Deutsche Blogger wollen Geld verdienen
adical-Konkurrenz startet

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Das neu gegründete Hamburger Unternehmen zafikal ist der Meinung, Werbung nervt, Werbung stinkt, Werbung tötet, Werbung ist Energieverschwendung. zafikal glaubt, dass Werbung in Blogs völlig obsolet sein kann. Für die Werbenden ebenso wie für die Blogger. F!XMBR hat mit dem großen Vorsitzenden der ZAF, dem zafikal-CEO, über das Geschäftsmodell des Weblog-Werbenetzwerkes und über das Geldverdienen mit Blogs gesprochen.

Während im angloamerikanischen Raum zahlreiche Weblog-Autoren ihr Hobby bereits zum Beruf gemacht haben und mit Werbung, Sponsoring und Spenden Geld verdienen, sieht es im deutschsprachigen Raum eher düster aus. zafikal dazu: Blogs sind mittlerweile derselbe fade, einfallslose, gleichgeschaltete Aufguß wie die etablierten Printmedien, schreibt einer über etwas, machen es bald tausende nach. Nur, daß es hier und da mal etwas blinkt, alles etwas bunter ist und man viel besser das Klickvieh überwachen kann. Blogs sind der Boulevard des durch und durch kommerzialisierten Internets, da muss man einfach mitmachen.

zafikal will aber auch anders sein, wie zum Beispiel die Konkurrenz von adical — im zafikal-Netzwerk gibt es ausschließlich Mitglieder, die sich durch besondere Gewissenlosigkeit und Skrupellosigkeit auszeichnen. Im zafikal-Netzwerk wird fast Alles und fast Jeder beworben — wenn der finanzielle Anreiz stimmt. zafikal hat extra für Käufer und für Käufliche Seiten geschaltet, um das eigene Geschäftsmodell den Bloggern näher zu bringen — Gerüchte, dass zafikal ein müder adical–Abklatsch ist, weisen die Verantwortlichen weit von sich. Für alle Blogger, denen die FAQ’s nicht ausreichen, haben wir mit dem CEO von zafikal ein Interview geführt.

F!XMBR: Warum sollen Unternehmen über zafikal in Weblogs werben?

zafikal: Oh, wir nehmen nicht jeden. Warmduscher wie Reporter ohne Grenzen oder Aktion Mensch brauchen uns gar nicht erst zu kontaktieren. Als gewissenslose Geld– und Blutblogger sind wir besonders an Unternehmen aus der Rüstungsindustrie interessiert. Auch Unternehmen oder Institutionen, die Folterwerkzeuge herstellen, foltern lassen oder gar selbst foltern, sind megainteressant für uns. Gern arbeiten wir auch mit Unternehmen zusammen, die ihre Nutzer ohne rechtlichen Zwang oder anderweitige Verpflichtungen an blutrünstige Regime ausliefern. Auch vor Pelztierfarmern, Schlachthöfen, Abdeckern, Hühner-KZ-Haltern etc. haben wir keinerlei Berührungsängste. Je gewissenloser nur an den Profit gedacht wird, desto besser. Einfach alles an Werbung anbieten. Wir sind so verzweifelt, daß wir selten Nein sagen.

F!XMBR: Warum haben Sie Ihr Werbenetzwerk jetzt gegründet?

zafikal: Die Idee hatten wir schon länger — nur mussten wir erstmal schauen, wieweit Blogger bereit sind zu gehen. Das hat uns adical gezeigt. Es gibt in deutschen Weblogs keine Schamgrenze (mehr). Ferner steht gerade eine Professionalisierung der deutschen Weblogs ins Haus. Mehrere Blogger haben den Grimme Online Award verliehen bekommen. Schon da zeigte sich eine gewissenlose Mauschelei Vetternwirtschaft. Leidenschaft war gestern, Blogger müssen nun Geld verdienen — schliesslich sind Webspace und der immense Traffic belangloser Internetseiten megateuer. Nur die finanzielle Elite unseres Landes kann es sich leisten, ein Weblog zu führen.

F!XMBR: Nach welchen Kritieren wählen Sie die Weblogs für Ihr Werbenetzwerk aus?

zafikal: Wir nehmen nur Blogger, die sich durch ein Mindestmaß an Skrupellosigkeit auszeichnen und meinen, mit minderwertigen Geschreibsel ließe sich im Internet Geld verdienen. Natürlich muss auch ein Netzwerk entstehen, wo das Motto entsteht: Einer für alle. Alle für einen. Das Netzwerk muss zusammenstehen, wenn sich neidische Blogger wie der Don Alphonso oder auch Sie, Chris, aus niederen Beweggründen einer Professionalisierung oder Kommerzialisierung widersetzen.

F!XMBR: Können Blogger die Werbung auch ablehnen?

zafikal: Die Frage stellt sich nicht. Das möchte selbstverständlich kein Mitglied. Hier geht es um Professionalisierung, haben Sie das immer noch nicht verstanden? Für Geld machen wir alles. Moralische oder ethische Bedenken waren gestern, diesen Luxus können wir uns nicht leisten. Skrupel sind etwas für Weicheier, Memmen, Ewig-Gestrige, Besitzstandswahrer, Gutmenschen, Verlierer. Geld regiert die Welt, Bloggen ist kein Spaß, alles unterliegt wirtschaftlichen Kriterien.

