Die Flattr-Gang: die Rumänen-Gang 2.0

flattr_bettelei

Die Bettler, die man in deutschen Großstädten immer wieder sieht, sind heutzutage weitestgehend organisiert. Sie werden von Schwerstkriminellen ausgenutzt, oft sogar extra aus Osteuropa eingeschleust um auf den bekannten Meilen in Hamburg, Berlin und anderen Städten Geld einzutreiben. Oftmals sind es Kinder, Menschen mit Behinderungen – und der obligatorische Hund darf auch nicht fehlen. Hauptsache Mitleid wird erzeugt und der Rubel rollt. In den meisten Fällen haben die Bettler selbst nichts vom Geld, sie werden von Hintermännern zu ihrem Einsatzort gefahren, am Abend abgeholt und das Geld wird einkassiert. Wenn man es zynisch sehen will, kann man davon sprechen, dass selbst die Bettelei in Deutschland professionalisiert wurde. Im (deutschen) Internet wird man mittlerweile auch an jeder Stelle angebettelt. Die neue Wunderdroge des Web 2.0 nennt sich Flattr.

Die Flattr-Gang ist die Rumänen-Gang 2.0.

Es ist Monatsanfang, das heißt über Twitter laufen wieder die Wasserstandsmeldungen, wer wie viel über Flattr im letzten Monat eingenommen hat. Es geht nicht um Dankbarkeit, um Anerkennung, es geht ums Geld. Nicht mehr und nicht weniger. Wer diesen Umstand noch schön redet, lügt seine Leser an. Ganz bewusst. Heute habe ich Tim Pritlove aus meiner Timeline geschmissen. Mir ging und geht diese ewige Flattr-Bettelei auf den Geist. Ich behaupte: das hätte es früher beim CCC nicht gegeben.

Auf der einen Seite werden immer wieder Facebook, Google und Co. wegen Datenschutzbedenken kritisiert, Flattr aber zum neuen Heilsbringer deklariert. Datenschutzbedenken bei Flattr werden ignoriert, es wird dazu geschwiegen – die wenigen, die darauf hinweisen, mit einem Kopfschütteln bedacht. Der CCC sollte sich durchaus fragen, ob man da noch auf dem richtigen Weg ist. Ich denke, man ist dort auf einem großen Irrweg.

Es wird gebettelt und oftmals mit fremden Inhalten Geld verdient. Es gibt so genannte deutsche Top-Blogs, deren Eigenleistung besteht im Regelfall daraus, Videos einzublenden, Zitate mit einem Satz eigener Meinung zu veröffentlichen und sich dies bezahlen zu lassen. Die Macher der Videos oder der Texte sehen keinen Cent — mit ihren Werken wird an anderer Stelle von anderen Menschen Geld verdient. Das läuft der ursprünglich kolportierten Idee von Flattr zuwider – und meiner Meinung auch der Creative Commons Lizenz, die häufig eingesetzt wird. Mir wäre das ehrlich gesagt zu peinlich.

Datenschutzbedenken, die fragwürdige Vergangenheit der Flattr-Gründer, Flattr selbst ist eine einzige Geldumverteilungsmaschine, Ausnahme sind natürlich die «großen» Blogs – all diese Punkte hält die Leute nicht davon ab, wie der ältere beinamputierte Herr in der Mönckebergstraße zu betteln. Es nervt nur noch und ich bin froh und glücklich über meinen Adblock Plus-Eintrag:

api.flattr.com

Damit ist Ruhe. Wenn ich meine Reise durch das Netz antrete, ich werde nicht mehr an jeder Ecke angebettelt. Ich behaupte: Flattr ist nur so beliebt, weil es einfach gestrickt ist. Einmal angemeldet, per PayPal Geld überwiesen und schon reicht ein Knopfdruck, um der Bettelei nachzugeben. Genau diesem Umstand verdankt Flattr seinen Erfolg. Es muss nicht mehr nachgedacht werden, heute ein Klick — und morgen ist dieser Klick schon wieder vergessen. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, es passt perfekt zur deutschen Blogosphäre: keine Nachhaltigkeit, kein Nachdenken, kaum Eigenleistung. Auf jeden Topf passt ein Deckel, somit scheint Flattr perfekt zum einen oder anderen Angebot zu passen.

