Die Kirche und mein neuer Desktop

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Mit Dank an die Titanic

Ist die Kirche noch zu retten? Diese Frage kann man durchaus zweideutig interpretieren. In den letzten Wochen verging kaum ein Tag, an dem nicht von einem neuen Missbrauchsfall berichtet wurde. Mit jedem neuen Fall stehen nicht nur Geistliche am Pranger, sondern die Kirche per se. Die einhellige Meinung: Nicht Pastoren missbrauchen, sondern die Kirche missbraucht Kinder und Jugendliche. Wäre die Kirche eine Partei, wäre sie auf Jahre hinaus unwählbar. Jeder vernünftig denkende Mensch würde sich von ihr distanzieren.

Man muss sich natürlich auch fragen, ob die Kirche von allen guten Geistern verlassen ist. Was während der Osterfeiertage veröffentlicht wurde, macht mich schon sprachlos. Anstelle Buße und Abbitte zu leisten, sprach die offizielle Vatikan-Zeitung Osservatore Romano von  einer Kampagne gegen Papst und Kirche. Opfer werden zu Tätern gemacht. Durch das Verhalten der katholischen Kirche werden Opfer wiederholt missbraucht. Dieses Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Kirche vielen Menschen, gerade im Alter, großen Halt gibt. Einzelfälle — und es sind Einzelfälle, wenn man die Größe der Kirche bedenkt — sollten ebenso wenig auf die gesamte Kirche projiziert werden, wie das Verhalten einzelner Hartz-IV-Empfänger zur Folge haben darf, dass ein ganzes Volk, angeführt von der FDP, Jagd auf die Schwächsten unserer Gesellschaft macht.

Der Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen zeigt jedoch, dass man an einer Aufklärung der Vorfälle nicht interessiert ist, dass die Opfer den Predigern und dem Vatikan offensichtlich egal sind. Missbrauchsfälle wurde jahrelang vertuscht, Geistliche, die Kinder missbraucht haben, wurden versetzt, aus den Augen, aus dem Sinn — und durften sogar weiter mit Kindern arbeiten. Es ist schier unfassbar, was jahrzehntelang in den Räumen der Kirche und ihrer Institutionen geschehen ist.

Es hat den Anschein, als würde innerhalb der Kirche ein Schweigegelübde gelten, eine Omerta. Schon seit Jahren laufen der Kirche die Mitglieder in Scharen davon. Die moralische Bankrotterklärung, die sich heute offen zeigt, legt Zeugnis darüber ab, dass dies nicht zu Unrecht geschieht. Wann immer Schlagzeilen garantiert sind, hebt die Kirche den moralischen Zeigefinger — bei Fehlverhalten in den eigenen Reihen wird verschwiegen, relativiert, es werden Opfer zu Tätern gemacht.

Die Kirche hat die Legitimation verloren, als moralische Instanz zu sprechen und Forderungen zu stellen. Sollte sie nicht endlich die Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen verurteilen, die Staatsanwaltschaften bei der Aufklärung unterstützen, sollte in einem ersten Schritt eine politische Diskussion darüber begonnen werden, ob die Kirchensteuer noch zeitgemäß ist. Die Opfer des Missbrauchs haben mit ihren Offenbarungen großen Mut bewiesen. Nun ist die Kirche am Zug. Sollte dies nicht unverzüglich geschehen, kann und darf sie nicht mehr als moralische Instanz gelten. Es gilt dann, die Kirche als Ganzes in Frage zu stellen.

Anmerkung: Der Autor dieser Zeilen ist vor 19 Jahren aus der Kirche ausgetreten.

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19 Antworten zu “Die Kirche und mein neuer Desktop”

  1. Anonymous sagt:

    Zunächst eine kleine Anmerkung: Soll wohl «Der Autor dieser Zeilen…«heißen.
    «Der Autor dieser Jahren ist vor 19 Jahren aus der Kirche ausgetreten».

