…die Geier kreisen schon

Ob in unserem Land, in den USA, in Frankreich etc. — egal wohin man blickt. Die Geier in Form der Industrie kreisen schon, reden von Kultur und fabulieren von geistigem Eigentum ohne letzteren Punkt überhaupt wirklich zu verstehen. Unterzieht man das Objekt, für welches der Begriff geistiges Eigentum gelten soll, einer genaueren Betrachtung, so bleibt nicht viel über von einem wirklich neuen Werk.

Welches geistige Eigentum hat der Autor an seinem Roman? Parallelen zu anderen Autoren sind aufzuweisen — die kochen alle nur mit Wasser - wenn nicht schon gar Formen des Plagiats … vornehm tituliert als Vorbilder. Das Werk eines Malers wird von Kunsthistorikern meist in der Form der Verwandtschaftsgrade hin zu anderen Künstlern beschrieben, man nennt es hier Beeinflussung oder … er entstammt der Schule des … usw. Im Grunde genommen ist alles nur geklaut!

Warum auch nicht? Schließlich basiert Kultur auf dem freien Austausch von Wissen in allen Bereichen und ohne diesen Austausch ist der kulturelle Status eines Volkes dem Untergang geweiht. Ohne Austausch kein Fortschritt und genau diesem Dilema blickt die z.B. wissenschaftliche Welt schon heute entgegen.

Kein Mensch macht z.B. einem Künstler sein Werk streitig, unter Künstlern ist es ohnhin usus sich davon beeinflussen zu lassen, sprich man klaut mehr oder weniger geschickt. Veröffentlicht nun eine private Webseite eben solch ein Bild, z.B. als Hintergrundbild für den Desktop — weils eben hübsch ausschaut, wird diese mit Pauken und Trompeten abgemahnt. Warum? Was hat der Mensch den Böses getan mit dieser Veröffentlichung? Diese Fragen können wohl nur die entsprechenden Abmahner beantworten die in ihrer eigenen, kleinen und losgelösten Welt leben. Denn mit Kultur hat dies nichts mehr zu tun, eher mit kultureller Zensur.

Ein anderes simples Beispiel — wo wären wir heute ohne die Beeinflussung der römischen Kultur oder gar früher der griechischen Kultur? Da existierte einheimische terra sigillata ( röm. Keramik ), da wurden griechische Ornamente in einheimische Kunstobjekte aufgenommen etc. — der Begriff des geistigen Eigentums hätte dem schon damals entgegengewirkt und wir wären ein Volk von Höhlenmenschen geblieben, überspitzt ausgedrückt.

Wohin soll das alles nun führen? Nun in erster Instanz wird wohl diese Industrie selbst das Wasser abgraben, sowie ihren schützenswerten Objekten. Denn zensiert man kulturellen Austausch, bleibt letztendlich nichts mehr über das man überhaupt noch als geistiges Eigentum bezeichnen kann.

Der Fetischcharakter des «Geistigen Eigentums» ist besonders wirkmächtig. Er beruht auf der Vorstellung eines genialen individuellen Erfinders, der gleichsam aus dem isolierten Privathirn etwas Neues schafft. Diese Vorstellung entspricht der bürgerlichen Denkform des isolierten Individuums, das erst auf dem Markt mit anderen in Austausch tritt. Diese Denkform ist dabei keine bloße Fiktion, sondern realabstraktive Verallgemeinerung des isolierten Einzelnen in der warenproduzierenden Gesellschaft. In der immaterialen Produktion ist diese Vorstellung jedoch praktisch hinfällig geworden. Kreative Leistungen sind immer Resultat eines sozialen Prozesses, auch wenn es Einzelne geben wird und muss, die den Prozess kondensieren und in ein «Resultat» transformieren.

Streifzüge.org

Vielleicht sehe ich das ganze auch zu naiv und verstehe die wirklichen Absichten nicht. Schließlich bin ich kein Rechtsanwalt, sondern nur im historischen Bereich tätig, betrachte diesen Bereich also etwas globaler.

Nun ja warten wir mal ab, ich denke in zwei bis drei Jahren wird man schon seine eigene Aussage in vorauseilendem Gehorsam zensieren müssen, um nicht die Rechte anderer zu verletzen …

Weiterführende Literatur

Eine Antwort zu “…die Geier kreisen schon”

  1. Chris sagt:

    Man macht sich schon Gedanken, wenn man ein Weblog eröffnet, inwieweit das durch solche Aktionen sogar das eigene Leben zerstören kann. Wenn man die neuesten Nachrichten aus dem Forenbereich liest, wird einem ganz anders.

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