Die falschen Tränen der Sozialverbände

Ich war gerne Zivildienstleistender. Damals hat die Mehrzahl von uns noch mit einer Einberufung rechnen müssen und wenn man verweigern wollte, musste man schon einen überzeugenden Roman schreiben (PDF, 74 KB). Meinen Zivildienst habe ich in einem Kinderheim abgeleistet. 13 Monate waren es damals noch, es war ein Heim, wo Kids untergebracht waren, deren Eltern noch lebten, sie waren also keine Waisen. Aus welchen Gründen auch immer haben Eltern entschieden, ihre Kinder in ein Heim zu geben — oder Behörden und Gerichte hatten es veranlasst. Noch heute denke ich manchmal an meine Kids zurück, an Schwester Oberin, wie sie dreimal vor mir stand und mir mein Ticket für zu schnelles Fahren überreichte. Ich dürfte da noch heute den Rekord halten. Laut Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb soll der Wehr– und Zivildienst nun auf 6 Monate gesenkt werden. Das typische Beispiel eines sinnbefreiten Kompromisses zwischen Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und einer Berufsarmee. Die Sozialverbände fangen an, Sturm zu laufen — doch sind es falsche Tränen, die man hier beobachten kann.

Selbstverständlich sind 6 Monate Zivildienst nicht mehr ausreichend, um einen Menschen anzulernen und dann auch entsprechend einzusetzen. Gerade wenn Zivildienstleistende Kranken oder älteren Menschen beiseite gestellt werden, ist das kaum noch möglich — kaum hat man sich kennengelernt und vertraut einander, ist der Zivildienst schon wieder beendet, die Bezugsperson verlässt die zu pflegende Person schon wieder. Dieser Argumentation kann man sehr wohl etwas abgewinnen. Wenn nun aber die Sozialverbände aufschreien, dann sollte man das unter Klappern gehört zum Handwerk ablegen — schließlich ist schon vor langer Zeit dafür gesorgt worden, dass ausreichend Material vorhanden ist.

Wenn Kerstin Lohse vom ARD-Hauptstadtstudio nun fordert, mehr Festangestellte statt Zivis, dann sollte man mal wieder anmerken, dass unsere Medien ein wenig an ihrer Realitätsschraube drehen sollten. Vielleicht sollte unsere Vierte Gewalt einfach mal den Blick auf die naheliegendste Lösung werfen: den Ein-Euro-Jobbern. Gerade im sozialen Bereich werden Ein-Euro-Jobber mittlerweile zuhauf eingesetzt — und da es um soziale Tätigkeiten geht, werden diese Jobs in der Regel schnell und unbürokratisch von der Arbeitsagentur genehmigt, sogar massiv vorangetrieben. Wenn sich manche Organisationen nun zurückhaltend äußern, was den Zivildienst angeht, dann sollte man wissen, dass das System ganz schnell auf die so genannten Ein-Euro-Jobs umgestellt werden kann und wird. Es ist bereits teilweise geschehen.

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat gerade erst in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung aufzeigt, dass in sozialen Vereinen, Wohlfahrtsorganisationen, Sport– und Hobbyvereinen oder Initiativen und Projekten, die sich mit Umweltfragen beschäftigen, eine weitere Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse und die Entwicklung zum Niedriglohnsektor droht. Grund dafür ist die zunehmende Dominanz von Teilzeit– und Ein-Euro-Jobs bzw. befristeten Arbeitsverträgen. Um es ganz direkt sagen: Unser Land produziert mehr als genügend Zwangsarbeiter, um die Lücke zu füllen, die durch einen eventuellen Wegfall des Zivildienstes entstehen würde.

