Deutschland und der Krieg: Die nächsten Toten kommen bestimmt

pietneu
Agenda 2013 | einspruch.org

Deutschland huldigt seinen Soldaten, so könnte man zumindest meinen, wenn man heute die etablierten Medien liest. Es scheint so, als würde ganz Deutschland um drei tote Soldaten trauern. Während tote Zivilisten in Afghanistan, auch verschuldet durch deutsche Soldaten, bei Medien und Politikern in der Regel ein Achselzucken hervorrufen, scheint seit der Bundestagswahl eine neue PR-Agentur für das Verteidigungsministerium tätig zu sein. Man sucht das Heil ab sofort in der Offensive und kann sich auf die Unterstützung der lüsternen Presse freuen. Kriege bedeuten Blut und Tote — und dementsprechend Schlagzeilen. So perfide, so wahr.

Wann immer ich in den letzten Tagen mit Kollegen und Freunden über die gefallenen Soldaten gesprochen haben, hörte ich immer nur zwei Worte: selbst schuld. Das klingt hart, trifft aber den Kern der Sache. Deutschland trauert mitnichten um die toten Soldaten. Der für Angehörige und Freunde sicherlich tragische Tod der Soldaten ruft allenfalls ein Achselzucken bei den Menschen in unserem Land hervor. Deutschland identifiziert sich nicht mit dem Krieg in Afghanistan, die Bevölkerung lehnt ihn mehrheitlich ab.

Wer am Hindukusch Krieg spielen möchte, der muss mit den Folgen leben. Um nur einen Grund zu nennen: Die Politik hat bis heute nicht ein stichhaltiges Argument vorgebracht, warum der Afghanistan-Einsatz so wichtig für Deutschland ist. Die Aussage Peter Strucks, die Freiheit werde am Hindukusch verteidigt, wird von den Menschen eher belächelt, als ernst genommen und kann schon als Realsatire gelten.

Es ist schon erstaunlich, dass drei tote Soldaten heute diesen medialen Effekt auslösen konnten. Seit Jahren sterben deutsche Soldaten im Kosovo und in Afghanistan. Niemals gab es auf fast ausnahmslos allen Medien diese Trauer um tote Soldaten, die nicht im Ansatz die Meinung und die Gefühle der Bevölkerung widerspiegelt. Man muss SPIEGEL, STERN, SZ & Co. schon fragen, wieso versucht wird, aus einem dem Krieg kritisch gegenüber stehenden Volk ein kriegsbegeistertes und seinen Soldaten mitfühlend gegenüber stehendes Volk zu machen. Dem ist nicht wirklich so. Wollen unsere Medien für die Schlagzeilen in den Krieg ziehen?

Die Springer’sche Welt versucht den Leser gar vorzuschreiben, dass diese — und alle Menschen in Deutschland — sich mit unserer Armee zu solidarisieren haben. Müssen wir das wirklich? Nein! Es war und ist die freie Entscheidung eines jeden Soldaten, Berufssoldat zu werden und an Auslandseinsätzen teilzunehmen. Solidarität wäre eher angebracht mit den Zivilisten und Kindern, die bereits durch deutsche Hand am Hindukusch und an anderen Kriegsschauplätzen gestorben sind. Soldaten sind sich der Gefahren sehr gut bewusst, wenn sie in die Berufsarmee eintreten. Zivilisten haben in Afghanistan keine Chance, wenn sie von deutschen Kugeln durchsiebt werden.

Im Krieg gibt es Tote, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Wenn Zivilisten sterben, spricht man verharmlosend von Kollateralschaden. Wenn Soldaten sterben, ist Staatstrauer angesagt. Es hat den Anschein, als wären deutsche Tote mehr wert, als afghanische Kinder, Frauen und Männer. Es ist befremdlich, dass deutsche Medien dieses unwürdige Spiel mitspielen und versuchen, durch eine unsägliche Kampagne die mehrheitliche Ablehnung der deutschen Kriegseinsätze umzudrehen. Auch der Versuch unseres Verteidigungsministers, die gefallenen Soldaten zu Helden zu stilisieren, wird hoffentlich nicht fruchten.

