Die fritz-kola

KolaWenn wir von Cola sprechen, denken so gut wie alle Leute an die Brause aus Atlanta. Kaum eine andere Marke hat es auf der Welt geschafft, eine derartige Dominanz auszustrahlen und auch zu erreichen, wie eben Coca-Cola. Wenn auch in den USA und in anderen Ländern mit respektablen Marktanteilen — wer in Deutschland spricht schon von Pepsi? Und auch afri-cola ist eher unbekannt. Manchen fällt vielleicht noch die River Cola aus dem ALDI ein oder eine andere Hausmarke irgendeinen Discounters. Seit 2003 bereits, will dies nun ein kleines Unternehmen aus Hamburg ändern und stellt die fritz-kola her, folgerichtig wird dann unter dem Namen fritz-kola GmbH firmiert. Man wirbt offensiv mit dem Kleine-Leute-Faktor. Die Brause aus Atlanta in den PET-Flaschen ist out, der Umwelt zuliebe wird fritz-kola nur in Flaschen vertrieben. Zudem wird auf übertriebene Süße verzichtet — ein Hauch von Zitrone gibt der fritz-cola einen ganz eigenen Geschmack. Ebenso wird schnell klar, dass insbesondere das Party-Volk angesprochen werden soll — fritz-cola bietet die 3-fache Menge an Koffein wie die Getränke der Mitbewerber.

fritz-kola entstand, wie so viele Neugründungen — in der Küche einer Studentenbude. Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert wollten schon länger den Weg in die Selbstständigkeit gehen — nur die zündende Idee fehlte. Bis, ja bis der Ärger über die Allerweltscola immer größer wurde und der Gedanke an eine eigene Kola Form annahm. Die Bausparverträge wurden gekündigt — fritz-kola wurde geboren. Laut Eigenaussage wollen sie mit fritz-kola gegen Colamonopole, Plastikflaschenschrott und Dauer-Coolness angehen. Mittlerweile wird fritz-kola in weiten Teilen Deutschlands vertrieben und sogar Wien kommt in den Genuß der Kola aus der deutschen Studentenbude — eine Studentenbude, die mittlerweile zu einem eigenen Unternehmen, selbstverständlich mit eigenem Büro am Lockstedter-Steindamm, angewachsen ist.

Die Homepage der fritz-kola präsentiert sich vorbildlich. Mit ausgeschalteten Cookies, deaktivierten JS und aktiviertem Adblock Plus ist alles zu lesen, bekomme ich jegliche Information, nichts wird geblockt. Technisch gesehen ist die Webseite schon jetzt Marktführer. Doch wo viel Licht, da findet man auch Schatten. Ich mag dieses aufgesetzt wirkende Flappsige nicht. Wenn man gegen den Coolness-Faktor der Brause aus Atlanta agiert, offensiv sogar, dann kann man das schwerlich tun, indem man einen eigenen Coolness-Faktor schafft. Da will man dann den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Zudem soll die fritz-kola auch weltweit ein Erfolg werden — da muss ein wenig mehr Seriösität in die Texte, in die Homepage gesteckt werden. Nicht nur das Party-Volk besucht diese Webseite — auch potentielle Geschäftspartner.

fritz-kola kann es natürlich auch ganz anders machen: Man geht den richtig offensiven Weg hin zum Kunden — und die Homepage wird zu einer richtigen Kommunikationsplattform mit dem Kunden. Wenn auch ein Gästebuch vorhanden ist, so verläuft das Gespräch einseitig — und wenn mich ein Unternehmen einseitig so locker anspricht, so frage ich dann rück nach der Ernsthaftigkeit. Ein Blog, ein Forum, ein aktives Einbinden der Kunden, der Webseitenbesucher — und der Stil würde wieder passen. So aber wirkt die Homepage übertrieben jugendlich — erst recht wenn man den ersten Satz liest, den die Macher für die Webseitenbesucher parat haben: Die kola für Erwachsene. Der Stil der Webseite sagt das Gegenteil aus. Zudem gefällt mir die offensive Werbung für den Koffeingehalt nicht — der Werbespruch koksen ist achtziger impliziert fast schon, dass die fritz-kola eine legale Droge ist. Koffein ist nicht unproblematisch — erst Recht nicht für Kinder und Jugendliche. Auch wenn man von Kola für Erwachsene spricht, die Zielgruppe ist klar erkennbar: Das junge Party-Volk, unter dem sich nunmal auch Jugendliche befinden, die die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben. Für Erwachsene macht neugierig — für Erwachsene lässt eben auch Jugendliche zugreifen.

