Die Frage nach der Gesinnung

Wer bei uns regelmäßg mitliest weiß, dass ich der Meinung bin, dass die Fremdenfeindlichkeit, der Rassismus tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Und wenn immer geschrieben wird, dass die Blogosphäre eine Querschnitt der Gesellschaft ist, dann ist eben auch auf den deutschen Blogs — und ich meine nicht die braune Soße — die Fremdenfeindlichkeit weit verbreitet. Ich habe früher noch Negerküsse gegessen. Und zu Mitmenschen die anderer Hautfarbe waren, habe ich Neger gesagt. Heute verwende ich diesen Begriff nicht mehr, eigentlich eine ganz klare Sache.

Eine, unsere Gesellschaft ist fortwährend Änderungen unterworfen. Positiv ausgedrückt würde man sagen, sie entwickelt sich weiter. Der Begriff Neger ist mittlerweile negativ besetzt und Menschen, die so bezeichnet werden, empfinden es als Beleidigung. Nein, und damit meine ich nicht den Kumpel, der einen das Weißbrot als Konter um die Ohren haut wenn man unter Freunden scherzt. Ich würde niemals auf offener Straße einen Menschen als Neger bezeichnen — schon gar nicht eine mir völlig fremde Person. Ich verstehe auch nicht, wie man auf so eine Idee kommen kann. Dieser Begriff, und das steht völlig ausser Frage, gilt mittlerweile als rassistisch — und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würde ich es schon aus Respekt nicht tun.

Auf deutschen Blogs wird gerade ein Fall heiß diskutiert, weil eben ein paar Blogger einen Menschen bei seinem (ehemaligen) Spitznamen genannt haben. Dieser Spitzname beinhaltet auch den Begriff Neger. Und wie das bei Abmahnungen so ist — jegliches Denken wird eingestellt. Der Mob beleidigt in einer Tour, ruft (fast) zur Lynchjustiz auf. Die Hauptausrede: Der Abmahner hätte sich schließlich früher selbst so bezeichnet — was dieser im Übrigen bestreitet.

Es ist meiner Meinung nach völlig unerheblich, ob der Abmahner sich früher selbst so bezeichnet hat oder nicht. Unsere Gesellschaft, unsere Ansichten haben sich weiter entwickelt — und wenn wer meint, der Begriff Neger sei nicht so schlimm, schließlich habe sich die betroffene Person selbst so genannt, dann sollten diejenigen sich mal an den Kopf fassen. Natürlich wird jetzt bei den Herrschaften (innerlich) ein Aufschrei folgen — aber mein bester [sic!] Kumpel von nebenan ist doch Farbiger, so ist es ja immer. Es geht hier um keinen Kumpel — es geht um eine völlig fremde Person, die mit einem rassistisch belegten Wort bezeichnet wurde.

Der Begriff Neger ist rassistisch und abwertend. Wer sich damit rausreden will, dass sich jemand früher selbst so genannt hat, bei dem stellt sich ganz eindeutig die Frage nach der Gesinnung. Die Frage im Übrigen hat der Abmahner in einem der Blogs selbst gestellt. Eine (ehemalige) Kiezgröße, die bestimmt nicht viel Ahnung von Blogs, Publizieren, Texte verfassen hat — diese Person hat mal eben mit einem Text den Herrschaften die Ohren langgezogen.

Die Frage nach der Gesinnung indes, wurde bis jetzt noch nicht beantwortet.

33 Antworten zu “Die Frage nach der Gesinnung”

  1. Dome sagt:

    Jede einem Menschen zugefügte Beleidigung, gleichgültig, welcher Rasse er angehört, ist eine Herabwürdigung der ganzen Menschheit. — Albert Camus

    Sicherlich rührt die Bezeichnung «Neger» genauso im Rassismus wie die Bezeichnung «Weißbrot», sehe es aber bei Weitem nicht als so großes Problem wie der allgemeine Fremdenhass dem man immer vermehrter entgegentreten muss.
    Ich habe viele gute Freunde im Ausland und arbeite auch gerne mit Ausländern zusammen, Internationalisierung ist ein großer Schritt zu mehr Kommunikation innerhalb der Kulturen.
    Leider müssen wir aber nicht einmal das Wort Ausländerfeindlichkeit anschneiden, trauriger weise begegnet man dem Ost/Westkonflikt noch viel zu häufig.
    Die Vorurteile der Menschen werden nie versiegen, es war nie besser und es wird auch nie besser sein. So traurig es auch ist.

