Die FDP ist nun die bessere Alternative zur SPD — Kurt Beck tritt zurück, der rechte Flügel übernimmt komplett [Update 2]

Nachdem der aufrechte Frank-Walter Steinmeier nun offiziell Kandidat wird, will er natürlich gleich seinen Weg gehen — und einen Wirtschaftswahlkampf führen. Wieso man eine billige Kopie wählen sollte, und nicht das Schwarz-Gelbe Original, bleibt im Raume stehen. Wo der Mensch bei der SPD bleibt, frage ich schon gar nicht mehr. Zudem meldet die dpa, dass Kurt Beck als SPD-Vorsitzender zurücktreten wird. Ob nun Müntefering oder Steinmeier die SPD übernimmt — kommt aufs Selbe hinaus. Der rechte, unmenschliche, (fast schon) demokratiefeindliche Flügel der SPD hat die eigene Partei voll im Griff. Die FDP wird damit zu einer wählbaren Alternative. Während ich mich in der SPD in keinem Punkt mehr wiederfinde, trifft das bei der FDP zumindest bei den alten Granden des Datenschutzes, der Privatsphäre zu, Gerhart Baum oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger seien in den Raum geworfen. Die SPD mag nicht tot sein — mit dem heutigen Tage wurde aber endgültig die Sozialdemokratie zu Grabe getragen. Auch wenn die Partei sich noch SPD nennt — es ist nur noch ein Buzzword, eine Hülle ohne Inhalt. Die FDP ist eine ernstzunehmende Alternative.

Nachtrag: Die Berliner Zeitung meldet Franz Müntefering wird neuer, alter SPD-Vorsitzender.

Nachtrag 2: PK mit Steinmeier und Heil. Eine lächerliche Show hat das Land noch nie gesehen. Steinmeier gab als erstes den Rücktritt Becks bekannt. Seit Monaten sollte angeblich für Kurt Beck feststehen, dass Steinmeier Kanzlerkandidat wird. Mit dieser Entscheidung soll für die SPD ein Neuanfang beginnen — da fragt man sich, wieviele denn noch. Das übliche Bla-bla zur Verantwortung, welche die SPD gegenüber diesem Land hat, durfte nicht fehlen. Steinmeier übernimmt kommissarisch den SPD-Vorsitz. Danach wird auf seinen Vorschlag hin Franz Müntefering Vorsitzender — super, die FDP, die FDP, die FDP ist wieder da. Das Projekt 18 ist für die FDP nun in greifbarer Nähe — wenn auch in einem anderen Gewand. Steinmeier gab sich zuversichtlich, dass in 365 Tagen wieder ein Sozialdemokrat dieses Land führt. Ganz ehrlich: Ich halte es für ein Gerücht, dass Oskar Lafontaine 2009 Kanzler wird.

Danach trat die emotionale Spaßbombe Hubertus Heil vor die Kameras. Steinmeier hat natürlich alle Voraussetzungen, Kanzler zu werden. Er bedauert natürlich den Rückzug Kurt Becks — allein die Glaubwürdigkeit machte ihm da ein Strich durch die Rechnung. Wer hat ihm das geglaubt? Man müsse nun nach vorne schauen — die Sozialdemokratie werden in diesem Land gebraucht. Richtig, lieber Herr Heil. Nur müsste man dafür den kpl. Führungszirkel der SPD auswechseln. Die SPD mag sich noch SPD nennen — Sozialdemokratie geht anders. Ganz ehrlich: Angela Merkel und Guido Westerwelle sind da sympathischer — und wenn ich heute noch von der Unwählbarkeit der Linken geschrieben habe, so trifft das noch viel mehr auf diese aufrechten Führer der SPD zu. Steinmeier und Müntefering — das hat mit Menschlichkeit, mit sozialer Gerechtigkeit, mit der guten, alten Tante Sozialdemokratie zu tun, wie der Autor dieser Zeilen mit dem Stricken.

R.I.P.

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17 Antworten zu “Die FDP ist nun die bessere Alternative zur SPD — Kurt Beck tritt zurück, der rechte Flügel übernimmt komplett [Update 2]”

  1. […] Programm für eine Traurige Meldung: Genossen, die Sozialdemokratie ist nach langem, verzweifeltem Todeskampf heute in Berlin endgültig verstorben. Wir werden um sie […]

  2. Franz sagt:

    Die Ereignisse überschlagen sich. Im Gegensatz zu mir, ich bin wieder mal zu langsam.

    Nun wird Müntefering also wieder Parteichef. Müntefering, das ist der, der vor drei Jahren den Lafontaine gemacht hatte, und Lafontaine, das ist der, über den der Müntefering immer so schimpft, weil der vor bald zehn Jahren den Lafontaine gemacht hatte. Der wird aber nicht SPD-Vorsitzender. Also der Lafontaine.