F!XMBR: Glauben Sie, dass zafikal erfolgreich sein wird?

zafikal: Wir haben bereits mannigfaltige Erfolge, die wir aber aus Geheimhaltungsgründen leider nicht nennen können. Außerdem kennen wir Leute wie Sie, die suchen in unseren Erfolgen nur das Negative und werfen uns Blutwurstbloggerei und ähnliches vor. Ach, gehen Sie doch weg.

F!XMBR: Wir danken für das Gespräch.

Wir sind sehr gespannt, ob die Pläne von zafikal erfolgreich sein werden. Heftige Kritik aus der Blogosphäre selbst ist zu erwarten — aber man man kauft sich dann halt ein paar Blogger, und die eigene, kleine Welt ist wieder in Ordnung. Wie schon beim großen Vorbild adical.

Cash me if you can.

Ähnlichkeiten mit dieser oder dieser Seite oder zafikal selbst sind nicht zufällig und gewollt.

13 Antworten zu “Deutsche Blogger wollen Geld verdienen
adical-Konkurrenz startet”

  1. C.J. sagt:

    Einfach herrlich. :-)
    Wenn jetzt noch ein skrupelloses Netzwerk von Professionalisierungs– und Werbeverweigerer gegründet wird, werde ich langsam schwach.

  2. Also, ich habe gar nichts gesagt! Oder um es mit Marx (Groucho in diesem Fall) zu sagen: Quote me as saying I was mis-quoted..

    Ach ja, und zafikal immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte. Sie wissen schon CI und so…

  3. Chris sagt:

    Lieber Vorsitzende der Großen ZAF, muss das nicht

    «Sie wissen schon CIA und so…»

    heißen?

    Sie verwirren mich.

  4. Nein, nein, Herr Chris, ich habe mich mal ein wenig in Marketingsprech eingelesen. CI = corporate identity. CIA und so klingt dann zu sehr nach Verschwörungstheorie…die Foltergefängnisse gab’s ja ganz sicher und bestimmt auch niemals; zumindest, wenn Sie Mitglied der rumänischen Regierung sind.

  5. Chris sagt:

    Sehen Sie, ich muss noch sehr viel Businesssprech lernen. 😀 Wo ich gerade Foltergefängnisse lese — Werbung für Guantanamo dürfte doch drin sein, oder? Beispiel:

    Alles gar nicht so schlimm — Blogger für Abenteuer-Urlaub in Guantanamo. Buchen Sie jetzt und kündigen Sie einen Anschlag bei den US-Behörden an. :)

  6. […] Deutsche Blogger wollen Geld verdienenadical-Konkurrenz startet auf F!XMBR (tags: satire netzpolitik werbung glaubwürdigkeit geldgeil) […]

  7. Das ist eine sehr gute Idee, Herr Chris. Man könnte auch ein paar Blogger dorthin fahren lassen, die schreiben dann ein paar Erlebnisberichte nach dem Motto «So schlimm ist das da gar nicht.» oder den einen oder anderen White-Wash-Artikel, wie toll und human CIA, FBI und ETC doch seien und das man da mitmachen muß, um schlimmeres zu verhindern, es geht ja auch um unsere Freiheit usw.

  8. Chris sagt:

    Genau — man kann ja auch ein Interview mit dem Leiter der dortigen Freizeiteinrichtung machen. Und falls der Aufschrei von den depperten Blogs zu laut wird, schicken wir ein paar Blogs vor, die dann meinen, es war ein Fehler, die Werbung zu schalten und alle sind wieder zufrieden. Man könnte natürlich auch argumentieren, dass man durch das Schalten von Guantanamo-Werbung erst die Diskussion üm den Freizeitpark auf die Blogs bringt. Auch das werden viele der Lemminge fressen. :)

  9. lahnix sagt:

    Man könnte aber auch einfach die betreffenden Blogs ignorieren und gut ist. Oder sehe ich das zu naiv und einfach?

    So gerne ich bis vor ein paar Monaten betreffende Personen/Blogs gelesen habe, die VCasts angeschaut habe, etc. pp., so sehr widert mich dieses scheinheilige, mittlerweile neoliberale, Geklüngel an.

    Ich bin der Meinung, es ist eine gute Idee Toni Mahoni beim Wort zu nehmen und ihn zu zitieren: «Ignoranz ist die beste Strafe…»

    Ich finde es wirklich jammerschade, aber was solls.

    Eventuell besinnt sich doch irgendwann noch der ein oder andere Bürger mit halbwegs Rückrad auf das, was er eigentlich erreichen wollte. (Wenn es denn nicht immer schon das war, was jetzt gerade passiert. 2,80? oder sogar noch 15 Cent mehr mit dem eigenen Blog zu verdienen und dabei die Beine so breit wie möglich aufzureißen und sich von Hinz und Kunz penetrieren zu lassen.)

    Schade eigentlich, aber das Leben geht auch ohne diese Blogs und ihre 180er Wendung weiter.

    Jockel Fischer war auch einmal einer von den Guten, aber das interessiert heute niemand mehr.

  10. michfrm sagt:

    You made my day 😀

  11. […] Interview mit dem Macher gibt es bei F!XMBR. Thomas Gigold | Blogwelt |   Lesezeichen hinzufügen bei… […]

  12. Der Tom sagt:

    ja, wie liest man hier so schön:

    «Machte meinen Tag» 😀

  13. […] was zusammen gehört. Das neoliberale Kampfblatt und die die Herren und Damen von adical — wie sagte lahnix dazu: So gerne ich bis vor ein paar Monaten betreffende Personen/Blogs gelesen habe, die VCasts […]

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