  2. phoibos sagt:

    öh, nein 😉
    der gute mensch wurde ob seiner zumindest damals dunklen hautfarbe mit dem eingedeutschten niger (lat: schwarz, dunkel) gerufen — ohne dass es ihn gestört hätte. auch bin ich gegen eine übertriebene politische korrektheit, da sie nur neue diskriminierungen schafft.
    und wie soll jetzt niger genannt werden? oder nigeria? und was ist mit äthiopien? alles diskriminierende begriffe? ich denke nein. ich stimme dir zu chris, was die titulierung von menschen anbelangt und dass neger primär ein schimpfwort ist. doch was soll ich davon halten, dass in us-hiphop nigger zum standardvokabular gehört? das lernen so immerhin unsere kinder als mögliche bezeichnung. wir brauchen einen differenzierten umgang mit begriffen und kein wörterbuch des unmenschen.
    doch noch mal zurück zum thema: dieser mensch ist als kiezgröße damals eine person öffentlichen interesses gewesen und unter diesem namen bekannt gewesen. also was kümmert ihn das heute? verklagt er jetzt auch alle möglichen archive, die zeitungsartikel über ihn aufbewahren?
    ich finde, wir sollten eher seine gesinnung hinterfragen und nicht den von ihm damals als ehrenname getragene begriff. und natürlich die zeit, in der dieser name entstand. heute ist das benutzen eher ein historisches zitat.

    ciao
    phoibos

  3. jesse sagt:

    Also mein Opa nennt Farbige auch Neger und denkt sich nichts dabei, hat er doch welche in seinem Bekanntenkreis mit denen er super auskommt. Überhaupt tritt er Menschen aus anderen Ländern generell absolut vorurteilsfrei entgegen.

    Ich habe damit ebenfalls null Probleme, auch wenn ich das Wort, aus Angst als Rassist abgestempelt zu werden, in öffentlichen Bereichen des Internets vielleicht nicht verwenden würde. Ich schere mich allgemein eigentlich kaum darum, wer jetzt welches Wort anstössig findet.

    Zum Beispiel muss man ja vorsichtig sein, wen man als Jude bezeichnet. Ein Freund von mir ist einer und ich begrüsse ihn auch mal mit ‘Na, du alter Jude!’. Bin ich jetzt Nazi? Nur weil das bei manchen Leuten komisch aufstösst? Nicht zuletzt ist er doch einer?

    Zeitgeist schön und gut, aber wer macht da jetzt ein Gesetz draus? Wird das irgendwo zum Nachlesen niedergeschrieben? Was ist, wenn man den Wandel der Semantik eines Wortes verpasst hat, weil man nicht täglich Stefan Raab oder so eine Schmuddel^WBoulevard Sendung guckt oder prinzipiell nicht in der Bild liest?

    Zu Luthers Zeiten wurde es übrigens als unhöflich, oder zumindest verwunderlich, angesehen wenn man nach dem Essen nicht gerülpst oder gefurzt hat.

    Dennoch muss ich leider bestätigen, dass bei vielen Menschen sehr wohl bedenkliche und verabscheuungswürdige Gesinnungen hinter der Verwendung von so machen Begriffen und vermeindlichen Schimpfwörtern stecken und festellen, dass man ihnen manchmal leider nichts anhaben kann.

  4. dejot sagt:

    Die Begriffe an sich beinhalten keine Wertung, es sind Wörter. Erst dadurch, dass man ihnen eine Bedeutung und Wertung zumisst, bekommen sie diese. Voldemort wäre in der Harry-Potter-Welt nicht so ein schlimmes Wort, wenn nicht alle vermeiden würden, es auszusprechen.
    Dadurch, dass du einem Wort eine wertende Bedeutung zusprichst und es zu benutzen vermeidest, beförderst du es geradezu. Deshalb bin ich der Meinung, gerade Wörter, die jemanden bei Benutzung leicht als Nazi, Rassist oder sonstwie abstempeln, sollten entmystifiziert werden.
    Auch oder imho gerade das kann eine positive Entwicklung sein, welche es unseren Kindern einmal erleichtert, in dieser Welt zurecht zu kommen.

