Die deutschen Blogs und ihre Relevanz

LöweDeutsche Blogs1 sind absolut irrelevant. Kein Mensch interessiert sich in Deutschland für Blogs. Gut, es gibt eine sogenannte Szene, auch Blogosphäre genannt. Doch wer interessiert sich darüber hinaus für Blogs? Seien wir ehrlich: Niemand. Die Zahlen, die die großen deutschen Blogs auf sich vereinen, sind schön und gut — doch unter dem Strich sind sind lächerlich. Wenn man sich im Gegensatz dazu die Zahlen von SpOn, dem Stern oder der SZ anschaut, dann wird einem erst klar, was möglich ist — auf deutschen Blogs aber niemals erreicht werden wird. Und auch die sozialen Netzwerke schauen von ganz oben auf die Blogs herab, ebenso wie die größeren Foren, das sogenannte Web 1.0, die durchaus schon mal innerhalb einer Stunde den täglichen Besucheransturm der deutschen Top-Blogs zu verzeichnen haben. Selbst wenn sich die Zahlen, die man bei Blogscout einsehen konnte, die öffentlich verbreitet wurden, heute noch in einem ähnlichen Bereich, zum Beispiel auf dem BILDblog und dem Blog von der Spree, bewegen, bleibt nach dem Abzug der Google-Besucher, nach dem Abzug der Leute, die weniger als eine Minute bleiben, nur ein Lächeln über. Die sogenannten Top-Blogs haben sicherlich über Jahre eine eigene Community geschaffen — doch bleibt diese im beschaulichen Rahmen. Es kommentieren zum Beispiel so gut wie immer dieselben Leute. Robert hat gerade erst einen Artikel über die Schweiger beschrieben — damals, als ich das erste Mal über das Thema geschrieben habe, hießen sie noch Silent Reader. Die Schweiger, die täglich reinschauen, lesen sind mir im Übrigen allemal lieber, als die, die einmal kommen, etwas in die Kommentare rotzen und wieder gehen.

Wie ich gerade wieder darauf komme? Nun, in den letzten beiden Tagen habe ich mal wieder festgestellt, dass eine Verlinkung in einem unbekannten, vielleicht mittelgroßen Forum mehr Besucher bringt, als eine Verlinkung auf einem sogenannten A-Blog. Die einzige Ausnahme, die ich bisher feststellen konnte, war eine jeweils direkte Empfehlung auf dem Rebellmarkt und der Blogbar. Aber selbst die Zahlen werden von einem größeren Forum locker abgefangen. Und ich sehe es ja selber — das lässt immer gut beobachten, wenn wir mal die Lanu verlinken: Die Referers werden dort unterhalb der Artikel angezeigt — von den Stammlesern klickt auch nur ein kleiner Teil Links wirklich an. Wenn man diese beiden Maßstäbe nimmt: Bereinigte Besucherzahlen, den Google-Fallout abgezogen, die Besucher, die ein Link auf einem Blog bringt, dann bleibt nicht wirklich viel über. Selbst ein Link auf einem mir bis dato völlig unbekannte Portal bringt mehr Besucher, als mancher Link auf einem Blog.

Die sogenannte Blogosphäre ist insich ein geschlossenes System. Die Medien schauen partiell nur drauf, weil es ihr Job ist.2 Dass Journalisten die deutschen Blogs belächeln, ist in jedem Artikel erkennbar, der über das Bloggen in Deutschland erscheint — man denke nur an die SZ und die FAZ, auch wenn man dort immer an das berühmte Glashaus denken muss. Wenn man mal draußen im RL, als das, was nur noch wenige Berliner Blogger zu kennen scheinen, fragt, ob Freunde, Verwandte ein Blog kennen, man gar davon spricht, dass man selbst Blogger ist, dann wird man ungläubig angeschaut und man darf erklären, was dann dieses Bloggen überhaupt ist. Manchmal wird man auch mitleidig belächelt, ab und zu erntet man ein Kopfschütteln — aber der Regelfall ist und bleibt: Kann man das essen? Und so habe ich mir es mittlerweile angewöhnt zu sagen, dass ich mit einem Freund zusammen eine kleine, private Online-Publikation betreibe, auf der wir eigene Artikel veröffentlichen. Von kleinen privaten Schmankerl, über IT-Themen bis hin zur kleinen und großen Politik ist bei uns alles zu finden. Die Beschreibung passt meiner Meinung schon ganz gut. Und im Ernst: Bei dem Ruf, den Bloggen mittlerweile in Deutschland hat, fällt diese Erklärung auch nicht schwer, sie kommt leicht über die Lippen. Da wenige Berliner Blogger in der Öffentlichkeit das Bloggen repräsentieren, ist diese klare Trennlinie auch dringend nötig — und sei es im Berufsleben nur der reine Selbstschutz.

Die Frage, die sich stellt, ist, ob man dieses geschlossene System überhaupt öffnen will, wollen deutsche Blogs überhaupt außerhalb vom eigenen Mikrokosmos wahrgenommen werden? Mir persönlich ist das (mittlerweile) eigentlich egal — ich schreibe hier um des Schreibens willen, um vielleicht den einen oder anderen Leser zum Nachdenken zu bewegen — und wenn zum Schluss nur der Spass bleibt, ist schon eine ganze Menge gewonnen. Es ist sicherlich mein größtes Hobby — aber auch nicht mehr und nicht weniger. Wie sich der regelmäßige F!XMBR-Leser sicherlich denken kann, habe ich durchaus eine eigene Meinung dazu, welche Personen einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass Blogs so irrelevant sind, warum sie in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Heise-Forum gleichgesetzt werden, warum die Medien sie nicht ernst nehmen, in manchen Fällen sicherlich ein Thema aufgreifen, in noch viel weniger Fällen die Quelle verlinken. Darum soll es nicht gehen. Die Frage ist: Wie kann man aus diesem Trott rauskommen? Untereinander wird wie blöde verlinkt und auf die anderen verwiesen — auf anderen Online-Publikationen findet man aber keine Relevanz, außer vielleicht in absoluten Ausnahmefällen, wo das Gekreische der Blogosphäre nicht mehr zu ignorieren ist.