    Ansonsten ist dieses Dilemma wirklich nicht mehr in Worte zu fassen.
    Empfehlenswert dazu dieser Kommentar:

    FAZ — Ein Fall für den Staatsanwalt

  2. Chris sagt:

    @Anonymous: Bereits korrigiert, danke für den Hinweis.

  3. Anonymous sagt:

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Katholischen Priester es wesentlich schwerer haben in solchen Dingen als der Rest der Welt. Schließlich haben Priester alle irgendwann ein Keuschheitsgelübde abgelegt.

  4. Klaus sagt:

    Jeder vernünftig denkende Mensch würde sich von ihr distanzieren.

    Genau hier liegt das Problem bei allen Gläubigen aller Religionen…

  5. Anonymous sagt:

    Toller Artikel…
    Ich weiß warum ich aus dieser Sekte ausgetreten bin…

  6. olhe sagt:

    Ja «Einzelfälle» in Anbetracht der Größe Kirche. Mehr als 1% wird es wohl bei den Katholiken in den Staaten nicht gewesen sein, in Irland … keine Ahnung, in Deutschland …, in Südamerika weist man die Schuld gar offiziell aufreizenden Kindern zu. Vice versa reden wir beispielsweise bei ALG-II-Empfängern von «Mißbrauch» in Größenordnungen von vielleicht knapp einem Prozent in puncto versäumter Meldungen. D.h. die 200 Euro von der Oma kann schnell über den Abstieg in die Obdachlosigkeit befinden, wenn um 30% gekürzt wird. Und das war gar die hochoffizielle Antwort der BA auf Westerwelles verbalen Amoklauf. Demgegenüber stefen Kinderficker, ich drücke es mal derart hart aus, weil Mißbrauch als Begriff eher zu allerlei relativierenden Vergleichen führt. Diese Kinderficker finden wir bei vielerlei Organisationen, die Kinder– und Jugendarbeit im Programm haben, auch bei jenen die mit Luther werben. Dort wird nicht nur Gesoffen bis sich die Balken biegen, um dem Gründervater auch noch nach Jahrhunderten nachzueifern, nein da gibts auch Mißbrauch.

    Ich kann es gar nicht in Worte fassen was da mit so einem Kind auch geistig geschieht, das ist unfaßbar und auch mit nichts vergleichbar.Erschreckend ist zudem die Haltung vieler jener, die Glauben heucheln: da wird nach allen Regeln der Kunst relativiert und Täter mutieren zu Opfern, die dann den tatsächlichen Opfern noch eine Mitschuld zuweisen. Jene die derart reagieren sehe ich auf einer Stufe mit den Tätern!

    Ich gehöre nicht zur Fraktion «hängt sie höher», aber ich würde diese Leute für längere Zeit aus dem Verkehr ziehen und einer entsprechenden Behandlung unterziehen. Die Opfer selbst natürlich nicht zu vergessen, diese stehen in der Regel immer alleine da und es existieren nicht eenige, die ihrem Leben ein Ende bereiten. Da frage ich als ehemaliger Messdiener: welcher Christ, welcher tatsächlich Gläubige, kann hierbei mit reinem Gewissen relativieren? Wir schauen die Spitze des Eisbergs bei der Kirche und das wir nicht noch mehr Greuel schauen, liegt daran, daß die Opfer sich schämen, mitunter immer noch in Angst leben kder gar nicht mehr unter uns weilen. Indes Zucken Schuldige mit der Schultern, sprechen sich mit einem mea culpa frei und bereiten sich auf die Betreuung weiterer Schutzbefohlener vor. Mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln versuchen die Kirchenoberen nicht etwa die Täter dingfest zu machen, nein man mahnt Kritiker ab, übt sich in Vorwärtsverteidigung, klagt gar Opfer und Gesellschaft an.

