Deutsche Gastfreundschaft

Barack ObamaDer amerikanische Präsidentschaftskandidat, der Mann, der wahrscheinlich der nächste Präsident sein wird, der mächtigste Mann der Welt, die Hoffnung vieler Menschen, auf eine andere, vielleicht eine bessere Zukunft, wird nächste Woche unser Land besuchen. Sicher — er ist auf Wahlkampftour. Doch das ist erstmal zweitrangig. Die Menschen sind fasziniert von diesem Menschen, möchten ihn sehen und ihn hören, möchten ihn ein stückweit kennenlernen. Der Antiamerikanismus, der sich in den letzten Jahren extrem entwickelt hat, schlägt bei Barack Obama in das Gegenteil um — zumindest wenn man mit den Menschen im Real Life spricht, Menschen wie Du und ich. Doch da gibt es ja noch eine andere Gattung Mensch — die Politiker. Unsere Bundeskanzlerin hat erst seine Rede am Brandenburger Tor verhindert — Bilder, die um die Welt gegangen wären. Bilder, die unserem Land sicherlich sehr gut getan hätten. Sie tat das, und das behaupte ich, aus taktischem Kalkül — sie verhindert so eine große symbolträchtige Rede, so bleibt nur die Rede eines Präsidentschaftskandidaten übrig. Frau Merkel bestimmt so selbst die Schlagzeilen, wenn sie hinterher zum Kaffee ins Kanzleramt lädt. Das ist die alles bestimmende deutsche Politik im Jahre 2008. Sitzt die Frisur richtig? Was schreiben die Medien? Alles gut?

Dass Barack Obama und sein Stab sich angenehm und sympathisch zurückhalten, es findet sich ein anderer Ort, zeigt meiner Meinung nach, dass die Menschen zurecht große Hoffnung in ihn legen. Nach diesem lächerlichen Hin und Her hätte er es gar nicht mehr nötig gehabt, sich in Deutschland groß vorzustellen. Zuhause in den USA interessiert eine Rede in Deutschland weniger bis gar nicht, sein Besuch in Afghanistan aktuell, sein Haltung zum Irak wird in den nächsten Monaten von entscheidender Bedeutung sein. Seine Zurückhaltung zeigt seine gesamte Größe — das krasse Gegensatz dazu, sind die deutschen Politiker, die sich über ihn zu profilieren versuchen. Angefangen bei der Bundeskanzlerin, nun angekommen bei ein paar Politikern aus der zweiten Reihe, wie FDP-Mann Brüderle. Man kann über diese Leute nur herzhaft lachen. Was für lächerliche Kleingeister.

Nun ist die Siegessäule also auch nicht recht — natürlich aus geschichtlichen Erwägungen. Wenn das alles so schlimm ist, so frage ich mich doch, warum die Siegessäule dann immer noch in Berlin steht. Hätte man sie nicht schon längst abreißen müssen? Provokante Frage, die aber das ganze Ausmaß deutscher Gastfreundschaft zeigt. Da kommt ein Mann wie Barack Obama zu Besuch — und deutsche Politiker haben nichts anderes zu tun, als sich über Kritik an ihm, an seine geplante Rede zu profilieren. Wenn man schon über Antiamerikanismus auf dieser Welt spricht, dann sollte man vielleicht mal in andere Länder fahren und dort nach uns Deutschen fragen. Die Antworten werden uns nicht schmeicheln. Und nach dieser Provinzposse rund um Barack Obama kann man nur sagen: zu Recht. Auf der einen Seite kleine Provinzpolitiker wie Merkel und Brüderle, die sich für nichts mehr zu schade sind — auf der anderen Seite ein Präsidentschaftskandidat, der schon heute ein großer Staatsmann zu sein scheint.