Unsere TrueCrypt-Anleitungen sind im Netz eine der wichtigsten deutschen Anlaufstellen zum Thema TrueCrypt — wer nach StudiVZ sucht, findet ebenso schnell F!XMBR. In der BSD-Szene ist F!XMBR auch eine sehr wichtige und bekannte Anlaufstelle — dank Olivers unermüdlicher Arbeit. Doch dann hört es fast auch schon auf. Der Rest ist täglicher Fun, Fallout — nur mit Glück wächst mal ein Thema größerer Relevanz. Selbst die nicht wenigen politischen Artikel finden außerhalb der deutschen Blogosphäre ebenso wenig Anklang wie die des Spiegelfechters — und Jens macht da wirklich grandiose Arbeit. Und hier liegt wohl der Hase im Pfeffer begraben. Es gibt politische Blogs, aber eben nur wenige, die das tägliche Kasperletheater aus Berlin und den Staatskanzleien kommentieren. Die gesellschaftliche Relevanz, die Ernsthaftigkeit fehlt auf deutschen Blogs völlig. Die deutsche Blogosphäre ist über Fun, YouTube-Videos, Klingeltöne und Abmahnungen bekannt geworden, ich vermeide bewusst die Redewendung groß geworden. Niemals hat sie gesellschaftliche und politische Relevanz bewiesen, wie auch bei den Protagonisten auf den sogenannten Top-Blogs. Und genau darum wird sie nicht ernst genommen. Mit dem flüchtigen Bekannten kann ich auf der Party vielleicht eine Cola trinken — ernsthafte Diskussionen führe ich dann aber woanders.

Ich habe mal darüber nachgedacht, wie es wäre, ein politisches Blog zu eröffnen. Verschiedene Ansichten zu einem Thema: Mit einem Blogger, der sich als Linken ansieht, einem SPD’ler, einem CDU’ler, einem Grünen und einem FDP’ler — doch den Gedanken habe ich schnell wieder verworfen. Das gäbe Mord und Totschlag. Das würde, wenn überhaupt, nur unter einem fremden Dach funktionieren: Die Blogger müssten, was die Artikel angeht, völlig freie Hand haben — bei Streitigkeiten, wenn sich nicht geeinigt werden kann, muss halt vom Hauseigentümer eingegriffen werden. Darauf wird sich aber niemand einlassen. Kein Blogger, es sei dann, er wird gut bezahlt — da kommen wir dann zum Verlust der Unabhängigkeit, wie auch kein Verlag. Man will da sicherlich kein eigenes T®ollhaus züchten. Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kommt mir eine Lösung in den Sinn. Vielleicht weil es keine gibt? Ich glaube nicht, und da schließe ich auch wieder F!XMBR ein, dass es einen Blogger da draußen gibt, der eine gesellschaftliche Relevanz erreichen könnte. Und ehrlich gesagt: Das muss auch nicht sein. Oliver und ich werden hier weiterhin unseren Spaß haben, auf Dinge verweisen, die uns interessieren — und uns an denen erfreuen, die uns täglich besuchen und uns die eine oder andere Freude bereiten. Menschen zu sensibilisieren und aufzuklären, das muss woanders geschehen. :)

  1. Und das schließt selbstverständlich F!XMBR mit ein []
  2. Und über die Journalisten, die eine Blogsoftware benutzen, legen wir mal den Mantel des Schweigens. Sie würden es nicht tun, wenn es kein Geld bringen würde, wenn es die eigene Stellung ob des modernen Attributs, was man sich so geben und verkaufen kann, nicht sichern würde. []

36 Antworten zu “Die deutschen Blogs und ihre Relevanz”

  1. torsten sagt:

    Gut Ding will Weile haben.

    In dem gleichen Maße, in dem die großen Medien Leser verlieren, weil die eben nicht alle doof sind und die ewigen Sprüche vom Endsieg auch nicht mehr blauäugig kommentiert sehen wollen, werden Blogs wie Deiner oder eben auch der hervorragende Spiegelfechter Zulauf finden.

    Ich bin gerade Mitte 30 und kenne viele politisch interessierte Menschen, für die das Netz bisher nur für Mails gut war, das bestellen von CDs oder ab und an die Tauschbörsen.

    Das man aufrichtig gemeinten Journalismus, in dem Sinne, wie Emanzipation und Aufklärung ihn dringend brauchen und die etablierten Medien ihn immer mehr vermissen lassen, hier auch finden kann, das muss sich erst einmal herumsprechen ausserhalb der nerdigen Kreise.

    Und wenn ich das richtig beurteile, wird meine Ansicht auch geteilt von ‘denen da oben’. Der Jens ist ja selten wirklich unbequem (da habe ich mich über seinen Kommentar zu Hansen mal wieder richtig freuen können), aber auch er wird, genauso wie Wolfgang Lieb, bereits kritisch beäugt.

    Bleibt zu hoffen, dass das Hamburger Landgericht nicht als Zensur– und Abmahnstelle für das Netz agiert bevor eine breitere Öffentlichkeit dessen Gewahr wird, denn mit der «Verbreiterhaftung» wird eindeutig gegen die Blogs Stellung bezogen, und nicht etwa gegen die weichgespülten Etablierten.

    Way to go!

  2. Marcel sagt:

    «Menschen zu sensibilisieren und aufzuklären, das muss woanders geschehen.»

    aber in dem es doch eure «passion» ist, eure sich der dinge zu schildern, tut ihr das doch schon. solange man einen text schreibt, und nur einige wenige das lesen (aus welchen gründen auch immer) und die botschaft rüberkommt, ist der zweck erfüllt. blogosphäre und gesellschaftliche relevanz sind doch nur zwei killefizz-begriffe. imo :)

  3. Ruepel sagt:

    Ich bin einer deiner «Silent-Reader». Wenn ich nichts zu sagen habe schreibe ich nichts.

    Aber jetzt muss ich mich mal zu Wort melden. Als ich damals ein Problem mit TrueCrypt und System Encryption hatte (der Twofish-Bug), habe ich das Blog gefunden und bin seit dem begeisterter Leser.

    Nebenbei lese ich bei fefe, lawblog, usw… Nicht alle Blogs interessieren mich, nicht alle Blogs haben gute Autoren.

    Bei Herrn Vetter habe ich in den neuesten Links diesen Artikel der Zeit entdeckt:

    Trüffel im Schlamm

    Geschrieben wurde er vom BILDblog Gründer (oh ich liebe dieses Blog, schade um die Kommentarfunktion).

    Besonders gefallen hat mir, dass die Pflicht der Journalisten, sich in Blogs zu informieren, herausgehoben wird. In diesem Fall deckt sich das mit deiner Aussage.

    Allerdings finde ich den Artikel recht pessimistisch. Du schreibst gute Artikel und was ich an Blogs so bewundere ist die direkte und offene Art.

    Hier wird frei Schnauze eine Meinung bekannt gegeben.

    Ich wollte dir an dieser Stelle für die Arbeit die du dir mit dem Blog machst danken. Ich lese fast alle deine Artikel mit Begeisterung, die Mischung, die dabei in deinem Blog ist gefällt mir sehr gut.

