Die Heuchler von ARD und ZDF

In der Debatte um ProSiebenSat.1 und die Heuschrecken war immer wieder zu hören, wie wichtig es doch ist, dass es die Öffentlich-Rechtlichen TV-Anstalten noch gibt — verschweigend, dass in vielen Bereichen eben diese Anstalten die Privatsender schon rechts überholt haben. Von den unzähligen Gremien für gescheiterte Politiker ganz zu schweigen — das ganze öffentlich-rechtliche Gedöns ist eine riesige Geldvernichtungsmaschine, kleine Perlen gibt es, die muss man aber mit der Lupe suchen.

Einmal mehr wurde dies offenbar bei der diesjährigen Tour de France. Seit Jahren ist bekannt, dass ohne Doping so gut wie nichts geht. ARD und ZDF war das egal, der Rubel muss Rollen, und so wurden wieder unzählige Gelder verschleudert und die Tour de France auch dieses Jahr übertragen. Das Thema Doping wurde zwar angesprochen — aber die Kritik und die Auseinandersetzung mit dem Thema hatten was von einem Gespräch zwischen Johannes B. Kerner und Rosamunde Pilcher. Da musste schon fast der Sicherheitsdienst her — oder auch nicht.

Heute dann der voraussehbare Super-Gau: Im Team T-Mobile gab es den ersten offiziellen Doping-Fall der diesjährigen Saison. Wenn das mal keine Sensation ist und so völlig unerwartet gekommen ist. Ehrlich jetzt. Und was machen ARD und ZDF? Steigen empört aus der Tourberichterstattung aus:

Nach der positiven A-Probe von Radprofi Patrik Sinkewitz ziehen ARD und ZDF drastische Konsequenzen: Bis auf weiteres werden die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr von der Tour de France berichten.

SPIEGEL Online — ARD und ZDF steigen vorläufig aus Tour-Berichterstattung aus

Wieviel Geld da wieder verschleudert wurde — für sowas Vorhersehbares. Allein dieser Abschnitt hat mich schmunzeln lassen:

Bei der Sitzung Anfang Juni hatte eine knappe Mehrheit des für Grundsatzfragen zuständigen ZDF-Fernsehrats gar gegen die Übertragung der Frankreich-Rundfahrt gestimmt. 20 Mitglieder hatten sich damals gegen die Übertragung ausgesprochen, 19 votierten für den Forderungskatalog, der an die Veranstalter gerichtet wurde. In der ZDF-Struktur ist der Fernsehrat nicht für Programmfragen verantwortlich, insofern war die Abstimmung lediglich als Empfehlung zu verstehen gewesen.

Wir entscheiden reden beraten mal, geben Empfehlungen ab und fühlen uns ganz wichtig. Wie lächerlich. Hatte ich schon die Worte riesige Geldvernichtungsmaschine erwähnt? Ja? Dann ist ja gut. Irgendwann wird darüber zu reden sein, diesen Mist abzuschaffen. Irgendwann in ganz naher Zukunft. Nur weil gerade ein paar Heuschrecken über ProSiebenSat.1 herfallen darf man nicht den Fehler machen, die Öffentlich-Rechtlichen auf ein Podest zu heben, auf dem sie schon seit Jahren nichts mehr zu suchen haben. Im Gegenteil — jetzt sollte doch die Chance da sein, wo die Leute durch den Fall ProSiebenSat.1 auch mal dazu gebracht werden, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen, diese Geldvernichtungsmaschine kritisch zu hinterfragen.

27 Antworten zu “Die Heuchler von ARD und ZDF”

  1. Oliver sagt:

    >Hatte ich schon die Worte riesige Geldvernichtungsmaschine erwähnt? Ja? Dann ist ja gut.

    Ja und natürlich Verblödungsstrahler unterschlagen, der massiv erst durch die ÖR geprägt wurde. Dort wird fortwährendend Mündigkeit entzogen und mittels nonsense ersetzt.

    >diese Geldvernichtungsmaschine kritisch zu hinterfragen.

    Tja nur was bringts? Mit der GEZ kann sich auch kein einer identifizieren und die Logik ausmachen und dennoch existiert sie. Überhaupt ist es schon ein Unding das gerade bei den ÖR die Quote oberste Priorität genießt — vom Bildungsauftrag schon seit gut 20 Jahren keine Spur mehr.

