DesktopBSD: Fragen und Antworten

Da ich doch desöfteren danach gefragt werde, fasse ich hier einmal grob die wichtigsten Dinge zusammen. Viel Dinge werden da fortwährend durcheinander gewürfelt, da in aller Regel in den Medien nur die Rede von Linux ist und Linux folgt nun einmal anderen Richtlinien, jetzt völlig wertfrei betrachtet. Darüber hinaus hat eine verlautbarte Nomenklatur, wie z.B. Beta, RC usw., nur ihren Stellenwert im korrekten Kontext. Natürlich schließen diese Fragen zum Teil auch FreeBSD ein, da es ja eben das basierende System ist :-) Dies soll kein los wechsel–Text darstellen, sondern eine Animation mal darüber nachzudenken. U.U. ist diese freie und sichere Welt doch nicht für jeden das Gelbe vom Ei …

F: Ist FreeBSD auch nur eine weitere Linux-Distro?
A: Nein, alle BSDs sind freie UNIX-Derivate, die auf eine knapp 30-jährige Geschichte zurückblicken.

F: Also ist DesktopBSD ein Fork von FreeBSD?
A: Nein, jedes BSD wird in einem Stück ausgeliefert, Kernel plus Userland. DesktopBSD ist nur eine für den Desktop vorkonfigurierte, 100% kompatible Version dieses Betriebssystems.

F: Es gibt kaum Treiber für dieses System.
A: Das kann man so pauschal nicht sagen, eher würde auch die Antwort gereichen: so wenige sind es überhaupt nicht und man setzt bei FreeBSD eher auf Qualität anstatt Quantität. BSD folgt einem völlig anderen Entwicklungsmodell, einer anderen Philosophie. In der Praxis wird natürlich die Hardware entscheiden, wo etwas läuft. Aber so eng wie immer behauptet ist es ganz und gar nicht und en detail oft genug gar einzigartig.

F: 64Bit und moderne Dinge wie Beryl, Compiz laufen unter DesktopBSD (FreeBSD) nicht.
A: Das hört man desöfteren, aber es entspricht nicht der Wahrheit. Ähnlich wie unter jedem anderen System werden bei Beryl, Compiz nur Grenzen durch die vorhandene Grafikhardware gesetzt. 64 Bit ist natürlich ohne Probleme möglich, DesktopBSD bietet gar eine AMD64 Version. Das einzige Problem stellt das nicht-Vorhandensein eines 64Bit Treibers für nVidia Grafikkarten da.

F: Apropos Grafikkarten, kein Hersteller unterstützt FreeBSD.
A: Auch das ist so nicht korrekt, ATI unterstützt ob seiner Größe natürlich kein FreeBSD und ist auch nicht für einer berauschende Qualität unter Linux bekannt. Nvidia z.B. unterstützt seit langer Zeit die 32Bit Version von FreeBSD und somit natürlich auch DesktopBSD. Die Grafik ist auch nicht langsamer, ein Quake4 beispielsweise rennt ebenso wie in Linux oder Windows.

F: Für Linux existieren viele Programme, die nicht als Opensource existieren und welche man somit nicht unter DesktopBSD (FreeBSD) nutzen kann.
A: Natürlich kann man diese in der Regel nutzen, FreeBSD benutzt einen Linux-Layer um die Ausführung binärer Linuxprogramme zu ermöglichen. Es ist keine Emulation, d.h. bei Quake 4, wie zuvor erwähnt, werden einzig nur die Aufrufe an diverse Linux-Libraries auf die entsprechenden Pendants in FreeBSD umgeleitet. Ein Geschwindigkeitsverlust tritt nicht auf, gelegentlich ist gar ein Zuwachs zu beobachten.

F: Flash, Java?
A: Flash funktioniert über den erwähnten Linux Layer bis einschließlich Version 7. Darüber hinaus kann man mit swfdec oder Gnash zumindest Youtube Videos bestaunen. Jegliche Flash-Videos kann man in der Regel aber auch bequem herunterladen und in Mplayer oder VLC betrachten. Java ist ohne Probleme möglich.

F: FreeBSD und auch DesktopBSD laufen kaum auf Laptops
A: Das kann man schlecht sagen. Ein Tipp meinerseits, möchte man da die beste Kompatibilität muß man zu Windows greifen. Ein schlecht programmiertes Bios oder Hardware ohne Dokumentation machen da freien Betriebssystemen aber oft genug einen Strich durch die Rechnung. Abgesehen davon aber schreibe ich dies im Moment auf einem modernen Centrino Laptop. Weitere Infos findet man u.U. hier.