    Wo war ich? Achja: Eigentlich wollte ich vorschlagen, dass Frau Merkel auch SPD-Vorsitzende wird. Sie ist doch so beliebt — nicht nur bei den Herren der Wirtschaft und der Journaille, sondern auch beim Michel.

    Aber gut, dann wird es eben der Münte. Bis zum nächsten Debakel.

  3. Grainger sagt:

    Das Rücktritt von Kurt Beck ist imho kein Verlust für Deutschland, die SPD oder sonstwen. Um Beck braucht man sich keine Sorgen machen, es wird sich sicherlich ein lukratives Pöstchen für ihn finden, damit er keinen Antrag auf Hartz4 stellen muss

    Franz Müntefering zu seinem Nachfolger zu machen heißt allerdings den Teufel mit Beelzebub auszutreiben.

    Die SPD gräbt sich ihr eigenes Grab. Wenn ich die SPD vorsätzlich schädigen wollte könnte ich es auch kaum besser machen.

    Ich kann wirklich nur hoffen, dass die Wähler das bei der nächsten Bundestagswahl entsprechend honorieren werden. Denn falls die SPD überhaupt noch eine Chance auf einen Neubeginn haben sollte, dann nur nach einem wirklich katastrophalen Wahlergebnis 2009.

    Das muss aber dann auch wirklich so schlecht sein, das selbst die realitätsfernste Parteiführung sich das nicht mehr schönreden kann, am besten kombiniert mit ein paar zehntausend weiteren Parteiaustritten.

    Selbst dann zweifele ich inzwischen an den regenerativen Kräften dieser Partei, ein Neuanfang würde nämlich auch erfordern, sich rigoros von den ganzen personellen Altlasten in der Parteiführung zu trennen, die Fehler der letzten zwei Jahrzehnte offen einzugestehen (und deren Beseitigung nicht nur in das Parteiprogramm aufzunehmen, sondern auch aktiv und unter Zeitdruck daren zu arbeiten) und wieder Kontakt zur Basis aufzunehmen.

    Denn so wie es momentan läuft stirbt die SPD besser heute als morgen.

  4. Andy sagt:

    Ich möchte meine Gefühle zu diesem Thema (also Schröder-Ziehsohn Steinmeier als Kanzlerkandidat und Münte als Parteivorstitzender) mit einem bekannten Ausspruch Prof. Serverus Snapes beschreiben:

    [b]Man möchte brechen![/b]

  5. Andy sagt:

    Verdammt! Man kann meine emotionale Unruhe allein schon daran erkennen, daß ich im vorigen Kommentar BB-Code mit (X)HTML verwechelte… *gnaar*

  6. Christian S. sagt:

    Ich halte, wie andersweitig schon geschrieben, Müntefering nicht für so «rechts», wie hier geschrieben wird.

    Ich finde es aber grotesk, einen 68-Jährigen zum Hoffnungsträger hochzujazzen. Republikanische Verhältnisse bei meiner SPD. :/

  7. HeinzHeise sagt:

    Ich hätte mir in Deinem Beitrag etwas mehr Neutralität gewünscht. Welche Partei für wen wählbar ist und für wen nicht sollte m.E. nach jeder selbst entscheiden.

    Gruß

  8. Chris sagt:

    Ich würde Dir jetzt gerne Meinung, Blog, mein Wohnzimmer erklären — aber geh doch einfach woanders hin. Hier bist Du über. Anscheinend hast Du das Prinzip Blog, Meinungsfreiheit nicht verstanden.

  9. Chris sagt:

    Deppen-Kommentar gelöscht. Wer hier auch nur ein klein wenig mitliest, weiß wie ich zur FDP stehe und wie der Text oben zu nehmen ist…

  10. Oliver sagt:

    Ach exemplarisch wollt ich den polit. Grundschüler gerade durchlassen. Da wollte ich ihm a la Sendung mit der Maus erklären, das Objektivität nur als Definition in einem eng abgesteckten Ökosystem existiert und das unserer Meinungshoheit auf diesem unserer Publikation durchaus ihrere Berechtigung hat. Das sind keine Deppenkommentare, die Leute wurden seit ihrer Pennäler-Zeit von den Medien korrumpiert und gewisse Definition die deren Quote zum Erfolg gereichen geeicht. Da bricht die Welt zusammen, wenn du diesen sagt Objektivität existiert per se überhaupt nicht und so einen langen Text mit Quellen etc. pp. muß man natürlich erst einmal lesen bzw. eine vernünftige Basis Huckepack mitbringen. Die sind es gewohnt in den Medien irgendeinen halbgaren Text zu lesen, der der dem eigenen Vorteil gereicht, ohne Quellen ursprünglicher oder gar weiterführender Natur. Natürlich auch ohne Anspruch das der Autor dort selbst an den Mist glaubt den er da täglich für klingende Münze verzapft.