flattr

Wer behauptet, ohne Flattr (und anderer Geldeinnahmen) würde das eine oder andere Angebot aus dem Netz verschwinden – who cares. Das Internet ist unendlich und für jedes eingestellte Projekt gibt es täglich unzählige neue Angebote.1 Ich hatte es einmal in einem anderen Zusammenhang gesagt: «Wenn morgen 98% der Blogs […] dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.» Wenn man wenigstens so ehrlich wäre und offen zugeben würde, «ja, es geht ums Geld», dann könnte man mit dieser Ehrlichkeit noch gut leben. Mit der scheinheiligen und heuchlerischen Argumentation «Anerkennung und Dankbarkeit» kann man nur sagen:

Hört auf, mich anzubetteln!

Nachtrag: Ich lese gerade auf Twitter, dass der Artikel eine «Kampfansage an Tim Pritlove» sei. Das ist es mitnichten. Ich schätze Tim und das Chaos Radio Express. Der Artikel war auch schon fast fertig, bevor seine «Flattr-Tweets» das Fass (bei mir) zum Überlaufen gebracht haben. Es ist nichts persönliches, sondern eine generelle Geschichte.

  1. Und wem diese Argumentation bekannt vorkommt, richtig, das ist die Argumentation vieler Flattr-Heinis, wenn es um die etablierten Medien geht. []

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40 Antworten zu “Die Flattr-Gang: die Rumänen-Gang 2.0”

  1. Anonymous sagt:

    Ach mist und wie kann ich nun für den Beitrag hier spenden ;-)
    Nachvollziehbare Argumentation. Danke für den Input!

  2. Constanze sagt:

    Tim Pritlove ist nicht «der CCC». Wie Dir vielleicht aufgefallen ist, sind nur die Chaosradio-Express-Sendungen, die Tim in Eigenregie aufnimmt, mit Flattr verknüpft, nicht aber die Chaosradio-Sendungen des CCC, die bei Fritz gesendet werden.

    Flattr wird vom Verein CCC nicht verwendet, alle Einnahmen vom Chaosradio Express bleiben bei Tim. Daß wir auf einem Irrweg seien, beruht daher auf der falschen Annahme, Tims private Entscheidung, Flattr zu benutzen, könnte auf den CCC übertragen werden. Dem ist nicht so.

  3. Ormus sagt:

    Ist der Artikel nicht leicht überspitzt? Am Ende ist ein Klick auf den Flattr Button auch nichts anderes als ein Klick auf ein daneben liegendes Werbebanner. Minus die Produktwerbung halt.

    Weiterhin ist das Datenschutzproblem ja eher ein universelles und kein dem Dienst Flattr im speziellen zugehöriges Problem. Es gilt wie immer im Netz das Credo: «Klickt nur an, was ihr auch versteht!».

    Und selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass die Onlinewelt Datenschutz nicht ernst genug nimmt und sich nicht an den Widgets von Facebook, Google, Flattr und Co. stört — dann ist das immer noch eine Entscheidung der Masse. Die man dann als Einzelner kritisieren kann, die man aber nicht schlicht als falsch bezeichnen kann.

  4. Naja, er «benutzt» den Namen des CCC, das heißt er gehört offiziell zum Team. Mehr, als das «einfache» Mitglied, welches monatlich die Datenschleuder aufs Ländle geschickt bekommt. So schaut es für einen Außenstehenden zumindest aus.

    Ob er das Geld nun privat einnimmt — oder nicht — ist dabei zweitrangig.

    Wenn dem aber nicht so ist, greift hier ein anderer Teil der Argumentation: Er benutzt den «fremden» Namen des CCC um privat Geld einzunehmen. Ein privater Podcast hätte sicherlich nicht den Zulauf, wie ein Podcast des CCC. Sprich: Es wird sich zur Geldeinnahme mit «fremden Federn» geschmückt.

  5. Wieso ist das Datenschutzproblem ein universelles? Flattr setzt diese Technik ein, ich glaube wir sind uns einig, dass es genügend andere Möglichkeiten gibt, also ist auch Flattr und sind die Betreiber zu kritisieren, die es einsetzen.

