Die aufrechte SPD und die Medien

Chris maltDass die SPD sich selbst und die eigene Geschichte verleugnet, Menschen in diesem Land verraten und verkauft hat, ist nichts Neues. Und doch — bei den Menschen regt sich Widerstand. Sie lernen zu erkennen, dass die SPD nicht nur diese eine SPD ist. Es gibt einen alles beherrschenden rechten Flügel und einen linken Flügel, der zwar noch irgendwo da ist, aber praktisch nicht mehr existent ist. Wenn ein Horst Köhler in diesem Land schon als links gilt, kann jeder F!XMBR-Leser sich leicht ausrechnen, wie weit die SPD, unser Land nach rechts gerutscht ist. Massgeblich dafür verantwortlich sind nicht nur die Netzwerker und die Seeheimer innerhalb der SPD, zwei Gruppierungen, die durchaus von der INSM in die SPD eingeschleust worden könnten, sondern auch die Medien, landauf, landab, die einen Kampagnenjournalismus fahren, den man nur bewundern kann. Die viel beschworene Medienvielfalt gibt es in diesem Land nicht mehr. BILD, FAZ, SPIEGEL, SZ — alles ein und dasselbe. Sie stehen weit rechts der Mitte, auf der Seiten des Kapitals — entscheidend ist die Rendite der Verlagshäuser, nicht aber unabhängiger Journalismus oder gar die Menschen in diesem Land. An diesem Wochenende war das wieder an mehreren Stellen zu beobachten.

Er hat wieder gesprochen, der FORSA-Chef Güllner. Diesmal war es ein Interview mit der SZ — und wieder war es die alte Leier. Die Oeffinger Freidenker haben das Interview schon entsprechend gewürdigt. Es war mal wieder eine Geschichtsklitterung der besonderen Art — man muss sich das mal vorstellen: Die Austritte aus der SPD, das waren nicht Mitglieder, die sich enttäuscht von der alten Dame abgewandt haben. Nein, das waren alle Agenda– und Schröder-Fans. Das ist wirklich die schärfste Theorie, seit die Illuminaten aus der Mode gekommen sind — so die Oeffinger Freidenker. Mehr muss man dazu kaum sagen — demnächst wird noch behauptet, Kennedy lebt in Bielefeld als Nachbar von Elvis. Ach nein, ich vergaß, Bielefeld existiert ja gar nicht. Dass der gute Herr Güllner schließlich Schröder zum großen, güldenen Retter der SPD erhebt, wundert da auch nicht mehr. Einen unterwürfigeres Verhalten kennt man sonst nur vom Pofalla gegenüber der Merkel. Dass Güllner zwischen den Zeilen offenbar einen neuen starken Mann für Deutschland, die SPD fordert, wundert dann auch nicht mehr. Erschreckend ist das Niveau des Interviewers von der SZ — ohne großartig kritische Nachfragen darf der FORSA-Chef seine Ansichten verbreiten und seine Forderungen stellen. Aber okay — wenn man andere Texte von Thorsten Denkler kennt, pendelt sich das alles auf einer Linie ein. Kein weiterer Kommentar nötig.

Linksruck

Einen anderen Weg geht die neoliberale Kampfmaschine, besonders aus dem Jahr 2005 — der STERN, und mit ihm Hans-Ulrich Jörges. Der STERN war in den letzten Jahren ganz vorne dabei, wenn es darum ging, die SPD zu Entscheidungen zu treiben, die diesen Menschen so viele Nöte, Sorgen gebracht haben, die so vielen Menschen die Existenz geraubt hat, der Angela Merkel das Kanzleramt gebracht hat. Und nun kommt der Herr Jörges daher und fordert bei dieser Hetze auf Kurt Beck dazu auf, dass es an der Zeit ist, innezuhalten. Die Medien müssen nachdenken, kritisch und selbstkritisch. Das nenn ich eine ganz besondere Art der Bigotterie. Ganz unbescheiden, wie es die Art von Hans-Ulrich Jörges ist, fragt er, wie stark dabei die Medien die Demokratie verbiegen. Herr Jörges, ich habe da mal eine Frage: Wie oft haben Sie persönlich mit der Macht von Gruner & Jahr im Hintergrund in den letzten Jahren die Demokratie verbogen? Einmal, zweimal, mehrfach? Noch nie? Sorry, Herr Jörges, mit ihren photogeshopten Augen sind sie heute noch genauso glaubwürdig, wie vor der Wahl 2005. Sie fragen sich, warum die Menschen immer weniger den STERN kaufen? Erstmals ist der STERN im ersten Quartal 2008 unter die Million-Grenze gefallen. Nun, ein Blick in den Spiegel, also den an der Wand im heimischen Bad, könnte die Antwort bringen.

