die Clinton

Vor ihr breite sich ein Sammelsurium an Persönlichkeiten aus. Sie habe es mit entfremdeter Akademikerin, engagiertem Pseudo-Hippie, Bildungs– und Sozialreformerin und zur Hälfte mit zurückgezogener Schlichtheit probiert.

FTD

Ich frag jetzt gar nicht was die sich da während ihres Studiums reingepfiffen hat, aber man hätte halt das Tagebuch nicht in Briefform verfassen sollen. Kann man sich jetzt natürlich fragen, ist diese Rolle die sie nun spielt, ebenso wie die politische Attitude, auch nur eine dieser gewählten Persönlichkeiten? 😀

11 Antworten zu “die Clinton”

  1. tante sagt:

    Da jede nach aussen sichtbare Persönlichkeit eine gewählte ist, natürlich ja.

    Genau wie die, mit der ich hier kommentiere, und die, mit der Du schreibst.

  2. Oliver sagt:

    >und die, mit der Du schreibst.

    Nun das denke ich nicht, vor allem nicht auf die Art und Weise wie oben beschrieben. Die sichtbare Persönlichkeit bei der Clinton ist eben jene der Unsicherheit. Die aktiv «Gewählte» ist etwas Vorgegaukeltes, eben ob dieser Unsicherheit.

    Ehrlich gesagt bin ich aus dem Alter raus, irgendetwas vorzugaukeln. Meine Persönlichkeit entwickelte sich, ich wählte sie nicht, allenfalls Bruchstücke davon im Sinne von Entscheidungen die weiterreichende Auswirkungen hatten. Derjenige der meint *aktiv* zu wählen, den Umständen entsprechend, hat ein Problem eben in seiner Persönlichkeit.

    >Genau wie die, mit der ich hier kommentiere

    Du spielst uns also etwas vor? Seltsam, mich bekommt man am Telefon ebenso, wie hier auf der Seite oder vor Ort unter vier Augen.
    Mir ist bewußt das du eventuell auf die multiplen Persönlichkeiten einiger im Netz anspielst. Im Netz ein Arsch, aber daheim ein ganz lieber, nun das wirst du hier nicht finden. Vielleicht haben aber einige Aufgrund dieser pauschalen Annahme, das eben diese Art der Persönlichkeitsstörung gängig wäre, ein Problem unsere Meinung im richtigen Licht zu betrachten.

    Um eines vorweg zu nehmen, ich werde definitiv bei einem öffentlichen Anlaß in einem bestimmten Kontext etwas andere Worte wählen als hier, aber ich lege mir keine andere *Persönlichkeit* zu, indem ich mich verbiege. Ich denke da sollte man gewisse Begriffe nicht in einen Topf werfen.

    Man lebt unbequemer damit, wenn man den Leuten nicht etwas vorgaukelt und auf dem Gros der Blogs beispielsweise mimt man mehr oder weniger everybodies darling, weil man Angst davor hat die eigene Persönlichkeit tatsächlich zu zeigen. Man kann das oft daran sehen, wenn man denn Mailkontakt mit denjenigen pfelgt und wie dann Meinung sprudelt und sich ein «aha»-Effekt einstellt.

    Wenn du also damit besser lebst, deine Sache. Macht mir natürlich viele Personen in Diskussionen recht suspekt — ein Grund warum ich meist auch nur wirklich auf jene eingehe die ich schon seit vielen Jahren *kenne*.

    Der Glaube aber etwas vorkaugeln zu müssen, aus welchem Grund auch immer, ist wiederum eine Facette deiner entwickelten Persönlichkeit.

  3. Grainger sagt:

    Um eines vorweg zu nehmen, ich werde definitiv bei einem öffentlichen Anlaß in einem bestimmten Kontext etwas andere Worte wählen als hier, aber ich lege mir keine andere *Persönlichkeit* zu, indem ich mich verbiege.

    Das ist aber das normale Rollenverhalten, das jeder von uns an den Tag legt.