    Klar, das Thema rund um BSD ist nichts für mich, aber hey, dann les ichs halt nicht :-)

    Insgesamt lieferst du top Arbeit und immer wieder empfehle ich Leuten, sich mal Blogs anzusehen und sei es nur BILDblog um zu sehen was sie täglich für eine Scheiße glauben.

    Ich bin der Meinung Blogs sind die Zukunft, es wird eine Co-Existenz mit Zeitungen geben. Es wird ein wichtiges Medium, um sich Informationen zu beschaffen.

    Sofern mann die Trüffel im Schlamm findet, um es mal mit den Worten von Herrn Niggemeier zu sagen.

    Ein Trüffel wie dieses Blog.
    Danke

  4. Chris sagt:

    *lol*

    Vielleicht solltest Du oben nochmal lesen, was ich über Journalisten geschrieben habe, die eine Blogsoftware verwenden, überlegen wo die Herren wohnen, dann kommst Du vielleicht drauf, wie ich zum BILDblog stehe. Als BILDblog-Fan wirst Du es hier ganz schwer haben… 😉

    @Marcel: Klar — manchmal, nur manchmal, wenn mich die Politik wieder dermaßen aufregt, wünsche ich mir den Einzugsbereich von SpOn, vom Stern oder der SZ… 😀

    @thorsten: Ich habe da eine andere These, warum die etablierten Medien an Zulauf verlieren. Nicht etwa, weil die Menschen merken, dass sie von vorne bis hinten auf den Arm genommen werden. Nein, die Vielfalt ist gerade im Netz immens. Sprich, sie dudeln auch im Netz, YouTube, Flashgames — da bleibt weniger für die Information. Und darum gehen die Zahlen dort zurück, nicht etwa weil die Leute kritischer geworden sind.

  5. Bär sagt:

    Ich mag Eure BSD Artikel,auch wenn ich nicht immer Olivers Meinung bin. :-)

  6. Marcel sagt:

    😀

    was die these «weg von den klassischen medien, hinzu youtube & co.» angeht, das wäre es mal wert zu untersuchen. ich glaube nicht, dass es ganz so krass ist. wenn ich mir meine umgebung betrachte, also die leute mit denen ich im büro zusamenarbeite (sind so 40–50), dann sind die alle mehr oder weniger gut informiert. für menschen ab dem alter 20 und drunter würde ich dir aber zustimmen. ich habe mal als azubi vor ein paar jahren die bewerbungsgespräche von angehenden auszubildenden begleitet. mir wurde übel.

  7. torsten sagt:

    @ Chris:

    Sicherlich wird mehr gespielt oder ein witziges Filmchen bei Youtube geschaut, aber das ändert nichts an dem Wunsch der ‘Ex’-Leser sich politisch b.z.w. gesellschaftlich zu bilden.

    Wenn man sich die Kommentare der Leser der größeren Publikationen anschaut stellt man sehr schnell fest, dass etwa 3/4 der Leser (oder halt nur derer, die die Kommentarfunktion nutzen) gegen das sind, was man eine ‘Gesinnung von der Stange’ nennen könnte. Selbst die Kommentare in der F.A.Z. spiegeln eine Grundhaltung gegenüber der Aushölung des Rechtstaates und der ‘Frage nach der Systemfrage’ wieder, die man bei der Leserschaft der F.A.Z. nun wirklich nicht vermuten würde.

    Der überaus grössere Teil unserer Mitbürger ist mehr als unzufrieden damit, wohin die Reise geht.

    Und sie möchte sich von Menschen, die sich besser ausdrücken können als sie selber, vertreten sehen. Sie möchten andere Blickwinkel erfahren als jene, die durch die Chefredakteure der Etablierten gerade noch zugelassen werden, Informationen über Hintergründe erlangen, denen sonst das passiert, was mann gemeinhin ‘Totschweigen’ nennt.

    Sie wollen, dass Dinge beim Namen genannt werden: Korruption ist Korruption, und nicht etwa etwas mit Geschmäckle. (In dieser Deutlichkeit konnte man über Hansen nur im Stern lesen, ansonsten musste man schon in Blogs schauen)

    Deshalb tummeln sich auch so viele Leute bei PI: Dort werden sie in ihrer Meinung bestätigt (und deshalb darf man die auch ignorieren: Sie können ihren Müll nicht auf die Zivilgesellschaft übertragen).

    Deshalb freue ich mich jeden Morgen auf die Nachdenkseiten, den Spiegelfechter oder Deinen Blog, noch bevor ich die taz aufschlage:

    Ich freue mich festzustellen, dass ich kein Ausserirdischer bin. Ich bin nicht alleine mit Zweifel und Zorn, nicht der einzige, der die Dinge gerne von zwei Seiten betrachtet haben möchte.

    Jeder Tag, an dem ich feststellen kann, dass der sogenannte ‘Linksruck’ nichts anderes ist als die Verweigerung eines ‘Rechtsrucks’ und ich mich gegen eben jenen argumentativ aufmunitionieren kann ist ein Tag, an dem ich mal wieder am Magengeschwür vorbeischramme.

    Und ich bin überzeugt davon, das es derart vielen Menschen so geht wie mir, dass das einzige Problem für gute Blogs darin besteht für voll genommen zu werden.

    Und dies geschieht nicht über Nacht, kann es nicht. Aber Dank einiger guter Publikationen sehe ich das eher optimistisch, denn Qualität ist nun einmal Qualität.

    Und ehrlich währt am längsten 😉

  8. Nülls sagt:

    So F!XMBR wird als nächster Blog (nachm Jens) in dem Oberstufenforum meiner ehemaligen Schule rezensiert. Das hast du nun davon 😛

  9. Joerg M. sagt:

    Ich denke, jedes Blog mit ein wenig Anspruch ist genauso relevant, wie es eine Bild, ein SPON oder eine SZ ist. Die Frage ist nur, fuer welchen Leserkreis.

    Relevanz wird viel zu oft mit Reichweite verwechselt. Eine GEO oder eine Psychologie heute hat sicherlich mehr leser als eine eine Fachpublikation der Sozialwissenschaften. Nichts destotrotz ist die Letzere mit Sicherheit wesentlich relevanter fuer den entsprechenden Personenkreis.

  10. Samthammel sagt:

    Ich lese euer Blog gerne und oft, auch wenn ich selten kommentiere. Mir gefällt euer Stil, wie offen ihr redet in politischen Belangen.
    Wenn mir nichts Wichtiges zu euren Themen einfällt, dann sage ich eben auch nichts, wie Ruepel.