    Nein Einzelfälle sind etwas anderes, hier kann man Regelmäßigkeiten entdecken, eine jahrzehnte andaudernde Praxis der Verschleierung. Da steckt Methode dahinter und diese läßt tief blicken. Ich freue mich über jedem frommen Menschen, der seinen Glauben tatsächlich lebt, aber was hat dies mit einer durch und dur h kriminellen Institution zu tun, die seit mehr als 2000 Jahren einzig massive Schuld auf sich geladen hat, bis in die jüngste Zeit? Ja es existieren auch Ausnahmen bei diesen Vertretern, aber das sind die Einzelfälle.

    Helft den Opfern, zieht die Täter aus dem Verkehr und behandelt diese kranken Menschen, aber hört mir auf mit der Relativierung der Untaten, die seit tausenden von Jahren im Namen der Kirche bzw. unter deren Deckmantel stattfinden. Und nein meine lieben Anhänger Luthers, ihr gehört mit dazu. Nachhilfe in Geschichte, ebenso bis in die jüngste Zeit erteile ich gerne und damit meine ich gewiß nicht jenes Trinkgelage.

  7. Tobi-Wan sagt:

    Ich stehe der Kirche im Allgemeinen und der katholischen Kirche im Speziellen auch eher distanziert gegenüber und empfinde derzeit eine scheiß Wut auf den Papst und seine Jünger, weil deren Lakaien die Missbräuche erst unter den Tisch gekehrt haben und selbiges nun wieder probieren (siehe Osterpredigt). Dennoch halte ich es für überzogen, jetzt die Kirche als ganzes infrage zu stellen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es dort viele überzeugte Christen gibt, die so denken wie wir und sich innerhalb der Kirchenstrukturen dafür einsetzen, Missbrauchsfälle aufzuklären und zu verhindern. Ob das angesichts der katholischen Machtstrukturen gelingt, ist natürlich zweifelhaft.

  8. olhe sagt:

    >Dennoch halte ich es für überzogen, jetzt die Kirche als ganzes infrage zu stellen.

    Warum? Ich kann leichtens die Institution Kirche und deren Strukturen in Frage stellen, da diese nichts, aber auch gar nichts mit dem gelebten Glauben oder selbst dem NT gemein hat — allenfalls mit dem seit Grundschultagen konditionierten Irrglauben einiger Mitmenschen. Es ist eher noch ein Schlag ins Gesicht derjenigen aufrechtigen Christen, wenn man diese als Alibi für mittelalterliche Strukturen nutzt, um Untaten jedweder Natur über Jahrhundert hinweg zu rechtfertigen … «weil, da sind da doch ein paar richtige Gläube». Ausnahmen bestätigen eben wieder einmal die Regel. Wir können diese einzelnen hochhalten, ehren und man kennt diese auch, man muß deshalb jedoch nicht der Kirche per se Absolution erteilen. Das hat die Kirche in keinster Weise verdient und auch diese einzelnen, selbstlosen Menschen dort haben diese Gleichmacherei zu ihren Ungunsten nicht verdient. Denn selbstlose Menschen sind keine Kür der Kirche, jene gibts überall — ein Auffangbecken für Kinderficker, zudem noch Gutheißung von Züchtigung abartigster Ausmaße, dies hingegen hat Seltenheitswert. Oder wo noch findet man Organisationen mit diesen Auffälligkeiten, die zudem noch den Mantel des Schweigens darüber decken und zugleich den Opfern eine Mitschuld zusprechen?

    Wie konditioniert ist diese Gesellschaft auf diesen Irrglauben, wenn sie bei selbst verhältnismäßig «kleiner» Kritik im Angesicht solcher Greueltaten stante pede mit einem Verteidigungssturm pro Kirche reagiert und die Opfer mal eben beiseite fegt? Wieviel Mittäter ist man selbst gegenüber den Opfern, wenn man Kritik kontert seitens «ja das ist schlimm, aber …». Ein aber darf es nicht geben. Es existieren Täter, es existieren Opfern — beide sollte man nicht verwechseln, beiden jedoch sollte man helfen. Vertuschen hilft keinem, aber genau diese Vertuschung plus die Arroganz der Kirche als Institution verdient dieses massive Tadelung. Das Sünderegister der Kirche kann auch nicht mit einer Legion selbstloser Christen reingewaschen werden. Dafür ist es zu spät und wer eine Glauben hat, dies gestehe ich jedem zu, der benötigt auch keine Institution, die fortwährend den gelebten Glauben ad absurdum führt.