  6. Ormus sagt:

    Datenschutz ist insofern ein universelles Problem, als es bei vielen Onlinediensten zu finden ist, der Breite der Netzanwender aber nicht begreiflich genug ist. Ich befürchte das Netz entwickelt sich eher in Richtung Bequemlichkeit — mit Sicherheit und Datenschutz an Stelle 2.

  7. >Es gilt wie immer im Netz das Credo: «Klickt nur an, was ihr auch versteht!».

    Und da das doch viele abhalten würde, macht man es so simpel wie möglich — auf den ersten Blick zumindest. Sprich man versteckt mehr oder weniger die «komplexen» Zusammenhänge und hofft somit auf viele Klickende.

    >dann ist das immer noch eine Entscheidung der Masse. Die man dann als Einzelner kritisieren kann, die man aber nicht schlicht als falsch bezeichnen kann.

    Warum nicht? Weil «tausend Fliegen irren nicht»? Also die Logik dahinter erschließt sich mir nicht. Ist dies die deutsche Willfährigkeit kaschiert mittels einem oberflächlichem Demokratieverständnis?

  8. Da hier gerade ein paar Leute aufschlagen und sich an der Überschrift stören: Die so genannte «Rumänen-Gang» ist in Hamburg und auch Berlin bekannt…

  9. deborah sagt:

    Tim Pritlove != CCC
    CRE != CCC

  10. Liebe «deborah»,

    schau doch einfach mal ein paar Kommentare weiter oben. Danke.

  11. Helge Rausch sagt:

    Zum Thema Datenschutz bei Flattr sei hier der Vollständigkeit halber das Netzpolitik-Interview mit Peter Sunde empfohlen. Das gibt einen ganz guten Einblick in die Mentalität hinter dem Laden. In wie weit man den Aussagen vertraut sei jedem selbst überlassen. Flattr in Datenschutzbelangen mit Facebook gleichzusetzen erscheint mir jedoch unfair.

  12. Das packen solche Leute nicht, sie sind es von klein auf gewöhnt einen «Fleißpreis» für eine irgendwie geartete Korrektur zu kassieren, streng dem eingepaukten Reglement. Darüber hinaus darf man nicht viel erwarten.

  13. Mark S sagt:

    Sollte Flattr dazu führen, dass eines Tages solche Modelle allgemein akzeptiert sind und sich unabhängiger Journalismus damit (teil-)finanzieren lässt, dann hielte ich das für einen echten Gewinn.

    Okay, soweit kommt es vielleicht nicht, aber einen Versuch ist es wert.

    Beim Stichwort Bettelei muss ich an die Straßenzeitungen denken, die einem in der U-Bahn angeboten werden. DAS ist wirklich nervig, aber so ein kleiner Button irgendwo auf der Webseite?

  14. Für Hamburg kann ich den Einwand nicht akzeptieren. Das Hinz&Kunzt-Magazin wird von einer professionellen Redaktion befüllt und geleitet, der Vertriebsweg ist halt nur ein anderer.

    Ob es in andere Städten ähnlich ist, kann ich nicht sagen. Die verschmähten Straßenmagazine sind oftmals kein Straßenmagazine, es sind professionelle Magazine, nur eben von Obdachlosen verkauft, die sich so ein Zubrut verdienen.

    Hinz&Kunzt

    Zum Rest wurde schon ausgiebig etwas gesagt…

  15. Spunkmeyer sagt:

    Hm, eine sehr interessante Sichtweise der Dinge. Ich finde die Idee hinter Flattr dennoch nicht schlecht. So wird es einfach gemacht, guten Beiträgen mit Geld zu danken. Paypal Spenden sind zwar auch sehr einfach, aber Flattr machts einem noch einfacher. Ich selbst benutze es nicht, aber ich werde es mir noch überlegen, wenn es für mich Lohnenswert wäre.

