Die Grünen — noch widerlicher als die FDP

Kohle von der GALWenn eine Partei einen Beschluss fast, dann sind die Mitglieder schnell mit dem Hinweis zur Hand, die Basis sehe das alles anders, gegen die Oberen könne man halt nichts unternehmen. Besonders die SPD mit all ihren opportunistischen Bloggern ist ein Paradebeispiel für diese Schizophrenie. Hartz IV, die Agenda 2010, die Rente ab 67 — all die Entscheidungen der letzten 10 Jahren wurden gegen den Willen der Basis durchgeboxt, allein von den Führern Schröder und Müntefering. Genau — und den Weihnachtsmann gibt es wirklich. Die gleichen, die uns dies seit Jahren erzählen, haben die Rückkehr Münteferings überschwenglich gefeiert. Natürlich kann die asoziale, unmenschliche Politik der SPD auf eine Mehrheit innerhalb der Partei bauen, schließlich sind die Menschen mit Rückgrat, die, die man noch Sozialdemokraten nennen könnte, aus der Partei ausgetreten. Die Grünen haben es nun geschafft, noch opportunistischer zu wirken — noch nie hat in Deutschland eine Partei derart die eigenen Wähler, insbesondere die eigenen Wähler verkauft. Gegen die Grünen kommt die FDP als Heilsarmee daher. Die Basis der Grünen hier in Hamburg — genau, die, die solche Entscheidungen nie mittragen und zu solchen Beschlüssen gezwungen werden, hat sich nun nach der Moorburg-Entscheidung für eine Fortführung der Schwarz-Grünen Koalition ausgesprochen.

Die SZ berichtet von der heutigen Mitglieder-Versammlung hier in Hamburg:

Die deutschlandweit einmalige Koalition ist gerettet: Die Hamburger Grünen stimmen nach dem Ja zum Kraftwerk Moorburg für eine Fortsetzung.

Hier sieht man wunderbar den Unterschied zu Andrea Ypsilanti und Hessen. Während die gesamte Pressemeute Jagd auf eine Frau macht, wird die GAL hier in Hamburg hofiert und von Springer & Co. löblich erwähnt. Erzähl mir noch einer was von Journalismus oder Presse in diesem Land — es gibt nur noch mehr oder weniger glaubhafte Presseerklärungen. Journalismus findet in Deutschland nicht mehr statt.

Während die FDP ganz normal ihren Weg geht, den man kennt und natürlich auch verachtet, bestehen die Grünen so gut wie nur noch aus opportunistischen Wendehälsen. Was sind eigentlich noch die Grünen? Elbvertiefung — kommt. Studiengebühren — bleiben. Ole von Beust — gewählt. Moorburg — kommt. Wenn man sich die GAL hier anschaut, dann wundert nun wirklich keiner mehr über die Politikverdrossenheit in diesem Land. Warum sollte man diesen kruden Verein spinnender Ökos — wobei Öko mittlerweile in der GAL für Ökonomie steht — noch wählen? Ich bin mir sicher, dass aus de sogenannten Notwendigkeit heraus, 2009 in einer Jamaika-Koalition der Ausstieg aus dem Atomausstieg verkündet wird. Die Grünen — ach, hört mir auf. Eine bessere Schillpartei mit gelben Anstrich, die nicht mal mehr im Ansatz grüne Ideale verteidigt, geschweige denn durchsetzt.

Jetzt erst recht — die Grünen unter die 5% drücken. In den Ländern und 2009 im Bund.

Die Vorgeschichte:

Die Grünen in Hamburg
Der Wahlbetrug der GAL in Hamburg erreicht heute ihren Höhepunkt
Hosen runter, Jamaika ist das Ziel

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17 Antworten zu “Die Grünen — noch widerlicher als die FDP”

  1. phoibos sagt:

    ich bin wütend. die grünen haben bisher nur scheisse in hamburg gemacht, seitdem sie an der macht sind. grüne identität ist nicht mehr zu sehen.
    und wir haben keine politkverdrossenheit. wir haben eine politikerverdrossenheit!