Das Tränen der Sozialverbände sind falsch. Sie sind als Aufforderung an die Politik zu verstehen, weiter für Nachschub zu sorgen, weiter Ein-Euro-Jobber zu liefern — es gibt bereits Diskussionen und Forderungen nach Null-Euro-Jobbern, diese sollen nicht nur gemeinnützig eingesetzt werden, es gibt bereits Überlegungen, ihren Einsatzbereich in den privaten und wirtschaftlichen Sektor auszuweiten. Der soziale Bereich ist in unserem Land mittlerweile ein riesiger Markt — und ich bewundere jeden Menschen, der in diesem Bereich Tag für Tag, oftmals für einen Hungerlohn, arbeitet. Die Sozialverbände jedoch, die sich immer wieder über die Medien an die Politik richten und sich echauffieren, sind einfache Lobbyisten in eigener Sache. Nicht mehr und nicht weniger. Oftmals hört dort das Soziale schon bei den eigenen Mitarbeitern auf. Und ich bin mir sicher, die Zukunft wird zeigen, dass Ein-Euro-Jobber die Lücke füllen werden, die der Wegfall des sinnvollen Einsatzes von Zivildienstleistenden, reißen wird.

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29 Antworten zu “Die falschen Tränen der Sozialverbände”

  1. Oliver sagt:

    Diverse Altenheime hier in der Region haben ihre Ansprüche auf ein-Euro-Jobber verloren, da Mißbrauch an der Tagesordnung war. Auch im Bereich der Zivildienstleistenden ist dies keine Seltenheit und erst recht nicht wenn es darum geht die Kompetenzen zw. Altenpflegehelfern und Altenpfleger zu wahren. Maximale Gewinne ist bei möglichst wenig Aufwand ist das Credo. Warum boomen sonst auch die mobilen Sozialdienste? Die Leute haben kein Geld mehr und insbesondere ein-Euro-Jobber und Zivildienstleistende sollen das Geschäft gegenüber den mobilen Diensten retten.

  2. Chris sagt:

    Und unsere neue Regierung wird die Regelungen noch weiter lockern…

  3. Robert sagt:

    Zivis und Ein-Euro-Jobber sind in einer «sozialen Marktwirtschaft» regelrechte Krebsgeschwüre. Sie ersetzen Vollzeitjobs, die in einer so reichen Gesellschaft wie Deutschland eigentlich bezahlbar wären.

  4. Andreas sagt:

    Die Verkürzung des Wehr– und damit des Zivildienstes hilft von der Droge Zivi und auch Wehrpflichtiger wegzukommen. Eine sofortige Aussetzung der Wehrpflicht wäre natürlich besser gewesen, aber so ist es zumindest ein großer Schritt in die richtige Richtung.
    Es muss bessere und auch ehrlichere Lösungen geben, gerade im Sozialbereich. Das Jammern der Verbände nimmt ohnehin kaum jemand ernst.
    Mein Shcwiegervater bekommt im Heim auch einen Zivi zur Seite gestellt, um regelmäßige Spaziergänge zu machen. Da ist ohnehin immer ein anderer Zivi an der Reihe, so dass ich das mit dem persönlichen Bezug auch nicht so ernst nehme.

  5. Oliver sagt:

    @Robert: an der Formulierung mußt du noch ein wenig feilen, damit man die Aussage auch zu Ende liest.

  6. Glawen sagt:

    Ich habe auch noch meine 13 Monate Zivi abgeleistet. Im Rettungsdienst. Damals war schon die Diskussion entbrannt, wie man das ganze aufrecht erhalten solle, da die Verkürzung auf 11 Monate im Raum stand und sich somit die 3 Monate Ausbildung zum Rettungssanitäter nicht mehr lohnen würde. Die sind dann größten Teils auf Rettungshelfer umgeschwenkt. Ging wohl auch. Mit 6 Monaten wird aber selbst das nicht mehr gehen. Von daher wird es keine Zivis mehr im Rettungsdienst geben.
    Abgesehen davon, dass die Zwangsarbeit und der Niedriglohn wirklich im sozialen Sektor ausgebaut werden und das geheule der Sozialverbände wirklich falsch ist, finde ich den Zivildienst sehr gut. Mir hat er neben einer Qualifikation als RS viele Einblicke und Erfahrungen beschert die ich nicht missen möchte. So ein Jahr Zivi, anderen Menschen helfen, sollte jeder mal gemacht haben.