An diesem Beispiel zeigt sich deutsche Gastfreundschaft pur. Warum können die Leute sich nicht einfach freuen? Lasst uns einfach zuschauen, ihm zuhören, denn das ist doch das alles Entscheidende. Lasst uns Barack Obama vielleicht ein wenig besser kennenzulernen, ihm zeigen, dass auch wir Deutsche freundliche und offene Menschen sind. Doch selbst das scheint bei unserem politischen Personal leider nicht mehr möglich. Ich persönlich wäre sehr gerne am Donnerstag in Berlin. Die Chance habe ich leider nicht. Man hat in seinem leben nicht häufig die Möglichkeit, Menschen wie Barack Obama live zu erleben — mich ärgert es ungemein, dass ich nicht in Berlin live vor Ort sein kann. Egal — auf der anderen Seite muss ich dann die Merkel nicht sehen. Hat also auch seine Vorteile. Rede über unser Land, denke über dieses Land nach — diese kleine Provinzposse, mit der Kanzlerin an der Spitze beschreibt es ganz gut…

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11 Antworten zu “Deutsche Gastfreundschaft”

  1. Bernd sagt:

    Sorry, aber hat man Dich entführt und Dir heimlich «Obama-Bewunderungs-Drogen» gespritzt? Mei, für mich hört sich das nach alles beinahe nach einem neuen Messias an! Bedenke, bis jetzt ist alles von ihm noch gelaber und Stimmungsmache, nicht mehr und auch nicht weniger. Reden wir über ihn, wenn er ein paar Jahre im Amt ist oder noch besser, ein paar Jahre danach, wenn ein paar mehr Details ans Tageslicht treten. Stimmung alleine bringts eben nicht.
    Ferner brauchts nicht viel, um besser zu sein als Bush, der für diese Welt einfach so lästig ist, wie eine Zecke am Arsch. Und das Tante Angela keinen Schimmer von dieser Welt hat, das wissen wir auch schon lange. Ich erinnere mich noch an einen ihrer Putin-Besuche 😀

  2. Chris sagt:

    Oh, ein Leser der konservativen Obama-Bashing-Medien. 😉

    Genauso sinnvoll wie Deine Einleitung.

    Du wirst lachen. Ich hab sein Buch gelesen. Ich bin in manchen Dingen anderer Ansicht wie er. Er nimmt durchaus die eine oder anderer konservative Ansicht ein — und was das heißt, muss ich niemandem sagen. Die Republikaner in den USA sind ja noch etwas ganz anderes, wie die Union hier in Deutschland.

    Nein, er gibt den Menschen Hoffnung. Zudem hat er durchaus überzeugende Argumente. Mann muss seine Meinung nicht teilen — aber so wie er diese vorträgt, lohnt es sich, darüber nachzudenken, sich damit auseinanderzusetzen. Er hat die Möglichkeit, die tiefen Gräben in den USA zu überwinden.

    Aber auch egal. Dein Kommentar zeigt mal wieder, wo es auch auf deutschen Blogs hakt. Es geht im Artikel um die deutsche Gastfreundschaft, die ihm zu Teil wird. Du machst daraus wieder irgendwelchen Obama-pro-contra-Quatsch…

  3. caschy sagt:

    Wahrscheinlich würde es ihn im eigenen Land sogar noch beliebter machen, wenn er nach der Provinzposse Deutschland gemieden hätte. Und das sogar zurecht.

  4. Sven sagt:

    1) Ich sehe Obama nicht als Präsident. Ich sah auch Bush jr. nicht als Präsident. Das Spiel ist noch lange nicht entschieden. Über 180 Tage sind eine Menge Holz.

    2) Es gibt keinen Amerikanismus. Kein Amerikaner hat auf Grund seiner Staatsbürgerschaft (!) in D etwas zu befürchten. Das Problem heißt Bush-Doktrin bzw. Pax Americana.

    3) Frau Merkel ist nur D und ihrer Partei verpflichtet. Mit dem Empfang im Kanzleramt wertet sie Obama nicht ab und schafft für D so ein nicht negatives Verhältnis zum gefühlten Wahlgewinner. Außerdem darf sie McCain nicht aus den Augen verlieren. Die Wahl ist noch überhaupt nicht entschieden. Mal schauen, wann und wie McCain sich in Berlin blicken läßt. — Für ihre Partei spuckt sie der SPD in die Suppe, wobei imho die Schröderianer das sowieso nicht hätten ausgenutzen können oder wollen.