    Wenn ich nur wegen der Zugriffszahlen bloggen würde, dann hätte ich das schon längst eingestellt — umgekehrt deprimieren mich die lausigen Zugriffszahlen dafür auch wenigstens nicht. Ich betrachte das Bloggen halt auch mehr als ein persönliches Hobby; wenn ich mal wieder ein mir bis dato vom Namen unbekanntes Tier (Vogel, Insekt etc.) mittels Wikipedia zugeordnet habe und ein Foto dazustellen kann, dann erfreut mich das. Das Ganze hat zwar bei weitem keinen Lexikonstatus, aber das will ich auch gar nicht erreichen. Mir persönlich würde es schon reichen wenn ich nach paar Jahren Laufzeit einmal selber Bilder in meinem Blog nachschlage. Nette Kommentare Dritter sind (gerne gesehener) Beifang.

    Insgesamt gesehen finde ich die Situation in Deutschland schon schade, daß Blogs so wenig Beachtung finden! Da denke ich mir aber, daß dies wohl nicht in meiner Hand (alleine) liegt es zu ändern. In meinem Bekanntenkreis kenne ich jedenfalls sehr wenige Blogleser, bzw. weiß ich es eigentlich gar nicht wirklich, da Blogs überhaupt kein allgemeines Gesprächsthema ist.

  11. […] was sich nicht unter einen Hut bringen lässt — auch wenn die Blogosphäre nicht selten als ein in sich geschlossenes System gesehen wird. Share […]

  12. Mark S sagt:

    Auf der einen Seite gibt es Medien wie die hier genannten SpOn, Stern oder SZ, die ein breites Publikum ansprechen wollen und versuchen, sich nach deren Bedürfnissen zu richten. Und dann sind da die Blogs, deren Betreiber tun und lassen, was ihnen Spaß macht. Ist doch klar, dass Letztere das kleinere Publikum haben, oder?

    Ich verstehe die neue Weinerlichkeit — speziell bei Robert Basic — nicht. Was er schreibt, ist eben nur für eine kleine Community relevant. Und das gilt für die meisten anderen Blogger auch. Da auch den «klassischen» Medien die Zielgruppen immer mehr zersplittern, scheint mir da auch keine Trendwende in Sicht.

  13. d|b sagt:

    Hi.

    Bin auch ein Schweiger.…..

    Tja, das wars eigentlich auch schon:)

    d|b

    P.S.: Weniger BSD, mehr LSD!

  14. Chris sagt:

    @Marcel: Ein Großteil der Menschen im Büro, im Betrieb liest und informiert sich immer noch in der BILD. Ich hatte mal nen Lehrer, der ging immer mit der FAZ aufs Klo — darin versteckt die BILD. So sagen vielleicht, sie seien informiert — aufgeklärt, selbstständig denkend sind sie nicht…

    @torsten: Ich halte das für ein schweres Gerücht, dass 3/4 der Kommentierer der etablierten Medien gegen das sind, was geschrieben wird. Im Gegenteil. Gerade bei den eher konservativen Blättern, bei der Springer-Presse ist zu beobachten, dass manche Kommentierer der Meinung sind, wir sind noch nicht rechts genug, die WELT, die FAZ wären — kein Scherz — linksfaschistisch. Seien wir auch hier mal ehrlich: Auf F!XMBR haben Oliver und ich das mittlerweile perfekt im Griff — im Regelfall, also insbesondere in den etablierten Medien wird die Kommentarfunktion ausgenutzt, um eigene Politik zu machen, um zu hetzen, zu diskreditieren. Nicht umsonst kommt manches Geruchtsurteil zustande. Es ist ja nicht so, dass manche Mitstörerhaftung aus einer Laune heraus des Gerichts bestätigt wurde.

    Das Problem bei Hansen und der Korruption ist: Wenn Du es direkt sagst, musst Du es beweisen. Ich bin der Meinung, XYZ hat sich korrumpieren lassen ist was anderes wie XYZ ist korrupt. Und die Medien wollen sich es nicht verscherzen — schließlich ist Hansen zukünftig in führender Position tätig.

    Und es heißt nicht deinen Blog, es heißt dein Blog. Das Blog, das Blog, das Blog, das Blog, das Blog… 😀

    Das Problem ist eben nicht, dass es vielen Menschen so geht wie Dir. Vielleicht ahnt der eine oder andere etwas — aber dann wir dam Abend eben doch der Tatort geschaut, die Tageszeitung gelesen — lasst mich bloß in Ruhe, ich habe den ganzen Tag gearbeitet.

    Es wird sich auf Jahrzehnte hinaus in diesem Land noch nichts ändern — im Gegenteil. Die neoliberale, kapitalistische Lehre wird sich noch verfestigen. Wenn der angesehene Schauspieler Uwe Friedrichsen in der ARD behaupten darf, der Obdachlose in Hamburg lebe nicht in Armut, er sähe doch rosig aus, dann spiegelt das eben genau die Meinung der Gesellschaft wieder. Weg mit den Pennnern, die wollen eh nicht arbeiten, denen geht es noch viel zu gut.….

  15. Marcel sagt:

    @Chris
    na ich habe schon explizit von meinen kollegen bei mir im büro gesprochen. wie es woanders ist weiss ich nicht. und ich beurteile das eher nach den gespräche die geführt werden, als nach dem, was sie vorgeben zu lesen. und ich glaube im gespräch merkt man sehr schnell, ob jemand nur die 3 zeilen aus der bild paraphrasiert oder eigene gedanken zum besten gibt.

    aber zugegeben, das ist nur ein sehr kleiner mikrokosmos, dass kann woanders ganz anders aussehen

  16. Hi Chris,

    wir müssen uns nun einmal damit abfinden, dass wir Randgruppenprogramm bieten und das ist ja nicht unbedingt von Nachteil. Wir sind das Arte des Netzes, das sich weder mit den Quoten von irgendwelchen Daily-Soaps, Sängerwettbewerben oder dem EM-Finale messen kann und es auch gar nicht will.

    Das «goldene Land» der politischen Blogs, die USA ist uns da übrigens kaum voraus — es gibt zweifelsohne wesentlich mehr gute politische Blogs auf Englisch, aber gemessen an der Zahl von Leuten, die Englisch sprechen, lesen und schreiben, stehen die US-Blogs relativ auch nicht besser dar. Und für kritische Web 1.0 Medien, sieht das nicht sonderlich anders aus. Die dezidierte Qualitätsseite Asia Times hat z.B. 90.000 Besucher am Tag — bei rund 5 hochklassigen und gut bezahlten Gastbeiträgen wohlgemerkt! Teilt man diesen Wert durch 20, was ungefähr dem Verhältnis Englisch/Deutsch der Leserschaft entspricht, so bist Du bei 4.500 Besuchern — das schaffe sogar ich und ich schreibe qualitativ sicher auf niedrigerem Niveau und das auch nur rund vier mal pro Woche, während die mindestens 30 Artikel pro Woche bringt. Andere Medien wie Alternet.org haben sogar nur die Hälfte der Besucher von ATimes. Was ich sagen will — die Zielgruppe ist nun einmal keinesfalls größer. Reine Politblogger können mit 5.000 Besuchern pro Tag schon sehr zufrieden sein, wenn sie ausschliesslich Deutsch schreiben.