  5. jesse sagt:

    Ich befürchte ich habe mich ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Hoffentlich werde ich nicht zerrissen, ich kenne den Tonfall in diesem Blog noch nicht so genau.

    Mir geht es halt so manches Mal echt auf die Nerven, wenn mir eine Gesellschaft bestimmte Dinge und Verhaltensweisen vorzuschreiben versucht.

    Gerade frage ich mich auch, ob man als Türke abgemahnt werden kann wenn man jemanden als Kurde bezeichnet?

  6. EuRo sagt:

    Wir können alle nur weitestgehend theoretisieren. Ich kenne eine Familie: Frau Deutsche, Mann Engländer. Zwei Kinder, beides Jungs. Er hat 12 Jahre in der britischen Armee gedient. Alles in Ordnung? Weit gefehlt: Er ist gebürtiger Jamaikaner und demzufolge mit einem Teint ausgestattet, um den ihn jeder Mitteleuropäer im Sommer beneidet, wenn der im Winter wieder verschwände. Das beraubt die beiden schon der Möglichkeit, in Meck-Pomm Urlaub zu machen. Die Söhne sind von verschiedenen Vätern. Der erste ist weiß, der zweite von wesentlich dunklerer Hautfarbe — und gesellschaftlichen Ressentiments ausgesetzt, die man so kaum für möglich halten würde.
    Sein Bruder hat ebenfalls gegen Vorurteile zu kämpfen, denen er — da die Ursache äußerlich nicht erkennbar ist — aber besser entgehen kann.
    Wer wissen will, wie es sich so lebt, darf gerne mal genauer nachfragen. Alle Probleme komplett überflüssig, weil nur zwischen den Ohren von ein paar Hanseln vorhanden. Objektiv sind das einfach nur nette Leute.
    Sowas aus direkter Nähe betrachtet löst schon einen gewissen Kotzreiz aus bei unsereinem.

  7. Dome sagt:

    @EuRo traurig aber wahr…
    Ein interessantes Beispiel ist Beispielsweise auch meine jahrelange Beziehung mit einer Deutschen, thailändischer Abstammung.
    Das Ausmaß entsprechender Betitelungen brauche ich jetzt wohl nicht weiter auszuschmücken und gehören auch nicht hier her.
    In vielen Dingen ist ein Großteil des Gesamtwesens Mensch doch ein wirklich trauriges und dummes Wesen.
    Wenn man den Brechreiz erstmal unter Kontrolle hat.…. :-(

  8. Grainger sagt:

    Ich halte mich selbst auch nicht für einen Rassisten (ich weiß, dass das eine wertfreie Aussage ist, denn wer hält sich selbst denn schon dafür) und würde das Wort Neger tatsächlich auch nicht gebrauchen, weder umgangssprachlich noch als gezielte Beleidigung.

    Sicherlich habe ich meine Vorurteile (die hat nun mal jeder Mensch), die beziehen sich bei mir aber nicht auf die ethische oder ethnische Herkunft eines Menschen.

    Meine Vorteile sind eher religiös bedingt (ich bin überzeugter Atheist und stehe gläubigen Menschen eher skeptisch gegenüber — und das ist vorsichtig formuliert).

    Ich habe auch kein Problem damit Herrn S. nicht mehr bei seinem (ehemaligen) Spitznamen zu nennen (was ich ohnehin noch nie getan habe).

    Falls die Notwendig besteht ihn namentlich zu nennen ist *Herr S.* absolut ausreichend und in jeder Hinsicht korrekt).

    Natürlich ist Herr S. unter seinem bürgerlichen Namen nicht annähernd so bekannt wie unter seinem Spitznamen, aber vielleicht ist ihm das auch lieber so.

  9. Oliver sagt:

    >Bin ich jetzt Nazi? Nur weil das bei manchen Leuten komisch aufstösst?

    @jesse

    Ist Jude ein Schimpfwort? Nein. Ist Neger per se ein Schimpfwort, ja denn es entstammt ursprünglich diversen hahnebüchenen Rassentheorien bzw. wurde durch diese in unserer Sprache etabliert und da wirds auch nicht besser das der Begriff auf das lateinische Wort niger zurückzuführen ist.