  7. Yuggoth sagt:

    Gehe vollkommen konform mit dem Artikel.

  8. Oliver sagt:

    @Glawen: gegen einen Zivildienst ist auch nichts einzuwenden, jedoch auf freiwilliger Basis, ebenso wie Soldat spielen. Wenns einem hilft, wenns jemand gerne macht — prima, lobenswert. Wenns jemand jedoch nicht machen möchte ist dies ebenso sein gutes Recht.

  9. Tobi-Wan sagt:

    Chris, Du sprichst mir aus der Seele. War ebenfalls Zivi und habe in einem Krankenhaus gearbeitet. Ich bereue diese Zeit nicht, da sie mir wertvolle Erfahrungen und Respekt vor ALLEN Berufen im sozialen Bereich einbrachte. Allerdings bekam ich während meines Zivildienstes eben auch mit, wie billige Arbeitskräfte (Zivis, 1-€-Jobber) als tragende Säulen des Betriebes eingesetzt wurden.

  10. Martin S sagt:

    Ich würde dem Eintrag von Andreas zustimmen: Es ist ein Anfang, in einer perfekten Welt wäre vielleicht eine konsequentere Lösung gekommen, aber manchmal geht das halt nur schrittweise.

    Ein bislang unterschlagenes Argument ist die Wehrgerechtigkeit. Wenn weniger als 50% eines Jahrgangs eingezogen werden, ist es letztlich eine reine Lotterie — das ist unfair. Ich war auch 13 Monate Zivi (in der Gerontopsychiatrie) und erinnere mich gut an die kleinen und großen Lügen, die man bei der Verweigerung schreiben musste. Ich kann deswegen als Zivi nicht wirklich beurteilen wie es beim Bund aussieht, aber nach allem was ich so aus erster Hand gehört habe, war der eigentliche Dienst nach 3 Monaten erledigt und fast den ganzen Rest hätte man sich schenken können. Das war beim Zivi natürlich völlig anders, eher das Gegenteil war da der Fall. Aber was das «Einziehen» angeht, kann die Verkürzung wieder für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil mehr eingezogen werden können.

    Zum Argument «sollte jeder mal gemacht haben» — ich habe nach meiner Zeit ganz genauso gefühlt, also dass es eine wirklich sinnvolle Erfahrung war, auch in der Länge. Aber Menschen in dieser Art zu ihrem (aus deiner und meiner Sicht) «Glück» zu zwingen, über ihr Leben also fremdzubestimmen, ist grundsätzlich falsch. Freiwilligkeit und eine ordentliche Aufklärung darüber in der Schule wären imho sinnvoller. Ich kann zugegeben unmöglich wissen, ob ich das dann selber gemacht hätte.

  11. HKVD sagt:

    Wie viel bekommt eine bedürftige Familie für ein Kind (SGB II). Damit muss alles bestritten werden (Essen, Kleidung, Wohnraum, und alles andere, auch Urlaub)
    Ein Heim erhält pro Tag ab 100,- Euro für ein Kind. (Zwischen 3000,- und14.000,- Euro)
    Das hier Zivildienstleistende eingesetzt werden ist ein Skandal!
    Der Heimkinderverband Deutschland macht den Missbrauch bekannt.

  12. Jemand sagt:

    Jetzt bin ich doch etwas «entsetzt», sowas hier zu lesen.
    1-Euro-Jobber, warum sprichst du nicht aus, was du wirklich denkst?
    Statt Zivildienstleistende die diesen Job ja doch irgendwie freiwillig machen, sollte man lieber Arbeitslose — die eh nur faul sind und den Steuerzahler kosten — hierfür Zwangsrekrutieren, nach dem Motto «Fordern und Fördern»?
    Man sollte ich vergessen, das für solche Aufgaben, besonders wenn es um die Pflege alter und hilfebedürftiger geht, nicht jeder körperlich und besonders auch psychisch geeignet ist. Wenn jemand zu solch einer Tätigkeit gezwungen wird, leiden beide — der «Pfleger» und der Zupflegende.
    Oder interpretiere ich diesen Artikel jetzt völlig falsch?