    Wenn ich mir die verlinkten Zahlen des IVW anschaue, so muss ich immerhin feststellen, dass z.B. meine Seite (mindestens) so viele Besucher hat, wie professionelle Regionalzeitungen, die nicht nur auf eine komplette Redaktion zurückgreifen können, sondern auch mindestens einen Angestellten haben, der sich Fulltime um den Onlineauftritt kümmert und ich schätze mal, auch Ihr werdet so ungefähr auf diesem Leserniveau liegen.

    Onlineportale á la SPON oder SÜDDEUTSCHE haben ein Millionenbudget und so viele Mitarbeiter, wie es in Deutschland Blogger (der relevanteren Kategorie) gibt — kein Wunder, dass sie ein vielfaches an Besuchern haben.

  17. Oliver sagt:

    >Onlineportale á la SPON oder SÜDDEUTSCHE haben ein Millionenbudget und so viele Mitarbeiter, wie es in Deutschland Blogger (der relevanteren Kategorie) gibt — kein Wunder, dass sie ein vielfaches an Besuchern haben.

    Die Zahlenspielereien sind u.a. ein Signum für die Überheblichkeit derer, die obiger Artikel etwas pauschal anspricht. Reden wir doch einfach tacheles, wo bleibt die Nachhaltigkeit? Politik ist ein weites Feld, ein SSchäuble oder Stasi 2.0 fällt zwar auch unter jene Randbereiche der Politik, aber mitunter eher der Bereich Dampfplauderer die ihrerseits wiederum einen profanen Politvoyeurismus befriedigen. Wenn ich z.B. ein Zitat des Tages absondere, dann stellt dies sicherlich einen recht kurzatmigen Bereich meiner politischen Überzeugung dar, von Nachhaltigkeit ist jedoch keine Spur. Es ist mehr eine Art Wut über einen gewissen Zustand. Politik? Sicherlich, wie erwähnt jedoch nur gemäß der Semantik.

    Denke ich an die Massenmedien, z.B. an jenes hanseatische, rote Blatt, daß hier auf dieser Publikation desöfteren thematisiert wird, so denke ich auch gleichermaßen an BILD, an eine Art BILD für Intellektuelle. Und auch damit wird eine Form des Politvoyeurismus befriedigt. Kurzum, streichen wir die tatsächlichen politisch motivierten oder gar politisch aktiven Leser zusammen, bleibt unterm Strich wahrlich nur ein Trauerspiel über. Zudem das Gros jener Blogger, die sich überhaupt auch nur ansatzweise einem politischen Diskurs hingeben, meist schnell mittels just for fun das Weite suchen, gehts denn an die berühmt, berüchtigte Substanz.

    Und die politische Streitkultur der USA ist zugegebenermaßen im Schnitt nicht die Online-Publikation wert auf der sie dem werten Publikum feil geboten wird. Es erinnert massiv an diese Art von Politvoyeurismus der auch so langsam in deutschen Gefilden Einzug erhält und eher unter der Rubrik panem et circenses abzuheften ist, denn ändern tut sich, ob mangelnder Nachhaltigkeit, rein gar nichts. Ausnahmen bestätigen auch hier wie immer die Regel.

  18. Blofkap sagt:

    5.000 Leser? Das ist für den Blogdorfer Durchschnitt schon eine ganz ganz hohe Zahl. Die allermeisten, selbst die bekannteren, dürften deutlich unter 1000 liegen. Wenn ich mich recht erinnere, hat selbst der Robert Basic «nur» rund 3000 am Tag.

  19. Gibt es denn überhaupt irgendjemanden, der von sich oder anderen behauptet, mit seinem / ihren blog eine solche gesellschaftliche Relevanz zu haben, die DU den blogs (zu Recht) nicht müde wirst abzusprechen?

  20. @Oliver

    Na sicher, es wird dem Pöbel Brot und Spiele gegeben, weil der Pöbel dies so will. Das war im alten Rom so und ist heute leider nicht anders. Machen wir uns doch bitte nichts vor. 90% der potentiellen Leserschaft interessiert das, was wir interessant finden, nicht die Bohne. Sogar bei Euch oder bei mir würde ein Teaser mit hübschen Frauenbeinen mehr Klicks brigen, als ein Teaser mit einer vielsagenden Statistik von Jahnke 😉

    Sein wir doch froh, dass es noch 10% gibt, die mehr wollen, als Brot und Spiele und von denen sogar ein kleiner Teil unsere Blogs findet.

    Schuster bleib bei deinen Leisten — die Leser von BILD oder von SPON wollen in der absoluten Mehrzahl gar nichts anderes lesen. Selbstbetrug (oder besser fortgeschrittene Autosuggestion) ist halt einfach und beliebt.

    Was Du über US-Blogs schreibst ist freilich richtig — aber ich meinte auch eher die qualitativ wertvollen und weniger die reichweitenstarken. Ich bin übrigens bereit zu wetten, dass diese Entwicklung auch in Deutschland kommen wird.

  21. Oliver sagt:

    >Ich bin übrigens bereit zu wetten, dass diese Entwicklung auch in Deutschland kommen wird.

    Das sehe ich eher skeptisch, wobei ich immer noch ein großer Verfechter des Wissensnetzes bin. Nur ist es im heutigen medialen Überschuß für das Gros der Bevölkerung ohne Fachkenntnisse, sprich den richtigen Werkzeugen, nahezu unmöglich die Spreu vom Weizen zu trennen. Zu dem Problem der astronomisch ansteigenden Datenflut kommt auch noch ein Übermaß redundanter Informationen hinzu, plus veraltete oder gar völlig falsche Informationen. Denn wie wir wissen vergißt das Web nichts, wobei man so manches Mal den Eindruck gewinnt, daß eher wertvolle Dinge dem Vergessen preisgegeben werden.

