Der Spiegel findet (noch keinen) neuen Chefredakteur — Claus Kleber wechselt nicht vom heute-journal an die Brandstwiete

Diese Nachricht eine kleine Sensation zu nennen, wäre noch untertrieben. Claus Kleber wird neuer Chefredakteur vom Spiegel. Und wem der Name nun etwas sagt — richtig, er ist derzeit noch Moderator des heute-journals im ZDF. Die FAZ vermeldet:

Es ist zwar noch nicht offiziell, aber aller Voraussicht nach wird die Redaktion des Spiegel künftig geführt von — Claus Kleber. Kleber ist seit 2003 Redaktionsleiter und Moderator des heute-journals. Sein Stellvertreter soll Matthias Müller von Blumencron werden, der bisherige Chefredakteur von „Spiegel Online“. Wie bisher stellvertretender „Spiegel“-Chef bleibt Martin Doerry, daneben soll es noch einen dritten Stellvertreter geben. […] Die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein sollen die Entscheidung dem Vernehmen nach nicht mittragen.

Das macht mich nun ein wenig sprachlos. Gott sein Dank nicht Steingart — warten wir mal ab, was über Kleber die nächsten Tage geschrieben wird. Erst dann vielleicht ein ausführlicher Kommentar von mir.

Nachtrag: Der Kleber bleibt in Mainz kleben

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18 Antworten zu “Der Spiegel findet (noch keinen) neuen Chefredakteur — Claus Kleber wechselt nicht vom heute-journal an die Brandstwiete”

  1. Oliver sagt:

    Was soll man da abwarten, ein biederer ZDF Mensch, mit dem nun der Geist der ÖR offiziell Einzug in den Spiegel erhält. Imho vom Regen in die Traufe.

  2. Solarix sagt:

    SO bieder ist der Kleber gar nicht, die Wahl hätte sicherlich schlechter ausfallen können. Wieso sollte nun der Geist des ÖR dort einziehen.

    AUf jeden Fall ist es ein Journalist der Korrespondenten Erfahrung im Ausland gesammelt hat, was nicht jeder der schreibenden Zunft von sich behaupten kann. Der Mann hat eine Chance verdient. 😉

  3. Oliver sagt:

    Jemandem der seit einigen Jahren kein Fernsehen mehr schaut, dennoch kenne ich den Helden, wirst du wohl kaum noch die ÖR in irgendeiner Weise verkaufen können. In der Phase, so schlecht sind die ÖR nicht, war ich mal noch vor ungefähr 10 Jahren. Ich denke es ist bei jedem der kritisch durch die Welt stampft und sich weitesgehend omnipotent medial versorgt, insbesondere abseits des teils bis zur Unkenntlichkeit abstrahierenden TVs, nur eine Frage der Zeit der Glotze zu entsagen. Ist halt Gewöhnung, ich weiß es nur zu gut …

    Und der Spiegel? Bild für Bildungsbürger, ich halte ja auch von Zeit, FAZ und Sueddeutscher nicht so arg viel, aber zum Teil bieten sie noch etwas, trumpfen oft im Kulturellen wirklich auf, sind jedoch weit über Spiegel angesiedelt. Ja ich weiß, your mileage may vary, aber ich tue ja auch nur meine Meinung kund und mache auch keinen Hehl draus den Spiegel mal als Peneler und eifriger Genosse abonniert zu haben.

    Ergo, um den Bogen wieder zu spannen zum eigentlichen Thema, Spiegel und Männer aus dem ÖR machen für mich den Tag (vielleicht auch nur die Stunde), mehr aber auch wirklich nicht mehr.

  4. Solarix sagt:

    Nun ja wenn man im Ausland lebt und die dortigen Medien kennt weiss man das was einem zuhause geboten wird erst zu schätzen. 😉

    Hier im UK taugt eigentlich nur der Sportjournalismus etwas und der Rest ist extrem fragwürdig. 😉

    Ich dachte eigentlich immer die Nachrichten von RTL2 sind der Bodensatz, hier wurde ich eines besseren belehrt. Die «Massenvernichtungswaffen» die die britische Presse so aufbietet, übertrumpfen die bundesdeutsche um Lichtjahre. 😀

    Man muss den Kleber nicht mögen, aber eine Chance hat der Mann schon verdient. Bei anderen würde ich das nicht unbedingt sagen.

  5. Oliver sagt:

    >Hier im UK taugt eigentlich nur der Sportjournalismus etwas und der Rest ist extrem fragwürdig.

    Kommt auf den Kontext an, bildungstechn. haben die Briten mehr auf dem Kasten, die richtigen billigen Sachen kauft das ZDF auf. BBC hat in der Heimat mehr Qualität. Zudem ist das dort mit einer größeren Freiheit der Medien zu erklären, je größer diese, umso mehr lockt die Quote. Nach Gladbeck muß man sich bei uns auch nichts mehr von Qualität zusammenreimen.