In Afghanistan sterben deutsche Soldaten, die im nächsten Moment selbst töten würden, würden sie diese Chance bekommen. Daran kann nichts ehren– und heldenhaftes erkennen. Die nächsten Toten kommen bestimmt und es wird interessant zu beobachten sein, wie die Medien unsere Kriegseinsätze in den nächsten Tagen und Wochen begleiten werden. Marschieren sie weiter als PR-Agentur für die Bundesregierung vorweg, verlieren sie weiter ihre Glaubwürdigkeit und Legitimation, für die Menschen in unserem Land zu sprechen.

Die Bürgerinnen und Bürgern wollen keine deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen, da kann noch so sehr die Werbetrommel gerührt werden. Somit wurden heute nicht nur drei Soldaten zu Grabe getragen, für den Journalismus war der heutige Tag ein weiterer Sargnagel für die eigene Zukunft. Die Menschen wissen sehr gut zu differenzieren: Mitgefühl vor die Angehörigen der Gefallenen durchaus, den Kriegseinsatz zum Heldentum umzudeuten, wird aber nicht gelingen.

Deswegen kann die Lösung nur sein: Sofortiger Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan. Jeder tote deutsche Soldat trägt die Unterschrift des Bundestages auf seiner Stirn. Jeder Tote ist einer zu viel — im Falle der deutschen Soldaten am Hindukusch können Tote vermieden werden. Die deutsche Politik muss nur endlich der Wahrheit ins Gesicht sehen und die deutsche Lebenslüge Afghanistan beenden. Besser heute als morgen.

, , , , , , ,

20 Antworten zu “Deutschland und der Krieg: Die nächsten Toten kommen bestimmt”

  1. KdB sagt:

    «Es hat den Anschein, als wären deutsche Tote mehr wert, als afghanische Kinder, Frauen und Männer.»

    Naja, das ist ja wohl immer so. Wenn bei einem Unglück tausende Menschen ums Leben kommen, wird auch ausführlichst darüber berichtet, dass ein Deutscher ums Leben kam. Ich würde das so etwas wie «soziale Nähe» nennen (keine Ahnung, ob es dafür einen Fachbegriff gibt).
    Wir versuchen ja auch erst mal die Lage der hier lebenden armen Deutschen zu bekämpfen (oder auch nicht…je nach Regierung^^)…dass vermutlich selbst der ärmste Deutsche immer noch besser lebt als die Menschen in Haiti kümmert uns auch nicht. Ist ein lebender Deutscher jetzt mehr wert, als ein Mensch in Haiti?!

    Und nur nebenbei…ich habe im Gegensatz zu dir ganz andere Erfahrungen mit dem Umgang der Menschen mit den Bundeswehrtoten gemacht. Die meisten Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren schon etwas «schockiert». Zwar fielen auch (zurecht) Sätze wie «selbst schuld», «im Krieg sterben Menschen», aber die meisten haben sich eher darüber echauffiert, dass die Regierung und Parlament die von ihnen entsendeten Soldaten nicht ausreichend unterstützt. Und dass, obwohl einige davon den Krieg offen ablehnen.
    Von daher…mehrheitlich lehnen die Deutschen den Krieg wohl ab, aber repräsentativ sind deine Beobachtungen sicher nicht (was du natürlich auch nie behauptet hast — wollte nur mal meine Erfahrungen schildern^^).