  13. Robert B. sagt:

    Mich wundert eigentlich nur, dass die Diskussion über den Zivi-Ersatz auf dem Niveau von 1€-Jobs erst jetzt so richtig aufzukommen scheint, wo der Zwangsdienst für Männer (ach ja …) zu einem „Schnupperpraktikum“ verkürzt wird, welches immer noch Berufsbiografien stört (Abi ist im Juni, Einberufung im Juli, Dienstende im Dezember, Studienbeginn im Oktober des Folgejahres). Ich hatte diese Debatte eigentlich schon vor über fünf Jahren erwartet, als die unseligen Hartz-Gesetze verabschiedet wurden (und bei mir das „Bundesamt für den ZwangsZivildienst vorstellig wurde). Interessant wäre es jetzt allerdings zu wissen, ob hinter solchen Berechnungen reguläre Beschäftigung oder wieder nur Ausbeutung steht.

  14. Max guat sagt:

    Sehr schön! Gut durchschaut!

  15. Yuggoth sagt:

    Zivildienst und 1Eurojob sind beides Zwangsarbeitsmaßnahmen.

    Lösungen wären eine Einführung eines Zivildienstes für beide Geschlechter (dann wären die Weiber auch weniger arrogant) und eine Umstellung der BW auf Berufsarmee sowie Abschaffung aller 1Euro-Jobs.

  16. Chris sagt:

    @Jemand: Bitte Artikel noch einmal lesen. Danke.

  17. Robert B. sagt:

    @Yuggoth: Was für Frauen kennst du denn 😉

  18. Yuri sagt:

    @Yuggoth: Ja, weil wenn’s fuer alle gilt, ist es ja auch keine Zwangsarbeit mehr, oder wie?

  19. Micxs sagt:

    Ja der Zivildienst und seine Wichtigkeit für die Sozialkassen und Verbände. Ich hab selbst auch noch 15 Monate gemacht und ich weiß noch ganz genau wie ich vor den 3 Bundeswehrhoschis gesessen habe und mich rechtfertigen musste, warum ich keinen Dienst an der Waffe absolvieren kann.

    Das viele Sozialverbände ihre Kräfte mittlerweile auf 1-Eurojobs umgestellt haben oder beides nutzen ist landläufig bekannt. Die Frau von und zu Laien hat ja auch schon angekündigt man könnte den Zivildienst freiwillig verlängern.

    Jetzt aber mal zu der Arbeit der Zivis und auch 1Eurojobs. Ich habe zum Beispiel Schwerstbehinderte betreut. In meiner 3 monatigen Ausbildung im Zivildienst lernte ich solche Sachen wie Verbände wechseln bis hin zu Katheterplazierung. Zivildienstleistende sind für die Betreuten und die Verbände schon zur damaligen Zeit nicht mehr wegzudenken gewesen.

    Da aber 1Eurojobs Zwangsarbeit ist, denke ich das es schwer ist dort Menschen zu finden die erstens die richtige Motivation haben und zweitens ihre Arbeit auch Ernst nehmen. Der andere Punkt ist das ein 1Eurojobber oder ein Zivi nicht das Wissen einer Fachkraft ersetzen kann auch wenn er viele Aufgaben erledigen kann.

    Nun zur gesellschaftlichen Wirkung des Zivildienstes. Ich höre sie noch rumtönen, es war Ende der 80er, langhaarige Drückeberger waren noch die harmloseren Beschreibungen. Im Gegenzug zum Wehrdienst hat der Zivi aber jede Menge Erfahrungen mitgenommen und einen gehörigen Respekt gegenüber Personen die in diesen Bereichen beruflich tätig waren. Ich hab im Zivildienst gelernt, das man froh sein kann wenn alles einigermaßen funktioniert und es ein Geschenk ist gesund zu sein. Desweiteren habe ich gelernt wie es sich anfühlt, wenn man z.b. mit dem Rollstuhl durch die Stadt fährt und die Blicke der Passanten einen streifen. Über die katastrophalen Zustände in manchen Pflegeeinrichtungen war ich damals schon entsetzt.