    Wir bewegen uns in unserem Leben nun mal in verschiedenen Rollen, beruflich lege ich auch ein anderes Verhalten an den Tag als im engsten Freundeskreis und bei einem Familientreffen benehme ich mich anders als auf einem Betriebsausflug.

    Solange das nur Variationen ein und derselben Grundpersönlichkeit sind ist das auch absolut normal, erst wenn man vollkommen verschiedene Persönlichkeiten entwickelt (die im Extremfall sogar nichts voneinander wissen) wird es pathologisch.

    Im Internet kommt natürlich noch der Faktor der Anonymität dazu, so mancher legt da ein Verhalten an den Tag das ihm sonst vermutlich hochpeinlich wäre.

  4. Oliver sagt:

    Eine Rolle ist jedoch nicht gleich einer Persönlichkeit. Ich ziehe mich auch zu verschiedenen Anlässen anders an, streife dabei jedoch nicht meine Persönlichkeit ab. Das Problem scheint eher bei den Mitmenschen zu liegen, die meinen Kleider machen Leute.
    Es ist eine Norm, die ich in gewissen Bereichen annehme, weil es nicht anders geht. Müßte ich es permanent machen oder würde eine Lethargie dabei Einzug erhalten, dann wäre wohl meine Persönlichkeit nachhaltig geändert.

    Von daher und darum es geht es auch eigentlich, sehe ich kein Vergleich zu dem Vorgaukeln einer Persönlichkeit, denn dazu bedarf es mehr als anstatt «hi», «Guten Tag» zu sagen oder anstatt in Jeans im Zweireiher aufzutauchen.

  5. tante sagt:

    Ich glaube da ist ein Missverständnis aufgetreten, passiert mir aber häufiger, ich werde mal versuchen, klarer zu machen, was ich meine.

    Menschen sind eine Menge aus Avataren. Wir lernen niemals den «wahren Menschen» kennen. Und selbst wenn, könnten wir ihn nicht von einem Avatar unterscheiden.

    Unsere diversen Avatare sind selbst konstruiert. Sicherlich spielt sowas wie «Rolle» da mit hinein, ein spezieller Avatar hat vielleicht eine besondere Art sich zu kleiden (z.B. die Berufsverkleidung), aber es geht meist viel weiter: Die Verhaltensweisen ändern sich (bei einigen Menschen nur wenig, bei anderen sehr stark; «starke Persönlichkeiten» ändern sich wenig über ihre diversen Avatare, «schwache» tun das sehr stark). Menschen treten zum Beispiel in Gruppen aus Menschen, die sich nicht kennen, anders auf als in einer Gruppe aus guten Freunden. Und das ist eben nicht nur Rolle sondern auch sehr stark «wie ich gesehen werden will»; die Kombination aus dem ist, was ich Avatar nenne.

    Für mich ist das kein «vorspielen» oder «belügen», ich glaube, dass das die Art und Weise ist, wie Menschen sind, es ist Teil der Art und Weise wie wir kommunizieren, es ist Teil des Ausdrucks unserer Persönlichkeit.

    Das ist jetzt nur der ganz kurze Abriss, ich habe darüber schon nen Haufen in meinem Blog geschrieben, was ich gerne verlinkt hätte, aber der Server ist gerade wegen Wartung down :(

  6. tante sagt:

    Oh, er ist wieder da, darum die Links, die es vielleicht klarer machen:
    Erwartungen und Einschätzungen
    Reality TV

    Ich hoffe, Du siehst das hier nicht als Spamming an, ich versuche nicht mit Gewalt meine Seite zu pimpen, ich wollte nur nicht posts von mir hier rein kopieren und die Kommentare unlesbar lang machen.

  7. Grainger sagt:

    Das mit den Avataren hört sich für mich jetzt aber schon ein bißchen arg Matrix-mäßig an. 😉

  8. tante sagt:

    Ausgehend davon, dass sich das «real life» ziemlich genauso verhält ist das auch gar nicht sooo verwunderlich 😉

  9. Oliver sagt:

    >Für mich ist das kein “vorspielen” oder “belügen”, ich glaube,

    Für mich schon und ich sehe auch die Dinge wie Persönlichkeit, Rollenverhalten in diversen Gruppen etc. Aber ich setze mich nicht am Wochenende hin und wähle meine *Persönlichkeit* mit der ich dann meine Zukunft bestreite.