Damit soll es an dieser Stelle mit der negativen Kritik auch genug sein, denn letztenendes kommt es immer nur auf eines an, den Geschmack. Und mir schmeckt die Kola, das hat dann weniger mit dem Koffein zutun, eher, dieser Hauch Zitrone, nicht zu süß — und auch nicht unwichtig: Der Magen bläht sich nicht wirklich auf, will sagen: fritz-kola beinhaltet meiner Meinung nach weniger Kohlensäure als die Brause aus Atlanta. Mir schmeckt die fritz-kola viel besser, als ihr Pendant aus der Olympia-Stadt Atlanta — warum die wohl damals Olympia bekommen haben. Aber gut, falsches Thema an dieser Stelle. Ein letzter Kritikpunkt muss allerdings sein: Der Preis. Ich bin durchaus bereit, für Alternativen, für etwas Besonderes etwas mehr zu bezahlen, als für Mainstreamware. Nennen wir es mal so. Wenn jedoch eine 0,33l-Flasche 0,79 Euro kostet, dann ist das das 3-fache von dem, was Coca-Cola seinen Kunden zumutet. Das ist nicht wenig — und macht fritz-kola eben doch nur zu einem hippen und angesagten Party-Getränk. Ob ich eine Caipirinha trinke oder als Fahrer vielleicht eine fritz-kola, ist am Wochenende egal. Da schauen die meisten am Abend sowieso kaum aufs Geld. Somit kann fritz-kola zur Zeit noch nicht als Alternative zur Brause aus Atlanta gesehen werden. Sie ist ein kleines Highlight am Wochenende, wenn man sich mal etwas Gutes gönnen will — ein kleines, aber feines Getränk für Zwischendurch. Nicht mehr.

Ich mag ja solche Geschichten: Junge Leute gründen Unternehmen und haben Erfolg. Natürlich nur, wenn etwas geschaffen wird, wie in diesem Fall. Hier wird keine Blase aufgepumpt, nicht mit leeren Worten nach dem AAL-Prinzip Geld verdient verbrannt, wie von den Jüngern des Web 2.0 — hier wird ein Produkt geschaffen und verkauft. Hier wird ein reelles Produkt hergestellt, ein Produkt, welches mir persönlich sehr gut schmeckt. Und wenn es wegen des Preises nur als etwas Besonderes für Zwischendurch gelten kann, so ist es mehr, als all die professionellen Blogger jemals schaffen werden. Es ist ein Produkt von Wert anstelle leerer, aufgeblasener Worte. Und bevor ich es vergesse: Es soll Leute geben, die blasen sich auf und kündigen viel an und halten nichts — fritz-kola unterstützt junge, unbekannte Bands, einfach so. Die einen schaffen, die anderen reden. So einfach ist das. Wer die Chance hat, der sollte mal probieren — ein Artikel zur fritz-kola, nebenbei eine Flasche ausgetrunken. Das ist eine gute Quote.

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11 Antworten zu “Die fritz-kola”

  1. Oliver sagt:

    Ich bezweifle das man da eine Chance gegenüber Club-Mate hat, denn gegenüber diesem soll dies hier wohl plaziert werden. Die regulären Platzhirsche im Bereich «Zucker mit Farbton» wird man kaum im Visier haben. Bei regulärer Cola, behaupten böse Zungen, langt ja im Prinzip eine reguläre Flasche um u.U. ob des Zuckergehalts jemanden zu paralisieren. Dem wirkt man wohl hier entgegenen mit einer «Über-Dosis» Koffein, um wieder auf den Herzschlag eines Kolibris zu kommen. Da trinke ich Club-Mate mit realtiv wenig Zucker und einem relativ normalen Maß an Koffein. Das die pure Genußsucht ohnehin panne ist, offenbar sich an all diesen der Gesundheit kaum zuträglichen Getränken — stimmt dies mit dem Koffein-Gehalt hier, dann gilt für mich Club-Mate sucks less.

  2. torsten sagt:

    Auch sehr gut: Spezi

    Mit Mandarinenöl und Blütenextrakten. Nicht ganz billig, aber dafür dehr lecker.

    Spezi

  3. Daniel sagt:

    Wenn dir Cola mit Zitrone schmeckt, dann kannst du auch mal Vita Cola probieren. Die ist im Geschmack recht fruchtig allerdings auch eher süß.

  4. Werner sagt:

    JOLT Cola

    Gibt es schon ewig und wirb auch mit doppelt Koffein

  5. phoibos sagt:

    als stolzer patriot (also ich als hamburger) ist für mich fritz-kola natürlich erste wahl.

  6. dakira sagt:

    Fuer mich als Hamburger-Lokalpatrioten ist fritz-kola zu kommerziell.. ich setze da lieber auf (noch besser schmeckendere) Getraenke wie Premium Cola (gab auch nen Bericht bei polylux).

    PS: jegliche Art von Patriotismus ist gefaehrlich

  7. steff sagt:

    lokalpatriotismus is nicht gefährlich.
    das ausnutzen einer marke die man nachmacht schon eher, dass haben auch die leute von afri nicht verdient.
    fritz-kola schmeckt.

  8. Peter sagt:

    wo kann man die eig kaufen??

  9. Chris sagt:

    Bei mir hier z. B. bei REWE…

  10. dakira sagt:

    Premium Cola gibts nur in ausgewaehlten nicht-kommerziellen Bars und ein paar Kiosks (welche die Hersteller moegen). Soweit ich weiss auch nur in Hamburg.

  11. Julian sagt:

    Ich finde es schade, dass man die Kola leider nur bei eBay kriegt, weil hier im hohen Norden bekommt man sie meines Wissens nicht, was sehr schade ist.

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