    Die Privaten sind vielleicht noch größere Shayze oder mal so und mal so — aber sie kosten keine Gebühren und fabulieren auch nicht von bildungstechnischen sowie kulturellen Ansprüchen. Wenn man jetzt mal die Finanzierung durch Werbung beiseite läßt 😀

  2. Jan sagt:

    Meinetwegen sollen sie außer Phoenix und Arte alles privatisieren oder gleich dicht machen. Aber wenn dann die Fussball-WM nur noch im Pay-TV zu sehen ist, wird daraus sicher gleich wieder eine himmelschreiende Ungerechtigkeit…

  3. Oliver sagt:

    >Phoenix und Arte

    Selbst das populärwissenschaftlichste Buch bietet letztendlich immer noch mehr. Und Fußball, jo mei spielen kann mans, anschauen ist blöde.

  4. Grainger sagt:

    Sportberichterstattung gehört nicht zum Bildungauftrag, die Ergebnisse könnte man ja in Tabellenform in den Nachrichten bzw. im Videotext präsentieren.

    Mich persönlich interessiert vom Sport auch nicht mehr als hin und wieder das eine oder andere Ergebnis, aber selbst das nur am Rande.

    Und im Spitzensport ist Doping ohnehin überall Usus, wer da was anderes glaubt, der glaubt auch noch ans Christkind.

    Ich stelle mir gerade mal vor, es gäbe zukünftig eine Möglichkeit jedes Doping wirkungsvoll zu unterbinden:

    dann müsste man auch alle Weltrekorde wiederrufen und bei Null wieder anfangen, sonst hätten die meisten Weltrekorde ewig Bestand, ein ungedopter Sportler könnte die niemals brechen.

  5. Jan sagt:

    Naja aber kein Buch überträgt Pressekonferenzen und Bundestagsdebatten live und für private lohnt das sehr wahrscheinlich nicht. Man kann sich streiten, ob man sowas zu sehen bekommen können muss, ich finde es aber wichtig weil ich mich nicht auf Medien verlassen will. Da ist so eine Komplettübertragung dann schon eine gute Alternative, finde ich.

    Was Fussball angeht ist das bei mir komplett umgekehrt: Ich bin zu blöde es zu spielen, guck es mir gerade bei ner WM aber schon gerne an.

    Allerdings muss ich das nicht zwingend zuhause und werbefrei (was es bei den ÖR ja eh nicht ist) tun, Public Viewing, Kneipe oder der Kumpel mit Premiere würdens auch tun, wenn ich dafür die Gebühren sparen kann.

  6. phoibos sagt:

    tja, panem et circenses… wen interessiert denn schon ein pakistanischer bürgerkrieg? oder strahlende bundesdeutsche kraftwerke? hauptsache, wir haben so einen stuß wie formel eins, tour de dope und dieter bohlen (inkl. halbgarer derivate). wird wieder mal ein starker mann den rubikon (alternativ die österreichisch-deutsche grenze) überschreiten? oder wird demnächst soma ins trinkwasser gemischt (in den usa soll das schon mal in der diskussion gewesen sein)?

  7. Ruwen sagt:

    Also mir ist es lieber der Baulude und die Oma von nebenan schauen Sport und Musikantenstadl bei den Öffentlich-Rechtlichen (ÖR)und finanzieren mir damit ARTE, Phoenix und 3-SAT. Selbst auf ein kostenloses PREMIERE würde ich dankend verzichten — über den Rest der Privaten rede ich erst gar nicht. Das die Tarifgestaltung und die Versorgungsmentalität der ÖR total schiefläuft ist einzig und alleine dem Proporzsystem der Politik und den daraus resultierenden Rundfunkräten zuzuschreiben — beschweren wir uns also bei den Verbänden, Kirchen, Partien usw. Und das letztendlich die ÖR sich genötigt sehen für die Mehrheit der Zuschauer LowBrain-TV zu machen, liegt ganz einfach daran, dass die, die bezahlen auch bestimmen was zu sehen ist. Das Programm der ÖR spiegelt eben den Geschmack der Zuschauer wieder. Ist zu 90% nicht mein Geschmack, aber damit kann ich leben, wenn ich pro Woche meine 3–4 Dokus oder Kulturbeiträge bekomme — auf ARTE usw.

  8. Oliver sagt:

    >Das Programm der ÖR spiegelt eben den Geschmack der Zuschauer wieder.

    Und deswegen bekommen sie die Gebühren damit sie unabhängig von solcher Quotengeilheit sind.

