Die Contentidustrie und ihre Kritiker — Politische Spiele bei SternTV

Hier hatte ich schon über die maue SternTV-Sendung zum Thema Filesharing am 10. Oktober geschrieben. Die Sendung scheint manchen Familienvater und manche Mutter aber doch aufgeweckt zu haben — wurde eine Woche später das Thema aufgrund der großen Resonanz erneut behandelt. Diesmal gab es ein nettes Plauderstündchen mit dem Anwalt Christian Solmecke und dem Offenburger Staatsanwalt Jochen Wiedemann, der Filesharing-Klagen der Contentindustrie rigoros einstellt, Stichwort Bagatelldelikt. In einem Aufsehen erregenden Urteil hat das AG Offenburg dieses Vorgehen bestätigt. Christian Solmecke und Jochen Wiedemann spielten sich unter nicht allzu strenger Moderation von Günther Jauch die Bälle zu — eine glanzvolle journalistische Leistung war das wieder mal nicht.

Erschreckend und traurig war, dass man vor einem Millionenpublikum den Ratschlag gab, Webradios aufzuzeichnen, das wäre legal und so käme man an jeden Song, den man sich wünschen würde. Hier hatte ich bereits die Problematik vom Ausuntzen der Webradios gesprochen. Falk, der selber ein Webradio betreibt und zudem junge Künstler betreut, stellte daraufhin klar:

Bitterböse aber leider zu wahr. Ich sag zwar immer Abwarten und Tee trinken — aber das geschickte Ausnutzen solcherlei Lücken im Überwachungssystem der Musikindustrie geht immer zu Lasten der vermeintlich Kleinen und damit der Vielfalt. Egal ob junge Künstler oder Webradios. Hier wird wiedermal nicht gefördert, sondern ausgenutzt. Ich seh schon die nächste Diskussion um unsinnige Kopierschutzmaßnahmen, um eine Sendelizenz zu bekommen oder aber die Gebühren werden nochmal deutlich nach oben korrgiert. Scheiss auf die Top100 die hört man eh überall.

Der damals von mir angesprochene Dienst Mp3flat.com ist zur Zeit offline und wird im Moment überarbeitetder GEMA sei dank. Interessant in dem Zusammenhang auch, wer Mp3flat.com rechtlich vertritt — richtig geraten, es ist laut Heise Christian Solmecke. Da wundert es dann nicht mehr, wie SternTV dazu kommt, Radioaufzeichnungen als legale Möglichkeit zu empfehlen, um an jeden Mp3-Song zu kommen, den sich Mann, Tochter, Sohn oder Herzdame wünscht. Böse Zungen würden jetzt behaupten, hier läge ein kleiner Interessenkonflikt vor oder SternTV hat in eine bestimmte Richtung Lobbyismus betrieben — es kann natürlich auch fehlende Recherche in der eigenen Redaktion sein. 😉

Und es mutet dann auch recht seltsam an, wenn sich nach der Sendung der Anwalt Christian Solmecke über die Contentindustrie auslässt, diese habe versucht, auf die Sendung Einfluß zu nehmen. Solmecke äussert sich wie folgt:

Am Rande der letzten SternTV-Sendung zum Thema Filesharing wurde bekannt, dass die Musikindustrie versucht hat, den Auftritt von Staatsanwalt Wiedemann aus Offenburg zu verhindern. […] Des Weiteren wurde versucht, über E-Mails und Telefonate Einfluss auf die verantwortlichen Redakteure zu nehmen. Konkret versuchte die IFPI zu erreichen, dass auch ein Vertreter der Musikindustrie in der zweiten SternTV-Sendung vertreten ist.

Seltsam auch, wenn er im letzten Satz schreibt, dass nun kostenlose und legale Radio-Mittschnittsoftware einen neuen Boom erleben könnten (siehe oben, es könnte aber auch der Tod vieler kleiner Webradios bedeuten), dort einen Link zu clipinc.com hinterlegt, dieser aber zu dem Unternehmen Tobit.Software (welches den Dienst anbietet) führt. Der Contentindustrie massiven Lobbyismus vorwerfen, selber aber offensichtlich genau diesen betreiben, das erhöht nicht wirklich die Glaubwürdigkeit — von der neuen, alten Gefahr für die Webradios mal abgesehen. Auf den Warez-Plattformen in unserem Land werden SternTV und die Protagonisten gefeiert — also offensichtlich ein perfekt initiiertes Schauspiel. Die Zielgruppe feiert die eigene offensichtliche Manipulation — aber es soll ja auch Hartz IV-Empfänger geben, die die Agenda 2010 feiern und voller Überzeugung die SPD oder die Union wählen… 😀

2 Antworten zu “Die Contentidustrie und ihre Kritiker — Politische Spiele bei SternTV”

  1. Stefan sagt:

    Aber was kann man von einer Diskussion neben Beiträgen über einen in Flammen aufgehenden Heissluftballon und einer neuen Stotter-Therapie erwarten?
    Ich bin am Mittwoch beim zappen an der Sendung hängen geblieben, weil ich den Computerexperten, der das Webradio mitschneiden demonstriert hat, kenne. Konnte es nicht wirklich nachvollziehen, dass er sich für die Sendung hergegeben hat.

  2. Oliver sagt:

    … weil die Medien im Vorfeld andere Dinge erzählen, als jene die letztendlich gezeigt werden. Man verkürzt, abstrahiert, schneidet …

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