  9. Gaston sagt:

    Wichtig ist es meiner Meinung nach immer zwischen den «Christen», den «Institutionen» und den «Funktionären» in der Thematik «Kirche und Missbrauch» zu unterscheiden.
    Bei den Christen, also den Menschen die sich zu dem Glauben der Bibel mit dem neuen Testament bekennen, egal welche Konfession gibt es nicht mehr oder weniger Menschen, die andere Menschen, in diesem speziellen Fall Kinder und Jugendliche misshandeln und missbrauchen.
    Ebenso wird hier der meiste Teil, wie in der Gesamtgesellschaft im familiären Umfeld vorgehen. Da ist die Dunkelziffer leider sehr groß.
    Was hier mit den christlichen Kirchen (wobei ich da auch nicht unterscheide zwischen den verschiedenen Kirchen) eine Besonderheit ist, ist zum einen der Anspruch, die verbreiteten Lehren und das tatsächliche Verhalten der Institution und der Funktionäre.
    Nicht nur in kirchlichen Einrichtungen wurde (und nicht vergessen «wird») missbraucht und misshandelt, wie auch entmündigt (ich spreche hier mal die Altenpflege mit an). Auch dort wird bei solchen Vorfällen versucht diese zu vertuschen und versucht die Öffentlichkeit herausgehalten. Da tun sich, so glaube ich keine Institutionen gegenseitig was.
    Das Problem ist, das die Kirchen ein Staat im Staat sind.
    Das bedeutet, wenn solche Vorgänge bekannt werden, handeln diese Kirchen selbstherrlich. Man versucht ja immer noch weitere Fälle möglichst nicht bekannt werden zu lassen. Oder glaubt (eigentl. das falsche Wort in dem Zusammenhang) wirklich jemand ernsthaft, dass die Kontaktnummern aus dem Grund der Aufklärung eingerichtet wurden? Aufklärung und entsp. Maßnahmen hätten die Funktionäre schon seit Jahrzehnten auch intern machen können. Dies hat man aber unterlassen. Man hat, wenn es nicht mehr tragbar war, die Täter versetzt, ohne weitere Maßnahmen. Das Versetzungen auch kein Einzelfall waren, das zeigen etliche Berichte, auch schon von Vorgängen aus den Zeiten der nun aufgedeckten Vorgängen.
    Für mich ist es klar, das die Kirchen schon seit Jahrzehnten das betreiben, was sie nun auch öffentlich machen.
    Die Schuld immer bei den anderen zu suchen. Keine Selbstkritik (die paar kritischen Worte aus den eigenen Reihen kann man getrost vernachlässigen), keine Anzeichen der Besserung, kein Anzeichen, das bei aktuellen Fällen die Staatsanwaltschaft informiert wird.
    Und wir sollten nicht vergessen, dass die Funktionäre in Deutschland nicht von den Kirchensteuern bezahlt werden, sondern von Steuergeldern! Ich frage mich, wie ich dazu komme?
    Auf jeden Fall sehe ich es durchaus als berechtigt an, die Gesamtheit Kirche (in dem Fall die Katholische) zu hinterfragen und auch zu benennen.
    Die Kirche macht sich derzeit mit Ihrem Verhalten als Gesamtheit zu Mittätern!