  22. Chris sagt:

    @Spiegelfechter: Wenn man die Statistik der Asia Times auf «uns» runterrechnet, okay, dann fehlt bei uns nicht das meiste. Trotzdem bleibt unter dem Strich — Blut, Sperma, Promis bringen die Quote. Achja, und Ausländerhass a la PI. Und bevor ich unsere ganz besondere Leserschaft vergesse. 😀 Die Warez-Fuzzies wollen auch nicht unerwähnt bleiben — dieser Artikel steht Woche für Woche, Mama Google sie Dank, in den Top 5 der meistgelesenen Artikel bei uns… 😉

    Wenn ich hier sehe, was wie oft gelesen wird, dann gehe ich davon aus, dass es auf anderen Blogs ebenso der Fall ist. Wenn ich dann höre, dass adical zum Beispiel die Blogs, die Leserschaft als etwas Besonderes verkauft, als sehr kritisch, dann komme ich aus dem Lachen nicht mehr hinaus. Blogs ziehen die gleichen Leser an, wie die SZ, die FAZ oder auch die WELT. Nur sind die Schreiber auf den Blogs, zumindest ist es bei den Blogperlen der Fall, noch so idealistisch, das zu schreiben was sie wollen, sie möchten etwas Besonderes bieten. Das ist zum Beispiel beim Berliner Blognetzwerk nicht mehr der Fall. Man muss sich nur mal die Startseite der einzelnen Blogs anschauen. Schrecklich. Aber gut, ich schweife ab… 😉

    Aber um uns geht es gar nicht — wir machen hier nur, was uns gefällt und uns interessiert. Wenn andere Freude haben, mit uns Spaß haben, ist viel gewonnen. Und wenn mancher sich ärgert, dann lache ich mich hier ab und zu mal durchaus ins Fäustchen… *g*

    Wenn Du so weiter machst, könnte es interessant werden. In dem Zeit Special bist Du neben den üblichen Verdächtigen auch erwähnt:

    spiegelfechter.com
    Durchdachte politische Texte, nicht immer ausgewogen

    Lohn sich aber nicht zu kaufen — jedes Vorurteil, welches man vielleicht vorher hatte, wurde bestätigt.

    @Oliver:

    Denke ich an die Massenmedien, z.B. an jenes hanseatische, rote Blatt, daß hier auf dieser Publikation desöfteren thematisiert wird, so denke ich auch gleichermaßen an BILD, an eine Art BILD für Intellektuelle.

    Wenn das mal nicht eine feine Beschreibung zum SPIEGEL ist, nur befürchte ich, dass dort niemand diesen Satz versteht… 😀

    @pantoffelpunk: Schau Dir nur die ganzen größenwahnsinnigen Berliner an, die in jede Kamera ihr Gesicht halten, ewig davon sprechen, dass Print tot ist, etc. pp. Natürlich wird es niemand direkt schreiben, ich bin gesellschaftlich relevant, ich bin der Held, so stellen sich aber in der Außendarstellung selbst so dar. Die Werbung wird Dir auch nie direkt sagen: Los, kauf jetzt mein Produkt, heute noch, mach hin. Dabei leben sie vom Content anderer.

    Und das ist z. B. auch ein entscheidener Punkt: Ein Bild von digg.com als erstes in die deutschen Blogs getragen, ein Fun-Video von YouTube bringt mehr Reaktionen, als ein (längerer) politischer oder gesellschaftlicher Text. Ich hab da mal irgendwann ne Statistik zu gemacht, wieviel eigener Inhalt es auf deutschen Blogs gibt und wieviel «geklauter» Inhalt. Eigener Inhalt ist so gut wie gar nicht vorhanden.

    Ich zitiere mich da nochmals selbst:

    Die deutsche Blogosphäre ist über Fun, YouTube-Videos, Klingeltöne und Abmahnungen bekannt geworden

    … und eben nicht durch Inhalt.

  23. kobalt sagt:

    Ich nutze Blogs inzwischen genauso, wie ich Zeitungen nutze und über kurz oder lang werden auch andere das tun. Und am liebsten lese ich Blogs, die kantig sind, über die ich mich auch aufregen kann, sprich, solche die zum Nachdenken anregen. Und weil sie das tun, sind diese Blogs (bzw Online Publikationen) wichtig, zumindest für mich. Und wenn ich mit anderen Menschen rede, ist das was ich sage, durch die Auseinandersetzung mit den Themen dieser Online Publikationen beeinflußt, insofern wirken sie tatsächlich meinungsbildend und haben damit eine höhere Reichweite als sich in Klicks und Besuchern messen läßt. Ihre Wirkung reicht über die Blogosphäre hinaus.

    Was ich als für die Befriedigung meines Informationsbedürfnisses irrelevant ansehe, sind der Grimme-Preis für Blogs, die Re:publica, das Barcamp und irgendwelche Blogcharts.

  24. @18 Blofkap

    Die allermeisten, selbst die bekannteren, dürften deutlich unter 1000 liegen. Wenn ich mich recht erinnere, hat selbst der Robert Basic “nur” rund 3000 am Tag.

    Na das wage ich doch mal zu bezweifeln, Feedburner weißt alleine schon über 22.000 Leser aus — und das sind nur die RSS-Feeds 😉

  25. @22 Chris

    Spiegelfechter: Wenn man die Statistik der Asia Times auf “uns” runterrechnet, okay, dann fehlt bei uns nicht das meiste. Trotzdem bleibt unter dem Strich — Blut, Sperma, Promis bringen die Quote.

    Na klar, die „niederen“ Instinkte bringen immer die beste Quote – die Spiele im Kolosseum hatten auch mehr Zuschauer als die Tragödien von Sophokles 😉
    Aber auch wenn Du Dir wirklich gute US-Blogs anschaust, so haben diese nur verschwindend geringe Besucherzahlen — Moon of Alabama hat z.B. nur 1.300 Besucher am Tag, das ist nichts. Auch die große Blogplattform Huffington Post hat „nur“ 100.000 Besucher am Tag – viel ist das auch nicht.
    Dennoch bin ich der Meinung das politische Blogs schon eine Relevanz haben; genau so wie ein Dokumentarfilm über mongolische Hirten, den kaum wer anschaut 😉
    Man darf halt nicht nur die Quantität im Auge haben – in Deutschland haben wir allerdings in der politischen Bloggosphäre idT seeeehr wenig zu bieten. Aber das kann sich ja ändern.

    Wenn ich hier sehe, was wie oft gelesen wird, dann gehe ich davon aus, dass es auf anderen Blogs ebenso der Fall ist.

    Jein – hinter „Russland“ ist zwar bei mir „Hurensohn“ das zweithäufigste Google-Suchwort (ich hatte mal einen Artikel „Sarkos neuer Hurensohn“ geschrieben), aber ich schätze mal, dass jeder zweite Google-Treffer schon einen Inhalt bietet, der mit dem Suchbegriff in Verbindung steht.

    Wenn ich dann höre, dass adical zum Beispiel die Blogs, die Leserschaft als etwas Besonderes verkauft, als sehr kritisch, dann komme ich aus dem Lachen nicht mehr hinaus.

