Der «Zündfunk» zur «Digitalen Gesellschaft»

digitgesell
Screenshot: digitalegesellschaft.de

Der «Zündfunk» hat Markus Beckedahl und meine Wenigkeit zur «Digitalen Gesellschaft» befragt.

Christian Sickendieck:
Der Verein «Digitale Gesellschaft» muss sich der digitalen Gesellschaft, also den Menschen die am Internet partizipieren, öffnen. Es kann nicht sein, dass das eine geschlossene Gesellschaft wird. Letztlich sehe ich Lobbyarbeit auch per se kritisch. Lobbyarbeit hat immer den Ruch, etwas im Hinterzimmer auszuklügeln ohne dass die Breite der Gesellschaft beteiligt wird. Dadurch, dass sie sich selbst als Lobbyorganisation präsentiert und den gleichen Weg geht, legitimiert sie andere Lobbyorganisationen und das halte ich für einen fatalen Irrweg.

Okay, beim nächsten Mal versuche ich dann, es besser auszuformulieren. 😉 Nichtsdestotrotz finde ich es schon gut, dass der Redakteur Christian Schiffer und der «Zündfunk» genau das Argument von mir in den Beitrag mit reingenommen hat, über das wir bisher noch gar nicht gesprochen haben: das kritische Hinterfragen von Lobbyorganisationen (und die Folgen für unsere Demokratie und Gesellschaft) per se.

Nachtrag: Eine (leicht) geänderte Fassung des Beitrages lief heute auch auf BR5 im Computermagazin. Diesmal sogar mit Podcast:)

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5 Antworten zu “Der «Zündfunk» zur «Digitalen Gesellschaft»”

  1. John Dean sagt:

    Die Aussage von M. Beckedahl zur geäußerten Kritik, und warum er demokratische Verfahrensweisen und Strukturen für den gegründeten Verein völlig ablehnt, war wie folgt:

    Wir hätten dann die nächsten Jahre damit verbracht Strukturen aufzubauen und wir persönlich haben dafür keine Zeit.

    Ich finde das als Antwort schon ziemlich lächerlich.

    Ausgerechnet derjenige, der es u.a. als seine Mission betrachtet, Politikern «das Internet zu erklären», behauptet hier kackdreist, dass demokratische Beteiligungsformen (die im Internetzeitalter teils schon mit wenigen Mausklicks zu verwirklichen sind, z.B. in Gestalt von Online-Abstimmungen) in jedem Falle einige «Jahre» für den Aufbau benötigen (richtig ist: wenige Minuten).

    Pardon: Das ist kackdreist.

    Wenn Beckedahl gesagt hätte, erstens, er hat noch keine richtige Idee, wie er demokratische Strukturen aufbauen könne, zweitens, sein organisatorisches Know How in solchen Dingen sei leider ziemich geringt, drittens, er hat mangels grundsätzlichen Antrieb auch keinerlei Interesse an gelebter Demokratie im eigenen Verein: Das wäre immerhin noch so einigermaßen ehrlich gewesen — vergleichsweise respektabel also.

    Hey, was für großartigen «jahrelange» Mühen kann es schon machen, wenn man als Verein (der über die Berliner Blogger-Connection ziemlich viel Aufmerksamkeit zu mobilisieren versteht) zum Beispiel einen Nutzer-Beirat auf die Beine stellt, der den Vereinsvorstand dann berät?

    M. Beckedahl, in manchen Belangen bist du eine totale Null!

    P.S.
    Der Autor des Zündfunkbeitrags irrt sich, wenn er meint, dass die Spenden-Einwerbe-Organisation Greenpeace sowie Food Watch und Amnesty International reinweg nur streng hierarchisch funktionieren würden — und keinerlei Beteiligungsverfahren kennen und praktizieren würden.

    Dem ist nicht so.

  2. Naja. Das einzige, was man Beckedahl zu dieser Antwort vorwerfen kann, wäre, daß er ehrlich war. Ebenso wie in der Frage, warum die „Digitale Gesellschaft“ diesen Namen erhalten hatte: Weil sie auf der Domain saßen. Ansonsten bleibe ich erstmal bei meiner Meinung zu dem ganzen. – BTW: Gutes Statement im Zündfunk, Chris. Danke für Deinen Beitrag dort!