  2. Oliver sagt:

    >grüne identität ist nicht mehr zu sehen.

    Okay Identität? Aber was ist das? Grüne Ideen und prof. Politik? Das hat man doch nun, wenn man solche Prinzipien verfolgt gibts nur eines: eine beinharte Position ohne Kompromisse, notfalls eben immer die kl. Opposition. Denn seien wir mal ehrlich, kaum jemand möchte doch echten Umweltschutz. Insofern wäre die Lösung für mich, wenn ich meine Standpunkte nicht mehr vertreten kann, weil eben der Rückhalt fehlt — auflösen, aber nicht die einstigen Ideale feilbieten zum Sonderpreis. Gewisse Dinge kann man halt nicht einem geheuchelten Kompromiss opfern.

  3. LTB sagt:

    Die Grünen sollten sich umbenennen, erst unterstützen sie den Krieg in Jugoslavien, dann boxen sie die Agenda 2010 mit durch während sie die Truppen nach Afganistan schicken um dort Deutschland zu verteidigen. Okay, alles noch ok, da die Partei ja weder «links» noch «antikreigspartei» in ihrem Namen hat, und erst recht nicht «Sozialpartei» heist. Aber jetzt lassen sie auch noch alles Grüne fallen. Und nächstes Jahr lassen sie nach der Bundestagswahl die CDU und FDP Atomkraftwerke bauen, nur damit sie mitregieren dürfen. Die Linke wird sich dann über noch mehr neue Mitglieder freuen, ob dies dieser jedoch gut tut mag ich bezweifeln…

  4. Marc sagt:

    Ähm.. Darf ich, als junger neoliberaler, fragen, was du denn gegen die FDP hast? Weshalb soll man die FDP verachten?

  5. Oliver sagt:

    Ich habe heute meinen guten Tag, ein Tipp: schau dich mal in dieser Publikation um, stöbere mal ein wenig. Wir verachten die FDP nicht, wir ignorieren Guidos Spaßpartei eigentlich, weil man seine Zeit auch adäquater verbrennen kann — z.B. beim Füttern von Tauben usw.

  6. phoibos sagt:

    @ oliver: interessantes beispiel hast du da gewählt 😉 besonders, wenn ich folgendes dabei berücksichtige: Tierschutz ist: Tauben nicht füttern
    aber ich möchte damit nicht sagen, dass die nichtbeschäftigung mit der fdp die demokratie fördert. im gegenteil, gerade im bereich der bürgerrechte und der bürgerlichen freiheiten (sind das eigentlich die rechte der bourgeoisen oder der citoyen?) ist die fdp neben der linken unsere letzte bastion gegen die volksparteien.

  7. Oliver sagt:

    >gerade im bereich der bürgerrechte und der bürgerlichen freiheiten

    Ich glaube du interpretierst gerade den Begriff liberal und nicht die polit. Realität dieser Partei. Nur weil diese recht machtlos nun ein paar Phrasen aufgreifen, macht es die Fehlungen dieser Leute nicht besser. Sagt dir der große Lauschangriff etwas? Und die Beführworter dessen? Und sagt dir auch Leutheusser-Schnarrenberger etwas, jene die ihrer eigenen Partei die Stirn bot? Du darfst nicht zwei, drei Leute — u.a. auch Burkhard Hirsch — mit dem Rest der Neoliberalen dort verwechseln. Diese mißbrauchen jene einzelnen noch freiheitlich orientierten Mitglieder als Mittel zum Zweck.

    Demokratie kann man mittels Aktivität fördern, indem sich Bürger organsieren und für Humanismus eintreten. Mit Parteien plant man den Weg zur Macht, für die Bürger eine lang dauernde Ohnmacht.