    Zu guter Letzt: Sofortiger Abzug aus Afghanistan…schön und gut. Und was dann mit Afghanistan? Sich selbst überlassen und dem nächsten Machthaber (wer auch immer das sein wird) Entschädigungen überweisen für dass, was man angerichtet hat?!
    Es ist richtig, es gab keine wirklich überzeugenden Gründe für den Einsatz. Aber ein Rückzug ohne eine genaue, überzeugende Planung für das «Danach» macht meiner Meinung auch keinen Sinn. Denn wenn man verschwindet, ohne einen Staat zu hinterlassen, der zumindest die Chance hat, zu überleben…dann wird es vielleicht/vermutlich in Afghanistan zu einem wirklichen Bürgerkrieg kommen…sind also afghanische Toten weniger Wert als deutsche?

  2. Captain sagt:

    @KdB

    Es gibt keine wirkliche Strategie für danach. Das Land und vor allem die Bevölkerung wurde dort schon so kaputt gemacht, dass weder ein sofortiger Abzug noch das Festhalten am Einsatz hilft. Ich würde mich gern mal mit den Menschen dort unterhalten und fragen, was sie wirklich wollen. Schutz vor den Thaliban oder Schutz vor uns.

    Ich empfinde den Einsatz dort immer noch als richtig und wichtig. Allerdings kommt das dadurch, weil ich eher einen Objektivismus als Relativismus vertrete. Allerdings kommt dann die Frage auf, mit welchem Recht ich meine Werte anderen aufdrücke …

    Es ist eine verfahrene Situation, wo keine Seite das Problem wirklich lösen will oder kann.

  3. Anonymous sagt:

    Es gibt nur eine richtige Lösung für unser Land in Afghanistan, zugeben, dass wir einen Krieg führen und dann geordnet zurückziehen. Ein sofortiger Rückzug bedeutet doch nicht von Heute auf Morgen alle Sachen zu packen und zu verschwinden.
    Wir haben als Deutsche zugelassen, dass wir in einem fremden Land in einen Krieg verwickelt wurden den man nicht gewinnen kann. Vielleicht ist jetzt die Zeit den medialen Schwung aus zu nutzen, endlich Farbe zu bekennen. Entweder wir bauen ein zerstörtes Land gemeinsam mit der Bevölkerung auf deren Wunsch wieder auf, den ohne sie geht es nicht, oder wir führen einen Krieg um uns oder unsere internationalen Verbündeten vor Schaden zu bewahren, dann aber ganz und gar. Nur entscheiden müssen wir uns jetzt, nicht erst nach der nächsten Wahl.

  4. ori sagt:

    Das ist nunmal leider wirklich so, es wäre unverantwortlich abzuziehen. Wir haben den Karren da mit in den Dreck gefahren, nun müssen wir Ihn auch wieder rausholen. An dem geschehen in Afghanistan war deutschland direkt beteiligt, ich sehe das Land da leider mit in der Pflicht. Wie war das schöne Schild nochmal auf einer Anti-Irak-Krieg-Demo «Die Welt ist kein Rumsfeld». Das gilt auch für uns. Wir haben jetzt schon den zweiten Angriffskrieg mitgeführt, und es kann einfach nicht sein das wir das noch beschönigen und da irgendwie Glanz und Glorie drüber legen. So ein Krieg ist nichts glanzvolles.

    Wir, also das Volk, sollten allerdings mit allen uns zur verfügung stehenden (legalen) mitteln dafür sorgen, das wir NIE WIEDER etwas von toten Zivilisten oder Soldaten hören müssen. Konkret heisst das: Kriegstreiber abwählen!

    Und die widerlichste Geste kam von Frau Merkel, der Frau die deutsche Soldaten in den Irak schicken wollte. Die Frau, die bis heute nicht zugegeben hat das es ein Fehler gewesen wäre den Krieg mit zu tragen. Saddam Hussein war ein grausamer Herrscher, wie die Taliban. Doch schlussendlich hätten sich die Tyrannen ihren Henker selbst geschaffen, ohne das man nachgeholfen hätte.

