Die Geister die ich rief — Warum der Journalismus in Deutschland eine Mitschuld an dem T-Skandal trägt

T-SkandalDie Praktiken der Telekom sind in journalistischen Kreisen nicht erst seit gestern bekannt. Wie Journalisten, Redaktionen und Verlage in den letzten Jahren behandelt wurden, sie selbst (nicht) gehandelt haben, zeigt uns das NDR-Magazin Zapp. Zapp ist eines der wenigen Magazine, welches ich noch das Attribut journalistisch verpassen würde. Die Telekom ist offensichtlich schon seit Jahren der größenwahnsinnigen Meinung, dass kritische Berichterstattung über das magentafarbene T verboten gehört. Und so hat man es wohl zur Regel gemacht: Gab es Kritik, wurden Anzeigen gestrichen. Und der kritische Journalismus? Nicht vorhanden. Hat es fast immer mit sich machen lassen und so den einen oder anderen Kollegen im Regen stehen lassen — so mancher bekam erst ganz späte Genugtuung. Das Spiel der Telekom, bekannt wurde gerade erst die Spitze des Eisberges, konnte nur funktionieren, weil der Journalismus in Deutschland gekuscht hat. Und wie das so ist — nicht nur die Telekom streicht die Anzeigen. Auch andere bekannte Namen der letzten Wochen, fallen auf: ALDI, Die Bahn, um nur zwei zu nennen. Das Problem ist hausgemacht. Der Journalismus in Deutschland ist abhängig von den Anzeigekunden — und bevor man einen verprellt, verkauft man lieber das Volk. Sendung | Video | CC-Lizenz.

Der T-Skandal kann exemplarisch für das Verhältnis des Journalismus gegenüber der (wirtschaftlichen) Elite stehen. Anstatt forsch und offensiv, selbstbewusst und investigativ steht die Vierte Gewalt wie das Kaninchen vor der Schlange. Panik und Angst stehen den Redakteuren deutlich ins Gesicht geschrieben, unterwürfiges und gehorsames Verhalten sind die direkte Folge. Die Vierte Gewalt wankt in unserem Land. An vielen Stellen ist sie schon eingebrochen und die Menschen können nur noch Ruinen aus längst vergessener Zeit begutachten.

Screenshot: ndr.de

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8 Antworten zu “Die Geister die ich rief — Warum der Journalismus in Deutschland eine Mitschuld an dem T-Skandal trägt”

  1. Ruepel sagt:

    Guter Bericht, kommt aber auch wie alles andere erst nach dem Aufdecken der Affäre.

  2. Sven sagt:

    Kaum beachtet auch der Gedanke, weshalb sich die Medien nicht gewehrt haben. Das geht ja auch subtil indem eine Zeitung über den Anzeigeneinbruch in einer anderen Zeitung berichtet, Gerüchte lanciert werden oder der Presserat in Szene gesetzt wird.
    Für mich ein Armutszeugnis der selbsternannten Vierten Gewalt, sich stellenweise so gängeln zu lassen. Der Druck mit der Anzeigensprerrung funktioniert doch nur so lange, wie der ganze Blätterwald darüber schweigt…

  3. Falk sagt:

    Der Druck mit der Anzeigensprerrung funktioniert doch nur so lange…

    …wie Werbung die Haupteinnahmequelle von Verlagen ist. Kritischer Journalismus ist ja wohl in einem Umfeld, wo die Anzeigen die Haupteinnahemquelle zu sein scheinen, wohl nur mehr sehr viel Naivität zu erwarten. Jetzt den Macker raushängen zu lassen, ist doch ebenso billig wie peinlich für die entspechenden Redaktionen.

  4. Sven sagt:

    @ Falk

    Ich stimme dir zu. Aber wenn es eine Absprache gäbe zwischen den Leitmedien, sofort jede disziplinierende Druckausübung in allen Leitmedien gleichzeitig zu posten, wäre der Druck weg. Egal welche Publikation Aldi & Co. drangsalieren wollten: würde das am nächsten Tag die Titelseiten ALLER Leitmedien schmücken, wäre das Thema schnell gegessen… Naja, wohl Wunschdenken.

  5. Falk sagt:

    Bleibt auch Wunschdenken, so lang dieses imho kranke System für den Broterwerb vieler Menschen sorgt. Was ich dann eigentlich noch schlimmer finde, daß bei solchen Dingen der ÖR auch nur sehr zögerlich seiner Aufklärungspflicht nachkommt oder aber wegen Befangenheit (vgl. Maybrit Illner) darüber gar nicht objektiv berichten kann. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her, das sollte in diesem Fall dann Jedem zu denken geben…

  6. Mirko Gresic sagt:

    Befürchte die skandalösen Aufdeckungen werden nur allzu schnell wieder vergessen. Der Lidl-Eklat ist schon so gut wie verdaut, von Vattenfall spricht niemand mehr (Erinnerung, massiver Störfall im AKW Forsmark), Nokia-Boykott aufgrund der Werksschließung (geschenkt) und die ganzen Gammelfleischskandale etc. fallen mir schon selbst nicht mehr ein. Der Mensch ist eine allzu vergessliche Kreatur

  7. Oliver sagt:

    >Der Lidl-Eklat ist schon so gut wie verdaut,

    Burgerking, Lufthansa, Deutsche Bahn, sowie viele andere Discounter ebenso. Warum auch nicht? Können all diese irren? Wohl kaum und dazu geht auch die Regierung mit gutem Beispiel voran. Ein ganz anderes Problem offenbart sich, viele dieser Dinge werden zerredet und wirken letztendlich nur ermüdend. Denn tatsächlich interessant ist für klein als auch groß nur das Geld und solange man glaubt da in den Miesen zu sein, gibt es auch nichts wichtigeres. Und um das Deutsche Dilemma in Worte zu fassen, Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht., Heinrich Heine

  8. Ralph sagt:

    Im Frühjahr diesen Jahres hatte ich mehrmals eine hohe Mobilfunkrechnung. Im Rufnummernnachweis waren Nummern mir völlg unbekannter Teilnehmer enthalten.
    Dagegen bin ich schriftlich angegangen, aber ich msste trotzdem zahlen. T-Mobile sagte mir, ich solle mein Handy nicht aus der Hand geben, und ausschalten wenn ich selbiges nicht benutze.
    Eine Entschädigung wurde mir nicht zu teil.

    Der Abbuchungsauftrag ist irgendwo im hiesigen T-Punkt
    verschwunden, denn die Telekom hat mir gekündigt, erfahren habe ich das jedoch erst durch eine Anwaltkanzlei aus Hamburg.
    Wiederspruch ist nicht erwünscht.

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