    Der Kontext macht eben die Musik, so auch bei Antisemit. Bei diesem Begriff wissen wir das die rechten Spacken gemeint sind, die ihrem Hass auf Juden nachgehen. Semit selbst bezeichnet doch korrekterweise all jene die semitische Sprachen sprechen, auch Araber. Aber man setzte das Anti davor, weil eben Rassisten diesen Begriff prägten und schon damit ihre Dummheit massiv verdeutlichten.

    Der Begriff ist nun einmal so geprägt, man weiß es und man kann sich danach richten. Man bricht sich nichts ab, wenn man denn mal beginnt zu *denken*.

    Und wenn jemand partout irgendwie nicht genannt werden möchte, dann um Himmels wissen halt ich eben die Fresse und beginne nicht dessen Person in Frage zu stellen. Genau darin liegt das Problem begründet, es geht ja noch nicht mal um eine eigene Meinung, man möchte auch über die Persönlichkeit desjenigen bestimmen.

  10. Sebastian sagt:

    Also ich sehe die Sache irgendwie nicht so deutlich wie Du, Chris. Es ist nicht etwa so, dass der MC W ihn als N**** bezeichnet hätte. Das wäre in der Tat schlichtweg eine Beleidigung gewesen.
    Herr S ist unter diesem Spitznamen sogar schon in Musikvideos in Erscheinung getreten, aber damals war ihm dies zur Steigerung seiner Popularität wohl recht.
    Wenn man bedenkt in welchem Umfeld sich der Mann bewegt hat und für was er bekannt WAR, dann bringt es mich allerdings zum Schmunzeln, dass er freiwillig ein Gericht dafür betreten hat.

  11. Chris sagt:

    @phoibos:

    verklagt er jetzt auch alle möglichen archive, die zeitungsartikel über ihn aufbewahren?

    Ja, das tut er mit Erfolg.

    phoibos, ich denke gerade an manche Diskussion mit Cosmo, da habe ich mich selbst schon mal um den Beleidigungen des Herrn zuvor zu kommen Pappnase genannt. Glaubst Du allen Ernstes, ich würde so einen Begriff von einer fremden Person hinnehmen? Und ob eine Kiezgröße, den in Deutschland so gut wie niemand kennt, in Hamburg vielleicht etwas mehr, eine Person des öffentlichen Interesses ist, sei dahingestellt. Das glaube ich nicht. Seien wir doch mal ehrlich. Es ist der Kalle, darum schlagen alle auf ihn ein.

    @Jesse: Jude und Neger sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Trotzdem die Frage: Würdest Du völlig fremde Personen mit «Jude» ansprechen?

    @dejot: Solch relativierende Scheiße wie Entmystifizierung bitte demnächst woanders. Hier nicht mehr. Danke. Solche Sachen müssen gesellschaft noch mehr angeprangert werden.

    Ich hasse Relativierungen — hier ist es ja nur die Kiezgestalt, das eindeutig Böse. Auf der anderen Seite die guten Blogger. Blödsinn. Ich würde mir solche Begriffe vom fremden Leuten auch verbitten lassen.

    Nur weil etwas gestern vermeintlich [sic!] in Ordnung war, ist es heute noch lange nicht. Welchen Begriff zaubern wir dann als nächstes hervor, weil sich irgendwer mal irgendwann irgendwo so genannt hat?

  12. Oliver sagt:

    >Herr S ist unter diesem Spitznamen sogar schon in Musikvideos in Erscheinung getreten, aber damals war ihm dies zur Steigerung seiner Popularität wohl recht.

    Mal von der Person losgelöst, ist es doch typisch das man Menschen noch nicht einmal das Recht auf die Persönlichkeit lassen möchte. Gerne wird dann mit allen erdenklichen Spitzfindigkeiten der eigene Unverstand gerechtfertigt.

    Ich war früher nicht berühmt und auch heute nicht, aber ich hatte mal in der Schulzeit einen Spitznamen, der gefiel mir sogar damals bzw. störte mich nicht weiter. Heute hingegen würde ich es als Frechheit empfinden … und? Wer möchte mir das Recht dazu absprechen? Ich habe einen richtigen Namen und genauso wie ich mich nicht von jedem Dutzen lasse, verbitte ich mir auch Bezeichnungen die ich nicht mag. Möchtest du mir z.B. das Recht dazu absprechen? Mit welcher Logik denn?

