Die FAZ konnte gar nicht anders

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So langsam verebbt die Empörungswelle. Mittlerweile hat sich die Stellungnahme von Don Alphonso und meine Einschätzung1 bestätigt — wie man bei CARTA nachlesen kann. Freie Übersetzung: Unser freier Mitarbeiter hat sich wie die Axt im Walde verhalten und jegliches Vertrauen missbraucht und verspielt. Wer als Kunde, als Dienstleister seinen digitalen Mob und einen Shitstorm auf den Auftraggeber loslässt, darf sich über die Folgen nicht wundern. Kein Unternehmen der Welt kann und wird sich so ein Benehmen bieten lassen.

Die einzige Entschuldigung, die Seemann vorzubringen scheint, ist die, er sei Blogger. Was für ein Unsinn. Er ist Vertragspartner der FAZ, dementsprechend hat er dem Redaktionsstatut zu folgen. Wie wir durch andere FAZ-Blogger wissen, wird dies im Hause der FAZ durchaus liberal gehandhabt — trotzdem hat Michael Seemann eine Eskalation herbeigeführt. Des weiteren wird kolportiert, dass die FAZ ihre Blogger sehr anständig bezahlt. Seemann war kein Blogger, er war freier Redakteur auf faz.de – mit der Möglichkeit in der FAZ/FAS zu publizieren, eine Chance, die andere FAZ-Blogger auch schon genutzt haben. Er hatte große Pivilegien und Möglichkeiten – und hat diese mit Füßen getreten.

Schon der Fehler, wiederholt falsche Creative-Commons-Lizenzen genutzt zu haben, würde bei einem festen Angestelltenverhältnis für eine Abmahnung ausreichen. Ein freier Mitarbeiter wird schlicht und ergreifend nicht weiter gebucht. So ist das Leben und der Lauf der Dinge. Fehler machen wir alle, das sollte man nicht so hoch hängen, ich würde auf keiner Publikation der Welt für alle Bilder die Hand ins Feuer legen.

Seemann kann froh und der FAZ dankbar gegenüber sein, wenn diese nicht noch Forderungen an ihn stellt. In seiner Position, mit seiner digitalen Erfahrung, war ihm bewusst, welch digitale Welle er auslösen würde. Ein Satz per Twitter, beispielsweise, Leute ich bin gerade mit der FAZ im Gespräch, weil ich Fehler bei der Bebilderung gemacht habe, hätte ausgereicht. Seemann hat offensichtlich bewusst die Eskalation und die Bloßstellung der FAZ gesucht.

Dass Seemann uneinsichtig ist, beweist seine zweite Stellungnahme, die vor Selbstherrlichkeit nur so strotzt. Das allein wäre nicht so schlimm, eine gewisse Arroganz und Eitelkeit trägt jeder Blogger in sich – da nehme ich mich auch nicht aus. Es folgen aber weitere Anschuldigungen und wenn man so will Angriffe gegen die FAZ. Als Höhepunkt seines Elaborats droht Seemann mit der Veröffentlichung von E-Mails seines Auftraggebers. Man sollte ihm den Rat geben, einfach mal seinen Vertrag zu lesen. Das hat es in dieser Form auf deutschen Blogs noch nie gegeben: Ein freier Mitarbeiter droht seinem Auftraggeber mit Veröffentlichung geschäftlicher Post. Das ist schon sehr starker Tobak.

Fazit: Die FAZ hat sich absolut korrekt verhalten. Sie konnte gar nicht anders.

Bei der FAZ im Übrigen wird fleissig weiter gebloggt – und das ist auch gut so. Das Internet ist unendlich – und so wird Seemann auch für seine spätpubertierenden und ideologischen Texte ein neues Zuhause finden. 4chan oder Oxybrain würden sich anbieten. Das ist aber auch nur meine persönliche Meinung zum Kontrollverlust…

  1. Mehr dazu in zwei Wochen []

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36 Antworten zu “Die FAZ konnte gar nicht anders”

  1. Tharben sagt:

    Genauso ist das. Damit ist alles gesagt. (Und es bewahrheitet sich mal wieder, dass ein paar Stunden nachdenken vor dem Schreiben Sinn ergibt.)

