Die K-Frage — Nichts ist uninteressanter innerhalb der SPD

BoomDie Genossen diskutieren mal wieder — doch wie das so ist, nicht über die eigene Politik, die Veränderung der Gesellschaft, die Menschen in diesem Land. Nein. Man diskutiert mal wieder untereinander übereinander. Man könnte folglich die SPD als die Blogosphäre der deutschen Parteienlandschaft bezeichnen. Dabei ist das Thema, welches die Genossen zur Zeit beschäftigt, so uninteressant wie die Fliegen, die die Hundehaufen vor dem Willy-Brandt-Haus umkreisen. Die K-Frage — nachdem Marktschreier Kurt Beck mal wieder sein wahres Ich gezeigt hat, schreien die Rechtsaußen nach einem anderen Kanzlerkandidaten, der Herr Steinmeier soll es werden. Und sogar die sogenannte Basis, die seit der Agenda 2010 in der Versenkung verschwunden war, begehrt auf einmal auf — per Urabstimmung soll ein Kanzlerkandidat gekürt werden. Unser Land steht am Scheideweg — wie für die SPD gemacht. Finanzmarktkrise, Mindestlohn, der Neoliberalismus ist krachend gescheitert, Abzocker in den Chefetagen der Republik, man könnte so viele Sterntaler aufzählen — die SPD hätte derzeit die historische Chance, wieder Mehrheiten zu erlangen. Sie überlässt das Feld der Linken und betreibt so weiterhin politischen und gesellschaftlichen Selbstmord. Man ist fast versucht, die gesamte Führungsriege der SPD auf das Sofa von Sigmund Freud zu schicken.

Warum nur? Schröder, Müntefering, Steinmeier oder auch Steinbrück — sie alle sind gescheitert wie kaum andere SPD-Politiker vor ihnen. Da stand selbst Scharping sicherer in der Brandung, dieser hatte 1994 bei der Bundestagswahl immerhin 36,4% als Kanzlerkandidat erreicht. Diese Herren haben die SPD so gut wie zerstört, die Partei, die noch etwas bei den Menschen, beim Volk stand — flankiert vom Seeheimer Kreis, der, so kann man vermuten, oft eine Untergrundgruppe der FDP darstellt. Es gibt den einen oder anderen Menschen da draußen, der vermutet, dass die SPD durch den Seeheimer Kreis von anderen Interessengruppen infiltriert und auf die falsche Bahn gelenkt wurde. Die vier genannten Politiker und deren Vasallen hätten auch ohne Probleme in der Union und in der FDP Karriere machen können — die Frage ist, wie solche Menschen innerhalb der SPD aufsteigen konnten. Und da muss sich dann die Basis der SPD, auch die, die bereits ausgetreten sind, an die eigene Nase fassen. Die Vertreter, die auf die verschiedenen Parteitage geschickt wurden, diese Leute abgesegnet haben, wurden eben von dieser Basis gewählt. Jedes einzelne SPD-Mitglied muss die Kritik also erstmal an sich selbst anbringen. Zu diesem Thema gibt es hier aber genügend Ausführungen.

Linksruck

Warum also wacht die SPD nicht auf? Es war zu keiner Zeit leichter, das Volk hinter sich zu bringen, wie heute. Die große Mehrheit des Volkes misstraut der Riester-Rente und lehnt sie ab, die Mehrheit des Volkes will eine sichere gesetzliche Rente. Warum also wird das Vertrauen in diese Rente weiterhin zerstört, warum werben SPD wie auch CDU in trauter Gemeinsamkeit für die private Versicherungswirtschaft? Warum wird gerade von der SPD die Verscherbelung des größten Volksvermögens vorangetrieben? Warum steht der Verkauf der Deutschen Bahn ganz oben auf der Agenda vieler SPD-Politiker? Warum stellt man sich nicht gegen diese Maßnahme — das Volk stände mit großen Mehrheiten hinter der SPD. Ein Energie-Kartell missbraucht seine Marktstellung in unserem Land — Strom, Energie wird immer mehr zum Luxusartikel. Und anstelle sich diesen Machenschaften entgegen zu stellen, werden auf kommunaler Ebene Stadtwerke verkauft, Volksvermögen wird zum Vorteil weniger verramscht — zum großen Schaden der Menschen, des Volkes. Man muss noch nichtmal auf das Thema soziale Gerechtigkeit schauen, die Abschaffung von Hartz IV fordern — die Menschen in diesem Land umtreibt viele Themen, viele Sorgen. Wenn die SPD nur wenige aufnehmen würde, glaubhaft und ernsthaft vertreten würde, wären Mehrheiten nicht in weiter Ferne. Das Thema soziale Gerechtigkeit ist dabei sowieso auf 2 bis 3 Generationen an die Linkspartei verloren — um hier glaubhaft Kompetenzen zurückzuerobern, wären Koalitionen, auch im Bund, unerlässlich.