Und natürlich darf auch der bessere FDP-Vorsitzende Wolfgang Clement wieder Lobbyismus betreiben. Ganz im Sinne der RWE fordert er eine Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke. Seit Monaten schon läuft, insbesondere in der SPRINGER-Presse, eine ganz besondere Kampagne. Wer einen Einblick haben möchte, sollte dieses Machwerk lesen — dagegen sind alle Geschichten über Illuminaten und von den Gebrüder Grimm Dokumentationen, wahre Begebenheiten, die sich wirklich so zugetragen haben. Wenn der Klimawandel nicht traurige Realität wäre, könnte man glatt auf die Idee kommen, es wäre eine famose Idee der PR-Abteilungen der Atomkraftwerksbetreiber. Was da im Moment läuft, ist schon ganz grandios. Die Medien erfüllen willig die Forderung nach Atomkraft — es vergeht kein Tag mehr, an dem nicht über die Atomkraft als großer Retter dieses Planeten geschrieben wird. Auch hier zeigt sich wieder, inwieweit es noch kritischen Journalismus in diesem Land gibt. Natürlich gibt es das eine oder andere Feigenblatt — das Ziel jedoch ist erreicht: Die Mehrheit der Europäer plädiert wieder für eine strahlende Zukunft. Die Medien und die SPD — traurige Realität in diesem Land. Ein Land, das mir immer mehr fremd wird.

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4 Antworten zu “Die aufrechte SPD und die Medien”

  1. merlin sagt:

    brilliante Analyse!
    Der letzte Satz hat es mir angetan: «Ein Land, das mir immer mehr fremd wird.«
    Mir fällt dazu die Geschichte von dem Amerikaner ein, der vor dem 2. Weltkrieg spürte, das so etwas wie Krieg in der Luft war. Er suchte auf einer Weltkugel einen Ort, der möglichst weit weg von den Gefahrenherden der Weltpolitik gelegen war und fand seinen Traum: Ein Eiland in den Midway-Inseln.
    Wir heute wissen, wie die Geschichte weiterging: Direkt vor der Haustüre fand die größte Seeschlacht des 2.Weltkriegs statt.
    Was ich sagen will: Mich macht die Lage traurig, ohnmächtig.
    Nur: Wo gibt es einen Ort, um der Macht des Kapitals zu entfliehen.
    Entweder sie haben es schon mit ihrer Einstellung und Geisteshaltung verseucht oder sie stehen kurz davor…
    Geld und Macht regiert die Welt.

  2. […] nahe, dass die Bayerische CSU vor Lügen zur Gesetzesbegründung nicht scheut und Chris von F!XMBR bringt noch einige weitere Beispiele der abhängigen Medien, ein solches Beispiel droht sogar […]

  3. DrWatson sagt:

    AAAHH! Der WELT-Artikel ist ja der größte Mist, den ich seit langem gelesen habe. Sieben Mythen, du liebe Güte.
    1. Ein GAU ist gar nicht so wild. Praktisch, wenn er in einem Land mit einer Einwohnerdichte stattfindet, die nur ein Drittel der von z. B. Deutschland beträgt.
    2. Von Atomkraftwerken kriegt man keinen Krebs. Das ist schön. Von vielem anderen auch nicht?!
    3. Atomkraft ist nicht gefährlich, weil Kohleabbau gefährlicher ist. Aua.
    4. Atomare Langzeitfolgen sind auch nicht schlimm, weil in Hiroshima weniger Leute nachträglich gestorben sind, als angenommen…
    5. Atomendlager sind super, weil die Erde ja an sich sowieso auch schon strahlt, und Lagerung in Salzbergwerken ist ja suuuper.
    6. Uran geht gar nicht aus, die bauen es nur noch nicht ab. Ja, und warum nicht? Weil es sauteuer ist, die momentan noch nciht genutzten Vorkommen zu nutzen. Das macht dann das Deppenargument der Lobbyisten zunichte, Atomkraft wäre billig.
    7. Der «Mythos» der radioaktiven Strahlung. Die ist nämlich nicht schlimm, weil sie in der Natur vorkommt. AAAAAH! Mein Kopf explodiert.
    Letztlich wundert mich das Geschreibsel nicht: Der Artikel ist von Michael Miersch: http://www.maxeiner-miers.….ch.de/ Die beiden haben unter anderem «Biokost&Ökokult» geschrieben, ein Buch wider jedwede Ausweitung von ökologisch hergestellten Produkten. Ein Anti-Buch aus purem Anti-Reflex heraus. Habe den guten Mann auch in eienr Talkshow gesehen, eine Katastrophe.

  4. Grainger sagt:

    Der “Mythos” der radioaktiven Strahlung. Die ist nämlich nicht schlimm, weil sie in der Natur vorkommt.

    Deswegen ist auch der Verzehr des Grünen Knollenblätterpilzes so gesund: Natur pur!

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