    Nun zu meiner Meinung wie man es umsetzen könnte. Wehrpflicht abschaffen und eine Berufsarmee einführen. Freiwilliges soziales Jahr für Jugendliche. Das freiwillige soziale Jahr sollte von Arbeitgebern und der Gesellschaft als hochwertige Ausbildung betrachtet werden und auch den Respekt bekommen die diese Tätigkeit verdient. Wenn man allerdings auf Erwerbslose zurückgreifen möchte, so sehe ich das ein wenig differenziert. Es spricht meiner Meinung nichts dagegen Erwerbslose im Pflegebereich einzusetzen, aber nur unter folgenden Bedingungen.
    – Freiwilligkeit
    – Mindestens 3 monatige Ausbildung
    – Entgeld das es dem Erwerbslosen ermöglicht davon zu leben mit der Möglichkeit zur Festanstellung.
    – Entfernung aus dem Repressionswerkzeug Hartz4

    Das ganze streift auch ein wenig das Thema BGE. Mit einem BGE wären sogar ehrenamtliche Tätigkeiten und Pflege in der Familie möglich und auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten in Pflegeeinrichtungen wären möglich. Dazu muss man weg vom Bild des schmarotzenden Erwerbslosen, sondern muss diesen Menschen für ihre Tätigkeit auch den nötigen Respekt und Anerkennung erweisen. Mit dem Repressionswerkzeug Zwangsarbeit ist den Betreuten und den Erwerbslosen aber nicht geholfen, denn es verschlechtert die Situation beider Parteien. Daher halte ich den Zustand Erwerbslose zu diesen Tätigkeiten zu zwingen für absolut kontraproduktiv.

  20. Robert sagt:

    @Oliver

    Wenn meine Kommentare nicht zugelassen werden, kann ich mich auch kaum erklären bzw. an meinen Aussagen feilen.

  21. Phil sagt:

    @Yuri:

    Verkürzt lässt es sich so sagen:

    Alle Arbeit, die bei nichterfüllen mit einem empfindlichen Übel bestraft wird, ist Zwangsarbeit.
    Nach Definition der ILO sind hiervon jedoch u. a. ausgenommen: Wehrdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeiten im Strafvollzug, Arbeiten bei höherer Gewalt sowie Arbeiten für das Gemeinwohl. Wobei es wohl noch keine allgemeingültige Definition gibt, was zum Gemeinwohl dazugehört und was nicht.

  22. Rumheulerei der Lobbyisten richtig erkannt und benannt.

    Was in der Diskussion etwas untergeht ist die vorhandene und ausgeübte Befehlsgewalt der Organisationen über die Wehrdienstverweigerer. Ein Wehrdienstverweigerer unterliegt im Konfliktfall den gleichen Disziplinierungsmöglichkeiten wie ein Soldat. Die rechtliche Situation eines Wehrdienstverweigerers ist dadurch noch schlechter als die eines Ein-Euro-Jobbers.

    Ein weiterer Grund für die Rumheulerei der Lobbyisten.

  23. Anonymous sagt:

    Bösartigkeit in Vollendung — Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge

    Dieser SPD-Verein erklärt ständig, dass die Klienten ja sowieso zu viel kriegen.

    Das Deutsche Rote Kreuz ist CDU-geführt: Rudolf Seiters (früher Bundesinnenminister unter Kohl) ist DRK-Präsident, Hannelore Rönsch ist Präsidentin des hessischen Landesverbandes. Ählich sieht bei Caritas und Diakonie aus. Die Arbeiterwohlfahrt ist SPD-geführt.

    Dies erklärt dann auch die Stellungnahmen dieser Verbände beim BVerfG.