  2. Oliver sagt:

    >droht Seemann mit der Veröffentlichung von E-Mails seines Auftraggebers

    CTRLverlust oder doch nicht eher Realitätsverlust? Na ja, er muß wissen was er tut — ist ja schon erwachsen und hat auch studiert … tja und die Erfahrung, die Erfahrung mit der analogen Welt bekommt er jetzt. Lehrgeld nennt man dies, hatte ich auch mal gezahlt. Gott-sei-Dank gab es da noch kein Netz, sonst hätte ich mich u.U. ebenso dem Gelächter preisgegeben.

  3. Wiggerthaus sagt:

    Ja, ein wenig Nachdenken tut gut. Hervorragende Analyse. Nur als Analyse auch eine unglaubliche Entzauberung nicht nur des Herrn Seemann sondern der Alpha-Blogosphäre. Sixtus: #Bücherverbrennung. Das Netz fängt wirklich an widerlich zu werden. Gut, dass es so gross ist.

  4. Chris sagt:

    Zu Sixtus, Knüwer & Co. kommen in zwei Wochen ein paar Sätze. Ein wenig Geduld bitte… :)

  5. Ich habe hin– und her überlegt, ob ich über diese Sache schreiben soll. Schlussendlich habe ich mich dagegen entschieden. Diese Lösung war für mich aber nur die am wenigsten Schlechte. Insofern freue ich mich sehr, dass ich den obigen ersten Beitrag zum Thema lesen durfte, der der Sache an sich sehr nahe kommt. Ich würde wohl einige Wertungen (in Richtung dessen, was Michael Seemann ist und was nicht) weglassen. Aber in der Sache kann ich Deine Ausführungen voll unterschreiben. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich auf diese Art und Weise mal quasi die FAZ verteidige. Das ist mir beinahe ein wenig peinlich. 😉 Aber zurück zum Thema ..

    Ich mag Michael Seemann Beiträge, auch wenn ich seine Schlussfolgerungen nicht immer teile. Leider hat er sich in dieser Sache ins Abseits geschossen. Die Kommentatoren und Beitragsschreiber, die sich nun auf seine Seite stellen, sind sicher gut gemeint. Auf der anderen Seite klingeln mir etliche Beiträge der letzten 18 Monate in den Ohren, wo auf vielfache Art und Weise von einer erforderlichen Entwicklung in Richtung einer Professionalität zu lesen war. Neugierig geworden las ich diese Beiträge beinahe alle, geradezu gierig. Beinahe ausnahmslos musste ich feststellen, dass man statt über Professionalität vor allem über Monetarisierung sprach und schrieb.

    Und jetzt dann dieser Vorfall mit und von Michael Seemann. In Beiträgen über diese Sache wird Meta Meta Meta von Freiheit geredet und die Handlung der FAZ ist teuflisch. Man vergleicht sogar mit Bücherverbrennungen. Es ist von Kontrollverlust die Rede. Und ich sitze da, denke zuerst sowas wie: Geht’s noch? und habe gleichzeitig immer diese Stimme in mir: Er wusste doch, auf was er sich einlässt. Er kann doch lesen und hatte die Freiheit, den Vertrag zu unterschreiben oder eben auch nicht. Wie Du oben schreibst: Er ging einen Vertrag ein mit der FAZ. Dieser Vertrag enthält Rechte, aber eben auch Pflichten. Bin ich soooo altmodisch, dass ich es alleine so sehe, dass man, wenn man eine Absprache hat mit Jemandem, diesem Jemand, auch wenn es ein Verlag ist und eine Redaktion, eine gewisse Loyalität schuldet? Dabei wäre die Lösung gerade in diesem Fall doch unendlich einfach gewesen: Man hätte miteinander reden sollen und nicht übereinander. Wobei das Übereinander-Reden zuerst von Meister Seemann angefangen wurde.

    Hach, ich glaube, ich bin zu altmodisch für diese Welt. Dennoch halte ich Michael für einen guten Autor. Damit man aber wieder mehr über den Autor spricht und nicht über an sich Nebensächliches, sollte er in sich gehen. Eine zweite Chance gibt es immer. Wie Du sagst: Das Internet ist unendlich .. :-)

  6. Oliver sagt:

    >Man vergleicht sogar mit Bücherverbrennungen.

