die Deutschen begrüßen den Einwanderungstest

Rief jemand Jehova? Nun knapp 29%, elende Spalter, sind dagegen. Obacht: Bild am Sonntag gab diese Studie in Auftrag. Lediglich Schüler lehnten sie zu 52 Prozent ab. Da scheint also Hopfen und Malz noch nicht verloren zu sein oder weiß man vielmehr um die eigenen Engpässe in puncto Bildung? Auch für hier Geborene sollte dieser 310 Fragen umfassende Katalog Pflicht sein, das bloße Geburtsrecht ist dabei völlig belanglos und eine nationalstaatliche Absurdität unserer Altvorderen. Vergleichbar mit der steten Geburtenkontrolle seitens des Staats, damit der Deutsche nicht ausstirbt.

Die dümmste Argumentation jedoch ist, So ein Test ist in allen Einwanderungsländern der Welt üblich, er ist also gar nichts spezifisch Deutsches. Zwar ist es allgemein tatsächlich so, aber gerade Deutschland besitzt u.a. eine nicht unerhebliche menschenverachtende Geschichte. Insofern finde ich es okay, daß man an die Vernunft derjenigen appeliert, schließlich sind gewisse Kenntnisse von Nutzen, jedoch ist ein Zwang nur dann legitim, wenn die hier Geborenen mit gutem Beispiel vorranschreiten. Und nicht nur Leitkultur mittels Fähnchen, Grillen, Bier und Fußball präsentieren, sondern tatsächliche Kultur die es auch Wert ist diese Bezeichnung zu tragen! Im Moment sieht man mehr Leitochsen, denn irgendwen der Kultur repräsentiert. Das ehemalige Attribut Land der Dichter und Denker muß erst wieder erarbeitet werden.

SZ

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10 Antworten zu “die Deutschen begrüßen den Einwanderungstest”

  1. Bogus sagt:

    In prinzip muss ich dir recht geben, es ist unsinnig so ein Test zu verlangen, wenn die meisten nicht mal wissen, wer hier der Bundeskanzler ist bzw. wie er gewählt wird.

    .. vielleicht sollte man das Geld, das man in diesen Testerstellungen steckt eher in die Bildung stecken, so das auch die Hauptschüler eine Chance in der Gesellschaft bekommen. Denn ich denke das nicht alleine da die Schülerschaft die Ursache trägt, sondern auch diejenigen die sich Pädagogen nennen. Ich war selber Hauptschüler und einige Lehrer, die konnte man getrost in die Tonne hauen.

    - Keine Motivation
    – Stoff durchhauen, egal wer da auf der Strecke bleibt

    Oder Lehrer die überfordert waren und sich von den Schülern auf der Nase tanzen lassen

  2. Michael sagt:

    Meine Frau ist Ausländerin, und wird solch einen Test wohl machen müssen wenn sie eingebürgert werden möchte.Für mich ist es Diskriminierung und ich schäme mich für mein Land, daß ich meiner Frau sowas zumuten muss.
    Anhand der «dümmsten Argumentation» sieht man mal wieder, daß in Deutschland Dinge wohl eher nach «…das haben andere auch…» eingeführt werden, als nach gesundem Menschenverstand. Weitere Beispiele gabs ja genug in der Vergangenheit.

  3. Foobar2000 sagt:

    «Für mich ist es Diskriminierung und ich schäme mich für mein Land, daß ich meiner Frau sowas zumuten muss.»

    OMG. Ich sehe den Test ebenfalls negativ, aber der Satz ist überzogen. Wenn eine ordentliche Vorbereitung möglich ist (also nicht wie es sich derzeit darstellt!) mag man die Tatsache der Existenz zwar immernoch zu kritisieren, aber ob man sich *schämen* muss halte ich für fragwürdig.

    Immerhin geht es um eine Staatsbürgerschaft, die weit mehr Bedeutung hat als ein z.B. ein Führerschein. Und da beklagt sich auch niemand über eine Prüfung (natürlich wg. des Sicherheitsaspekts, aber ich denke es kommt raus, was ich sagen will).

  4. Oliver sagt:

    >Immerhin geht es um eine Staatsbürgerschaft, die weit mehr Bedeutung hat als ein z.B. ein Führerschein.

    Sicherlich muß man sich für ein Land schämen, welches die schleichende Verblödung der eigenen Bevölkerung toleriert und diese mittels eines nationalstaatlichen Geburtsrechts legitimiert.

    >Und da beklagt sich auch niemand über eine Prüfung

    Weil _jeder_ geprüft wird ohne Ausnahme!