F: Warum stable und nicht Release?
A: DesktopBSD 1.6 nutzt FreeBSD 6.2 stable als Basis. Stable ist an sich auch eine Developer-Version, aber hier kommt die Nomenklatur im richtigen Kontext zum Einsatz. Current ist bei FreeBSD quasi das heiße Eisen, bei dem die neuen Dinge einfließen, einiges experimentiert wird (bis zu einem gewissen Grad) und bei dem auch mal das System versagen kann. Dinge die in Current einwandfrei funktionieren und die Kompatiblität nicht brechen werden nach Stable MFCed (merged from current), sprich rückportiert. In der Praxis bedeutet das aktuellere Treiber oder gar neue Treiber wie z.B. diese HDA-Treiber. Wenn dies alles den Qualitätsansprüchen der FreeBSD Developer entspricht (und diese sind immens hoch), dann erst wird stable irgendwann zum Release. Das ist aber kein Grund zur Sorge, bei DesktopBSD werden nur ausgiebig getestete Dinge eingesetzt — der Anwender ist nicht für Experimente da.

F: Sollte ich wechseln?
A: Kommt darauf an, wovon? Von Windows, klar keine Frage — wenn man sich zuvor Gedanken gemacht hat. Hype zu lauschen wäre eventuell der Anfang vom Ende. Von Linux, mmh, wenn man etwas anderes erfahren möchte. Aber ansonsten, never change a running system. Wenns passabel läuft, sollte man es auch dabei belassen.

Das sollten so die allgemeinen Fragen gewesen sein diesbezüglich, bei DesktopBSD selbst ging ich schon weiter oben auf dieses Detail mit dem RC ein. Man kann es getrost nutzen, sofern die Hardware eben mitspielt, das Medium bietet sowohl ein Live-Medium, als auch eine Installationsoption.

Ein wichtiges Detail am Rande ist noch der Sound, bei dieser Version sind natürlich auch HDA Treiber dabei (oftmals onboard Sound bei Laptops) und z.B. ein Envy24(HD) Treiber. Aktualisierte Treiber (Oktober 2007!) diesbezüglich, sowohl auch jenen der die Audigy2-4 unterstützt findet man hier. Die Installation ist simpel und beschränkt sich quasi auf ein simples entpacken im korrekten Verzeichnis, wie hier beschrieben. Auch sollten mit diesem Treiber einige HDA Chips mehr unterstützt werden.

Auch wird immer wieder die Frage zu dem Software-Manager gestellt. Der Software-Manager von DesktopBSD ist das FreeBSD Ports-System und wieviele Ports das en detail sind, kann man hier bestaunen. Diese müssen normalerweise kompiliert werden, was sehr zeitraubend ist. Deshalb hat man bei DesktopBSD einen Buildserver ins Leben gerufen, welcher fortwährend aktualisierte Pakete baut, diese sollte man dann auch präferiert nutzen. Übrigens ist der DesktopBSD Software-Manager kein Programm das am System vorbei werkelt, sondern es setzt auf den Ports auf. D.h. ob man in der Konsole Ports/Pakete installiert oder dies mittels des Software-Managers tut ist völlig egal. Letzterer ist natürlich, da ein Desktop-System, für die bequeme Nutzung gedacht — ein Vorteil, keinerlei Nachteil.

Wann sollte man nun DesktopBSD bzw. überhaupt ein freies System nutzen? Nun der häufige Grund, weil Windows einfach mal blöd ist oder böse usw. ist kein tatsächlicher Grund und kann u.U. auch später bei der Nutzung dieser freien Systeme zu neuerlichem Ungemach führen. Man muß es ehrlichweise sagen, oft genug sitzt das Problem an der Tastatur.

Zuvor sollte man sich eingehend über die jeweiligen Systeme informieren, welche Hardware unterstützt wird usw. ob Pendants zu Programmen die man benötigt vorhanden sind, etc. Es bringt absolut nichts später zu jammern, aber Windows hat dies und jenes und unterstützt dieses Gerät, das ist in freien Betriebssystemen ohne Bedeutung. Dort verkauft man kein Konkurrenzprodukt, sondern eine kostenlose und freie Alternative. Vermißt man partout irgendwelche Dinge, wird es wohl besser sein (vorerst) bei Windows zu bleiben. Desweiteren ist Sicherheit auch kein Grund zu wechseln, jedenfalls kaum wenn man hüben wie drüben nicht weiß was man überhaupt macht. Zwar bieten die unixoiden Betriebssysteme eine bessere Basis, tatsächliche Sicherheit erfolgt jedoch mittels Wissen, Automatismus kann nur einen geringen Teil abdecken. Die kommerzielle Welt baut auf diesen haltlosen Versprechungen ihr Geschäft mit dem Kunden auf, die freie Welt hat dies (in der Regel) nicht notwendig. Leider Gottes tritt dort auch desöfteren mehr und mehr der Umstand zu Tage, das man Wissen mit Glauben ersetzen möchte. Man wirbt auf Teufel komm raus, als würde es darum gehen etwas zu verkaufen — Entäuschungen sind quasi vorprogrammiert und der Zweck heiligt auch hier nicht die Mittel. Wer versucht die User über den Tisch zu ziehen, wie in der Kommerzwelt usus, ist letztendlich auch nicht besser als diese bösen Großkonzerne. Schönfärben bis zu einem gewissen Punkt ist damit nicht gemeint, zumindest sollte klar und deutlich nachlesbar sein, wo noch die einzelnen Scharten auszuwetzen sind.