  3. Avatara sagt:

    @ John Dean: Es sollte klar sein, dass er damit die Entscheidungsfindung in allen Themen, Ausgestalltung und Ausrichtung der Organisation usw. einschließt. Und wenn du dann, z.B. mit Partein vergleichst wirst du merken, dass deine Bewertung verfehlt ist. Er sagt nichts anderes als dass er eine demokratische Entscheidungsfindung aus Zeitgründen ablehnt.

  4. John Dean sagt:

    @ Avatara

    1.

    Hast du denn mit Parteien verglichen? Ich denke nicht. Denn sonst wüsstest du, dass ein Mitglied innerhalb einer Partei i.d.R. sehr weit reichende demokratische Mitwirkungs– und sogar Entscheidungsrechte hat bis hin zur Auswahl der repräsentierenden Personen und Programmatik.

    Das scheint dir neu zu sein, pardon.

    2.

    Und glaubst du wirklich, wie M. Beckedahl, dass demokratische Prozeduren (und zwar auch im digitalen Zeitalter) in jedem Falle so «zeitraubend» sind, dass man sie — ausnahmslos und in jeglicher Hinsicht — verwerfen muss? Wie kann man sich so radikal jeglicher demokratischen Entscheidungsfindung entgegen stellen, wenn man zugleich für die Demkratisierung der Gesellschaft wirken will?

    Ich halte das für einen Widerspruch und das Argument mit dem «zeitraubend» für zutiefst verlogen. Denn richtig organisiert (z.B. via Beirat), kostet demokratische Mitwirkung keine Unmengen an Kraft, mehr noch: Sie erhöht die Durchlagskraft

    3.

    Ich denke zwar, man soll den Verein von M.Beckedahl infach mal machen lassen, trotz seiner Verlogenheit (sic!), seiner Unbedarfheit in organisatorischen Dingen. Aber man darf durchaus auch darauf hinweisen, dass der bislang bloß Manifest-artige und überdies demokratieferne Stil seines Vereins nicht recht mit den Zielen korrespondiert, für die er einzustehen behauptet.

    Wie gesagt: Er soll ruhig machen. Aber M. Beckedahl ist längst nicht so toll, dass er sich Kritik gegenüber taub stellen sollte bzw. dieser allenfalls mit hohlen PR-Phrasen zu begegnen, zumal mit so verlogenen Argumenten, dass demokratische Beteiligung in jedem Falle «jahrelange» zusätzliche Arbeit für ihn bedeuten würde.

    4.

    In organisatorischen Fragen, und wenn es darum geht, demokratische Beteiligung zu organisieren, ist Markus Beckedahl eine totale Null. Pardon. Um so merkwürdiger wirkt es, jedenfalls an dieser Stelle, wenn er ausgerechnet auf die Erfahrungen sozialer Bewegungen verweist.

    5.

    Ich misstraue Markus Beckedahl. Aus guten Gründen. Er ist in meinen Augen zum Beispiel kein vernünftiger Gesprächspartner für die Politik bei der Gestaltung der digitalen Gesellschaft. Denn anders als er es behauptet, hat er keine ausgereiften oder auch nur ansatzweise diskussionswürdigen Vorstellungen bei der Gestaltung des Urheberrechtes.

    Kann er auch nicht. Denn dazu müsste er diskursfähig sein — und genau das ist Markus Beckedahl nicht. Wie soll so ein Mann, so sinnvoll manche seiner Aktivitäten auch sein mögen, die digitale Gesellschaft auf nützliche Weise vertreten können?

    Mein Mandat hat er nicht.

  5. Blogwarte.de sagt:

    Der «Zündfunk» zur «Digitalen Gesellschaft»…

    Eine intransparente Lobbyorganisation will sich selbst dazu ermächtigen für die gesamte Netzgemeinde zu sprechen — ein no go!…

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