  9. […] wird auch noch über dieses Thema diskutiert: Indiskretion Ehrensache, F!XMBR, Dimension 2k, Notizblog, Popkulturjunkie, Juber. Zum Teil recht kontrovers, was gut so […]

  10. Ruwen sagt:

    >Und deswegen bekommen sie die Gebühren damit sie unabhängig von solcher Quotengeilheit sind

  11. Ruwen sagt:

    >Und deswegen bekommen sie die Gebühren damit sie unabhängig von solcher Quotengeilheit sind.

    Würden sie sich um die Quoten keine Gedanken machen, hätten es Politiker wie Stoiber noch leichter das ÖR zu entsorgen. Wir hätten dann das totale Informationsmonopol einiger weniger Nachrichtenkonzerne like CNN — eine Medienlandschaft wie in Amiland. Dann lieber noch überteuerte Pluralität durch das gegenwärtige Rundfunkratssytem. Bei RTL und Co. habe ich jedenfalls noch nie eine kritische Auseinandersetzung mit sich selbst im Programm wahrgenommen — im ÖR schon. Zudem finde ich es nicht ganz fair die Leute, die das bezahlen (müssen) vor ein 100%-Bildungsfernsehen zu zwingen. Das mir das schon immer heftige Qualitätsgefälle zugunsten des Banalen und Trivialen auch stinkt, und das ich auf Kommerzsport mit oder ohne Spritzen gerne verzichten würde, will ich nicht verhehlen, aber ohne die ÖR wird doch das TV-Niveau nicht besser. Ich erinnere mich bei ARTE und Co. an Quoten von im Schnitt deutlich unter 10% (lasse mich aber gerne korrigieren). Das kann man doch nicht als Quotengeilheit bezeichnen. Was mich am ÖR-System derzeit wirklich verärgert, ist dessen Ausbreitung ins Netz i.V. mit der GEZ-Zwangsgebühr für den PC. Aber auch daran waren alle bürgerlichen Parteien per Gesetzgebung, einschließlich der absegnenden Judikative, beteiligt.

    Sorry für den halben Kommentar davor.

  12. Jan sagt:

    Ein «Monopol einiger weniger Nachrichtenkonzerne» wäre eigentlich ein Oligopol, oder?

    Ich weiß nicht aber gigantische staatliche Medienkonzerne, die ohne Rücksicht auf Kosten arbeiten können (notfalls erhöht man eben einfach die Zwangsgebühren) finde ich schlimmer. Und ein Oligopol auf dem Fernsehmarkt besteht ohnehin längst.

  13. Ruwen sagt:

    Das mit dem Oligopol mag stimmen. Für mich entscheidend ist, wer die Kontrolle darüber ausübt. Ist es ein Vorstand den nur der Aktienkurs juckt oder ist es eine vielschichtige Gruppe aus Interessenverbänden, in der Ausgewogenheit herrscht, was in jeder Hinsicht kritische Informationen betrifft. Das mit den beliebig erhöhbaren Zwangsgebühren bleibt zugegeben ein Nachteil, den ich aber bis zu einem bestimmten Limit hinnehme. Und wer nicht will oder kann zahlt, soweit ich das überschaue, sowieso nicht.

    Es gibt übrigens noch andere staatliche ‘Dienstleistungen’, die wir alle quasi per Oligopol und Zwangsabgaben konsumieren. Ist mir manchmal ganz sympathisch 😉

  14. Falk sagt:

    Würden sie sich um die Quoten keine Gedanken machen, hätten es Politiker wie Stoiber noch leichter das ÖR zu entsorgen.

    Und wenn sie sich noch intensiver als Wettbewerber der Privaten sehen, gleich recht. So ganz versteh ich den Satz von dir grad nicht. Die Krux ist doch, dass der ÖR sich einen sinnfreien Wettbewerb mit den Privaten ergeben hat, obwohl dieser unnötig ist. Und führen sich selbst und den festgelegten Bildungsauftrag damit seit Jahr(zehnt)en ad adsurdum.

  15. Oliver sagt:

    Ich sehe die ÖR zunehmend als staatliches Propagandasystem. Das mag mir auch vor 15–20 Jahren noch nicht derart bewußt gewesen sein, aber man lernt hinzu und kann Dinge somit anders beurteilen. Die Qualität von der du sprichst, ist jedenfalls schon vor ca. 20 Jahren verlustig gegangen.