  8. phoibos sagt:

    also bürger im sinne der bourgeoisie :-)

  9. Chris sagt:

    *lol*

    ein Satiriker. Klasse. :)

  10. DrWatson sagt:

    Tja, muss ich mich wieder in die Nesseln setzen. Die Fortsetzung der Koalition halte ich nicht für so schrecklich. Halt nein, nicht schon mit den Steinen werfen. Das Kind ist doch schon früher in den Brunnen gefallen. Die Koalition hätte nicht eingegangen werden dürfen, noch früher, diverse Wahl«versprechen» hätten nicht gegeben werden dürfen. Mancherlei Koalitions«kompromiss» *hüstel* hätte nicht eingegangen werden dürfen. Der Koalitionsvertrag an sich war aus Sicht eines Grünen-Wählers und bitteschön dann erst Recht aus Sicht eines Grünen-Politikers nicht zustimmungsfähig. Man hat es trotzdem gemacht, Ab diesem Zeitpunkt ist beinahe alles, was man machen konnte, eh falsch. Auch ein Platzen der Koalition — was verbessert dies? Die Glaubwürdigkeit? Wieso denn, die ist doch schon weg, die wird nicht besser, indem man _NACH_ dem Sündenfall hinwirft und sich versteckt. Sie wird freilich auch nicht besser dadurch, dass man nun einfach weitermacht. Ich kann nur keinen Unterschied zwischen zwei schlechten Entscheidungen sehen, denn das Ding ist sowas von gegen die Wand gefahren, dass kein Licht mehr brennt. Die Zeche werden Grüne in anderen Bundesländern, werden die Grünen auf Bundesebene, und zu allerletzt die GAL in Hamburg bei den nächsten Wahlen zahlen müssen. Es sei denn, die GAL hält sich an die älteste aller Weisheiten: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert. Im positiven Sinne würde das bedeuten, sie erinnern sich, was es heißt, Grüner zu sein (ja, werft ruhig Steine, mir egal). Glaube ich das? Tja, zunehmend weniger. Wenn ich schon mal als Optimist herhalten muss, ist eh was ziemlich verkehrt gelaufen. So, jetzt, die Steine bitte.

  11. DrWatson sagt:

    Kleine Randbemerkung: Warum funktioniert bei mir die «Schutz»-Eingabe eigentlich immer erst beim zweiten Mal? Vor einem Reload hält mich das Plugin immer zu doof zum Rechnen :/

  12. Oliver sagt:

    >So, jetzt, die Steine bitte.

    Ich bin weder Freud, noch gehe ich einer solchen Profession nach, insofern kann ich dir also nicht bei deinem Anliegen helfen. Entweder man hat eine Meinung oder man hat keine, besitzt man eine und ist sich dieser bewußt so sollte man auch zu dieser stehen. Indem man vorab eine etwaige Inkompatiblität der eigenen Meinung in den Raum stellt, wird man einen möglichen Veriß nicht vermeiden können — das funktioniert auch nicht bei vollschlanken Komikern, die zuerst ein paar Witze über Vollleibige reißen, mit der Hoffnung Kritikern mögliche Anspielungen auf die eigene Figur zu verleiden.

  13. DrWatson sagt:

    Hä? Ich habe ein Freud’sches Anliegen? Mein Anliegen ist, zur Diskussion zu stellen, ob die Koalitionsfortführung nun so schrecklich ist (was der Artikel behauptet, die FDP an Widerlichkeit zu überbieten ist ja nun in der Tat schwer), oder eben nicht (aus welchen Gründen auch immer).

  14. Oliver sagt:

    >Ich habe ein Freud’sches Anliegen?

    Achso und jetzt bitte Steine und so ist ein Diskussionaufruf? Könnte man auch anders formulieren oder einfach nur die Meinung feilbieten.

    >die FDP an Widerlichkeit zu überbieten ist ja nun in der Tat schwer

    Initial formulierte Ideal verraten, Macht als einzige Maxime zu betrachten und alles auf dem Weg dorthin mitzunehmen — das soll schwer zu überbieten sein? Aber hallo, wir reden immerhin von Politik. Ideale und eine starke Opposition pflegen hat mehr von Demokratie, als der Macht entgegenstreben und quasi mittels einer Koalition die Opposition außer Kraft setzen. Eine Koalition gereicht nur in der Theorie zu einem plus an Qualität, in der Praxis war und ist es insbesondere in Deutschland immer ein Mittel zur Durchsetzung von Machtinteressen.