    Vielleicht machts ja jemand so, für mich haben die Leute auf gut Deutsch einen Schaden.

    >Menschen treten zum Beispiel in Gruppen aus Menschen, die sich nicht kennen, anders auf als in einer Gruppe aus guten Freunden.

    Ich weiß und bei einigen ist dieses Verhalten derart stark, das man schon wieder die eigene Persönlichkeit vermißt. Nennt man dann Mainstream, in vielen Bereichen eine Gratwanderung. Aber viele verraten ob dieses Psycho-Gefasels nur allzu gerne ihre eigene Persönlichkeit.

    Weißt mir ist schon einiges klar in diesem Bereich, meine Ehe klappt auch seit Jahren sehr gut und meine Frau hat definitiv andere Meinungen in einigen Bereichen. Man toleriert, bringt Verständnis auf, denkt über andere Dinge nach usw. Man ist als Mensch flexibel, wie gesagt auch da immer eine Gratwanderung.

    Als «normal» sehe ich da vieles in der Gesellschaft überhaupt nicht an, man paßt sich an, unterwirft sich. Die Normalität herein zu interpretieren ist Blödsinn, weil sich da schon der Druck der Mehrheit abzeichnet, der man sich willig unterwirft.

    Eine gute Ehe ist das beste Beispiel, besser noch als jede Freundschaft — dort meistert man in einigen Bereichen geschickt die Gratwanderung zwischen Flexibilität und der Fortentwicklung der eigenen Persönlichkeit, man lernt auch voneinander. Gaukeln etc. wird dort am ehesten mit dem Bruch des Vertrauens geahndet.

    Man muß vieles nicht, z.B. muß sich nicht fortwährend anpassen. Ein Kompromiss ist z.B. keine Einbahnstraße. Das Dogma «aber im Beruf da muß …» oder «im Freundeskreis da muß …», ehrlich gesagt irgendwo erfolgt immer eine Anpassung, eine leichte, aber es ist nicht die Regel. Und es ist für das Gros leichter sich mit irgendeinem Gruppenzwang herauszureden, als man eigene Wege zu beschreiten.

    Finde ich arm und den Freud kann man dabei auch gerne stecken lassen. Ich bin auch ein Abbild vieler *Einflüsse*, aber der gesellschaftliche Automat bin ich noch lange nicht.

    Nimm den Alkohol, so lächerlich und dennoch ein massiver Gruppenzwang vom jugendlichen Happening bis hin zum Geburtstag und öffentlichen Anlässen. Ich stehe dagegen seit meiner Jugend und das hat mir nicht viele Freunde eingebracht. Lächerlich nicht wahr? Von diesen infantilen «Normen», «Regeln», «gesellschaftlichen Zwängen» redest du doch. Nun man kann sich auch dagegen stellen und seinen eigenen Weg gehen, macht halt «aua» aber es geht :)

    Hey ich stelle mich vielen Sachen entgegen, bin aber beileibe kein Revolutionär, aber ich verzichte auch auf Vorteile und nehme einige Nachteile in Kauf, wenn es mir meine Persönlichkeit wert ist.

    Dieser «Gruppenzwang» oder auch das «gesellschaftliche Solidaritätsprinzip» ist meist nur Mittel zum Zweck, um dem anderen Meinung aufzupressen.

    Beeinflussungen jedweder Art streite ich nicht ab, von nichts kommt halt nichts. Normen, Rollen, aktiv gewählt um nicht aufzufallen, um zu *funktionieren*, das ist nicht mein Ding. Und die Verleugnung des eigenen Verstands ist ebensowenig mein Ding.

    >Ich hoffe, Du siehst das hier nicht als Spamming an

    Nein warum sollte ich, aber ich muß auch sagen — völlig wertfrei — ich klicke in der Regel noch nicht einmal die Links unter den Nicks an, da fehlt mir die Zeit zu.