    Der _Glaube_ heute ein «gutes» Programm dort zu erhalten, erschließt sich für das Gros der Leute aus der in der Regel kaum vorhandenen Quellenkritik. Schließlich wurde der _Glaube_ bei uns allen schon in der Kindheit gefestigt und das nicht nur im kirchlichen Sinn, auch die ÖR gehören dazu.
    Der _Glaube_ an die Tagesschau, der _Glaube_ an die hohe Information von arte usw. Ehrlich arte bringt viele kulturelle Sendungen und jene aus dem historisch/archäologischen Bereich, die Dinge die ich am besten einschätzen kann, kratzen dort auch nur an der Oberfläche. Teils an Oberflächen, die kaum noch etwas mit Wissenschaft zu tun haben. Mag genügen, wenn man eben keinen Schimmer von der Materie hat oder der «Schimmer» eben nur von derlei «kulturellen» Beiträgen stammt. Das wird mir auch in anderen Bereichen so ergehen, kenne ich jedoch die nicht vorhandene Qualität eines Bereichs, weiß ich auch was ich vom Rest zu halten haben.

    Die einfachste Lösung war für mich deshalb auch, vor Jahren ganz auf das TV zu verzichten. Und ehrlich gesagt ich lebe sehr gut damit. Ein Bild sagt eben nicht mehr als tausend Worte, vor allem nicht im TV.

    Es ist eben dieser _Glaube_, der das Gros der Leute heute immer noch irgendwie glauben läßt, die SPD wäre ja doch noch einen Hauch besser als die Union. Schließlich haben die «sozial» im Namen. Nein ehrlich, das ist mir zu naiv — aber jeder muß halt seine eigenen Erfahrungen machen. TV bildet nicht, TV gaukelt dir Wissen vor, noch schlimmer als in den Papiermedien.

    Man bemerkt bei allen TV-Hörigen die Abhängigkeit, sozusagen die «letzte Bastion» des «guten» Programms — die ÖR. Sind zwar auch Mist, aber manchmal …. Es ist schwer da raus zu kommen :)

  16. Jan sagt:

    Im Zweifel ist es immer schlecht, wenn diejenigen Einfluss auf Medien haben, die in den selben Medien kritisch beleuchtet gehören.

    Das kann für große Medienfirmen gelten, das gilt aber genauso für staatliche Medien — und hierin sehe ich die größere Gefahr, weil bei den derzeitigen Strukturen die eben über schier unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügen, mit denen sie private Medien an die Wand fahren können.

    Staatliche Medien sind genauso wenig unabhängig wie private.

    Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kostet soweit ich weiß inzwischen über 17 Euro im Monat, das ist doch Wahnsinn! Für das Geld könnte ich auch 2–3 Zeitungen oder Zeitschriften abonnieren und wäre wahrscheinlich noch vielfältiger informiert.

    Was übrige staatliche Dienstleisungen angeht: Mit den meisten bin ich absolut nicht zufrieden und wenn ich eine Wahl hätte, dann würde ich vermutlich oft andere Produkte bevorzugen…

  17. […] unerwartete Gau — ein Dopingfall, man zog sich demonstrativ aus der Übertragung zurück. Heuchlerischer gings nimmer. Jetzt dürft Ihr dreimal raten, wer schon ab heute Tour de France überträgt. […]

  18. Ruwen sagt:

    Ich fühle mich ehrlich gesagt nicht wohl dabei, hier als Einziger den ÖR-Anstalten die Fahne zu halten. Schon deswegen nicht weil, wie gesagt, mir das Programm der großen ÖR-Sender auch nicht gefällt. Ich versuche nur meine kleine private TV-Wunschwelt nicht mit dem gleichzusetzen, was 80 Millionen Leute gefälligst anschauen sollen.

    @Falk: Ich halte den Wettbewerb, auch mit weniger anspruchsvollen Inhalten, im Gegensatz zu dir für notwendig, um Leuten wie Stoiber das Wasser abzugraben und Zuschauer von den Privaten zurück zu gewinnen. Eine Volksmusikbirne lässt sich nun mal leider nicht mit einem 3-Stunden Adorno Dialog zum Senderwechsel bewegen.

    Der ÖR soll den schwierigen Spagat bewältigen, einerseits die Marktwirtschaftler mit Just-for-Fun-TV zu beglücken und andererseits ein perfektes Bildungsfernsehen mit Tiefe anzubieten, dass sich alle Zuschauer sogar freiwillig antun. Etwas viel verlangt finde ich.