  16. Fabrice Seeger sagt:

    Guten Tag
    Ich kann die Argumentation nachverfolgen und im Moment blockiere ich die Flattr Buttons ebenso, wie auch Facebook oder sonstwas für Buttons. Ich beobachte dennoch wie sich Flattr entwickelt und hadere mit mir dort einen Account anzulegen.
    Meiner Meinung nach sollen Menschen, welche sich Arbeit machen, durchaus die Möglichkeit haben dafür Geld zu bekommen und das auch über einen einfachen Weg wie z.B. Flattr. Speziell Tim Pritlove aber auch viele andere Blogger und Podcaster machen ein echt tolles Produkt und ich gebe, soweit möglich, auch gern den ein oder anderen Euro dafür. Selten mache ich mir die «Mühe» eine Überweisung durchzuführen und die Möglichkeiten von Flattr klingen zumindest interessant.

    Was das betteln angeht so kommt es eben immer darauf an, wie man um die finanzierung bittet. Dankbarkeit, Ehrung, Ok das stimmt nur in Teilen. Dankbarkeit drücke ich mit einem einfachen «Danke» aus und ehren tu ich genauso, wenn ich anderen Leuten erzähle «Podcast/Blog ‘xyz’ bringt dir einen Mehrwert. Schau es dir mal an.»

    Ich würde also nicht generell verurteilen Geld haben zu wollen.

    Gruß Fabrice

  17. Rainersacht sagt:

    Ich vertraue Flattr nicht und habe deshalb meinen Flattr-Account gelöscht und Flattr aus meinem Blog verbannt. Übrigens: Die Rücküberweisung meines Guthabens ging sehr schnell und reibungslos vonstatten.

  18. Benoit sagt:

    Ich würde mich freuen fixmbr mit flattr zu unterstützen

  19. Nicht, daß wir gegenüber Spenden abgeneigt wären, aber Rückmeldung oder schlicht ein Danke genügt uns vollkommen :-)

  20. Tobias sagt:

    Ich denke es handelt sich hierbei, wie bei vielen anderen Dingen auch, nicht um ein Problem des Produkts, sondern um ein Problem des Gebrauchs desselben.

    Würde man flattr nur nutzen, wenn man echte Eigenkompositionen in Form eines Blogeintrages veröffentlicht — als Entlohnung bzw. Belohnung seiner eigenen Schaffenskraft, dann geht man wahrscheinlich eher den Weg, den flattr aufzeigen will. Ich weiß, ich bin naiv.

    Da aber die gefühlte Mehrheit der angebotenenen Inhalte in den deutschsprachigen Blogs eher das Verbreiten von Videos, lustigen Bildern und ähnliches Kurzwerk darstellt, kann ich deine Einwände nachvollziehen.

    Ich habe bisher nicht geflattert und werde es auch in Zukunft nicht tun. Denn wenn ich wirklich eine Spende aufbringen will, dann habe ich zumeist andere Möglichkeiten, auch wenn deren «Hürden» höher liegen. Das ist es mir dann aber wert.

    Zudem verfolge ich seit längerem mein Ziel, so wenig wie möglich an Daten im Web «unbeaufsichtigt» herum liegen zu lassen. Klar, ist eine eigene Webseite auch ein Datenpool. Aber jenen Pool mache ich selber dreckig und hin und wieder auch wieder sauber.

    Zum Abschluss ein schlichtes Danke!

  21. Abmahner sagt:

    Guter Beitrag. Und du hast recht. Trotzdem nutze ich auch Flattr. Hab diesen Monat 70 Cent eingenommen und 2 EUR ausgegeben. Und ich mache weiter.
    Weil ich über die Flattr-Seite neue User / Leser gewinne. Für 1,30 EUR hätte ich nicht soviele neue User über Adwords einkaufen können. Von daher — als Micropayment für mich als kleinen Blogger nicht interessant, wohl aber als Werbemaßnahme.

  22. Benoit sagt:

    Na denn: DANKE

  23. Marc sagt:

    Moin,

    flattr? Nein, ich zahle nichts. Kostenlose Inhalte? Hm, im Ernst, ich bin unbedingt bereit für Inhalte die mich interessieren auch zu zahlen, bzw. ein Online-Abonnement zu erwerben. Allerdings nur dann, wenn dieses preislich in einem vernünftigen Rahmen bleibt.