    Geschichtklitterung Marke Journalist — Sixtus läßt grüßen. Wobei, im Netz ist man ja schnell dabei, alles und jeden mit einem kernigen Begriff zu belegen, ohne die Tragweite zu erahnen. Von daher habe ich echt Mitleid mit jenen, die einzig das Netz als wirkliche Sozialisierung erfahren bzw. einzig in diesem ihre weitere Erfahrung sammeln (müssen). Das Internet ist ein einziger shitstorm, manchmal jedoch bricht ein Tsunami los.

  7. Für mich ist Geschichtsklitterung etwas Aktives. Die gute Nachricht ist, dass es nach meinem Verständnis des Wortes keine Klitterung ist (der Vergleich mit der Bücherverbrennung ist aber absolut unsagbar). Die schlechte Nachricht ist: Der kernige Begriff schlägt Besonnenheit, falsche Loyalität fällt auf lange Sicht auf die allzu schnell Loyalen zurück. Das scheint Niemanden zu kümmern. Da reden alle seit Monaten und Jahren von (Online)Reputation und dann muss man feststellen: Leumund war (offenbar) gestern. Ich will das eigentlich gar nicht werten, will mich selber da gar nicht über andere stellen. Und doch staune ich immer wieder, was da so alles geht.

    Was das gesamte Netz angeht, so glaube ich fest daran, dass es so ist wie die restliche Welt auch ist. Es gibt die guten, die sinnvollen und hochwertigen Sachen und auch die entsprechend handelnden Leute. Und es gibt eben auch die anderen. Das Netz ist, was wir daraus machen.

  8. Oliver sagt:

    Mach eine latente Klitterung daraus und dennoch, durch die Breitenwirkung derjenigen mutiert daraus mit der Zeit eine aktive Klitterung. Und ich denke diejenigen sind schon mit Kalkül bei der Sache, denn die Absicht ist eben genau diesen historischen Stempel der FAZ aufzudrücken und eine maßlose Empörung bei den Lesern hervorzurufen.

    Sicher, man verfälscht damit nicht aktiv die Geschichte und dennoch trägt man mit der unbedachten inflationären Nutzung von derlei Begriffen aktiv dazu bei. Der Begriff verliert mit der Zeit an Bedeutung, er wird verharmlost und nach einiger Zeit verblasst auch die Vergangenheit mehr und mehr … der einstige Schrecken, welcher mit diesem Begriff einher ging, ist nur noch ein Zucken mit der Schulter wert.

    Was ist denn dies Bücherverbrennung, von der es viele in der Geschichte gab und dennoch nur eine diesen Begriff mit äußerster Nachhaltigkeit geprägt hat? Die Bücherverbrennung war der ideologische Auftakt der Nazis, zuerst verbrannte man die Bücher, später verbrannte man die Menschen.

    Selbst ein Historienroman klittert indirekt, auch wenn dies u.U. nicht in der Absicht des Autoren lag, sieht man mal von Dan Brown ab. Wenn ich jemanden medial mit diesen Dingen überflute findet ebenso eine Geschichtslkitterung statt. Es gibt viele Wege sich in Geschichtsklitterung zu üben, die Aktivität, beispielsweise mittels einer Leugnung oder der bewußten Falschdarstellung, ist keine Voraussetzung dafür.

  9. Ja, das Verharmlosende, dass mit dem häufigen Verwenden von Begriffen in falschen Zusammenhängen passiert, stelle ich natürlich auch fest. Und wie Du sagst: an sich tragen alle dazu bei, die mit bestimmten Begriffen nicht hinreichend sorgsam umgehen. Der sorgsame Umgang mit Worten, Inhalten und Menschen ist aber heutzutage kein hohes Gut mehr. Ach, wenn man das alles zu ende denkt, dann kann man ab und an ein wenig den Mut verlieren. Aber, das gilt nicht .. 😉

    Soo, jetzt aber ab ins Traumland. Schlaf gut! Und, lass Dich nicht entmutigen ..