    DENKT MAL WIEDER!

  13. dejot sagt:

    @Chris
    > Ich hasse Relativierungen
    Das tut mir Leid. Aber ich denke auch ansonsten hast du mich nicht verstanden und scheinst genau wie Oliver an anderer Stelle nicht gewillt, es zu versuchen, weil Vorurteile aufgrund meiner Kommentare zu überwiegen scheinen. Menschen mit festgefahrener sturer Meinung tuen mir Leid, aber ich respektiere deinen Wunsch auf Unterlassung und werde von meinem Recht der freien Meinungsäußerung in diesem Blog keinen Gebrauch mehr machen.

  14. Dome sagt:

    @deJot
    Ich fasse deine Äußerung allerdings auch ähnlich auf.
    Möchtest du deinen Kindern denn tatsächlich alle Schimpfwörter beibringen, damit es keine mehr sind?
    Es gibt in jeder Sprache Wörter für schlechte, negative Dinge. Daher werden sie zumindest teilweise auch bedacht eingesetzt.
    Das Stichwort Niveau beschreibt jetzt einen anderen Grundsatz und gehört somit auch nur indirekt hier herein.

  15. Grainger sagt:

    Das der Herr S. nun nicht mehr mit seinem ehemaligen Spitznamen genannt werden möchte //Edit by Chris falsche Tatsachenbehauptung. Denkt doch einfach bitte nach und lest auch den Artikel. Danke. // ist sein gutes Recht und geht für mich durchaus in Ordnung.

    Nur sollte er Leute, die seinen ehemaligen Spitznamen in (mutmaßlicher) Unkenntnis seiner Meinungsänderung verwenden, vielleicht erst einmal in geeigneterer Form als mit einer sofortigen Abmahnung darauf hinweisen (lassen).

    Falls die Angelegenheit größere Kreise zieht (momentan ist das ja bestenfalls ein Sturm im Wasserglas) besteht durchaus die Möglichkeit, dass das fragliche Musikvideo sich kurzzeitig wieder einer gesteigerten Popularität erfreuen wird.

    Falls dies der Fall sein sollte bin ich auf die Reaktion von Herrn S. (bzw. seiner anwaltschaftlichen Vertretung) schon sehr gespannt.

  16. Oliver sagt:

    >Die Begriffe an sich beinhalten keine Wertung, es sind Wörter.

    Wir leben jedoch nicht in einer Traumwelt, sondern in einer realen Welt in der Begriffe Bedeutungen besitzen die mittels ihres Kontext geprägt sind. Begriffe sind nie ohne Bedeutung, man wählte eben jene um einen Umstand, eine Sache zu abstrahieren, einen gemeinsamen Begriff zu besitzen, um die Kommunikation zu erleichtern. Darüber braucht man auch nicht zu diskutieren, die Menschheit hat es schon seit der ersten Kommunikation derart angenommen, weil sonst Kommunikation unmöglich wäre.

    @dejot

    >weil Vorurteile aufgrund meiner Kommentare zu überwiegen scheinen.

    Heul nicht herum, bring erst einmal ein gewisses Niveau mit, bevor du andere tadelst ob ihrer «Sturrköpfigkeit».

    >von meinem Recht der freien Meinungsäußerung

    Ja tut mir leid, das gilt in Deutschland jedoch nicht auf der Plattform anderer. Und in erster Instanz setzt dir da das GG Grenzen, in zweiter Instanz der Verstand und letztendlich der Eigentümer der jeweiligen Plattform, aufs Netz bezogen. Auf dem speakers corner in GB kannst du beispielsweise frei und unbehelligt Meinung kundtun, hier in D ist es immer noch am sichersten, tut man es denn in den eigenen vier Wänden.

    Wenn du ernst genommen werden möchtest, bleib beim Thema, fall nicht ab in allgemeines pseudo-philosophisches Gefasel — dann ist alles im grünen Bereich, insbesondere bei brisanten Themen wie diesen.

    >Deshalb bin ich der Meinung, gerade Wörter, die jemanden bei Benutzung leicht als Nazi, Rassist oder sonstwie abstempeln, sollten entmystifiziert werden.