  5. Anonymous sagt:

    @KdB Du scheinst nur nachzuplappern, was unsere Politiker als angebliche Legitimation für das Bleiben der Bundeswehr in Afghanistan anführen. Zunächst muss beantwortet werden, warum überhaupt irgendwelche Besatzer in diesem Land sind und wer davon einen Nutzen hat. Findest du unter den ersten Antworten auch nur eine, die da heißt: das afghanische Volk? Ich zumindest nicht, denn die Erfolge der fremden Soldaten lassen sich an einer Hand abzählen. Stattdessen spielen wir den Taliban in die Hände, die im übrigen immer gern als terroristische Volksgruppe angesehen werden, was meines Wissen völliger Unfug ist. Auch ist Afghanistan ein noch größerer Produzent von Drogen geworden. Es ist nichts im Lot in diesem Land und es entwickelt sich zu einem ebensolchen Desaster, wie es die Russen bereits in den 80ern erlebt haben. Kann es wirklich noch schlimmer kommen, als jetzt? Glaubst du wirklich, dass es gut ist, ein Land jahrzehntelang durch Militär zu regieren? Es geht aber mitnichten darum das Land sich selbst zu überlassen, ihm aber Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und Vertrauen zu haben. Die Menschen haben Interesse daran in Ruhe und ohne Angst vor Attentätern oder fremden Soldaten zu leben. Da kann die Antwort nicht lauten, dass Besatzer die einzige Antwort sind. Auch wenn ich keine Antwort weiß, so habe ich verstanden, dass die Bevölkerungsgruppen in Afghanistan nicht zu einigen sind. Vielleicht ist eine Teilung in mehrere eigenständige Länder sinnvoll und denen kann man mit Know-How und Geld sicherlich mehr helfen, als mit Gewalt und Blut.

  6. Otmanix sagt:

    Natürlich ist es Berufsrisiko für einen Soldaten im Einsatz zu sterben. Natürlich gibt es die freie Berufswahl, von daher stimmt die Aussage «selber schuld» aus meiner Sicht teilweise. Die Erfahrung, dass es in der Bundeswehr in der Mehrzahl schießwütige Rambos gibt, konnte ich aber jedenfalls nicht machen.

    Man sollte meiner Meinung nach schon abgrenzen können zwischen Leuten die ihren Job machen und Politikern, die die Soldaten in unsinnige Einsätze schicken und damit auch deren Leben aufs Spiel setzen. Ich finde es jedenfalls verlogen von Fr. Merkel sich jetzt vor die Särge zu stellen und in den Jahren davor ihre Lakaien zu schicken, nur weil das schlechte Presse für sie gegeben hätte.

  7. olhe sagt:

    Na ich mach mir damit sicherlich keine Freunde, aber who cares? Wer sich freiwillig als Kugelfänger verdingt — wir haben schließlich noch nicht Zustände wie in den Staaten — der soll auch schauen wie er damit zurecht kommt. Ich gehöre nicht zur Fraktion «Soldaten sind Mörder», aber über «Deppen» lasse ich gerne mit mir reden. Das Tätertum hingegen sehe ich jedoch zu allen Zeiten immer bei den jeweiligen Regierungen, wenn man erst einmal bei dem Verein Mitglied ist hat man zu gehorchen und ehrlich gesagt unter solchen inkompetenten Regierungen möchte ich nicht dienen. Da sollte dann auch die Intelligenz eines Kriegers in spe einsetzen. Wäre beinahe bei der Marine auf Zeit gelandet, aber auch hier who cares, man kann es sich einmal leisten Idiot zu mimen, insbesondere wenn man daraus lernt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß ich viele «Helden des Krieges» in meiner direkten Verwandtschaft besaß, bis zurück in Wilhelms Zeiten. Soldaten sind einfach nur dumm, zumindest wenn dies auf freiwilliger Basis geschieht. Täter sind die Politiker, die Krieg auf dem Papier spielen und mit Worten versuchen tagtäglich Unausprechlichkeiten passend für den Wahlkampf zu kaschieren.