    Verschärfte Realität und deswegen wird das Gros jener auch nächstes Jahr zusammen mit ihrem Kreuz willfährig ihr Leben und das vieler anderer in die Gosse kippen aus Protest alles wählen was anders ist als die SPD, aber doch etabliert (prof, äußerstes flexibel) genug — was wiederum gegen die Linken sprechen wird. Die Wahlherde wird wie üblich zur politischen Schlachtbank geführt.

  11. otti sagt:

    Das Anhängsel der Frau Merkel rückt nach rechts.
    Dann ist links mehr Platz.
    Ein Freudentag für Die Linke!

  12. phoibos sagt:

    tja, die linke wird immer attraktiver für mich. dass sie, also die aufrechten sozialdemokraten, den problembären entsorgen werden, war mir klar, dass aber der münte exhumiert wird, überrascht mich. geht es denn seiner frau wenigstens besser?
    wobei, interessant wäre für mich noch die appd oder die grauen panther. letztlich macht es eh keinen unterschied, welche partei mich verscheissert…

    ciao
    phoibos

  13. SierraXTC sagt:

    Ankepetra Müntefering ist Ende Juli verstorben.

  14. Pollux sagt:

    Lange habe ich gehofft, dass die Seeheimer und Schröderianer zur Vernunft kommen.

    Der Trend des Lohndumpings, angestoßen durch die Zeitarbeitsregelungen und die Zumutbarkeitsregelungen für Langzeitarbeitslose, wird aber einfach ignoriert.

    Ebenso, dass die neuen Arbeitsplätze weniger der Agenda als den sehr maßvollen Tarifabschlüssen der letzten Jahre zu verdanken waren.

    Ich verstehe auch nach wie vor nicht, wie die Seeheimer und Schröderianer zu so einer machtvollen Position gekommen sind.

    Die meisten Mitglieder und Ortsvereine (ich kenne einige, ticken anders).

    Man kann nur hoffen, dass nach einer schmachvollen Wahlniederlage wieder eine Neukalibrierung in Hinsicht auf soziale Gerechtigkeit in Gang kommt.

    Bald gibt es keine Pöstchen mehr zu verteilen, dann sind wir hoffentlich auf Steinbrück und Konsorten los.

    Glück auf.

  15. Oliver sagt:

    >Die meisten Mitglieder und Ortsvereine (ich kenne einige, ticken anders).

    Ich kenne auch einige, die Basis ist ganz anders, die Basis ist in der Regel der «Schreibtischtäter» der willfährig die Spitze seit dem güldenen Gasgerd stützt. Die SPD ist auch deshalb so lächerlich, weil sich die Basis immer noch in dieser Mär suhlt.

  16. Falk sagt:

    Die meisten Mitglieder und Ortsvereine (ich kenne einige, ticken anders).

    Mal im Ernst, wenn die so anders ticken, wie können diese Menschen noch ruhigen Gewissens allein durch Parteimitgliedschaft dies auch noch unterstützen? Und das Argument, daß nur von der Basis Veränderungen machbar sind, zieht nicht — glaubt man Ex-SED-Genossen auch nicht…also, wieso?

  17. phoibos sagt:

    oh, das mit müntes frau ist traurig. da sehe ich mal wieder, wie nachrichten an mir schlicht vorbeigehen, wenn ich sie nich auf fixmbr lesen kann…
    nja, die spd und auch münte hat noch ein bischen zeit, um trauerarbeit zu leisten. seine probleme in arbeit zu ersäufen, hilft nun mal nicht im geringsten weiter.
    die spd ist ja die neue mitte laut eigenem bekunden. da ist die fdp schon seit langem zu hause und krebst immer wieder an der 5%-hürde rum. und dank der unsozialen politik der sozialdemokraten erodiert die mitte immer weiter nach unten weg. und diejenigen, die sich als letzte bastion der arbeiterklasse verstehen, sorgen immer schneller dafür, dass profite privatisiert werden, wohin die verluste der maßlosen gier der politiker und wirtschaftsfuzzis brav weiter sozialisiert werden. danke spd. aber eure orientierung in die mitte führt nur dazu, dass ihr euch die prozentpunkte mit der fdp zu teilen habt — die haben übrigens noch ein richtiges bürgerliches profil. ihr hingegen seid die fahne im sturm der globalisierung.

    ciao
    phoibos

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