Dass es Werbetreibende hier auf F!XMBR nicht leicht haben, hat sich mittlerweile vielleicht rumgesprochen . Nichtsdestotrotz sind wir auch nicht so blauäugig zu glauben, dass irgendwann mal alle Werber in die Hölle fahren und das Internet wieder das wird, was es mal war – ein Austausch von Wissen und Informationen, das sogenannte Wissensnetz. Unter gewissen Umständen – man höre und staune – können wir sogar mit Werbung leben. Wenn zum Beispiel Open Source gefördert wird, haben wir überhaupt kein Problem mit einem Werbebanner, mal nur als Beispiel genannt. Und es mag den einen oder anderen schockieren – auch Oliver und ich denken manchmal darüber nach, wie man eine professionelle Webseite betreiben könnte, so dass man vom Hobby leben kann. Warum ich das alles schreibe? Nun, ich brauchte mal wieder eine Einleitung. Nachdem ich gerade das neue – vor langer Zeit angekündigte – WAZ-Portal DerWesten besucht habe, fiel mir die Kinnlade runter. Ich dachte eigentlich, schlimmer als das werbeverseuchte bild.t-online.de-Portal geht es nicht – weit gefehlt. Was die WAZ den Besuchern präsentiert, ist einfach nur eine Web 2.0-Werbeseuche, Besucher des Portals sind keine (gern gesehenen) Gäste – es sind Kunden. Ohne Werbeblocker präsentiert sich DerWesten seinen Kunden wie folgt:
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(Klick aufs Bild für Großansicht)
Ja, Ihr seht richtig, mit einer Auflösung von 1280×1024 Pixeln, eine kleine Symbolleiste im Opera und einer knapp bemessenen Bookmarkleiste sieht man nach dem Aufruf der Seite nicht einen kompletten Satz vom Inhalt. Es hat dann schon eher etwas belustigendes, wenn unten ein paar Bruchstücke das Wort Linksruck zeigen – zur inhaltlichen Qualität möchte man sich dann gar nicht erst äussern. Gerade im Pott sollte man doch näher an den Menschen sein und ihre Sorgen kennen – naja, vielleicht liegt es ja auch an der Tatsache, dass die Tochter vom ehemaligen Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Helmut Kohl als Verantwortliche geführt wird, es kann natürlich aber auch sein, dass es am Geschäftsführer Bodo Hombach liegt, der unter Gerhard Schröder Chef des Bundeskanzleramts war. Das Impressum im Übrigen wird auch als Werbeform missbraucht – der Kunde bekommt ein paar Credits zu sehen. Wenn man das Popup dann endlich schließt, bekommt der Kunde endlich Inhalt zu sehen:
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(Klick aufs Bild für Großansicht)
Ich mag mich wiederholen – aber auch hier seht Ihr richtig: Ganze zwei Teaser werden angezeigt, der Rest ist mit 3 Werbebannern, einem eMail-Sammler Gewinnspiel und der Navigation belegt. Vielleicht bin ich auch zu altmodisch, aber ich empfinde es eine Unverschämtheit gegenüber den Gästen und den Lesern. Der Leser, der ja auch an die Webseite gebunden werden soll, wird hier zum Kunden, zum Klickvieh degradiert. Hier ist keinerlei Augenmaß zu erkennen, wie auf vergleichbaren Portalen, die auch auf Werbung angewiesen sind. Es ist kein Wunder, dass das sogenannte Mitmach-Web, das Web 2.0 in der breiten Öfffentlichkeit, die sich nicht täglich auf den deutschen Blogs rumtreibt, ein so negatives Image hat, ja sogar belächelt wird. Unternehmen wie die WAZ, die bereits untergegangenen Blogoffensiven diverser Zeitungen und Zeitschriften sind Zeugen für die Unfähigkeit, die Unverschämtheiten im Web 2.0 – natürlich neben den netten Artikeln der netten Kollegen abhängigen Redakteure. Das Internet hängt im internationalen Vergleich eine Generation zurück – mindestens. Dieser Meinung sind zumindest Oliver und meine Person. Kein Wunder also, wenn so ein Werbedreck online gestellt wird.
Wer mit dem Gedanken spielt, dort den Newsletter zu abonnieren oder am Bundesliga-Tippspiel teilzunehmen, sollte sich das sehr gut überlegen. Die Daten, die DerWesten hierfür verlangt, sind fast ein eigenes Kapitel wert – das lässt erahnen, dass nicht nur der Junkmail-Ordner überläuft, nein, auch der RL-Briefkasten sollte dann täglich geleert werden:
Je nach Anwendung oder Leistung werden z. B. erhoben:
E-Mail-Adresse, Name und Vorname, Anschrift, Land, Geburtsdatum, Telefon-/Mobiltelefon-Nr., Anrede.
[...]
Erteilen Sie WEST EINS darüber hinaus auch die Einwilligung, weitere freiwillige Daten zur individuellen Information und Betreuung zu erheben, zu nutzen und zu verarbeiten, wird WEST EINS Ihre persönlichen Daten über den jeweiligen aktuellen Anlass hinaus speichern und Ihre Daten für diese Zwecke verwenden.
Natürlich, so wird man nicht müde zu versichern, werden die Daten nicht immer abgefragt, sondern je nach Leistung. Da fragt man sich natürlich, was DerWesten denn so Großartiges leistet, dass Geburtsdatum oder Telefonnummern gesammelt werden. Der obligatorische Hinweis auf die Verwertung der Daten darf natürlich auch nicht fehlen – dies geschieht natürlich alles:
[...] pseudonymisiert [...]