  8. Tobi-Wan sagt:

    Sicherlich dürfen über die Trauer um die toten Soldaten nicht die getöteten Zivilisten vergessen werden und sicherlich gibt es keinerlei Verpflichtung, dass sich Deutschland mit seiner Armee solidarisieren muss, aber dennoch will ich das Urteil «selbst schuld» in Bezug auf die gefallenen Soldaten so nicht stehen lassen. Wer kann seine Hand dafür ins Feuer legen, dass diese Menschen ihre Entscheidung, Soldaten zu werden, nicht aus Perspektivlosigkeit, aufgrund von falschen Versprechen oder — so schief es auch klingen mag — Hilfsbereitschaft gegenüber unserem Land und/ oder Afghanistan getroffen und dabei die Risiken falsch eingeschätzt haben? Und selbst wenn sie sich der Gefahr bewusst waren — verdienen diese jungen Kerle deswegen wirklich keinerlei Mitgefühl mehr?

  9. olhe sagt:

    >aufgrund von falschen Versprechen

    Das stimmt, dies passiert schnell. Aber Mensch ist ja lernfähig und heute zumindest _kann_ man sich weitaus besser informieren als z.B. vor 20 Jahren.

    >Hilfsbereitschaft gegenüber unserem Land und/ oder Afghanistan getroffen

    Also als ich vor Jahrzehnten mal im Rahmen des THW praktizierte wußte ich schon um die grundlegenden Unterschiede zw. _Hilfsorganisation_ und _Armee_. Sprich wenn ich helfen möchte, mein vorhandenes Wissen an den Mann bringen möchte etc. pp. dann gehe ich zum THW oder ähnlichen Organisationen — dort findet man die Profis für derlei Zwecke. Wenn ich Polizeiarbeit machen möchte, dann wähle ich auch die Polizei und gebe mich nicht mit Neusprech zufrieden von Politikern, die aus einer Armee stante pede Hilfs– u. Polizeitruppen machen. Das ist eben erstunken und erlogen. Bei derlei grundlegendem Wissen hilft schon meist gesunder Menschenverstand usw. — falls nicht, dann frage ich mich ob für diejenigen überhaupt ein Dienst an der _Waffe_ in Frage kommen sollte.

  10. phoibos sagt:

    @Tobi-Wan:

    mitgefühl? naja, in etwa soviel wie für die leute, die trotz «frisch gestrichen» erstmal antatschen müssen. oder das kind, dass nach mehrfacher eindringlicher mahnung die heisse herdplatte anfassen musste. mitgefühl für selbstgewählte dummheit? ne.
    und hallo, wurde schon jemals eine (wahrscheinlich sogar von den eigenen alliierten) in schutt und asche gelegte schule mit kriegsgerät aufgebaut? vor der uno steht eine skulptur, «schwerter zu pflügen schmieden». so macht man frieden. nicht, indem man tyrannen stützt zwecks «sicherer» nachschubbasen, indem man unsummen ausgibt, schwerter in das gebeutelte land zu schaffen. das einzige, was wir alliierte bisher geschafft haben, ist die festigung des warlord-systems, das wiedererstarken der taliban, ein korruptes regime zu installieren und das land in die hölle der (opium und haschisch betreffend weltgrößten) drogenproduktion zu treiben. toller aufbau. mit einem g3 in der hand. *kotz*

  11. olhe sagt:

    Liebe Leute, Chris ist nicht @home und ich habe den Freudschen Fehler «sterilisieren» längst korrigiert. Anscheinend meinen aber einige dennoch dies weiterhin wiederholen zu müssen, weil der «Kommentar» nicht erschien.

  12. Joe sagt:

    Vielen Dank lieber Chris für die offenen Worte. Du sprichst mir damit aus der Seele!