    Warum? Blogleser sind schon eine „eigene“ Gruppe, die ich (zumindest bei den politischen Blogs) schon zur Infoelite zählen würde, die allgemein sehr gut informiert ist.

    Blogs ziehen die gleichen Leser an, wie die SZ, die FAZ oder auch die WELT.

    Klar, aber umgekehrt geht das nicht auf. Blogleser sind mE eine kleine Teilmenge der SZ und Co Leser.

    Nur sind die Schreiber auf den Blogs, zumindest ist es bei den Blogperlen der Fall, noch so idealistisch, das zu schreiben was sie wollen, sie möchten etwas Besonderes bieten. Das ist zum Beispiel beim Berliner Blognetzwerk nicht mehr der Fall. Man muss sich nur mal die Startseite der einzelnen Blogs anschauen. Schrecklich. Aber gut, ich schweife ab…

    Ach lass´se doch – jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenn die Leuts so was lesen wollen, mir soll´s recht sein. Solange sie nicht PI oder ähnlichen Müll lesen.

    Aber um uns geht es gar nicht — wir machen hier nur, was uns gefällt und uns interessiert. Wenn andere Freude haben, mit uns Spaß haben, ist viel gewonnen. Und wenn mancher sich ärgert, dann lache ich mich hier ab und zu mal durchaus ins Fäustchen… *g*

    Das geht mir doch gaaaanz genau so *diabolischkicher*

    Wenn Du so weiter machst, könnte es interessant werden. In dem Zeit Special bist Du neben den üblichen Verdächtigen auch erwähnt:

    Na die Beschreibung ist doch sehr zutreffend 😉
    Bei mir steht und fällt alles mit dem Job – anderer Job, weniger Zeit, kein SF mehr.

  26. @Kobald

    Ich nutze Blogs inzwischen genauso, wie ich Zeitungen nutze und über kurz oder lang werden auch andere das tun. [] Und weil sie das tun, sind diese Blogs (bzw Online Publikationen) wichtig, zumindest für mich.

    Das sehe ich ganz genau so, nur muß ich mit «Schrecken» feststellen, dass meine «Recherchebookmarks» zu 75% aus Web 1.0 Medien bestehen, zu 20% aus englischsprachigen Blogs und nur zu 5% aus deutschen. Es gibt definitiv Nachholbedarf.

    Der Oeffinger Freidenker hatte letze Woche mal vorgeschlagen, wir politischen Blogger sollten doch «Solidaritätslinks» auf andere deutsche Blogs unter den entsprechenden Artikeln setzen, die das gleiche Thema behandeln. Ich fand die Idee gut, mußte allerdings bei den letzen Artikeln feststellen, dass es jeweils keinen einzigen Blog gab, der das betreffende Thema auch nur angedacht hatte — außer typischen Blogeinträgen, die aus einer Zeile Text und einem Link samt längerem Zitat eines Web 1.0 Mediums bestehen. So was verlinke ich aus Prinzip nicht 😉

  27. Chris sagt:

    @Spiegelfechter:

    Dennoch bin ich der Meinung das politische Blogs schon eine Relevanz haben; genau so wie ein Dokumentarfilm über mongolische Hirten, den kaum wer anschaut

    Die Frage ist natürlich, wie man dann die Relevanz definiert. Wenn ich zum Vergleich die USA ranziehe, dort geht im Wahlkampf ohne Online-Publikationen gar nichts mehr. Hier wird lieblos irgendwas von irgendwelchen Beratern aufgesetzt, «unabhängige» Publikationen nicht wahrgenommen.

    Man darf halt nicht nur die Quantität im Auge haben

    Bis zu einem gewissen Punkt ist das gar notwendig — für die etablierten Medien zählt der schnöde Mammon. Generell, ohne das Geld im Blick haben zu müssen, muss man auch ein paar Leute erreichen. 2 Leser, die man eh täglich privat sieht und die Thematik (welche auch immer) ähnlich sehen, reichen nicht wirklich aus.

    Warum? Blogleser sind schon eine „eigene“ Gruppe, die ich (zumindest bei den politischen Blogs) schon zur Infoelite zählen würde, die allgemein sehr gut informiert ist.

    Sehe ich anders. Man muss nur mal den Google-Fallout abziehen, die Leser, die unter einer Minute bleiben — und wenn man dann noch bei diesem Netzwerk die selben Besucher erfasst, aber auf unterschiedlichen Blogs, dann kommt man auf eine überschaubare Anzahl von Lesern. Da bleibt dann nicht mehr viel. Blogs haben in Deutschland kaum Leser — und wenn man dann auf diversen großen Blogs die Diskussionen über die Kommentarqualität sich anschaut — naja…

    Zum Verlinkungsvorschlag der Oeffinger Freidenker: So gerne ich das Blog lese, so blödsinnig finde ich den Vorschlag. Zwangsverlinkungen aufgrund irgendeiner kaum vorhandenen imaginären Solidarität. Na danke…

  28. @Chris

    Die Frage ist natürlich, wie man dann die Relevanz definiert. Wenn ich zum Vergleich die USA ranziehe, dort geht im Wahlkampf ohne Online-Publikationen gar nichts mehr. Hier wird lieblos irgendwas von irgendwelchen Beratern aufgesetzt, “unabhängige” Publikationen nicht wahrgenommen.

    Na klar, diese Bedeutung haben «unabhängige» Publikationen in D nie und nimmer — mir fallen eigentlich auch kaum welche ein, die relevante Besucherzahlen haben.

    Generell, ohne das Geld im Blick haben zu müssen, muss man auch ein paar Leute erreichen. 2 Leser, die man eh täglich privat sieht und die Thematik (welche auch immer) ähnlich sehen, reichen nicht wirklich aus.

    Klar, aber hoher Anspruch und hohe Besucherzahlen sind sehr schwer (wenn überhaupt) zu vereinbaren. Die Zielgruppe, derer, die solch Inhalte lesen wollen, ist halt eher klein.

    Blogs haben in Deutschland kaum Leser — und wenn man dann auf diversen großen Blogs die Diskussionen über die Kommentarqualität sich anschaut — naja…

    Nicht nur in Deutschland — auch die «großen» Blogs in den USA haben wenig Besucher, wobei wenig immer relativ ist. Wenig verglichen mit was? Mit der Tagesschau im TV, der Print-BILD oder SPON … klar. Blogs werden nie auch nur einen Jota zu politischen Entscheidungen beitragen, Schuster bleib bei deinen Leisten. Dennoch erreichen Du und Ich mehr Leser, als die meisten Regionalzeitungen und evtl. auch mehr Leser als einige Kommentare in den großen Zeitungen. Ich möchte nicht wissen, wie «viele» SZ-Leser wirklich sperrige Kommentare auf Seite 16 lesen?