  10. tante sagt:

    Ich verstehe Deine negative Sicht durchaus, es ist ja nicht so als wären die möglichen negativen Konsequenzen (wenn jemand sein Fähnchen immer nach dem Wind ausrichtet) nicht offensichtlich.

    Aber nehmen wir mal Dich als Beispiel.

    Hey ich stelle mich vielen Sachen entgegen, bin aber beileibe kein Revolutionär, aber ich verzichte auch auf Vorteile und nehme einige Nachteile in Kauf, wenn es mir meine Persönlichkeit wert ist.

    Das ist zum Beispiel von Dir gewählt, das ist eine Persönlichkeit, die Du Dir ausgesucht hast, sehr bewusst. In anderen Kontexten bist Du vielleicht (ich kenne Dich ja nicht) nicht ganz so strinkt, und lässt auch mal was durchgehen bzw. verschwendest Deine Zeit nicht mit einem Streit mit einer Person, die es eh nicht verstehen wird oder ähnliches.

    Wir designen «uns» (d.h. unsere Erscheinung) ständig. Durch die Art wie sir sprechen, schreiben, was wir zitieren, wie wir uns kleiden, usw. All das ist mehr oder weniger bewusst konstruiert (meiner Meinung nach bei jedem). Für mich ist es nur wichtig selbst eben nicht das alles unbewusst «passieren» zu lassen, das führt nämlich eben zu solchen «ich richte mich nach der Masse» Dingen. Bewusst kann man sich auch entscheiden eben das nicht zu tun, besser zu sein, als nur Reflex der eigenen Umwelt.

    Für mich ist das ganze also nicht einfach negativ sondern kann genauso gut ein Mittel sein, sich selbst zu verbessern (im Sinne von ein großartigerer Mensch zu sein)

  11. Oliver sagt:

    >Das ist zum Beispiel von Dir gewählt, das ist eine Persönlichkeit, die Du Dir ausgesucht hast, sehr bewusst.

    Nein eben nicht, das hat sich so ergeben mittels Erfahrungen über die Jahre in diversen Bereichen, von Politik bis hin zum Kontakt mit anderen Personen. Ein Buch beispielsweise kann mich beeinflussen, dazu noch ein Gespräch etc., der folgende Gedanke wurde also nicht gewählt, sondern er formte sich.

    Du kannst dir aufgenblicklich etwas aussuchen oder versuchen darauf hinzuarbeiten — es geht in der Regel schief. Letztendlich ist man meist als unsteter Charakter verschrien, es wirkt alles aufgesetzt, oberflächlich.

    Das was du beschreibst ist ein Fragment der Persönlichkeit, nicht Persönlichkeit per seo. Vielleicht auch eher der Habitus, im Sinne des Auftretens in der Menge.

    >All das ist mehr oder weniger bewusst konstruiert

    Wenn du das bewußt mittels unterbewußt ersetzt, paßt es sogar. Man wird geformt und kann den Anstoß geben für die *Richtung* einer Formung, das Ergebnis kann man erst später «bestaunen», wenn überhaupt.

    Der Gedanke des aktiven Designs aber ist absurd, mag zwar ein Wunsch einzelner Individuen sein, ist aber in der Praxis nicht vollziehbar.

    Was ich heute entscheide ist kein Design, es ist eine Facette unter vielen anderen, welche zusammen eventuell die mir nicht bekannte Richtung bestimmen. Und diese heutige Entscheidung ist wiederum durch viele passive und mitunter auch aktive Einflüsse geprägt.

    Wunsch != Realität

    Du sprichst von Wunschen, gibt man sich diesen zwanghaft hin, prägt man ebenso seine Persönlichkeit, unterbewußt aber vielleicht in die nicht gewünschte Richtung. Auch hier Wunsch != Realität, der Wunsch so zu sein, die Realität aber wie man gesehen wird.

    Die Chaos-Theorie wird wohl auch beim intelligenten Tier «Mensch» wirken und ist am plausibelsten. Intelligentes Design ist in vielen Bereichen mehr oder weniger absurd.

    Design war noch nie spannend, Leben schon.

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