  10. Anonymous sagt:

    Ich finde es gut, dass der Artikel einigermaßen moderat ist.Besonders die Verlinkung zu «Fehler machen wir alle» gefällt.
    Ich würde Herrn Seemann wünschen,dass er nun ein wenig zur Ruhe kommt und Menschen um sich hat, die ihm gut zureden und ihn vor weiteren Auswüchsen à la «Eure Sklavenmoral kotzt mich an» (Kommentar von ihm in seinem Blog)bewahren.Wenn man enttäuscht ist, passieren solche Dinge, aber irgendwann sollte man dann auch wieder realistisch nach vorn gucken.

  11. Oliver sagt:

    >Eure Sklavenmoral kotzt mich an

    Wenn er dies tatsächlich gesagt hat — ich lese nicht bei ihm — so zeigt dies doch wie weit er schon diesem massiven Realitätsverlust anheim gefallen ist. Es bestätigt aber auch mein Bild von ihm bei diversen Auftritten und beim eher zufälligen Aufeinandertreffen im Netz. Ob er dies alles dem schleichenden CTRLverlust in die Schuhe schieben kann? Ich bezweifle es, denn unter dieses Joch hat er sich selbst gespannt. Retiarius auf zahllosen Netzkonferenzen und dennoch wir dieser Spartacus in spe in der Virtualität ebenso enden wie sein historisches Vorbild, aber kaum wie eben dieser in die Annalen eingehen.It’s a cruel world Mr. Seemann …

  12. Robert B. sagt:

    Wortwörtlich hat er es sogar noch etwas auf die Spitze getrieben:

    Aber ist das jetzt ein Grund, meine Prinzipien aufzugeben? Sollte man, wenn man bezahlt wird immer kuschen, wenn einem der “Arbeitgeber” in die Parade fährt.

    Echt mal, das meine ich nicht beleidigend, sondern tod ernst: eure Sklavenmoral kotzt mich an!

    Ich weiß nicht, was er damit ausdrücken wollte, aber ich sehe da weder eine Einsicht noch einen Respekt denjenigen gegenüber, deren Werke er verwendet hat. Hm, Copy&Paste-Kostenloskultur wird mit Regeln des guten Zusammenlebens konfrontiert?

  13. Dominic sagt:

    Naja, das Zitat bezieht sich aber auf die Kommentare und darauf das er es nicht verstehen kann sich einer Obrigkeit in irgend einer Form zu unterstellen. Er geht damit auf einen anderen Kommentator und mich ein. Hat also nichts mit den CC Lizenzen zu tun, nur um das mal richtig zu stellen. Man muss ja fair bleiben!

  14. Solarix sagt:

    Mann Mann, wenn ich sowas lese, bin ich gottfroh das ich nur ein unprofessioneller Hobby Blogger bin, der zum eigenen Spass bloggt.

    Wobei es jedem klar sein sollte, der einen Arbeitsvertrag eingeht, ob freie Mitarbeit, oder fest Angestellter das man mit seinem Arbeitgeber dann auch ins Bett steigt, der Arbeitgeber erwartet etwas für sein Geld. Das war noch nie anders.

    In Zeiten von WÄP Zwei NULL erst recht nicht.

  15. Oliver sagt:

    Auf Twitter gibt ja er auch keine Ruhe, «Sklave» ist sein Argument für all jene, die im Gegensatz zu ihm Vernunft walten lassen. Es ist einzig und allein sein ureigenes Problem, doch sein Ego verbietet eine nähere Beschäftigung mit diesem Umstand.

  16. Tharben sagt:

    Kleiner Hinweis an alte Diskussionspartner: Neuerdings scheint ein Zweiunddreizigstel der deutschsprachigen Blogkommentatoren unter meinem (zweifellos weit verbreitetem) Namen zu kommentieren. Wie auch #1.

    Sogar die angegebene E-Mail stimmt (wird also vermutlich ein Blogbetreiber sein, da ich diese E-Mail-Adresse nur fürs Kommentieren in Blogs verwende).

    Aber: der echte Tharben kann auf E-Mails antworten. Der da unter #1 kann das nicht.

    Wenn also wieder irgendwelche dummen Sachen in den Kommentaren von «Tharben» stehen: ich war es nicht.