    Zum Verlinkungsvorschlag der Oeffinger Freidenker: So gerne ich das Blog lese, so blödsinnig finde ich den Vorschlag. Zwangsverlinkungen aufgrund irgendeiner kaum vorhandenen imaginären Solidarität. Na danke…

    Na so will ich ihn auch nicht verstanden haben 😉
    Ich dachte eher an das Beispiel, er und Du hätten beispielsweise irgendetwas gescheites(!) zum Thema geschrieben und ich würde dann (was ich uU sonst nicht gemacht hätte) am Ende des Artikels auf empfehlenswerte Beiträge in Blogs hinweisen, die interessierte Leser zu weiteren Blogbeiträgen zum Thema leiten. Als Zwang würde ich das nicht sehen.

  29. Oliver sagt:

    >Wenig verglichen mit was?

    Mit dem Netz per se und dieses wiederum mit der Nachhaltigkeit auf die gesamte Bevölkerung.

    >Ich möchte nicht wissen, wie “viele” SZ-Leser wirklich sperrige Kommentare auf Seite 16 lesen?

    Wohl kaum welche, ich tue mir selbst die wenigsten Kommentare auf Blogs an, ganz zu schweigen von irgendwelchen Online-Auftritten der Print-Medien.

    >Blogs werden nie auch nur einen Jota zu politischen Entscheidungen beitragen, Schuster bleib bei deinen Leisten.

    Natürlich muß ich mir z.B. als Historiker heutzutage auch die Frage stellen, erreiche ich mittels der traditionellen Publikation mehr Leute oder lohnt es u.U. auch die Online-Publikation zu wagen. Zu letzterem konnte ich mich wirklich noch nie durchringen, auch wenn ich da sonst einige Kollegen kenne die es versuchen. D.h. ich publiziere zwar, aber ich gebe mich keiner Erwartungshaltung hin und lasse deshalb tatsächlich anspruchsvolle Dinge außen vor. Tatsächlich etabliert ist die Online-Publikation in Fachkreisen kaum, allenfalls z.B. bei Sozialwissenschaftlern, die wiederum als Thematik eben die virtuelle Welt anvisieren.

    Ich sehe einen Aufbruch des Wissensmonopols, aber mehr aufgrund zahlreicher vorhandener Quellen, denn irgendwelcher Meinungen.

  30. kobalt sagt:

    Spiegelfechter:
    >dass meine «Recherchebookmarks» zu 75% aus Web 1.0 >Medien bestehen,

    Die Erwähnung, daß ein Blog ein Web2.0-Dings ist, schreckt mich eher ab weil ich denke, ich müßte, um die Seite nutzen zu könenn, erst Javascript und dutzende Plugins einschalten, und den Seitenquelltext lesen um meinen Werbefilter anzupassen. Anders formuliert: Ich bin keine Web2.0-Zielgruppe.
    Ich kann mit Seiten wie der von fefe sehr gut leben, da blinkt nichts, da nervt nichts, ich kann die Seite einfach so betreten und sie funktioniert. Wenn ich Zeitung lesen will, brauche ich ja auch kein Augenimplantat. Ich kaufe das Blatt, schlage es auf, mach mir einen Kaffe (manchmal auch zwei) und kann die Pubklikation einfach so lesen, und das ist genau was ich will: die Zeitung lesen, nicht mehr, nicht weniger.

    >«Solidaritätslinks«
    Davon halte ich nichts. Das klingt mir zu sehr nach SEO. Wenn ein Beitrag verlinkt wird, dann soll das ob der Qualität des Beitrages geschehen und nicht allein aus Gründen der Sympathie heraus. Und möglicherweise haben der Verlinkende und ich vollkommen unterschiedliche Vorstellungen darüber, was qualitativ hochwertig ist und was nicht.

  31. Oliver sagt:

    >Wenn ein Beitrag verlinkt wird, dann soll das ob der Qualität des Beitrages geschehen und nicht allein aus Gründen der Sympathie heraus.

    Was ist Qualität? Das kannst du allenfalls für dich persönlich ausmachen und es hängt vom Niveau der Leser ab, ob diese es ebenso sehen.

  32. @Kobalt

    Die Erwähnung, daß ein Blog ein Web2.0-Dings ist, schreckt mich eher ab weil ich denke, ich müßte, um die Seite nutzen zu könenn,

    Jo, die technische Frage geht mir so ziemlich am Allerwertesten vorbei 😉

    Mit Web 1.0 meine ich eine Plattform, die Einwegkommunikation betreibt und deren Autoren für dei Artikel bezahlt werden — Profis und Semiprofis halt, deren Arbeit sich nicht von der eines klassischen Journalisten oder Essayisten unterscheidet.

    Davon halte ich nichts. Das klingt mir zu sehr nach SEO. Wenn ein Beitrag verlinkt wird, dann soll das ob der Qualität des Beitrages geschehen und nicht allein aus Gründen der Sympathie heraus.

    Ja natürlich — ich würde nie Artikel verlinken, mit deren Qualität ich nicht einverstanden bin.

  33. kobalt sagt:

    Oliver:
    «Was ist Qualität? Das kannst du allenfalls für dich persönlich ausmachen(…)»

    Subjektiv, natürlich. Die einen halten RTL2 für qualitativ hochwertiges Fernsehen, die anderen Arte.
    Kennzeichen für hohe Qualität sind in meinen Augen die sorgfältige Recherche und durchdachte sowie begründete und nachvollziehbare Argumentationsketten.

    Spiegelfechter:
    «die technische Frage geht mir so ziemlich am Allerwertesten vorbei »

    Aber schließt man dadurch nicht einen Teil der Leser aus und büßt somit Reichweite ein?

  34. Chris sagt:

    Um zum Abschluss noch einmal auf den initialen Gedanken — die Klicks von Foren im Gegensatz zu dem Bloglinks — zu kommen. Man mag es kaum glauben, aber dieser Link auf diesem lächerlichen Forum, welches ich mein Lebtag noch nicht gesehen habe, hat heute mehr Besucher gebracht, als die sicherlich nicht unpopuläre Verlinkung bei Jens

  35. Oliver sagt:

    @kobalt,

    >Kennzeichen für hohe Qualität sind in meinen Augen die sorgfältige Recherche und durchdachte sowie begründete und nachvollziehbare Argumentationsketten.

    Erst einmal muß die Basis vorhanden sein, um Qualität auch als solche zu erkennen.

  36. […] uns können ihre Stammleser peer Handschlag begrüßen. Chris von F!xmbr bringt es auf den Punkt, die deutschen Blogs sind irrelevant. Die in Deutschland wirklich relevanten Blogs kann man wohl wirklich an einer Hand abzählen. […]


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