Die Chefkomiker unseres Rechtssystems

Volker Pispers, Dieter Hildebrandt oder auch Georg Schramm — sie alle hätten sie nicht erfinden können. Die Realität hat mal wieder jegliche Vorstellungskraft überholt. Wegen Polizistenmord, zwei weiterer Morde wurde sie gesucht, Einbruchserien gingen ebenso auf ihr Konto, wie unzählige Diebstähle. Sie war im Drogen-, Rotlicht und Autoschieber– und last but not least im Terroristenmilieu tätig. Jeder schien sie zu kennen, Deutsche, Russen, Sinti und Albaner — zu Gesicht bekommen hat sie bisher aber niemand. Vom wem die Rede ist? Vom Phantom von Heilbronn.

Wie viele Polizisten unzählige Überstunden geschoben haben, wurde nicht überliefert. Auch ist nicht bekannt, wie viele Bürgerinnen und Bürger zu einem DNA-Test genötigt wurden. Millionen wurden für diese Tests ausgegeben, für die laut Dieter Wiefelspütz unverzichtbare, geniale kriminaltechnische Methode um eben Kriminelle dingfest zu machen. Das alles und noch viel mehr hat der deutsche Rechtsstaat aufgewendet, um Deutschlands meistgesuchte Verbrecherin zu fassen.

Zwar nicht ins Kabarett, aber doch ins Fernsehen hat sie es geschafft — das ZDF widmete ihr sogar eine seriöse Dokumentation: Die Frau ohne Gesicht. Fast schon bewundernd sprechen die Kollegen vom ZDF davon, dass unser Phantom sehr mobil sei. Ihre DNA-Spur wurde im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg gefunden. Auch in Österreich und Frankreich war die Phantom-Frau unterwegs, so die Beschreibung der Dame, die alle gesucht haben. Als Wunderwaffe wird selbstverständlich die DNA-Analyse präsentiert. Doch nicht nur das ZDF, auch die ARD versuchte dem Phantom mit seriösem Journalismus auf die Spur zu kommen. Sie weiß zu berichten: Inzwischen jagen sechs Sonderkommissionen in Deutschland und Österreich eine Frau, die trotz modernster Ermittlungsmethoden, trotz DNA-Analyse und computergesteuerter Tatortbegehung nicht zu fassen ist.

Vielleicht hätte man jemand fragen sollen, der sich damit auskennt. Deutschlands Rechtssystem scheint es nicht gewesen zu sein. Das Phantom von Heilbronn existiert nämlich gar nicht. Die DNA-Funde sind auf verunreinigte Wattestäbchen zurückzuführen. Und nein, das ist wirklich kein Scherz. Die meistgesuchte Verbrecherin Deutschlands gibt es gar nicht — oder doch, vielleicht ist sie Verpackerin in einer Wattestäbchenfabrik, vielleicht aber auch Kollegin am Fließband. Nichts Genaues weiß man nicht. Aber um das rauszufinden hat man jetzt reagiert — und von den Angestellten der beteiligten Unternehmen DNA-Proben genommen. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Man kann in diesem Land nur noch beten, dass man niemals mit dem Rechtssystem Bekanntschaft macht — in welchem Bereich auch immer.

FAZ — Das konnte nicht sein
Tagesspiegel — Zweifel am DNS-Test
Spiegel — Plötzlich war die DNA nicht mehr da

Dabei war des Rätsels Lösung so einfach. Im Dschungel hatte sie sich versteckt. YouTube wusste es schon lange:

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2 Antworten zu “Die Chefkomiker unseres Rechtssystems”

  1. phoibos sagt:

    hehe, da hat wohl mal eine praktikantin in den bottich mit der watte genießt. aber hey, dns und fingerabdrücke sind wie immer total einzigartig und fälschungssicher…

    CCC — Wie können Fingerabdrücke nachgebildet werden?

  2. […] Die Chefkomiker unseres Rechtssystems (F!XMBR) […]

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