  5. phoibos sagt:

    ich halte nix von solchen testereien. abgesehen davon, dass ich selbst wahrscheinlich schwierigkeiten beim bestehen hätte (nennen sie 5 mittelgebirge — hallo, woher soll ich das denn wissen? in der schule hat man mir keine regionale geographie beigebracht, aber zum problem indischer reisbauern zur monsunzeit kann ich was sagen (schule nervt)). dieses evaluieren und kategorisieren der menschen ist einfach nur widerwärtig. aber foucault hat das ja bereits alles vorweggenommen. der panoptismus unserer kontrollgesellschaft führt natürlich zur normierung der individuen. seinerzeit haben wir den perfekten deutschtest uns ausgedacht und praktiziert: halben liter weizen und ne schinkensemmel essen. so können wir diese «drecksmuslime» wenigstens raushalten, sind ja eh alles terroristen *kotz* (bevor jetzt irgendwer denkt, steine werfen zu müssen: das war ironie!)

    ich guck mal, ob ich den alten deutschtest finde und meinen kommentar dazu. ich wäre mit sicherheit durchgefallen.

  6. Foobar2000 sagt:

    @Oliver:
    Ich muss die Prüfung nur machen, wenn ich einen Führerschein will… als ob nicht praktisch jeder schon eine Staatsbürgerschaft hätte. Oder bekomme ich jetzt einfach mal so ein Amerikanischen Pass, weil ein Ami Deutscher wurde (wie eine Art Tauschhandel)? Eher nicht 😉

    Ergo: Will ich fahren (=andere Staatbürgerschaft, welche auch immer), muss ich den Führerschein machen. Ansonsten muss ich eben laufen (=mit meiner bisherigen auskommen).

    Ich betone nochmals: ich bin gegen solche Tests. Aber Sie sind, sofern fair abgehalten, kein Grund sich zu *schämen*. Ihr seht das anders, ich eben so.

  7. Oliver sagt:

    >Aber Sie sind, sofern fair abgehalten, kein Grund sich zu *schämen*.

    Du solltest dir überlegen um was es geht, um deinem Beispiel zu folgen: wir lassen das Gros Vollspacken tagtäglich ohne Hemmungen fahren und verlangen von einer Minderheit (usus in Deutschland) die Prüfung, um den «Vollwertbürger» zu bezeugen. Und warum verlangen wir derartige Prüfungen von Minderheiten? Nun weil es der rassistischen Grundhaltung genügt die das Gros der Bürger inne hat und die von Rechtspopulisten aller Parteien schamlos ausgenutzt werden, wie zuletzt in Hessen.

    >Aber Sie sind, sofern fair abgehalten,

    q.e.d. — ich spreche ebenso über fairness.

  8. Foobar2000 sagt:

    Deine Argumentation ist sicherlich beachtenswert und moralisch unterstützenswert. Nur nicht pragmatisch. Und es geht um Pragmatismus.

    Denn wenn man es rein moralisch-theoretisch sehen würde, sollte ja niemand die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben, wenn man sich für die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft schämen muss, da oftmals niedere Motive das Handeln bestimmen.

    Konsequent wäre es also, den Test ob seiner Existenz erst gar nicht zu machen… 😉

    Spaß bei Seite: Ihr mögt mit eurer Haltung recht haben, aber es ist der Bevölkerung derzeit wohl nicht zu vermitteln. Und vielleicht liege ich ja falsch, aber ich halte das für ein Detail, das im Rahmen der nicht vorhandenen Fairness des Weltgeschehens ggf. zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. IMHO.

  9. Grainger sagt:

    Was soll denn bitte in so einem Einwanderungstest geprüft werden?

    Ich könnte es noch verstehen, das man das Vorhandensein minimaler Sprachkenntnisse in Wort und Schrift prüft (auf einem Niveau, der einem z.B. eine einfache Kommunikation, das tägliche Einkaufen und das Lesen einer Tageszeitung ermöglicht).

    Das wird in der Tat in vielen Ländern so gemacht.

    Eine Art von Bildungstest halte ich schon für sehr viel problematischer, je nach Ausgestaltung würden den auch viele Deutsche vermutlich nicht bestehen. 😀

    Die Vorstellung, man könnte das Deutschtum (mir fällt gerade keine bessere Bezeichnung ein, mein Vater war gebürtiger Belgier und hat das — vermutlich in Anlehnung an die Deutschtümelei mancher Bevölkerungsgruppen — immer so genannt 😉 ) eines Bewerbers um die deutsche Staatsbürgerschaft vorher testen ist irgendwie lächerlich und peinlich zu gleich.

  10. Oliver sagt:

    >Nur nicht pragmatisch. Und es geht um Pragmatismus.

    Wir reden von Menschen, bei Dingen kann ich pragmatisch sein. Drum werden auch die Menschen die derartig denken ebenso im eigenen Land behandelt, es finden sich immer Pragmatiker.

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