  17. Chris sagt:

    Ich habe aus dem vermeintlich richtigen Tharben im ersten Kommentar mal einen falschen Tharben gemacht. Wobei das bei Nicks eigentlich vollkommen egal ist… 😉

  18. Tharben sagt:

    @Chris: Entschuldigung, ich heiße so. Ich antworte auch auf E-Mails, allerdings nicht von Namensvettern, die mich anpaulen. Mein Name steht in meinem Pass. Ich werde nicht mehr in Deinem Blog (das ich sehr schätze) kommentieren, wenn Du mich als «falsch» titulierst, nur weil hier einer seinen Namen für einmalig hält. Finde ich nicht fair. Er kann sich genauso umbenennen wie ich es könnte, ich bin kein falscher Tharben. Ich heiße so!

  19. Chris sagt:

    Weißt Du was, das ist mir alles egal. Nenne den vollen Namen, hinterlasse einen Link, whatever. Derzeit könnte da auch Anonymous stehen.

    Ich habe jetzt drei Tharbens mit jeweils unterschiedlichen E-Mail-Adressen hier…

  20. Detlef Borchers sagt:

    @Oliver, weiter oben: Auch ich finde diesen Vergleich mit der Bücherverbrennung qua Hashtag masslos und schlimm. Es ist sogar viel schlimmer als dieses gängige «Euer xyz kotzt mich an!», dass mich sehr belustigt hat, denn das Original ist wohl der Satz mit dem Reichtum. Da meint einer, seine «Plattform» verloren zu haben und sieht nicht, dass er ein Dienstleister war. So einen Quatsch ist man ja von Edelfedern gewohnt, jetzt stellt sich heraus, dass die A-Blogger genauso verbohrt sind.

    ABER es ist auch eine Klitterung, wenn man schreibt: «Erst brannten die Bücher, dann brannten die Menschen». Darüber gab es mal eine berühmte Debatte im PEN Deutschland, als es noch Ost und West war. Dieses erst.. dann.. ist auch üble Propaganda.

    Ansonsten teile ich die Einschätzung hier und freue mich auf das, was in zwei Wochen zu lesen sein soll. Bis dahin hält die Lektüre des Internet Manifestes die Laune hoch. –Detlef

  21. Oliver sagt:

    >ABER es ist auch eine Klitterung, wenn man schreibt: “Erst brannten die Bücher, dann brannten die Menschen”.

    Nun es ist eine Verknappung, keine Klitterung. Denn ich sehe als Historiker die Bücherverbrennung als Auftakt — Prinzip Alpha-Omega. Wenn ich sage damals lebten einzig Massenmörder in Deutschland, so entspricht dies auch nicht völlig der Wahrheit, ich zähle jedoch Schreibtischtäter und willfährige «Abnicker» ebenso dazu. Mag sein, daß irgendein Kollege «Rauschebart» da «zu differenzieren» weiß, andererseits sind «rechte Untugenden» auch unter Historikern keine Seltenheit.

  22. Cassandra sagt:

    @ «Sklavenmentalität»

    Da sich Dominic hier ja schon gemeldet hat, und ich, soweit ich das nachvollziehen kann, die zweite Person bin, auf die sich der «Sklavenmentalität»-Kommentar von mspr0 bezog, hier noch meine Eindrücke:

    Ähnlich wie Chris hier kann ich mspr0’s Verhalten auch nicht nachvollziehen und meine Hauptkritik an mspr0 ist auch das sich mit einer Nacht drüber schlafen und zuerst das Gespräch mit der FAZ zu suchen statt in blindwütigen Aktionismus zu verfallen die ganze Problematik sicher nicht so entwickelt hätte.

    Fairerweise würde ich meinen Vorschlag mit «eine Nacht drüber schlafen / dem ganzen erst noch etwas Zeit geben bevor man die Sache abschließen beurteilen kann» dann aber auch auf mspr0’s emotionale Ausbrüche beziehen.

    Damit keine Missverständnisse aufkommen: «Sklavenmentalität» hat für mich mit einem Argument oder auch angemessenen Diskussionsverhalten nichts mehr zu tun, aber vielleicht sollte man auch damit rechnen, das man wenn man «live» mitkommentiert, auch etwas vom emotionalen «Fallout» abbekommt.

    Vielleicht bin ich da aber auch zu milde, ich weiß es nicht.

    Nachdem ich hier auf f!xmbr aber vom «Bücherverbrennung» und «Liebe PC’ler» — Kommentar von sixtus gelesen habe, bin ich aber sowieso aus der ganzen Diskussion erstmal raus.