    Ich bin schon vor Jahren aus der katholischen Sekte ausgetreten, nicht aus finanziellen Gründen.
    Ich war Messdiener gewesen und muss sagen, so im Nachhinein, dass ich Glück hatte. Der Pfaffe war nur «Alkoholiker» und die schlimmste Gewalt war, wenn er mal wieder einen Schreianfall bekam, weil ein «Neuling» tatsächlich in einen der beiden Kännchen Wasser getan hatte (info. in der Messe wird normalerweise traditionell Wein und Wasser aus zwei Kännchen gemischt. Der Pfaffe wollte den Wein nicht verdünnt haben).

  10. Humpty Dumpty sagt:

    Ich bin evangelischer Christ (das vorab), und mich kotzt dieses Verhalten der katholischen Kirche nun endgültig an. Eigentlich schon immer, weil das, was die an Glauben verbreitet, einfach nur totaler Humbug ist. Ein Katholik glaubt nicht an Jesus, sondern an die «Heilige Mutter Kirche», er tut, was ihm die Priester und der Papst sagen, von denen bekommt er Vergebung, nicht von Gott selbst. Swelber denken, selber glauben muss er nicht. Selbst wenn der Papst persönlich Kinder missbraucht hätte, die meisten würde das überhaupt nicht jucken. Weil sie eben ihr Heil in ihrer Römischen Kirche sehen und nicht in Jesus. Die katholische Kirche will mit Gott selbst eigentlich nichts zu tun haben, geschweige denn mit Jesus, sondern nur ihre Schäfchen im Zaum halten, ihre Macht ausbauen und mehr Geld scheffeln. Wenn ich sehe, mit welchem Prunk die da zu Ostern die Geburt eines Jesus feiern, der Armut und Bescheidenheit gepredigt hat, kommt es mir echt hoch.
    Das Schlimmste aber ist, dass viele Nichtchristen «Christen» mit «Katholiken» verwechseln und bei «Kirche» immer nur an «katholische Kirche» denken. Es gibt nicht nur die evangelische Kirche (die zugegeben auch nicht immer heilig ist), sondern ja auch so viele Freikirchen, die frei sind, oder es zumindest sein wollen, die Gott persönlich suchen, und die vor allem predigen, dass jeder Mensch selbst glauben soll und nicht von jemandem anderen (Priester) glauben lassen soll.

  11. olhe sagt:

    Du glaubst gar nicht wieviele prügelnde Pfarrer ich in Gemeinden kannte und einigen stellte man selbst trotz dem Wissen um deren Taten eine Art Denkmal in den Ort. Zu gerne würde ich einige dieser Orte benennen und deren heuchlerische Christen, die artig Sonntag für Sonntag zur Messe pilgern und zugleich ausufernde Prügelsucht ihrer «guten Menschen» tolerierten … «war früher auch nicht anders». Aber es ist verjährt, ich hätte keine Beweise, selbst nicht als Außenzeuge, man würde — wie man hier sehr gut sieht — eher mit dem Finger auf mich zeigen und relativieren bis zum erbrechen. Mir wird ehrlich gesagt schlecht, wenn ich pro Opfer kaum etwas sehe, kontra Kirche im Vergleich wenig zu den Legionen willfähriger Sympathisanten. Zur Hölle mit dem Reichskonkordat, erst jetzt schaut man das ganze Ausmaß dieses immer noch andauernden Vertrags, der von Kindesbeinen an die Menschen dieses Landes selbst «nur» zu indirekten Apologeten konditioniert. Vade retro …

  12. olhe sagt:

    @Humpty Dumpty: nicht mit Steinen werfen, wenn man denn im Glashaus sitzt. Nur weil ihr wenige seit, habt ihr nicht weniger Schuld auf euch geladen. Mißbrauch gegenüber Schutzbefohlenen existiert dort ebenso, Fälle sind bekannt. Oder soll ich mal an die DEK erinnern? Die sogenannte «Reichskirche», bei der doch viele willfährige christliche Oberhäupter dieser «unbegleckten» Konfession Lutherscher Bauart mitmachten. Natürlich gab es Ausnahmen, Ausnahmen die wie auch bei den Katholiken deportiert wurden, aber man ist auch ganz und gar nicht unbepfleckt wie man gerne immer den stetig schwindenden Schäfchen evangelischer Gesinnung Glauben machen möchte. Friendly-fire innerhalb der Christen übrigens zeugt übrigens von allem, nur eben nicht von gelebtem Glauben. q.e.d.