    Und nun zum ewigen Thema Politikeinmischung bzw. Propaganda-TV. hier mal ein Beispiel der Zusammensetzung des WDR-Rundfunkrates. Klar werden viele Leute dort ein Parteibuch haben, aber bei weitem nicht die Mehrheit. Und selbst wenn am Ende die Inhalte des Programms die Stimmverteilung des Bundestages widerspiegeln, was habt ihr den aus der Schnittmenge der Beteiligten erwartet? Aufruhr und Widerstand gegen Konventionen

    Und dann noch die Kritik, z.B. auch ARTE kratzt nur an der Oberfläche. Ja, ich selber mache in meinen Spezialgebieten die gleiche Erfahrung und ich ärgere mich auch darüber. Aber das geht mir im Netz so, das geht mir in vielen Blogs so, aber auch beim Lesen fast jeder Tageszeitung mit Ausnahme einer Fachzeitschrift. Ich hab mal nachgeschaut. 0,5% Zuschaueranteil für ARTE in 2006! Was meint ihr wie hoch der Anteil steigt, wenn´s in die Tiefe ginge? 10 Stunden Bayreuth am Stück, 5 Stunden Linux im Detail usw.

    Ja, auch mir gefällt der Zwangsbeitrag in der Form nicht. Vielleicht kommt endlich irgendwann die Settopbox der ÖR. Glückwunsch. Dann schaut eben jede Couchpotato die Nachrichten bei Sat und Co. weil ja 17 ? die Hölle sind, aber 30x einwählen bei 9live soviel Fun bringt.

    Sorry wenn´s so lang wurde und ich mich zu sehr ereifert habe.

  19. Oliver sagt:

    >Der ÖR soll den schwierigen Spagat bewältigen, einerseits die Marktwirtschaftler mit Just-for-Fun-TV zu beglücken und andererseits ein perfektes Bildungsfernsehen mit Tiefe anzubieten,

    Nun da haben wir schon das Problem. Das ist eben nicht Realität, die ÖR haben einen staatlich verankerten Bildungsauftrag, alles andere ist nebensächlich und nicht weil _ich_ es so möchte.

    >das geht mir in vielen Blogs so,

    … wer finanziert die Blogs?

    >aber auch beim Lesen fast jeder Tageszeitung

    Zeige mir dein Zwangs-Abo.

    >Was meint ihr wie hoch der Anteil steigt, wenn´s in die Tiefe ginge?

    Nicht hoch, jedoch verdummte man zuerst das TV-hörige Volk und kann sich danach Ausruhen auf dem «angeblichen Wunsch des dummen Zuschauers». Die Henne-Ei Problematik existiert hier jedenfalls nicht.

    Außerdem ist «in die Tiefe» kein Schwarz-Weiß-Ansinnen, sondern unterliegt einer differenzierte Betrachtungsweise — der Knoppsche Geschichts-Nonsense, der die Massen begeistert, ist z.B. kompletter nonsense … ob nun populärwissenschaftlich betrachtet oder fachwissenschaftlich. Die ÖR waren vor knapp 20 Jahren vielleicht, nur um eine Zahl zu nennen, auch nicht besonders tiefgründig, jedoch im Niveau gab es ein Unterschied wie Tag und Nacht.

  20. Falk sagt:

    Ich halte den Wettbewerb, auch mit weniger anspruchsvollen Inhalten, im Gegensatz zu dir für notwendig, um Leuten wie Stoiber das Wasser abzugraben und Zuschauer von den Privaten zurück zu gewinnen.

    Den einzigen Wettbewerb den ich den ÖR zugestehe, ist der Kampf um Qualität. Sonst keinen. Ich hab das aber auch schon an andere Stelle umfassend diskutiert und mag mich da nicht wiederholen, sondern verweis auf einen Artikel und die anschliessende Diskussion drüben bei mir: Link

  21. Oliver sagt:

    Urks _die_ Diskussion, na spätestens nachdem sich dort ein paar Sparpsychologen äußerten las ich schon nicht mehr weiter 😀

  22. Ruwen sagt:

    Ich kenne ebenfalls noch das alte ÖR ohne die Privaten. Beim blauen Bock meiner Eltern hab ich nicht weniger gelitten als heute beim Musikantenstadl der Nachbarn. Ein positives Resümée, damals gegenüber heute, fällt mir jedenfalls auf die Schnelle schwer.

    Mir behagt grundsätzlich die Idee hinter dem Prinzip des ÖR. Die Umsetzung in die Realität muss leider mit den Mängeln klarkommen, die in jeder gut gemeinten Theorie übersehen wurden. Die Zwangs-GEZ für PC-Nutzer muss weg, keine Frage. Damit haben sich die ÖR einen Bärendienst erwiesen. Würde ich kein ÖR-TV schauen, würde ich auch nicht zahlen.