Doch so diskutiert man lieber über die sogenannte K-Frage. Dabei ist es ganz einfach. Der Marktschreier Kurt Beck wird niemals Kanzler dieses Landes werden — dafür werden der Seeheimer Kreis und auch die Netzwerker innerhalb der SPD sorgen. Ebenso wenig wird der Hartz IV-Technokrat Steinmeier Kanzler dieses Landes werden. Dafür werden die Menschen dieses Landes sorgen. Von einem Bundeskanzler Steinbrück ganz zu schweigen — da muss ich selbst gerade beim Schreiben drüber lachen. Die SPD ist und bleibt ein Trümmerhaufen — sie muss es schnellstmöglich schaffen, ihre Identität wiederzufinden. 2009 wird Angela Merkel für 4 weitere Jahre zur Bundeskanzlerin dieses Landes gewählt werden. Und ich bin fast versucht zu sagen — sie macht immerhin im Ausland eine gute Figur. Während also vom Rot-Roten Trümmerhaufen innen– und außenpolitisch nichts, aber auch gar nichts zu erwarten ist, sorgt Tante Angela im Ausland wenigstens dafür, dass die Exporte weiterhin so fließen, wie bisher. Im Vergleich könnte man ihr fast dafür allein die Stimme 2009 geben — aber nein, so tief werde ich nicht sinken, keine Angst. Die SPD könnte derzeit die Agenda 2010 mehr oder weniger vergessen machen, sie hätte die Chance auf einen Neuanfang — doch das wird nicht gewollt, und das ist das Erschreckende: Innerhalb der SPD selbst wird das nicht gewollt. Mächtige Interessen stehen dagegen, mächtige SPD-Politiker haben sich korrumpieren lassen. Und so wird dieses Land weiter vor die Hunde gehen. Dieses Land braucht eine starke SPD, wie es eine starke Union braucht — unser Land war am stärksten, wenn diese sich, auch ein stückweit ideologisch, gegenüberstanden. Doch leider geht es unseren Politikern nicht mehr um unser Land, die Gesellschaft — der Egoismus, der eigene Vorteil steht an erster Stelle. Und so wird alles bleiben wie bisher — auch über 2009 hinaus.

Die Bahn geht

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4 Antworten zu “Die K-Frage — Nichts ist uninteressanter innerhalb der SPD”

  1. phoibos sagt:

    irgendwie haste olaf scholz vergessen, ein stromlinienförmiger parteisoldat, der sein fähnchen gerne mal nach der vorherrschenden windrichtung dreht. und er sieht auch sympathischer aus als die anderen kandidaten (unterschätzt bloß nie die wahlmacht von muddis, die schwiegersöhne wählen! ich sach nur ole…)

  2. Chris sagt:

    Ach der Olaf — wenn die aufrechte SPD-Politik erstmal ihr Ende findet, ist der schneller weg als Pofalla in der CDU ohne Merkel… 😉

  3. Hans-Günter Glaser sagt:

    Die Stärke des Seeheimer Kreises ist die Schwäche der sogenannten Linken in der SPD. Von Nahles bis Schreiner sind in letzter Konsequents alle nur Maulhelden, die ohne ernsten Widerstand alle menschenverachtenden Reformen ihres Kanzler Schröder mittrugen und zum Teil bis heute verteidigen.
    Im Bund und in einigen Ländern gäbe es eine linke Mehrheit und man könnte viele Vorhaben (Mindestlohn, streichen der Studiengebühren, wieder Einführen der Pendlerpauschale vom 1. Kilometer an, u.s.w.) in die Tat umsetzen, vorausgesetzt man meinte es ernst.
    Die Ansage, keine Zusammenarbeit, keine Koalition im Bund und keine Gespräche mit der Linkspartei sind von den Seeheimern initiiert und von Kurt Beck ängstlich übernommen worden. Die Linken haben dazu nichts zu sagen und kuschen — wie immer.
    Wenn es in der SPD noch Sozialdemokraten geben sollten, bleiben Ihnen noch zwei Möglichkeiten um ihren politischen Überzeugungen und Visionen eine Chance zu geben: Entweder die Seeheimer in die Schranken verweisen, am Besten aus der Partei werfen, oder selbst den konsequenten Weg aus der SPD und hinein in die Linkspartei gehen, was ja schon viele getan haben. Das ist natürlich nicht die Lösung für Karrieristen, sondern nur für Idealisten.

  4. Chris sagt:

    Die Aussage, in den Ländern ja, im Bund nicht ist eher ein Kompromiss, den Beck mit sich selbst ausgehandelt hat. Die Seeheimer gehen noch weiter — heute hat Kahrs verkünden lassen, dass für diese kleine Öffnung Beck büßen [sic!] müsse…

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