlichen Diskurs bleiben. Plump gesagt: Lieber das Krakeelen der Linken, als das bewusste, verschämte bzw. nichtwissende (je nach Partei) Schweigen der anderen.

  23. Klaus Lorbeer sagt:

    Sich mit den Programmen der Parteien zu beschäftigen ist wirklich wichtig. Sie schreiben u.a.:»…Wäh­rend die Links­partei immer noch Hartz IV muss weg pla­ka­tiert, dis­ku­tieren die Piraten seit langer Zeit über moderne Lösungen wie das BGE, wel­ches ALG I und ALG II über­flüssig machen würde…». Zu diesem empfehle ich die Nachdenkseiten, http://www.nachdenkseiten.….2673#h01
    Unter Punkt b. sind die Anmerkungen von Wolfgang Lieb sehr aufschlussreich! Sind die Piraten also nur eine ‘FDP mit Computerausrüstung’??

  24. ZufaelligHier sagt:

    Das war wohl einer der schlechteren Artikel von Christian Sickendieck. Was wirklich bedauerlich ist. So hat der Autor doch in der Vergangenheit bewiesen, das er viel besser sein kann. Ich erinnere hierbei an den zwar sehr düsteren aber doch phänomenalen Artikel «Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr». Dieser fängt wirklich sehr hautnah und realistisch die bundesrepublikanische Stimmungslage ein.
    Der Artikel ist auch heute noch auf fixmbr abrufbar und ich empfehle dringend die Lektüre.
    http://www.fixmbr.de/dies.….de-mehr/

  25. ZufaelligHier sagt:

    Aber nun zu obigem aktuellen Artikel. Einen geistig intellektuellen Tiefschlag erleben wir gleich zu Beginn:
    «Wenn man sich die Plakate der Linkspartei anschaut, sie plakatieren heute immer noch die gleichen Sätze wie vor fünf Jahren — keine Entwicklung, kein Fortschritt, kein Nichts. Es ist schlichte Langeweile.»

    Aber warum plakatiert die Linkspartei denn «immer noch» dasselbe? Weil die Regierungen in den letzten Jahren NICHTS dazugelernt haben. Einzig Lug und Trug haben hier Hochkonjunktur. Deshalb MUSS die Linkspartei weiterhin solche akuten Themen ansprechen. Das diese alten Geschichten noch immer aktuell sind, das ist doch nicht die Schuld der einzigen Oppositionspartei im Bundestag. Hier die Kritik an die Linkspartei zu richten ist doch völlig verfehlt — um nicht zu sagen pervers.

    In der Politik geht es auch nicht darum die Menschen zu unterhalten, wie obiger Spruch mit den «langweiligen Plakaten» suggeriert. Politik ist kein Videospiel. Politik ist keine Unterhaltungssendung. In einer Demokratie sollten Menschen gemäß der eigenen Interessenslage wählen. Und da bestehen doch die eigentlichen Defizite. Die Menschen wählen ihre eigenen Schlachter. Freilich mag das durchaus Unterhaltungswert besitzen. Sinnvoll ist das nicht.

    Die Unterstützung der Piratenpartei ist (obwohl im obigen Artikel teilweise völlig unsinnig hergeleitet) aber trotzdem konstruktiv. Die Menschen brauchen schlicht Alternativen zum systematisch betriebenen Betrug der etablierten Parteien. Eben genau um die Hoffnungslosigkeit zu beseitigen die Sickendieck in seinem großartigen Artikel «Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr» angesprochen hat.

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