    Das angeblich verdummte TV-hörige Volk wäre ohne ÖR bestimmt nicht schlauer. Die Hoffnung, dass es mit ÖR etwas schlauer wird, gebe ich aber nicht auf. Ich nehme immer noch einen qualitativen Unterschied zum privaten Bildzeitungs-TV wahr. Das dumme TV-Volk muss sich nur aktiv per Fernbedienung dafür entscheiden.

    Leider endet meine Tiefe beim ‘Knoppschen Geschichts-Nonsens’ — werde ich nach dem Kino aus Netz saugen 😉

  23. Oliver sagt:

    >Das angeblich verdummte TV-hörige Volk wäre ohne ÖR bestimmt nicht schlauer.

    Sicherlich, denn wir reden hier von den ÖR. Die Privaten waren und sind ohnehin nicht der Rede wert. Die Leute die sich entschließen dem TV abzuschwören, bemerken die Wirkung augenblicklich :)

    Um zum blauen Bock zu kommen, das war das Programm für die Älteren. Da gabs noch die Hitparade, die in ihren Anfangszeiten gar mal internationales Programm inne hatte, ganz zu schweigen von Disco mit dem Richter. Dazu die ursprüngliche Qualität von Terra-X usw. Von hochwertigen, echten Reportagen ganz zu schweigen und nicht diese aufgekauften Historien-Klamotten des BBC (ÖR und Private kaufen übrigens bei BBC und National Geographic USA ein). Ist Joachim Bublath z.B. ein Begriff? Ja? Gut, ein Schatten seiner selbst. Ich muß zugeben das _ursprüngliche_ Spaß–Format knoff-hoff Show hatte was für alle und sogar Niveau. Wo soll das heute sein? Abenteuer Forschung, Report, Scheibenwischer, Tageschau, heute, diverse Sondersendungen? Lächerlich. Tatsächlich gutes Programm, sogar u.U. für die Allgemeinheit geeignet bringt man dann irgendwann in der Nacht. Z.B. den Lesch mit Alpha Centauri. Nein wirklich ich kenne die Formate schon und mehr als ein Griff ins Klo kommt dabei nicht mehr herum.

    Die kleinen «Ausrutscher» damals, das war dann tatsächlich die Abdeckung für die ganze Familie und nicht heute nur für einige debile Alte. Mein Großvater würde bei solch einer Sendung den Fernseher zum Fenster rausschmeißen.

    >Ich nehme immer noch einen qualitativen Unterschied

    Versuchs mal mit einem Buch oder selbst dem Feuilleton der von dir oben zitierten Tageszeitungen, da steckt ein gewaltiges _Plus_ an Niveau drin. Einfach mal vergleichen, gegen geringe Unkostenbeiträge kann man sich die Transcripte der jeweiligen Sendungen zusenden lassen — Bilder ersetzen da im wenigsten Fall Wissen.

  24. Falk sagt:

    Das dumme Volk ist aber doch größtenteils nicht Ursache, sondern Wirkung. Allerdings von vielen verschiedenen Faktoren, die alle mit einer in meinen Augen verfehlten Bildungspolitik zusammenhängen.

  25. Falk sagt:

    Huch, mein Kommentar bezieht sich auf Ruwen einen weiter oben. Das hat sich grad überschnitten.

  26. Atheist sagt:

    Ich zahle ca. 7€ im Monat für ein wirklich gutes Pay-TV:

    History Channel, Discovery Channel, BBC, Spiegel-TV, Planet etc.

    Nachrichten bekomme ich aus der Zeitung (auch ohne ÖR-Zeitungssystem) und dem Internet.

    Warum ich für Musikantenstadl, Gottschalk,Papstbesuch,Adelshochzeiten, Kerner und die ganzen anspruchslosen deprimierenden herunterziehenden ZDF und ARD Produktionen soviel Geld bezahlen muss, ist mir schleierhaft.

    Man klar erkennen, welches Familien– oder Menschenbild propagiert wird: der perfekte Gebührenzahler.

    Es gibt Länder, die haben mehr Demokratie, ein besseres Schulsystem und weniger staatlichen Rundfunk.

  27. Oliver sagt:

    >History Channel, Discovery Channel, BBC, Spiegel-TV, Planet etc.

    Yeah, machte meinen Tag 😀

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