    Nur: Welche Informationsquelle ist mir wirklich so wichtig, dass ich ohne sie nicht auskäme? Da wird es ganz eng, die meisten Angebote nutze ich nur sporadisch (Pausenfüller).

    Zurück zu Flatter, wie sieht das eigentlich steuerrechtlich aus? Habe gerade von monatlich erflatterten Beträgen um die tausend Euro gelesen. Im Netz findet sich das Thema meist aus Sicht der Spender, richtig fundierte Informationen habe ich nicht gefunden.

    Die Gemeinnützigkeit spreche ich den meisten Flatter-Nutzern einfach mal ab ;) , wie schaut es dann aus?

    Und Schenkungen sind doch nach meinem Wissen zweckfrei, beim flattern aber ist der Button in der Regel doch inhaltsgebunden. Ist also vielleicht in allerletzter Konsequenz die sogenannte «Spende» doch ein Endgeld? Sehr spannend, ich bitte um Erleuchtung.

    Beste Grüße

  24. Marc sagt:

    Danke! Sehr informativ.

  25. Dieter Müller sagt:

    Heyho Constanze,

    «Flattr wird vom Verein CCC nicht verwendet, alle Einnahmen vom Chaosradio Express bleiben bei Tim.»

    Dies mag so stimmen, ist allerdings für den CCC-Laie nicht eindeutig und auf Anhieb ersichtlich.
    CR und CRE werden über die gleiche Domäne –welche dem CCC gehört– angeboten.

    CR wird nicht geflattrt, CRE aber schon und das beste das Geld sackt Tim ein…

    Es ist Zeit eine Entzerrung herbeizuführen sonst schadet Tim am Ende dem CCC, was er sicherlich nicht möchte…

    Greez
    Mike

    ps. Frank & Fefe nutzen ebenfalls Flattr (Blog alternativlos).
    Beide sind Aushängeschilder des CCC. Die Aussage «Flattr wird vom Verein CCC nicht verwendet» bedarf daher stets einen Nebensatz…

  26. Tim B. sagt:

    Mir wird nicht klar, worum es dem Autor hier genau geht. Ist es schlimm, dass es bei der Nennung der Einnahmen um Geld geht? Ist eine Geldspende nicht ein Ausdruck der „Dankbarkeit» an den Urheber/Aufbereiter/Ausmerksammacher? Flattr ist in meinen Augen ein Spendensystem, dass auf freiwilliger Basis funktioniert. Die Angst davor, dass irgendwann Pflicht-Flattr-Buttons eingeführt werden, könnte ich noch irgendwo teilen.

    Die Diskussion über CRE und den CCC finde ich verachtend gegenüber Tim Pritlove. Wenn hier argumentiert wird, dass er sich des Namens CCC bereichere, um damit seine Privateinnahmen zu generieren und gleich dann tatsächlich gefordert wird «[…] eine Entzerrung herbeizuführen sonst schadet Tim am Ende dem CCC, was er sicherlich nicht möchte…», dann fallen mir hierzu kein freundlichen Worte mehr ein (neben dem CRE macht Tim ja auch _gar keine_ anderen Podcast, die dort in dieses Flattr-Ergebnis mit einfliessen) . Und wenn Fefe und Frank in ihrem privatem Podcast Flattr benutzen, dann dürfen die das auch. Auf der einen Seite nach der Freiheit im Internet schreien und dann mit solchen Argumenten aufwarten. Fefe würde wahrscheinlich sagen: Un-glaub-lich!

    Das Thema hier macht auf mich den Eindruck, als ginge es wieder nur um das „böse Geld». Wenn Tim damit die ein– oder andere Privateinnahme generiert, dann ist in meinen Augen zu begrüßen. Ich möchte für hochwertige Inhalte gerne Bezahlen, denn das ist meine direkte Anerkennung für die für mich als Konsumenten aufgewendete Zeit, und etwas anderes ist Geld nicht.

  27. fischfresse sagt:

    «Wenn morgen 98% der Blogs […] dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.»