    Das ist also eine schöne «Meinung», die du gerne irgendwo äußern kannst, jedoch nicht hier. Du darfst auch gerne mal einen Indogermanisten aufsuchen und diesem deine Meinung kundtun, ich würde mich jedoch warm anziehen :)

    Last not least diskutieren wir gerne, wenn die Meinung Substanz hat und unserem Niveau entspricht. Das wir auch massiv gegenteilige Meinung auf dem Weblog haben widerlegt auch deine Aussage der Sturrköpfigkeit — nur *alles* müssen wir nicht hinnehmen, irgendwo ziehen wir auch eine Grenze.

  17. Falk sagt:

    @ Grainger:

    dass das fragliche Musikvideo

    Der Gesetzgeber zieht bewusst bei Kunst andere Grenzen, als im privaten Umgang oder bei schlichten Meinungsäußerungen. Was im Rahmen eines Songtextes oder Videos erlaubt ist, kann dir als Meinung oder Sachverhalt geäußert schon derbst zum Nachteil gereichen. Imho ist der Fall der Nennung in einem «privaten» Blog und ein Artikel bei Wikipedia und ein Musikvideo völlig unterschiedlich zu werten.

  18. dejot sagt:

    @Oliver: Woran machst du denn fest, ob eine Meinung «Substanz» hat? Wodurch unterscheidest du «pseudo-philosophisches Gefasel» und «echte» Philosophie?

    Niveau sehe ich hier gerade leider keines. Nein, bevor die bissige Antwort kommt, auch in meinen momentanen Kommentaren nicht, dafür habe ich mich durch das Gefühl, persönlich angegriffen worden zu sein, zu sehr beeinflussen lassen.

  19. Grainger sagt:

    @Falk

    Die Freiheit der Kunst bzw. künstlerische Freiheit hatte ich nicht in Erwägung gezogen, insofern ist vermutlich auch der Auftritt von Herrn S. unter seinem ehemaligen Spitznamen im TV-Stück Das Miststück vermutlich anders zu bewerten.

  20. truetigger sagt:

    Hi,

    vorneweg — ich bin in «richtigen» Blogs recht unbeholfen, die sogenannte Blogosphäre interessiert mich nicht wirklich. Euer Blog les ich ab und an, weil es zum einen wunderbare technische Infos hier gibt und zum anderen Ihr eine raubeinige, kompromisslose Art habt Eure Meinung kundzutun. Und vielleicht versteht ihr gerade darum auch, wenn ich Euch Eure Meinung zwar lass, aber zu der Geschichte um «den, dessen Name nicht genannt werden soll» und dessen Abmahnung hab.

    Ja, «Neger» würd ich persönlich keinen nennen, das ist eine Sache des Respekts. Und eine ehemalige Kiezgroesse mit dem Spitznamen zu nennen, nun — ich würds mich eh nicht trauen, egal wie der Name ist. Manchen Menschen wie Türstehern und Profiboxern piss ich nicht wirklich ohne Not ans Bein. Doch daraus einen allgemeinen Zustand der deutschen Blogwelt zu zitieren halt ich persönlich für gewagt. Die weitaus meisten Meldungen beim oben angesprochenen auf sein «Ich bin abgemahnt worden!» sind erschrockene, mutmachende Kommentare, wie man sie überall findet, wenn klar wird wieviel Risiko man heutzutage eingeht wenn man seine Meinung sagt.

    Und genau aus DIESER Stellung heraus bin ich ein Verfechter, nicht alles so bierernst und nach «Gutmenschen-Art» zu sehen. Freie Meinungsäusserung ist in Deutschland (und Österreich) inzwischen zu einer Mutprobe geworden, dabei ist gerade Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter, was wir seit dem Fall des realexistierenden Sozialismus haben. Und freie Meinungsäusserung bedeutet eben auch, dass eine Menge Blödsinn gesagt werden kann. Sicher, die Grenzen zwischen Beleidigung und Anmaßung sind schwimmend, doch je enger das gerichtliche Korsett gezogen wird, umso mehr opfern wir in der Gesellschaft ein Gut, welches ich von vielen leichtfertig aufgegeben sehe.

    Versteht das bitte nicht als Vorwurf an Euch, gerade Ihr beide seid ja recht direkt zu sagen was Ihr denkt. Man muss halt nicht in allem immer übereinstimmen, um sich dennoch zu akzeptieren.