  5. phoibos sagt:

    moin,

    was ist bloß aus «die welt zu gast bei freunden» geworden? keine sommermärchen für ausländer bei uns?

    @ sven: es gibt sowieso keinen amerikanismus, da sich eine menge bewohner der beidenkontinente extrem verschaukelt fühlen, sobald man sie auf die usa reduziert. es ist vergleichbar damit, dass man alle deutschsprechenden auf das bundesland bayern reduzieren würde (gott, was wär ich da beleidigt!)

  6. Grainger sagt:

    Also die Argumentation gegen die Siegessäule als Ort für Mr. Obamas Rede ist tatsächlich irgendwo zwischen peinlich und lächerlich anzusehen.

    Ich muss da Chris zustimmen: wenn das Ding ein so schlimmes nationalsozialistisches

    Symbol deutscher Überlegenheit und siegreicher Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich

    ist, dann hätte man es wohl besser schon längst abreißen sollen.

    Andererseits darf man nicht vergessen, von wem diese schwerwiegenden Bedenken geäußert wurden:

    Rainer Brüderle (Vize der FDP) und Andreas Schockenhof (Vize der CDU).

    Die beiden wollten ihren Namen halt auch mal wieder in den Medien hören und sehen, da ist man sich auch für den größtmöglichen Blödsinn nicht zu schade.

  7. […] Deutsche Gastfreundschaft […]

  8. Hias sagt:

    Ich hab da ne andere Theorie. Hier geht es nicht um mangelnde Gastfreundschaft sondern um Fernsehbilder und wie unsere Frau Bundeskanzlerin darauf aussehen würde. Stellen wir uns nur mal vor, Barack Obama würde vorm Brandenburger Tor reden, neben ihm stehen Wowereit und Merkel und die Fernsehkameras senden diese Bilder rund um die Welt. Zwei jung wirkende Politiker, einer davon gilt als Hoffnung der freien Welt, der andere ist Bürgermeister von Berlin und daneben eine Politikerin, die für eine Politik steht, die Obama beenden will (Ich sach nur «change»).

    Merkel wirkt doch dann eher wie ein Hillary-Clinton-Verschnitt während Wowereit glänzen könnte. Für ihn wäre das ein Auftritt genau nach seiner Kragenweite.

    Und vielleicht, aber auch nur vielleicht würde dann jemanden Parallelen einfallen zu einem anderen amerikanischen Politiker, der damals im Cabrio durch Berlin fuhr und dessen Besuch ein dramatischer Imageschaden für den damals amtierenden Kanzler war, während ein junger West-Berliner Bürgermeister wie der neue, deutsche Hoffnungstträger wirkte.

  9. Gaston sagt:

    Obama will den Militärhaushalt erhöhen, Deutschland in Afghanistan mehr in die Pflicht nehmen und das Rückzugsgebiet der Taliban im Grenzgebiet zu und innerhalb Pakistans bombardieren.
    Dafür gibt es auch gute Argumente — aber ich dachte nicht, dass diese Politik als «change» angesehen wird 😉

  10. Oliver sagt:

    Das kann man so oder so sehen, selbst der republikanische Governor indischer Abstammung im Süden der USA hat Symbolcharakter. Pflegte man doch in diesem Staat noch bis Mitte der 80er eine starke Tendenz zur Rassentrennung.

  11. Grainger sagt:

    Merkel wirkt doch dann eher wie ein Hillary-Clinton-Verschnitt…

    Ich bin ganz sicher kein Fan von Hillary Clinton (und noch weniger einer von Tante Merkel), aber rein optisch würde Angela Merkel neben Hillary Clinton wie ein Ackergaul neben einem Zirkuspferd wirken. 😀

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