    Ich schätze, so ab 100% gäbe es aber einen riesen Aufschrei in der Blogosphäre …

  28. IJ sagt:

    Im Kern bezieht sich dieser Artikel doch auf das allgemein bekannte und leicht widersprüchliche Wesen der Blogosphäre. Auf der einen Seite echauffieren sich Blogger über das Paid-Content-Angebot auf den Internetauftritten der alten Medien und auf der anderen Seite fordern sie mit derselben Logik Geld von den eigenen Website-Besuchern. Vielleicht ist genau dieses Wesen ein bisschen verlogen, plus Augenwischerei, dafür aber ganz legitim, wenn man sich seinen Inhalt entgelten lassen möchte. Niemand ist gezwungen Geld per Flattr rüber zu transferieren. Wenn man schon den Vergleich zum Betteln herstellt, dann sollte man wenigstens die Metapher richtig auslegen und das heißt nichts anderes als das Betteln von der anderen Straßenseite zu beobachten, ohne direkt belangt zu werden. Würde Flattr per Pop-Up oder störender Werbeanzeige auf sich aufmerksam machen, anstatt durch den simplen Button, dann wäre der Vergleich mit unserer Hamburger «Rumänen-Gang» sicher zutreffend. So jedenfalls finde ich persönlich nichts Störendes an diesem Verfahren und schon gar nichts Aufdringliches. Abschließend, die Einnahmen durch Flattr per Twitter in die Welt hinaus zu posaunen ist doch nichts anderes als Prahlerei.

  29. John Dean sagt:

    Flattr erinnert mich irgendwie an Pyramidensysteme und Systemvertrieb, ohne dass ich das begründen kann. Ich vermute (ohne ausreichendes Wissen): Flattr basiert vor allem auf dem Prinzip Hoffnung — lauter «kleine Blogger» melden sich dort an, hoffen auf Flattr-Einnahmen und sorgen durch ihre schiere Zahl und ihre Einzahlungen dafür, dass ihr Geld am Ende bei den «großen Blogs» ankommt. Insofern unterstützt, das wäre eine These, Flattr die Hierarchisierung der Blog-Landschaft. Eine Professionalisierung, das wird bisweilen gewünscht, kann durch Flattr keinesfalls erreicht werden. Wenn man einmal bedenkt ‚dass ein viel gelesener Non-plus-Ultra-Blogger wie Udo Vetter per Flattr gerade einmal 250 Euro pro Monat erflattert, dürfte damit das (zur Zeit machbare) obere Ende gut sichtbar werden. Okay — 250 Euro sind vielleicht auch ganz nett. Aber sie liefern eben keine Beitrag dafür, dass gute Blogger von ihrem Tun leben könnten.

    Das kann man vielleicht auch als gute Nachricht werten (ich tue das). Vielleicht stimmt das auch garnicht — und es entwickelt sich eine «Flattr-Kultur» unter Bloggern, sodass bald die zehnfachen Beträge zu erwarten sind. Das wiederum — obwohl eine witzige These — dürfte unrealistisch sein. Von den «üblichen Verdächtigen» in Bloghausen sind schon viele dabei, zur Zeit ist Flattr eine Modewelle — und vielleicht in zwei Jahren interessiert es niemanden mehr…

    Etwas merkwürdig finde ich, dass sich unter den «Top-Beiträgen» (die mit den meisten Flattrs) auffällig viele Beiträge mit dem Thema Flattr finden. Tja, und wenn es darum geht, reizvolle Beiträge zu finden, dann muss ich klar sagen, dass mir Flattr dabei nicht hilft. Oder aber doch: Innerhalb eines Blogs, falls jemand seine Flattr-Statistik öffentlich macht, bringt mir das schon etwas. Auf diesem Weg bin ich auf einen superinteressanten Lawblog-Beitrag gestoßen, der mir vorher entgangen war. Übrigens, bei Lawblog ist die Sache mit Flattr schön und dezent gelöst: Man sieht den Button erst im Kommentarbereich. So finde ich es richtig prima.

    Reizvoll finde ich an Flattr grundsätzlich, dass man damit die Attraktivität einzelner Beiträge und Dankbarkeit der Leser — so einigermaßen — damit abgebildet bekommt. Vielleicht bilden sich ja irgendwann einmal sinnvolle Übersichten, wo einem als Leser die Zahl der Flattr-ungen eine gewisse Orientierung gibt, vielleicht zusammen mit der Zahl der Kommentare und Verlinkungen.