    Die Frage, warum die Presse entsprechende Artikel bringt, lässt sich meiner Meinung nach ganz gut mit «Bad news is good news» auf den Punkt bringen. Als gewinnorientiert arbeitende Unternehmen kann man ihnen dieses Verhalten auch nicht verübeln. Genauso wie man dies Betreibern von Krankenhäusern, Energieversorgern, in Zukunft vielleicht auch Wasserversorgern (oder was auch sonst noch an staatlichen Leistungen kapitalisiert werden kann) absprechen kann. 😉

    Just my 2 cents,
    der Joe

    PS: Ich bin der Meinung, neben dem Hinweis auf den sehr witzigen «freudschen» auch etwas inhaltliches geliefert zu haben. Vielleicht wird ja wenigstens der Rest veröffentlicht…

    PPS: Lazarus Text Recovery kann ich nur empfehlen

  13. Chris sagt:

    Ja, der Freud… 😀

    Danke @olhe… :)

  14. Besorgt sagt:

    Der Satz im Blog «Es ist schon erstaunlich, dass drei tote Soldaten heute diesen medialen Effekt auslösen konnten» ist besorgniserregend, wenn man sich vorstellt, dass im Gegenzug ein toter Torwart ein Stadion zu füllen vermag. Das gesellschaftliche Desinteresse ist unabhängig der Gesamtdiskussion zum Thema AFG eminent.

  15. Grainger sagt:

    Noch sind in Afghanistan nur deutsche Soldaten im Einsatz, die sich freiwillig gemeldet haben.

    Ich war selbst ein paar Jahre lang Soldat und ich hätte mich für so einen Einsatz sicherlich nicht freiwillig gemeldet. Das hat verschiedene Gründe:

    • auch wenn es politisch opportun sein mag, dass die Freiheit der Deutschen nun scheinbar auch am Hindukusch verteidigt wird, war ich immer der Meinung, dass die Bundeswehr sich an keinen Auslandseinsätzen beteiligen sollte. Imho war das nach zwei Weltkriegen auch die Intention der Gründer unseres Grundgesetzes.

    Unsere Bundesregierung weigert sich u.a. auch deswegen so standhaft, den Zustand in Afghanistan als Krieg zu bezeichnen. Mit Mühe und Not hat man den Einsatz als Friedens(sicherungs)mission mit humanitären Aspekten durch den Bundestag und die Bundesverfassungsgerichte bekommen, für einen echten Kriegseinsatz hat man imho gar keine Legitimation und müsste, sobald man das offiziell zum Krieg erklärt, ohnehin alle Truppen umgehend abziehen.

    • selbst wenn man unterstellt, dass Deutschland als Mitglied der NATO im Bündnisfall auch zu militärischen Auslandseinsätzen verpflichtet wäre, ist die NATO doch nach eigener Auffassung ein reines Verteidigungsbündnis. Da Afghanistan keinen unserer NATO-Partner angegriffen hat, kann der Bündnisfall wohl kaum eingetreten sein.

    • als Soldat sollte man eigentlich eine der wichtigsten Regeln des Soldatenlebens kennen:

    Melde Dich niemals freiwillig!

    Und ich meine das keineswegs scherzhaft, als ich meinen Dienst bei der Bundeswehr antrat war das eine Lebensweisheit, die mir die Weltkriegsteilnehmer in meiner Familie (Vater, Onkel, usw.) mit auf den Weg gaben.

    Ich persönlich bin für einen sofortigen und schnellstmöglichen Abzug unserer Truppen aus Afghanistan. Der weitaus größte Teil der Bürger unserer Demokratie sind gegen diesen Einsatz (ein Volksentscheid zu diesem Thema würde sicherlich ein eindeutiges Ergebnis liefern).

    Vielleicht erkennt eine unserer Parteien, dass sicherlich allein schon dieser Punkt massiv Stimmen liefern würde. Warten wir mal die nächste Bundestagswahl ab.