Kurzum, auch bei DesktopBSD gibt es einiges zu lernen und man darf auch nicht mit der Angst vor der Konsole beseelt sein. Zwar wird man auf diese nur äußerst selten antreffen, wenn man es denn so bevorzugt, aber es ist eben ein sehr mächtiges Werkzeug welches als letzte Instanz immer ein probates Mittel darstellt. Darüber hinaus entstammt diese Urangst vor dieser Konsole oft genug der Mär aus alten DOS-Zeiten oder Erfahrungen mit der heutigen Windows-Konsole. Man muß dazu eines sagen, es ist kein Vergleich. Die UNIX-Shell war und ist seit jeher hoffnungslos überlegen und bietet gar einen gewissen Komfort. Aber wie gesagt, äußerst selten muß man darauf zurückgreifen und jemand der hilft findet sich wohl immer 😉

Fazit: den Hype sollte man beiseite lassen. Selbstredend existieren Vorzüge und natürlich gibt es auch einige Ecken am System, aber alles in allem nichts, was man nicht bewältigen könnte. FreeBSD und somit auch DesktopBSD versuchen vor allem Qualität zu bieten und nicht Quantität. So wird der eine oder ander halbgare Treiber fehlen und auch Beryl wird z.B. nicht als Option in DesktopBSD mitgeliefert. Der Nutzen hält sich in Grenzen imho, die Qualität der Software ist noch jenseits von Beta angesiedelt, dennoch wäre es ein leichtes Beryl mittels den Ports zu installieren. Irgendwelche Klimmzüge sind dazu nicht notwendig und gelegentlich werde ich dazu auch mal eine kurze Anleitung posten. Das Gros sieht sich ohnehin satt daran und läßt 3D danach wieder 3D bleiben, aber diese Erfahrung kann ruhig jeder selbst machen 😉

Bleibt sonst noch etwas? Lernwillig muß man sein, dann wird man auch mit einem hervorragenden System entlohnt. Aber die Gedanken zuvor, vor dem Wechsel, sollte man sich dennoch machen und nicht dem Hype lauschen. Frei und sicher ist schön, wenn Freiheit aber das Leben als Einsiedler bedeutet ob fehlender Kompatibilität oder nicht vorhandener Software, dann ist das auch nicht der Sinn der Sache. Und sicher, sicher ist erst einmal gar nichts, wenn man nichts weiß 😉

Viel Spaß :-)

5 Antworten zu “DesktopBSD: Fragen und Antworten”

  1. phoibos sagt:

    wie sieht es aus mit der unterstützung von opentype und truetype?

  2. Oliver sagt:

    Kein Problem, nutze ich selbst. Das hat auch an sich nichts mit BSD zu tun.

  3. phoibos sagt:

    hatte da mal was von problemen von openoffice und postscript-opentypes unter linux gelesen — dachte ich zumindest…

  4. Annika sagt:

    Hi,

    von Desktop BSD wusste ich noch gar nichts, bis ich bei dir davon gelesen habe. War bisher immer zu feige, mich an Unix heranzutrauen, aber angesichts dieser Argumente, und einer doch für den Desktop-Betrieb ausgelegten Version, gingen mir dann die Ausreden aus 😀
    Hab mir das also heute mal installiert, naja, der Bootloader (für mein Zocker-XP) wollte nicht so richtig, den installiere ich gerade nach. Ansonsten ist mein erster Eindruck sehr positiv… exzellente Hardware-Unterstützung (naja is nichts ultra-exotisches hier, aber hat man auch schon anders erlebt bei diversen mimosigen Pinguinen…) und die Bedienung erscheint mir auch recht intuitiv.
    Mal schauen, was noch daraus wird. In jedem Fall danke für diesen Tipp!

  5. Ivo sagt:

    Ein Tool, das die Konfiguration von FBSD wirklich erleichtert ist «The Fish», ein Frontend (Gtk, Qt od. ncurses, je nach Geschmack) für rc.conf, besonders gefällt mir der Console-Mode per ncurses.
    Viele finden, Programme auf ncurses-Basis seien irgendwie altertümlich und nicht mehr zeitgemäß, ich bin da gegenteiliger Ansicht, sie sind simpel und effizient. Aber das nur nebenbei.
    Leider ist «The Fish» das einzige wirklich sinnvolle Config-Frontend, das mir im Moment einfällt. Auf dieser Basis könnte man bestimmt eine schöne kleine Programmsuite für /etc bzw /etc/local entwerfen.
    Besonders was die Administration einer Firewall angeht, wäre ein leicht handhabbares und verständliches Frontend wirklich wünschenswert.

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