  24. NDS_matthew sagt:

    Zur Ehrenrettung vieler Beschäftigter behaupte ich als ebenfalls gedienter Zivi (13 Monate), dass man in den sozialen Einrichtungen unter den Festangestellten in der Mehrheit auf Überzeugungstäter treffen kann, die ihre Arbeit als echte soziale Aufgabe verstehen. (Mir widerstrebt es deshalb, wenn ‘die Sozialverbände’ pauschal etwa in die Ausbeuter-Ecke gestellt werden…)

    Hält man sich die Ausgangslage in puncto Zivildienst vor Augen und macht sich die allgemeinen Entwicklungen im Bereich der sozialen Arbeit bewußt, dann muss doch eines klar werden: die größten Benachteiligten, das sind und bleiben weiterhin die Betreuten (das ‘Klientel’) der Sozialverbände. Werden sie etwa in Zukunft von mehr gut ausgebildeten, motivierten Arbeitskräften betreut? Sicher nicht.
    Wieviele wird es geben, die diese Arbeit in Zukunft auf rein freiwilliger Basis und schlecht bezahlt — also aus reinem Idealismus oder/und zur Orientierung — leisten? Ein geradezu lachhafter Ansatz von Frau von der Leyen. Die bestehenden Trends zu Lohndumping und 1-Euro-Jobs sind ein Skandal! Warum tauchen diese Themen so selten in den etablierten Medien auf?
    Im Übrigen ist die aktuelle Situation der sog. ‘Wehrgerechtigkeit’ tatsächlich ein Hohn (- auch weil sich die Sprößlinge gutsituierter Eltern einfacher das für die Ausmusterung notwendige Attest ausstellen lassen können). Das übliche Argument gegen die Gleichstellung von Mann und Frau an dieser Stelle ist die biologisch bedingte Auszeit im Zuge von Schwangerschaft und Geburt. Beim Pausemachen aufgrund von Nachwuchs sollen nun allerdings auch bei der Elternzeit die Männer besser zum Zuge kommen…
    Alles Wertvolle an machbaren Erfahrungen im Zivildienst in Ehren — der Zivildienst konnte mit seiner unterirdischen Besoldung seine bestehende Verbreitung einzig und allein aufgrund seines verpflichtenden Charakters annehmen. Wer jungen Männern zu mehr freiheitlicher Selbstbestimmung verhelfen will und dabei auch mehr Gerechtigkeit in der gesellschaftlichen Pflichtenverteilung schaffen möchte, der muss dem sozialen System schlichtweg mehr Geld zur Verfügung stellen!

  25. somlu sagt:

    Im Kern stimme ich deinem Artikel zu. Allerdings kenne ich einige soziale Bereiche, wo auf den Einsatz von MAE-Kräften verzichtet wird. Denn zwangszugewiesene «Mitarbeiter» taugen meist nichts in der Arbeit mit Menschen.

  26. Nachdenkseiten-Leser sagt:

    Sehr zutreffend formuliert,
    übrigens, die Ein-Euro-Jobber heißen bei unserer Diakonie nicht mehr so. Die haben von Orwell gelernt und nennen die Ein-Euro-Jobber nun halt «Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung». Klingt besser als Ein– oder Null-Euro-Jobber.

    Übrigens, dies schreibt einer, der selbst — noch in der alten Zeit der Arbeitslosenhilfe unter Gerhard Schröder — im Rahmen eines «Projektes» auf einer Stadtverwaltung einen Null-Euro-Job ausüben durfte. Damals noch die absolute Ausnahme, die man uns bald als Realität verkaufen wird.

    Wo bleibt eigentlich der Widerstand gegen diese Unrechtsgesetze? Wie lange wollen wir eigentlich noch warten bis diese zwangsarbeitsähnlichen Maßnahmen durchgesetzt sind?

    Werden wir Deutschen (=auch die nicht-deutschstämmigen sind angesprochen) vom «Volk der Dichter und Denker» zum Volk der Ein– und Null-Euro-Sklaven? Dass die Kirche kein Problem mit der Sklaverei hat, dass weiß übrigens jeder, der einmal die Bibel — Paulus! — gelesen hat.