  13. Humpty Dumpty sagt:

    @olhe: Klar, es gibt sicher auch Schweinereien in der evangelischen Kirche, da gebe ich Dir recht. Ich bin kein Vertreter der evangelischen Kirche. Ich bin einfach nur Christ, der in der Bibel liest. Ich wollte auch gar nicht die evangelische Kirche als Gegenbeispiel zur katholischen darstellen oder sie verteidigen oder so. Genau das wollte ich eben nicht. Ich bin auch noch Mitglied in der evangelischen Kirche, etwa weil ich die Kirchensteuer für größtenteils sinnvoll eingesetzt halte und weil ich den Weg der evang. Kirche für insgesamt größtenteils noch mittragen kann. Mir geht es nur darum zu sagen, dass ich die katholische Kirche als solche ohnehin für unbiblisch halte. Gott sei Dank gab es Luther. Die Missbrauchsfälle und vor allem die Reaktion des Vatikans und des Papstes darauf (nämlich entweder gar keine oder aber viel Relativieren und Begründen mit 68er-Bewegung die Behauptung einer Medienkampagne oder gar der Vergleich mit Judenverfolgung etc.) bringt das Fass bei mir nur irgendwie gerade zum Überlaufen. Die katholische Kirche sollte in meinen Augen einpacken. Jeder Katholik sollte zur Bibel greifen und be-greifen, was Gott eigentlich will. Und nicht, was der Priester oder was der Papst will. Luther hat die Bibel nicht umsonst vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt.

  14. olhe sagt:

    >Luther hat die Bibel nicht umsonst vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt.

    Teils mit herben Fehlern und dann wäre da noch seine äußerst massive Hetze gegenüber Juden, anfänglich natürlich war er diesen wohlgesonnen — zumindest solange der Wille zur Konvertierung hin zum «einzig wahren Glauben» absehbar war. Das war und ist auch das Credo bei der Mission — Hilfe gibts nach der Konvertierung bzw. ein deutliches Plus an dieser. Luther war eben auch nur ein Kind seiner Zeit, wollte ursprünglich auch keine Abspaltung und die «Reformierung» mehr gen «Kleinigkeiten» … der Ablaßhandel war zwar bedingt für Luther in Ordnung, er suchte jedoch mehr den geeigneten Rahmen. Als sich der Konflikt in mehreren Bereichen zuspitzte und der Ton sich verschärfte legte er ebenso nach — in diversen Bereichen. Ich denke, wenn jemand glauben möchte, dann tut er dies besser ohne Institution oder irgendwelche «Heilige in spe», da findet man oft zuviele Leichen im Keller.

    Aber dies nur nebenbei, man sollte Logik und Fakten gänzlich bei der Institution Kirche außen vor lassen, denn diese zieht doch nur den Abfall vom Glauben nach sich.

  15. Boxer59 sagt:

    ich persönlich glaube an Gott nur mit dem Bodenpersonal habe ich nichts mehr am Hut

  16. Gaston sagt:

    @ Humpty Dumpty

    > Es gibt nicht nur die evangelische Kirche (die zugegeben auch nicht
    > immer heilig ist), sondern ja auch so viele Freikirchen, die frei sind,
    > oder es zumindest sein wollen, die Gott persönlich suchen, und die
    > vor allem predigen, dass jeder Mensch selbst glauben soll und nicht
    > von jemandem anderen (Priester) glauben lassen soll.