    Es gibt Level von Ignoranz bei denen ich mir, ähnlich wie bei Radioaktivität, ernsthaft Gedanken um meine Gesundheit mache.

    Mein Dank gilt hier aber auch allen die sich um einen Mindeststandart an Diskussionsverhalten bemühen, und die sixtus’ Kommentar ganz richtig als Geschichtsklitterung und Verharmlosung einordnen.

  23. Jarek sagt:

    Da schaut man mal einen Tag nicht in die weite Welt der Blogs, und schon verpasst man das beste und das Popcorn ist kalt…

    Ich teile zwar die Meinung von Chris, dass sich die FAZ prinzipell richtig verhalten hat, würde dieses aber niemals als ABSOLUT bezeichnen. Kommunikation und De-Eskalation sieht anders aus.

    Jetzt stehen beide Parteien da und sehen schlecht aus. Die böse FAZ für die einen, und der böse mspro für die anderen. Dabei haette die FAZ sich bei der geschichte doch deutlichst besser darstellen können als «Retter der Creative-Commons», statt einen shitstorm zu provozieren.

    ich darf mich auch auf einen weiteren Beitrag in 2 Wochen freuen :)

  24. Oliver sagt:

    Was die einen nicht oder doch als systematischen Konflikt sehen, kann journalistisch als pure Doofheit gewertet werden.

    Was war. Was wird.

    Die FAZ sieht dabei nicht anders aus als sonst, konservativ wie eh und je und für derart dummes Verhalten hagelts in regulären Jobs auch schon mal eine Abmahnung. Und Wiederholungstäter stehen dann auch recht schnell vor der Tür. Sehe Formalien en masse auch eher bedenklich, aber hier geht es um unprof. Verhalten, schlicht Verantwortungslosigkeit. Und draußen in der normalen Welt bekommt davon kaum einer etwas mit.

  25. Solarix sagt:

    Ich weiss ja nicht wie es in der «Welt der Blogs» so zu geht, aber mein Arbeitgeber, hätte sicher nicht anders gehandelt als die FAZ.

    IMHO ist Deeskalation eine Frage von Zeit und Zeit wird auch immer als Geld bemessen, in der monetären Welt. Das ist nun mal ein Faktum, ob man das gut findet oder nicht sei völlig dahin gestellt.
    Aber es ist Normalität und man sollte sich nicht wundern, wenn man auf die Nase fällt.

    Da ich keinen Einblick in die Situation der beiden Parteien habe erlaube ich mir auch keine Wertung des vorgefallenen.

    Ich finde es allerdings interessant wie wichtig sich die Blogwelt nimmt. Vor allem das Ausmass der Diskussion in diversen Blogs die ich mir heute morgen zum Thema angesehen habe, ist schon interessant.

    Es hat keinen Mensch, abgesehen von den üblichen Betroffenheitsfloskeln, interessiert wieviel Leute in den letzten Jahren auf die Straße gesetzt wurden, wegen eines einzelnen Bloggers kommen hunderte Postings zusammen. Schon interessant.

    Aber wahrscheinlich bin ich für sowas einfach zu alt. 😉

  26. Oliver sagt:

    Es interessiert schlichtweg keinen, es ist simpler einen Blogger mit einem Laptop zu supporten, denn diejenigen dazu zu bewegen irgendetwas zu spenden, Menschen in Not zu helfen was-auch-immer sonst zu tun. Obwohl ich mich seit den frühen 80ern auf BBS herumtreibe, fand meine Sozialisation auch noch in der Realität statt. Bei vielen dieser Gurus bzw. deren Jüngern vor allem, fand diese wohl ausschließlich im Internet statt. Da wird eine himmelschreiende Arroganz an den Tag gelegt, verschwurbelte Ideologien gebaut, um die eigene Unfähigkeit zu kaschieren, da meinen Technokraten die bessere Politik machen zu können — der Mensch spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da wird ein Kontrollverlust moniert — tatsächlich aber wurde zu oft delegiert und im Nachhinein will man es nicht wahrhaben und kapituliert mit Hoffnung auf Utopia. Ich nenne das schlicht Realitätsverlust und diesen Realitätsverlust wollen einige dieser Gurus mittels des Netzes und stetig alternierendem Neusprech in bare Münze umsetzen.