  15. DrWatson sagt:

    Ich werde meine Formulierungen überdenken eingedenk der Tatsache, dass übers Internet Mimik leider ja nicht übertragen wird. Egal.

    Eine Sache ist, dass ich nicht glauben _mag_, dass hier bewusst Ideale verkauft wurden und dass hinter all dem Unsinn tatsächlich das Politikern egal welcher Couleur immer nachgesagte Machtdenken steckt. Ich sehe ein, dass man das durchaus unterstellen kann, aber ich _will_ an soviel Schlechtigkeit nicht glauben. Nicht weil ich gerne Realitäten ausblende, sondern weil ich eine Realität voll solcher Schlechtigkeit nicht akzeptieren will. Und selbst der machtgeile Politiker selbst kann das doch nicht wollen, denn dass eine solch plump vorgetragene «Machtergreifung» nicht von langer Dauer sein kann (maximal eben eine Legislaturperiode), muss doch klar sein?! Insofern sehe ich hier «nur» maximale Dummheit. Darüber kann man sich ebenso aufregen wie über den unterstellten maximalen Verrat, aber zwischen beiden Annahmen besteht dann doch ein subtiler Unterschied.

    Zur FDP im Übrigen, haben die in den 90ern nicht auch den «großen Lauschangriff» mit beschlossen? Nur weil die FDP derzeit gerne als Datenschutz– und Persönlichkeitsrechtspartei hingestellt wird. Sollen die mal bei uns in Bayern am Beispiel «Bayern-Trojaner» zeigen, wie sie in dieser Angelegenheit denken.

  16. phoibos sagt:

    Nicht weil ich gerne Realitäten ausblende, sondern weil ich eine Realität voll solcher Schlechtigkeit nicht akzeptieren will.

    und wie erklärst du dir grandiose fehlgriffe unserer apparatschiks? ich schmeiss nur mal ein paar schlagworte in den raum: g8 (demnächst de facto g6), d18-schulen, abschaffung der lernmittelfreiheit, studiengebühren, elbvertiefung, elbphilharmonie, u4, bahnprivatisierung, ppp, lbk/hew/hww/hvv-verkäufe… alles dinge, die nur wenigen nutzen. einiges wurde in letzter sekunde verhindert, anderes gegen den willen des volkes durchgesetzt (zu immensen kosten). ich kann da nichts dummes erkennen, das ist schlicht absicht.

    Und selbst der machtgeile Politiker selbst kann das doch nicht wollen, denn dass eine solch plump vorgetragene “Machtergreifung” nicht von langer Dauer sein kann […] Insofern sehe ich hier “nur” maximale Dummheit.

    zum ersten teil: wieso nicht? solange diese menschen (und viele andere zocker) nicht persönlich haften, wird sich da nichts ändern.
    zum zweiten teil: wir erleben wahrscheinlich das ergebnis des prinzips der klügere gibt nach — nun regieren die dummen.
    wenn du dich mit jugendlichen unterhältst, wirst du feststellen, dass diese begeistert sich um dinge kümmern, die ihre belange tangieren. die basis einer jeden politik, nicht umsonst leitet sich das wort ja von einer recht regional abgegrenzten ????? ab. nein, wir alle betreiben täglich politik (schließlich ist ein jeder von uns ein ???? ?????????), jenseits der allgegenwärtig postulierten politikverdrossenheit. wir sind nur von unseren technokratischen apparatschiks enttäuscht. richtiger wäre also, von einer politikerverdrossenheit zu reden. und einzelne highlights machen es nicht wirklich besser.

    ciao
    phoibos

  17. Soylent Green sagt:

    Bei diesen (würdigen) Nachfolgern Schills verbleibt wirklich nur noch die Hoffnung ihres zukünftigen Scheiterns an der 5%–Hürde — denn vor allem auf die Steigbügelhalter (u. darauf an der Macht partizipierenden) ist politisches Unheil letztlich zurück zu führen.
    Und hauptsächlich «Grün» ist in der Tat gleichbedeutend für politischen Ekel.

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