  21. Chris sagt:

    Wir leben in einer Kultur, wo das Persönlichkeitsrecht höher eingeschätzt wird, als das der freien Meinungsäusserung. Wäre schön, wenn die Leute das endlich mal kapieren würden und nicht immer jammern würden.

    @truetrigger: Und die freie Meinungsäusserung hört eben bei Beleidigung, insbesondere beim Rassismus, auf. Ganz einfach. Da braucht es eigentlich keine Diskussion.

  22. truetigger sagt:

    Natürlich darf eine freie Meinungsäusserung nicht als Schutzmantel für Beleidigungen gesehen werden — selbst ohne Rassismus nicht, keine Frage. Und Rassismus, da muss ich zugeben bin ich ratlos, wo solch ein Weltbild herkommt, das versteh ich einfach nicht.

    Wollte ja nur anmerken, dass ich bei all der Klagerei, die ich zu diversen Themen in den Medien mitbekomm, ein klammes Gefühl in Richtung «Man muss wieder aufpassen was man sagt» bekomm. Subjektive Wahrnehmung, und ohne Wertung des direkten Falls.

    Schönen Abend noch

  23. Oliver sagt:

    >Freie Meinungsäusserung ist in Deutschland (und Österreich) inzwischen zu einer Mutprobe geworden, dabei ist gerade Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter,

    Ja das ist schön und nett, nur vergessen einige gerne, das sie mit ihrer «Meinung» oft schon die Existenz anderer bedrohen. Da mutiert Meinung dann zur profanen Aussage ohne Substanz, gar zur Haßtirade. Und wenn die Leute sich teils ohne Verstand zu etwas äußern möchten, bitte sehr, dann bezahlen sie eben die Zeche und eine Plattform muß man diesen auch nicht bieten.

    Wenn ich dann schon im Netz diese spinnerten SS-Vergleiche etc. sehen, nicht Andeutung oder aufgeschlüsselte Ähnlichkeiten im *Ansatz*, nein handfeste Vergleiche — dann frage ich mich doch wo die Meinung bei jenen überhaupt aufhört. Da hat man ein paar Knoppsche Videos im ZDF gesehen, ein paar Worthülsen eines katastrophalen Geschichtsunterrichts behalten und poltert direkt los, den massiven eigenen Unverstand demonstrierend. Jaaa, ganz großes Kino, hier wird Meinung demonstriert, ich bin frei.

    Irgendwie lächerlich das alles.

  24. Oliver sagt:

    >@Oliver: Woran machst du denn fest, ob eine Meinung “Substanz” hat? Wodurch unterscheidest du “pseudo-philosophisches Gefasel” und “echte” Philosophie?

    @dejot, einmal darfst du noch und zur Antwort, schau dir mal unsere knapp 3000 Artikel an, insbesondere jene recht Große — genau das ist _unser_ Niveau, unser Anspruch unsere Unterscheidung was hier steht und anderenfalls ein no-go bzw. zumindest eine Ignorierung wert ist.

  25. Der Tom sagt:

    @truetigger:

    Das mit der Meinungsfreiheit ist so eine Sache, die eigentlich ganz einfach ist.
    In unserer Verfassung gibt es sowas wie das kontradiktorische Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Gleichheit.
    Das bedeutet nichts anderes, als daß ich durch das Ausüben meiner Freiheit jemanden anderen in seiner Gleicheit herabsetzen kann.
    Immer dann wenn das passiert, ging die Meinungsfreiheit ein Stück zu weit.
    Das ist eigentlich ganz einfach, dazu braucht man keine Abmahnungen, Richter und Anwälte, da würde grundsätzlich schon gesunder Menschenverstand reichen.

    Ein Großteil derer, die lautstark auf ihre Meinungsfreiheit pochen, sind nicht in der Lage, dieses Prinzip vernünftig anzuwenden.

    In obigen Beispiel überhaupt von Meinungsfreiheit zu reden finde ich schon etwas krass.
    Man ist halt bei was offensichtlich falschem erwischt worden und greift nun nach jedem Strohhalm, um sich da rauszuwinden.

  26. Chris sagt:

    Liebe rechte Dumpfbacken: Wie immer der Hinweis, Ihr braucht hier nicht kommentieren und keine Pingbacks schicken. Die könnt Ihr gern zu den Urhebern jagen, dort werden sie gerne genommen.