    Warst Du mal in einer der «Freikirchen»?
    Zum Teil sind diese nach den Sektenstrukturen aufgebaut, vor denen die Sektenbeauftragten warnen. Da ist Gehirnwäsche, Misshandlungen usw. zum Teil auf der Tagesordnung.
    Sicher gibt es auch «freie» Christen, die einfach glauben.
    Das Problem, jetzt mal ganz ab von Konfessionen, ist doch, das sobald eine ideologische Gemeinschaft versucht die Ihre Schäfchen an sich zu Binden und/oder weitere Menschen zu missionieren.
    Ob es nun die Christen sind, die Muslime, die sozialistisch Orientierten, die Pragmatiker, die Diktatoren, .…
    Wenn man sich dann noch die Geschichte anschaut, dann sehen wir, dass diese Gesellschaft eigentlich schon längst wieder Überfällig ist, zu zerfallen.
    Diese Dekadenz und das gesellschaftliche Unvermögen hat in allen Hochkulturen der Vergangenheit zu einem zerfall geführt.
    In Europa sind gute Beispiele die Griechen und Römer. In Afrika die Ägypter und in Amerika die Asketen (Den Inkas sind die Spanier zuvor gekommen). Von unbekannteren Hochkulturen mal ganz abgesehen.
    Das Problem heutzutage ist, dass eine Bereinigung einer Hochkultur dem Ausrotten fast der ganzen Menschheit bedeutet.
    Aber ich bin da Optimistisch. So wie ich es sehe Arbeiten wir alle daran, dass wir das auch noch hin bekommen. 😉

  17. Yuggoth sagt:

    @Gaston:

    Andere Menschen als ideologisch verblendet zu bezeichnen ist das sicherste Zeichen für Konformismus.

  18. Gaston sagt:

    > Andere Menschen als ideologisch verblendet zu bezeichnen
    > ist das sicherste Zeichen für Konformismus.

    Dem kann ich zustimmen.
    Ich will auf keinen Fall grundsätzlich Menschen als «verblendet» bezeichnen. Noch weniger ideologisch.
    Ich selbst habe erst 2 religiöse Gruppierungen kennen gelernt, von denen ich ein Bekehrungswillen, bzw. den Absolutheitsanspruch nicht festgestellt habe.
    Und da sind wir schon beim Problem. Die Gemeinschaften, egal welcher Richtung, die für sich den Anspruch der Wahrheit beanspruchen sind ideologisch. Oft sind die Funktionäre dieser Ideologien nicht verblendet, sondern sichern Ihre Vormachtstellung. Das diese «ideologisch verblendet» sind, kann ich bei bestem Willen nicht sagen.
    Die Frage dabei ist, was immer wieder den Reiz ausmacht, über andere Menschen Macht zu gewinnen und diese bis zur Grenze auszunutzen und auszukosten?
    Noch mehr frage ich mich, wieso diese Menschen es dann immer weiter über die gesellschaftlichen Grenzen treiben und dabei eigentlich schon selbstzerstörerisch vorgehen? Ist es der Reiz der Macht?
    In allen Ideologien findet man meiner Meinung nach dieses Phänomen, dass sich die Funktionäre über die eigenen Regeln hinwegsetzen und die Gruppierung missachtet (sei es Gläubige Anhänger, Untertanen, Volk usw.).
    Wie ist es sonst zu erklären, das sich so was wie die Missbräuche aller Formen so ausbreiten?
    Das Problem dabei ist, das es auf Kosten von schwächeren passiert und das will ich nicht akzeptieren.

  19. Seraphyn sagt:

    Ich glaube an Gott, aber nicht an die Kirche.
    Die Vergangenheit der Kirche, sowie deren Obsession mehr als einmal weg zuschauen hat nichts für mich mit jenem zu tun für das ich Gott, den besten imaginären Freund Erwachsener, halte.
    Es ist Lustig mit anzusehen, dass es mehr Atheisten in sozialen Einrichtungen arbeiten als die Gottgläubigen.
    Es gibt so viel, welches ich an der Kirche in Frage stelle, dass ich nicht verstehe, warum dieses Spiel einer mitspielt…
    Grüsse Chris

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