Deutsche Söldner in Somalia – einmal mehr der Untergang des deutschen Journalismus

geburt_getrennt

Es war der Aufreger der letzten Woche: Laut einem Bericht des NDR und der Tagesschau sollten deutsche Söldner in Somalia in den dortigen Bürgerkrieg eingreifen. Die Tagesschau schrieb: Mehr als 100 ehemalige Bundeswehrsoldaten sollen nach Informationen von NDR Info und tagesschau.de schon bald in den Bürgerkrieg in Somalia eingreifen. Eine deutsche Firma hat einen entsprechenden Vertrag mit einem somalischen Politiker geschlossen. Experten warnen vor einem «Blutbad». Dass die Geschichte fragwürdig war, konnte man schon auf der Homepage der Asgaard German Security Group sehen. Fefe schrieb als Einziger damals: Deutsche Söldner helfen in Somalia beim Regierungssturz. So berichtet die Tagesschau und nennt die Söldnerfirma «Asgaard German Security Group». Also ich bin da ja vorsichtig. Die Homepage von denen ist eher wenig überzeugend, wie ich finde, der Server steht bei 1&1. Und dann die Somalia-Presseerklärung, aber sonst wollen sie keine Referenzen listen. Das sieht für mich alles nach einer Aktion der Yes Men aus. Deren HQ liegt in einem, wie es auf Google maps aussieht, Wohngebiet in Telgte. Ich vermute ja, die Tagesschau ist da einem Hoax aufgesessen. Das hinderte unsere Qualitätspresse natürlich nicht daran, die Meldung ungeprüft zu übernehmen.

Von gekauften und privaten Kriegern ist die Rede, da es sich bei Söldnern um ehemalige Bundeswehrsoldaten handelt, war die Bundeswehr einmal mehr diskreditiert, Oppositionspolitiker wurden vor die Mikrofone geholt, damit es neue Schlagzeilen gab. Blackwater mitten in Deutschland. Die Politik und die Medien waren in heller Aufregung. Es waren zwar nicht die Yes Men, wie Fefe vermutete — die junge Welt stellt nun aber klar: Unter Überschriften wie »Deutsche Söldner im Anmarsch« hatten Journalisten von NDR und ARD-Tagesschau während der nachrichtenarmen Pfingsttage für Aufregung gesorgt. […] Inzwischen hat sich das angeblich geplante Kommandounternehmen als Phantasieprodukt zweier PR-lüsterner Aufschneider entpuppt. […] Statt »wochenlanger Recherchen«, wie es jetzt beim NDR heißt, hatten die Kollegen lediglich eine Pressemitteilung aufgegriffen, die Asgaard und Darman schon im Dezember 2009 auf ihren Websites plaziert hatten, und sich von beiden Seiten deren Richtigkeit bestätigen lassen. Einmal mehr beweist sich, dass deutscher Journalismus nur noch weitestgehend daraus besteht, PR-Meldungen abzuschreiben oder bei den Kollegen abzukupfern. Technorati und Icerocket im Übrigen lieferten kein Suchergebnis zu der Meldung…

*** Breaking News *** Deutsche Soldaten in Somalia *** Breaking News ***

, , , , , , , ,

Eine Antwort zu “Deutsche Söldner in Somalia – einmal mehr der Untergang des deutschen Journalismus”

  1. Erika sagt:

    Herr Trautman trägt wenigstens sein Barett richtig. Auch trägt das Barett der Jäger, obwohl er nie bei den Jägern war.

RSS-Feed abonnieren