  27. Norbert sagt:

    Könnte es sein, dass der shitstorm der FAZ scheissegal ist? Das das alles durch zunehmende DUrchdringung des Netzes in die Gesellschaft völlige Nische ist? War noch vor 2 Jahren anders, mittlerweile sind die News «Das Netz tobt» oder «Die Community» infach nur noch zum gähnen.denn das sind Sixtus et al. max.2000 leute unter 60 mio usern

  28. Chris sagt:

    Natürlich prallt der Shitstorm an der FAZ ab. Es wäre auch schlimm, wäre es nicht so. Seemann wird den Laufpass bekommen und das war es dann. Bei der FAZ geht alles seinen normalen Gang…

  29. Robert B. sagt:

    Vollkommen korrekt. Frag doch mal jemand von deinen Bekannten, wie sie es mit Blogs halten. Nein, nicht mit dem Bloggen, sondern allein mit dem Lesen. Ich meine, «hier» ist auch ganz nett, aber dieses «Real Life» rockt einfach mehr 😉

  30. Oliver sagt:

    Meine Bekannten sind Nerds und Geisteswissenschaftler, such dir das passende aus 😉

  31. […] eines Spartacus ergibt, ohne jedoch jemals dessen Nachhaltigkeit in der Geschichte zu erlangen, jene Tragik tangiert nicht im mindesten. Es ist sein ureigenes Problem, sein höchsteigener Kontrollverlust, der just zum […]

  32. > «Kom­mu­ni­ka­tion und De-Eskalation sieht anders aus.»

    Die FAZ hat immerhin kommuniziert und mit ihrer Stellungnahme weder eskaliert noch deeskaliert.

    «Der Verlag hat ein Blog wegen wiederholter Lizenzverletzungen vom Netz genommen. Der Vorgang und die kursierenden persönlichen Veröffentlichungen wurden der Rechtsabteilung zur Prüfung übergeben.»

    Das ist kein Zitat sondern eine etwas andere, durchaus denkbare Spielweise. Dieser Konter wurde nicht gefahren. Nur mal als Anmerkung. Und jetzt lesen wir noch einmal die kursierenden persönlichen Veröffentlichungen.

  33. cynocephalus sagt:

    Interessant sind die Gedanken von Seemann schon. Es ist eigentlich egal, wie er seinen Rauswurf bei der FAZ emotional verarbeitet. Im Netz kann er weiter seine Ideen zur Diskussion stellen. Den Bekanntheitsgrad hat diese FAZ-Aktion erhöht. So kann er jetzt bei der ct‘ in Schriftform und online veröffentlichen.

  34. Chris sagt:

    Genau. Sein letztes Elaborat in der c’t war ein Angriff auf eines unserer durch das Bundesverfassungsgricht manifestierten Grundrechte.

    Was für ein Held…

  35. Oliver sagt:

    Kontrollverlust gab es schon immer, vielleicht ist ihm das nicht bewußt — sich mit Kultur in all ihren Facetten en detail zu beschäftigen ist etwas anderes, als nur über Kultur als Sache zu referieren und ein paar Brocken aus dieser als Eckdaten aus ihrem Kontext sinnbefreit herauszureißen (ct’ beispielsweise). Mitunter meint er den mit seinem ausufernden Konsumverhalten in puncto Netz künstlich herbei geführten Kontrollverlust. Fragen über Fragen, die ich gar nicht wirklich beantwortet sehen möchte. Solange seine Thesen dazu gereichen seine Karriere aufzubauen … warum nicht? Viel Glück dabei, aber zu Allgemeintauglichkeit einer echten Theorie langt es dann doch halt weniger. Mit verschwurbelten Theorien kann man die IBs dieser Welt ausbauen, anderen wieder obliegt es radikal die Spreu vom Weizen zu trennen. Dabei wäre es doch simpler, einfach zuvor den Eingangslevel drastisch erhöhen …

  36. […] Nutzung nicht freigegeben worden waren, in seinem Blog verwendet. Christian Sickendieck hatte seine Position hierzu schon kurz darauf in seinem Blog F!xmbr ausgeführt, und auch ich hatte mich dazu in der […]


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