    Ich bin in Bezug auf Flattr insgesamt noch etwas skeptisch, finde diesen zur Zeit heftigen Geruch einer Modeerscheinung (der heißeste Shize für Blogs) auch abschreckend. Aber, Flattr könnte auch Potential haben. Und, auch das ist durchaus ein Argument, finde ich: Mit Flattr könnte sich z.B. ein guter — leider Schüler oder Arbeitsloser — Blogger, der sich mit Liebe bestimmten Themen widmet, ein kleines Zubrot sichern. Gleiches gilt für gelungenen Blog-Projekte von Vereinen/Bürgerinitiativen, die auf anderen Weg vielleicht nicht so einfach an — kleines — Geld kommen.

    Jedenfalls, und das ist ein klar positives Argument, ist Flattr für die Leser (wenn es wie im Lawblog gehandhabt wird) deutlich weniger nervig als diverse Formen (womöglich auch noch blinkender) Online-Werbung. Und — auch das zeichnet sich ab — es bringt für die Blogbetreiber, die an einem Zubrot interessiert sind, deutlich mehr als z.B. Google-Ads (und Schlimmerem).

    So gesehen, trotz meiner Skepsis, ist Flattr wohl eine Bereicherung für die Bloggerei. Wer es nicht mag, der muss ja nicht. Und die Bettelei-Problematik, nunja: Die kennen wir doch schon aus der Geschichte Bloghausens, oder?

    So, während ich schreibe, und ein klein wenig recherchiert habe, empfinde ich immerhin eine kleine Zufriedenheit darüber, dass ich mir ein Stück weit eine Meinung bilden konnte — und ich danke auch Christian für seinen Beitrag!

    Würde ich Flattr-en, so geschähe das also auch für diesen Blogbeitrag von Christian. Obwohl bzw. gerade, weil ich eine etwas andere Meinung habe (inzwischen) — und auch sehe, dass mir Christians Beitrag bei meiner Meinungsfindung geholfen hat…

    :-)

  30. […] von F!xmbr, den ich persönlich ja sehr schätze,  findet Flattr sputtelig weils ja “nur ums Geld geht”. Im speziellen gehen ihm die Wasserstandsmeldungen zu […]

  31. Tanja sagt:

    Immer wenn Geld im Spiel ist, läuft es früher oder später darauf hinaus, dass das Angebot auf den Kunden zugeschnitten wird, wie bei schlechten Popsongs. Und damit verliert jedes Blog an Authentizität und wird nur ein weiterer Happen Kommerzdreck und passt sich an, wie der sog. Qualitätsjournalismus. Hand aufs Herz: wieviele von euch «professionellen» Bloggern haben schon den einen oder anderen Artikel oder Gedankengang nicht veröffentlicht, um nicht an Ansehen einzubüßen oder einen Artikel zum Thema X veröffentlicht, weil es alle so sehr interessiert, obwohl nichts Neues zu berichten war? Ich bezeichne das mal als «Content-Spam» und Flattr macht es nur noch schlimmer.

  32. Thilo sagt:

    «Ich denke es handelt sich hierbei, wie bei vielen anderen Dingen auch, nicht um ein Problem des Produkts, sondern um ein Problem des Gebrauchs desselben.»

    Allerdings.

    Und zwar liegt das Problem des Gebrauchs nicht nur auf der Angebotsseite (dem Verbreiten von Inhalten, die viele nicht fuer flattr-wuerdig halten), sondern auch an der Nachfrageseite (dass naemlich diese Inhalte trotzdem geflattert werden).

    Insofern ist es vielleicht auch kein Problem, sondern nur ein funktionierender Markt: Wirklich gutes («anspruchsvolles») Material wird verhaeltnismaessig genausowenig geflattert, wie sperrige Filme im Vergleich zu Hollywood-Blockbustern.

    Wen das stoert, der muss halt lernen, die Charts zu ignorieren, und weiterhin nur das zu flattern, was er selbst fuer unterstuetzenswert haelt. Und das kann er ja.