    Danke. :)

  27. Björn sagt:

    Den Wunsch vom Kiez-Titan kann ich durchaus nachvollziehen und auch respektieren. Es ist nur die Kostennote seines Anwalts, die mich mal wieder am deutschen Rechtssystem zweifeln lässt. Knapp 2.700 Euro dafür, dass man einen Begriff bei Technorati durchjagt, drei Mal das Impressum anklickt und ein Formschreiben rausjagt? (Mindestens Abmahnung #2 & #3 sind ja keine kreativen Neuleistungen mehr.) Das ist schon ein solider Stundenlohn. Ich studier’ das falsche Fach…

  28. Chris sagt:

    Das steht ausser Frage, dass weiter daran gearbeitet werden muss, dass die erste Abmahnung kostenfrei gestellt wird, zumindest gedeckelt wird.

  29. Sammy sagt:

    >in us-hiphop nigger zum standardvokabular gehört?

    Aber nur unter Afro-Amerikanern und das wohl aus einem Zugehörigkeitsgefühl heraus, wie auch bei der Sprache, z.B. «he don’t» etc.

  30. Oliver sagt:

    >Aber nur unter Afro-Amerikanern und das wohl aus einem Zugehörigkeitsgefühl heraus,

    Also ich weiß wohl zu berichten das sich übliche Afro-Amerikaner von diesem Kommerz-Ghetto-Image distanzieren.

  31. Björn sagt:

    doch was soll ich davon halten, dass in us-hiphop nigger zum standardvokabular gehört? das lernen so immerhin unsere kinder als mögliche bezeichnung.

    Kleine Korrektur: Nigga. Mit «a» am Ende. Der Begriff ist dadurch kulturell schon anders konnotiert als «Nigger». Abgesehen davon, wenn eine Gruppe sich offensiv einen abwertenden Begriff zu Eigen macht (siehe auch «schwul»), dann ist das noch kein Grund dafür, dass man ihn «jetzt erst Recht» benutzen darf. Wenn ich mich selbst scherzhaft oder im Freundeskreis als Kraut bezeichne, dann heißt das noch lange nicht, dass mich jeder Wildfremde so nennen darf. Nigga, please.

    Anyway: Geh’ einfach mal als Nicht-Mitglied dieser Gruppe in die Bronx oder nach South Central L.A. und sprich einen der Einwohner mit «Nigger» an. Guck mal was die davon halten.

  32. truetigger sagt:

    @Tom: Möglicherweise habe ich den Fall, den ich erst hier wahrgenommen hab, falsch interpretiert: Ein Möchtegern will sich cool geben, macht einen auf Kumpel bei einer Hamburger Kiezgrösse und schaut nun komisch, dass er den Spitznamen nicht genauso verwenden darf wie 10 Jahre früher eine Gruppe Fun-HipHopper, die eben mit Karl-Heinz Schwensen noch ein Video drehten.

    Anmaßend, mies recherchiert und eben danebengegriffen. Mir liegt es fern für DIESEN Fall jetzt Stellung zu beziehen, es stört mich nur dass hier pauschal ALLEN Bloggern, die dort kommentiert haben (sind ja über 200 Kommentare inzwischen) gleich rechte Gesinnung zu unterstellen.

    Klar gibt es ein Recht auf Persönlichkeit, und NATÜRLICH schränken manchen Rechte andere Freiheiten ein — logisch. Es geht um Balance. Und genau darum macht mir das unterschwellige «wer nicht genau unserer Meinung ist, ist rechtes Gesindel» eben etwas aus.

    Denn es geht GENAU um Grenzfälle, wo eine öffentlich geäusserte Meinung die Empfindlichkeiten anderer verletzt (und nur zur Erinnerung, hier hat keiner einen anderen Nigger genannt, sondern sich im Glanze eines bekannten Spitznamens zu sonnen). Dafür hat er eine Watschn kassiert, kommt vor und sollte ihm zu denken geben. Soweit, so gut. Fall erledigt.

    Daraus gleich einen Zustand der Gesellschaft abzuleiten und hier mit harschen Worten (und zugegeben in guter Rhetorik) jegliche Anmerkungen meinerseits gleich ins rechte Eck zu stellen widerspricht einfach meiner Wahrnehmung der Realität.

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