    Man verkaufte nur den neuen Glauben, aber für die Sklaven blieb alles beim Alten — Schon damals zu Beginn des Christentums.

    Seither hat sich nix geändert, die Kirchenoberen sind immer schon auf der Seite der vermeintlich Mächtigen gewesen :-(

    Man sieht dies eben auch daran, dass viele christliche Sozialverbände eben heute wieder zwangsarbeitsähnliche Ein– und Null-Euro-Jobs anbieten.

    Ist ja nur konsequent, wenn man die krititsche Kirchengeschichte kennt.…

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

  27. Nachdenkseiten-Leser sagt:

    Ergänzung:

    Es gilt auch für die hier lebenden AsylantInnen und Ausländer, d.h. die Nichtdeutschen. Oft übrigens, so ließ ich mir einmal erzählen, werden genau die für das erstmalige Ausprobieren solcher unsozialer Gesetze ausgewählt — Man denkt regierungsseitig, die haben ja eh keine dt. Staatsangehörigkeit und sind rechtslos, ergo kann man an denen ausprobieren was man irgendwann einmal allen Menschen in Deutschland als «Reform» verkauft. Leider gelöscht, aber ich las vom Arbeitszwang für Arbeitslose zum ersten Mal eine Forderung der rechtsextremen REPS. Würde mich nicht wundern, wenn dies früher auch einmal die NPD/DVU im Wahlprogramm stehen gehabt hätte. Heute verkaufen sich die Rechtsextremen als «sozial», aber auf diesen Trick falle ich nicht herein, da ich eben — durch einen Onkel von mir — mal ins REP-Wahlprogramm im Netz reinschauen durfte. Heute will keine rechtsextreme Partei mehr etwas davon wissen, aber die merkelschen/schröderschen/steinmeierschen «Reformen» sind von denen abgekupfert — Dies sollten Arbeitslose wissen, die Ein-Euro-Jobs, d.h. die Zwangsarbeit für Arbeitslose, wurden zuerst von Neo-Nazis verlangt, und von Rot-Grün (Schwarz-Gelb ist auch nicht besser) umgesetzt.

    Hat nicht Günter Wallraff in «Ganz Unten» schon die fragwürdige Nähe so manchen Politikers zur rechtsextremen Szene beleuchtet. Übrigens meist Politiker die auch Leiharbeit (=moderne Sklaverei) befürworten.

    Fazit: Nicht auf schwarz-gelb und die braunen reinfallen, die sind auch nicht besser als rot-grün. Einzige Alternative, solange die nicht-neoliberal-gewendet wird: Die Linkspartei im Bund.

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

  28. Oliver sagt:

    >Oft übrigens, so ließ ich mir einmal erzählen, werden genau die für das erstmalige Ausprobieren solcher unsozialer Gesetze ausgewählt – Man denkt regierungsseitig, die haben ja eh keine dt. Staatsangehörigkeit und sind rechtslos, ergo kann man an denen ausprobieren was man irgendwann einmal allen Menschen in Deutschland als “Reform” verkauft.

    Das mußt du dir nicht «erzählen» lassen, dies kann man anhand rudimentären politisch-historischen Grundwissens nachvollziehen, respektive gemäß dem «Augen-auf-Prinzip». Ein Teil der Menschen die du da erwähnst faßt man gemeinsam mit anderen unter dem Begriff Minderheiten zusammen. Diese Minderheiten sind Bafög-Empfänger, HartzIV-Empfänger, Ausländer — auch mit Deutschem Paß (seit wann ist eine Staatsangehörigkeit ein Hindernis?), Frauen, Rentner, Obdachlose usw. Da läuft vieles ab und die Masse läßt es willfährig geschehen, weils eben nicht tangiert. Es ist in den wenigsten Fällen Unwissen, sondern schlichtweg Ignoranz gegenüber den Mitmenschen.

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