  33. Thilo sagt:

    «Immer wenn Geld im Spiel ist, läuft es früher oder später darauf hinaus, dass das Angebot auf den Kunden zugeschnitten wird, wie bei schlechten Popsongs.»

    Stellt sich nur die Frage, ob Flattr da einen Unterschied macht. Richtig Geld verdienen koennen mir Flattr nur die grossen Blogs, und wenn diese geschaeftsmaessig betrieben werden, dann war das auch schon vor Flattr so, inklusive Zuschneiden der Inhalte mit Hinblick auf Einkommenseffekte.

    Und wenn ein kleinerer Blog sich wegen, sagen wir mal groesszuegig, 20 Euro im Monat «prostituieren» will, dann ist dem auch nicht mehr zu helfen (wahrscheinlich geht es dann weniger um die 20 Euro, als um den Kick, 500 regelmaessige Leser zu haben, also auch in diesem Fall waere Flattr eher unschuldig)

  34. Thomas sagt:

    Geizkragen!

    Mehr muß man dazu nicht sagen. Ich habe Leute, die sich von «Bettelei» so peinlich berührt fühlen, daß sie darüber herumlamentieren, noch nie verstanden.

    Entweder man gibt was, oder eben auch nicht, das ist doch eine ganz einfache Sache.

  35. Wtf? Schleich dich! Geizig … gegenüber Leuten, deren größte Sorge es ist, ob sie sichh neben Netz, Computer etc. pp. noch das eine oder andere Gimmick leisten können.

  36. David sagt:

    @Tanja:
    Ob ich mein «Angebot» auf einen Kunden «zuschneide», hängt ganz davon ab, mit welcher Absicht ich es betreibe. Ich betreibe mehrere Angebote. Einmal meinen Block, den ich ganz ungeniert primär zum auskotzen meiner verbalen Bauchschmerzen betreibe und bei dem ich mich zwar (sogar sehr) über (viel zu seltene) Zustimmung freue, aber nicht weine, wenn sie ausbleibt. Und dann habe ich da noch andere Projekte, von denen ich — schiebe es gerne auf die zugegebenermaßen suboptimalerweise an Erwerbsarbeit orientierte Realwelt, die uns umgibt — im Idealfall ein brauchbares Einkommen erwarte. Welche von beiden Optionen ist (Deinem Weltbild nach) nicht in Ordnung? Willst Du jemandem, sich von seinem Tun Früchte erhofft, ernsthaft vorhalten, daß er es jenen, deren Taler er lockern will, möglichst leicht macht?

    Ich verstehe, was Du sagen willst, und teile es: Geld ist Gift für ungezügelten Meinungsfluß. Und das System, das dies formt, verdamme ich durchaus mit Dir. Aber jedem, der sich diesen unfreiwilligen Spielregeln ein Stück weit unterwirft, weil er nicht anders kann, einen Strick drehen? Das ist doch irgendwie auch nicht der Weg…

  37. martin sagt:

    Pritlove ‘verdient’ sein Flattrgeld wenigstens nicht mit fremder Leute Inhalte, wie besagte Topblogs. Wenn man nichts geben will muss man eben nichts geben. Ist ja nicht weiter tragisch.

  38. @martin

    In der Kultur, so jedenfalls wie sie ein Kulturwissenschaftler sieht, ist es immer ein Geben und Nehmen. Manchen ist dies vielleicht nicht bewußt, andere verdrängen diesen Umstand, wiederum andere tun dies mit voller Absicht — allen gemein ist jedoch: Kopfgeburten sind Nonsense. «Fremder Leute Inhalte»? Was ist ein Bericht beispielsweise? Ein Roman? Es sind allenfalls Nuancen die ein Iota Unterschied machen. Selbst vor den Aktivisten liegt noch ein langer und steiniger Weg, bis diese selbst zur Einsicht gelangen, daß der Einzelne ohne die kulturelle Gemeinschaft nichts ist. Nur verlangt diese Einsicht auch die Aufgabe diverser Geschäftsmodelle und dafür ist diese Gesellschaft noch nicht reif, insofern auch das Geplänkel um CC & Co, nur ein laue Brise im Wasserglas.


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