Okay, ich würde es dann doch anonymisieren…
Unter dem Strich bleibt, dass die WAZ mit DerWesten eine Seite geschaffen hat, die man sich als abschreckendes Beispiel ansehen sollte, dann aber auch schnell wieder schließen sollte – sie hat es nicht einmal in meine Favoriten geschafft. Ich bin als Nordlicht – Gott sei Dank kann man dazu dann auch nur sagen – nicht auf die Nachrichten der WAZ angewiesen. Wer die Seite dennoch besuchen will oder gar muss, sollte dringend über einen Adblocker nachdenken – wie zum Beispiel Proxomitron, Bfilter oder Privoxy. Dann sieht das Ganze nämlich wie folgt aus, verdammt spiegelig.


29. Oktober 2007, 09:46 Uhr @
Was für ein Start! ROFL
Service Temporarily Unavailable
The server is temporarily unable to service your request due to maintenance downtime or capacity problems. Please try again later.
Ich wollte schon meckern, wo ihr die viele Werbung da seht, bis ich den letzten (totalgeblockten) Screenshot gesehen habe, so sah es bei mir heute früh auch aus
Manchmal vergisst man, wieviel einem durch diverse Filter schon erspart bleibt. Auf jeden Fall wollte ich die Seite nochmal anschauen, und bekam obige Fehlermeldung.
29. Oktober 2007, 10:04 Uhr @
“und das Internet wieder das wird, was es mal war – ein Austausch von Wissen und Informationen, das sogenannte Wissensnetz.”
Das wäre schön. Und vermutlich würden Websites schneller dargestellt, wenn sie nicht erst durch Popupblocker und Werbefilter etc. gejagt werden müßten. Da aber im I-net die Regeln andere sind als IRL (IRL richtet sich der Verkäufer nach dem Kunden. Im WWW muß der Käufer sich den Wünschen des Anbieters unterordnen), und das I-net immer stärker zur Unterhaltungsmaschine verkommt, brauchen wir ein alternatives WWW.
29. Oktober 2007, 10:11 Uhr @
Die Ladezeit der Seite war mir einfach zu lang… also hab ich den Tab wieder geschlossen und bin vondannen geeilt. Su jet mag ich nich’… Muss net sein.
29. Oktober 2007, 10:23 Uhr @
Das kommt noch dazu – eine unglaublich lange Ladezeit. Wir haben bei Relaunch von F!XMBR extra auf die ISDN’ler geachtet und die Ladezeit nach unten gedrückt, knapp 50 KB werden nun geladen – was für ISDN noch sehr lang ein kann.
Im Westen werden sagenhafte 863,95 KB geladen.
Aber wahrscheinlich verstehe ich das als dummer Blogger nicht, der eine ganz andere Sprache spricht als die Profis im Westen. Die gute Frau Borchert präsentiert sich gegenüber den Bloggern ganz in Tradition der SZ oder des Herrn Jörges, widerlich arrogant – aber bitte, sie ist der Profi… *grööööhl*
29. Oktober 2007, 14:22 Uhr @
Ein Hoch auf die AdBlocker. Ob nun direktes routen von Werbeservern auf die eigene IP oder eben via AdBlock im Browser. Aber ich hab mich erst gefragt was du wolltest – war doch garkeine Werbung da
Bis ich dann den Screenshot gesehen habe… Hallo? Nen Popup auf einer Regionalen Nachrichtenseite? Werbung ist schon was schlimmes… immer schlimmer als dort gehts es nur auf Pr*n und W*re*-Seiten.
29. Oktober 2007, 19:13 Uhr @
Unter Linux hat mir die Städteauswahl – ähm – also das, was nach dem Eintippen von Duisburg anklickbar ist unterhalb der Leiste, umständlich, den Firefox in den Abgrund gerissen… Sicherlich werde ich den RSS-Feed nutzen um auf dem Laufenden zu bleiben, aber mehr auch nicht. (Habe ich bei den alten Portalen aber auch genauso gemacht.)
Überhaupt haben sie mal wieder Blogger angestellt, die – nun – stand das Voltaire-Zitat dazu auf dieser Seite als Motto? Ja…
Und ja, das mit dem SpOn schoss mir auch durch den Kopf. Die Werbung bekomme ich dank Filter gar nicht mit. Was mir noch aufgefallen ist: Audiopodcasts finden sich – tadaa – unter Video. Na, da muss man drauf kommen…
Ad Astra
29. Oktober 2007, 19:18 Uhr @
Hört mal bitte auf, diese Mär von der Bloggerin zu verbreiten. Ist ja schlimm. Sie ist meiner Meinung nach Journalistin mit Kontakten…
Die Seite ist und bleibt technisch und inhaltlich grottig…
31. Oktober 2007, 04:24 Uhr @
Na, das will ich auch nicht hoffen. Denn dann würden eine Reihe sehr guter Freunde von mir mit in die Hölle fahren. Und ich vielleicht auch?
Aber gerade die hier angesprochene Seite zeigt doch wieder mal deutlich, dass es auch ebensolch deutliche Unterschiede bei “den Werbern” gibt. Die wo ich persönlich kenne, würden so einen “Bockmist” im Leben nie verzapfen. Und ich schonmal gar ned *kopfschüttel*
31. Oktober 2007, 04:26 Uhr @
Äh, noch n Nachtrag:
Lese gerade im dortigen Impressum:
“Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden (…)”
Allererste Sahne!