Der Vorsitzende der Großindustrie und der Bundespräsidentenpartei meldet sich mal wieder zu Wort und stellt in INSM-Manier Forderungen

Vorsitzender der BundespräsidentenparteiHorst Köhler, der einzig legitime Nachfolger von Roman Herzog hat sich aus der Deckung gewagt. Nachdem er schon vor 4 Jahren der Verlegenheitskandidat von Schwarz-Gelb war, so hat sich der Mann aus Schloss Bellevue nicht wirklich weiterentwickelt. Heute ist er Verlegenheitskandidat von Schwarz-Rot. Eine grandiose Karriere, die sich nahtlos in seinen Lebenslauf einfügt. Die CDU will die eigenen aufrechten Wähler nicht verschrecken, der Großteil der SPD ebensowenig — die letzten Sozialdemokraten wagen sich (noch nicht) aus der Deckung, müssten sie sich doch mit den Linken und den Grünen auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Köhler wäre nicht Köhler, wenn er sich nicht ganz im Geiste seiner neoliberalen Freunde äußern würde. Die ewig gleichen Pamphlete — natürlich ist die Agenda 2010 von Erfolg gekrönt, es muss eine Agenda 2020 her. Und wie seit Jahrzehnten heruntergebetet — mehr Investitionen in Bildung und Forschung. Abgerundet wird das ganze mit der Forderung nach mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt — Vollbeschäftigung ist das Ziel des höchsten Repräsentanten der Großindustrie. Man könnte meinen, die Positionspapiere im Schloss Bellevue werden direkt von der INSM oder vom Konvent für Deutschland diktiert — aber das sind selbstverständlich nur Gerüchte. So etwas kann es natürlich nicht geben.

Natürlich ist Investition, gerade in die Bildung, wegweisend für unsere Zukunft, das bestreitet niemand. Doch das Gegenteil ist doch seit Jahrzehnten der Fall. Im Wahlkampf und zu Beginn jeder Legislaturperiode wird von Politikern jeglicher Colour der gleiche Spruch geliefert — danach passiert das Gegenteil. Vielmehr ist gemeint, die eigene Elite zu festigen, die verschiedenen Schichten und Stände unseres Landes noch weiter voneinander zu trennen. Das beweist insbesondere die Einführung der Studiengebühren. In die gleiche Kerbe im Übrigen schlägt der Wahlkampfschlager Gleiche Chancen für alle — wer nicht mehr in unserer Gesellschaft Schritt halten kann, ist selbst schuld, schließlich hat man in unserem Land alle Chancen dieser Welt gehabt. Menschen wie Horst Köhler und sein direktes Umfeld, die Führungen der sogenannten Volksparteien wollen nur eines — ihren eigenen Habitus bewahren. Es kann, soll und darf nicht sein, dass das Arbeiterkind den Job bekommt, der doch besser dem eigenen Kind zusteht. Das Bild muss gewahrt bleiben — natürlich unter großer Zuhilfenahme der BILD. Die Schere zwischen Arm und Reich, die Mauern zwischen den verschiedenen Schichten — all das ist politisch gewollt, auch wenn das Gegenteil behauptet wird. Horst Köhler beweist mit seinen salbungsvollen Worten einmal mehr, dass er offensichtlich der Wolf im Schafspelz ist.

Zum sogenannten Erfolg der Agenda 2010 ist zusammengefasst auf F!XMBR schon fast eine Doktorarbeit geschrieben worden — naja, zumindest ein mehrstündiges Referat. Wer angesichts der Realitäten in diesem Land von einem Erfolg sprechen kann, den geringen Rückgang der Arbeitslosenzahlen anstelle der Weltkonjunktur Gerhard Schröder zuordnet, beweist, wie sehr er auf einem anderen Planeten fernab der Menschen lebt, die ihn dringend benötigen würden. Helmut Kohl wurde 1989 der Kanzler aller Deutschen. Mit Horst Köhler als Bundespräsidenten wird dieses Volk wieder gespalten — er ist nicht Präsident aller Deutschen, er ist Präsident der sogenannten Eliten. Der Macher der Agenda 2010, der wunderbare Peter Hartz, hat sich 2006 im Übrigen selbst zu Wort gemeldet: Der Papst kennt unser Problem jetzt auch schon, und wenn die 53.000 Pfarrer alle mitmachen und von der Kanzel herunter uns auch helfen, dann ist das schon ein Beitrag der Gesellschaft. Was übersetzt so viel hieß, wie es hilft nur noch beten. Horst Köhler ist ein typischer Neoliberaler: Die sogenannten Reformen sind gescheitert und anstatt dies einzugestehen, die Agenda 2010 in weiten Teilen zu korrigieren, wird eine noch höhere Dosis verordnet — die Agenda 2020. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der Goldene Schuss für dieses Land folgt.

Horst Köhler scheint wirklich im Reich der Sinne zu leben — mit der Realität scheint er sich nicht wirklich zu beschäftigen. Deutschland zählt knapp 3,5 Mio Arbeitslose, 524.000 Aufstocker, 418.000 Ein-Euro-Jobber, 484.000 Arbeitslose unter 20 Jahren, 312.000 Arbeitslose über 58 Jahre, 686.000 Arbeitslosen ohne Transferleistungen vom Staat, 700.000 Leiharbeiter, 5 Mio. geringfügig Beschäftigte — um nur einige Beispiele zu nennen. Wer im Angesicht dieser Zahlen von Vollbeschäftigung schwadroniert, der sollte vielleicht einfach mal darüber nachdenken, ob der der richtige Mann im richtigen Job ist — kommt er zu dem Schluss, er ist der richtige Mann im richtigen Job, muss man hinterfragen, für wen Horst Köhler eintritt, wer von ihm und seiner vertretenen Politik profitiert. Ein kleiner Tipp: Die Arbeitslosen, die Studenten, die normalen Arbeitnehmer — die Menschen wie Du und ich — sind es garantiert nicht. Die NachDenkSeiten schreiben, er ist der Schwarz-Gelbe Präsident. So leid es mir tut — wie die SPD heute aufgestellt ist, ist er auch in erster Linie der Präsident der SPD. Er ist das Gegenteil eines Präsidenten für das Volk.

Horst Köhler, der einzig legitime Nachfolger von Roman Herzog — so begann ich diesen Artikel. Sollte Horst Köhler 2014 aus dem Amt scheiden, wird er uns noch weiter beehren. Das Bett ist bereits gemacht. Ein kleiner Lesetipp zum Schluss: Man lese Agenda 2020 bei der Deutschland Debatte, informiere sich über die Verbindungen und Hintergründe des Horst Köhler und vergleiche diese Erkenntnisse mit einem Artikel über Roman Herzog, ebenso von der Deutschland Debatte zusammengetragen. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass das Volk Horst Köhler liebt — über 80% wünschen sich den netten Herrn weiter als Präsident dieses Landes. Kein Wunder also, warum diverse Kreise so leichtes Spiel haben. Von den Medien gesteuert, wird das eigenen Denken eingestellt — das Volk wählt seit Jahren seine Schlachter selbst. Von daher — alles genauso gewollt und demokratisch legitimiert. Passt schon. :)

Bild: Wikipedia.

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