  16. > «Wollen unsere Medien für die Schlagzeilen in den Krieg ziehen?»

    Die Medien wollen, dass wir für ihre Schlagzeilen möglichst medienwirksam bluten. Egal ob bei ‘Schlag den Raab’ (sic!) oder bei ‘unseren’ Soldaten. Bei diesem hinkenden Vergleich dieser zwei ‘Veranstaltungen muss man schon fast lobend erwähnen, dass Pro7 die Kameras nach dem Raabsturz auf Abstand gehalten hat. Das ist eher untypisch und Konfliktberichterstatter werden eher für Nähe ausgezeichnet (Ein Klassiker: http://www.jamesnachtwey.…..com/).

  17. phoibos sagt:

    ich denke, eine der ursachen, warum nicht vom krieg gesprochen werden darf, ist, dass merkel auf keinen fall für das desaster in afghanistan verantwortlich sein will (kanzler wird im krieg zum oberbefehlshaber). zudem kann man auf dem posten so schön die konkurrenz verschleißen…

  18. olhe sagt:

    @phoibos: So kann es heißen, dass der Oberbefehlshaber der Armee zum Schiedsrichter über das Schicksal des Volkes wird. — Sun Tzu

  19. «Es scheint so, als würde ganz Deutschland um drei tote Soldaten trauern.»

    Mir ist dieses Pathos in den Medien ein Rätsel. Denn das ist es ja in der Hauptsache, wenn solche allgemeinen Schlagzeilen kommen, wie «Deutschland trauert…» oder «Polen verneigt sich vor Lech Kaczynski.» (http://www.sueddeutsche.d.….80/text/)

    Diese Kollektivzuschreibungen sind vor allem eines: unwahr und unpräzise. Sie sagen letztlich nichts aus. Das ist kein Journalismus, denn hier fehlen die recherchierten Fakten. Hier werden Fakten lediglich behauptet. Mich erstaunt das, schließlich ist es nicht die Aufgabe der Medien, große Worte zu machen bei solchen Todesfällen. Auch bei solchen Vorfällen ließe sich nüchtern berichten, was passiert, wer was tut, wem was nützt usw. Aber das Umschwenken in das Pathos ist der Verzicht auf Berichterstattung (wahrscheinlich, weil das Pathos schnell geschrieben ist und keines Rechercheaufwandes bedarf).

  20. @ phoibos

    «ich denke, eine der ursachen, warum nicht vom krieg gesprochen werden darf, ist, dass merkel auf keinen fall für das desaster in afghanistan verantwortlich sein will (kanzler wird im krieg zum oberbefehlshaber).»

    Wahrscheinlich geht es noch um mehr. Würde die Bundesregierung endlich «Krieg» sagen, wäre die Maske auch international vom Gesicht. Die USA könnten nun stärker auf mehr Truppen drängen. Schließlich könnten sich die Deutschen auch gegenüber ihren Verbündeten nicht mehr mit der «Hilfsmission» herausreden aus ihrer Verantwortung. Man kann die selbe Sache ja nicht zu Hause «Krieg» nennen und international nur «Hilfsmission». Wer aber einen «Krieg» führt, muss ihn auch irgendwie gewinnen wollen — oder aufgeben. Also müsste man sich, wenn man nicht abzieht, auch mit mehr Soldaten in Afghanistan engagieren. Das fände aber keine Zustimmung im Bundestag. «Krieg» ließe sich zudem heftig skandalisieren, denn die Vorstellung der Kriegsbeteiligung von Deutschen ist ja immer noch hochbelastet (zu Recht). Man müsste also mit starken politischen Auseinandersetzungen rechnen, bei denen die Opposition mit scharfen, markigen Worten die Regierung angreifen könnte. So ohne Brunnenbauer wäre es für die Regierung dann auch schwer, der Bevölkerung den Sinn dieses Einsatzes zu verkaufen.

RSS-Feed abonnieren