  6. […] Kommentare in deutschen Weblogs reichen von vornehmer Zurückhaltung oder Unschlüssigkeit bis hin zu “Lachend rollen am […]

  7. Dr. Dean sagt:

    Noch hat Kleber nicht ja gesagt — und ich schätze die Aussichten, dass er ja sagt, nicht übermäßig hoch ein. Der Verbleib beim ZDF ist für ihn eine allemal gute Alternative. Gemessen an den Alternativen ist Kleber m.E. ein respektabler Kandidat, aber die Position beim Spiegel kann schnell als Schleudersitz empfunden werden, oder sogar als berufliche Sackgasse. Der Anspruch, der an ein solches Amt gerichtet wird, ist hoch, sehr hoch — muss es sogar sein — aber macht die Position nicht attraktiver. Kleber hätte zudem mit seiner, vergleichsweise progressiven Einstellung, recht viel Schwierigkeiten mit den Ressortleitern zu erwarten. Leute wie Mohr, Malzahn oder Broder — und davon gibt es Vieldutzende an der Brandtwiete, werden an seinem Stuhl sägen, schon allein, um den Erfolg ihrer «prowestlichen Revolution» im Spiegel nicht zu gefährden, und sei es nur, um ihre gut bezahlten Jobs zu behalten.

    Ich persönlich hoffe auf eine Zusage Klebers. Zwar wird auch Kleber den Spiegel nicht wieder in ein Sturmgeschütz der Demokratie umfunktionieren, aber für mehr Ausgewogenheit und ein gewisses Abrücken von rechten sowie marktfundamentalistischen Haltungen könnte er beitragen, die Bürgerrechtsorientierung würde gewinnen, vielleicht käme es sogar zu einer Verjüngung des Spiegels. Letztes glaube ich allerdings am wenigsten.

  8. Oliver sagt:

    >Sturmgeschütz der Demokratie umfunktionieren

    Da müßten wir auch noch die Zeit zurückdrehen bis zu Augsteins und Strauß «Zweikampf», aus dieser Zeit stammt nämlich der Mythos und verlockt heute immer noch die sogenannte «Bildungselite» an dieses Blatt zu glauben.

  9. Ich kann mich noch gut an Klebers Hand auf dem Herz zur US-Hymne aus dem Off erinnern. Hoffnungen sollte keine hegen, zumal der unsaegliche Blumencron als Vize ein hartes Brett ist. Schaun mer mal.

  10. Chris sagt:

    Ja, das wird eine interessante Kombination. Ich hab da schon ein paar Links zusammen. Da hätte man ja fast besser Aust behalten…

    Das Herz am rechten Fleck

    Und die BILD ist natürlich dabei

    Das wird in Zukunft ganz böse, die BILD, der SPIEGEL stramm an der Seite der USA. Unsere Politik könnte so unter Druck gesetzt werden, in zukünftige Kriege mit einzusteigen…

  11. Alex sagt:

    Ich muss auch sagen, dass ich eher zu Skepsis neige. Schon wieder ein Fernsehfuzzi, dazu noch vom «schwarzen» ZDF. Und Blumencron als Vize — das wird in Zukunft (noch) mehr Richtung «GALA» gehen. Aber in ein paar Jahren wird der «Spiegel» wahrscheinlich sowieso mit dem «LOCUS» verschmolzen und dann macht den Job deren dicke Redaktionsqualle («… immer an den Leser denken»).

  12. Solarix sagt:

    >Kommt auf den Kontext an, bildungstechn. haben die Briten mehr auf dem Kasten, die richtigen billigen Sachen kauft das ZDF auf. BBC hat in der Heimat mehr Qualität. Zudem ist das dort mit einer größeren Freiheit der Medien zu erklären, je größer diese, umso mehr lockt die Quote. Nach Gladbeck muß man sich bei uns auch nichts mehr von Qualität zusammenreimen.

    Also das ist gelinde gesagt Unsinn. Die BBC hat zwei drei gute Sendungen und der Rest ist genau so Rotz wie bei den privaten auch. Man sollte die BBC nicht überhöhen, die Nachrichten der BBC sind so auf Hochglanz poliert, die könnten schon als Werbesendung für Foxnews oder Trailer für Actionfilme durch gehen. Von wegen mehr Qualität als deutsches Fernsehen, dass ist nur ein Mythos, dem ich auch mal anhing. Mittlerweile hat sich das doch sehr relativiert, genau wie die gefakte Pisastudie in UK.

    Wenn ich die Beiträge hier so lese könnte man fast vermuten der Kerl hätte euch etwas getan.
    Das Augstein leider Vergangenheit ist, dass ist das eine, er wird auch nicht zurück kommen, dass der Spiegel sich verändert hat das andere, es muss einem nicht gefallen. Keine Frage.

  13. […] Dezember 2007 von Spiegelfechter — Drucken Claus Kleber soll Medienberichten zufolge von Gruner+Jahr und der SPIEGEL-Mitarbeiter KG zum neuen SPIEGEL-Chef auserkoren wurden […]

  14. Oliver sagt:

    >Wenn ich die Beiträge hier so lese könnte man fast vermuten der Kerl hätte euch etwas getan.

    Natürlich man kann immer alles auf eine Neiddebatte reduzieren und schon hat es sich mit der Kritik. Und zur BCC, ich schrieb vom Kontext, auch Radiosendungen zähle ich dazu. Ich redete jetzt mal ausnahmsweise nicht vom Technikkram, sondern auch von den Historiksparten die auf Niveau *Fernsehen* dennoch besser daherkommen.

    Was kritisierst du jetzt eigentlich? Das Leute eine Meinung haben, die sie auch politisch/historisch en detail begründen können z.B. in puncto Spiegel. Ein Blog ist ja Meinung, wir heucheln erst gar nicht Objektivität, weil die per se überhaupt nicht existiert, jedoch ein prima Verkaufsargument darstellt. Und letztendlich ist es unser Niveau, wenn ich hier Nerdkram bringe, weils mich seit Jahrzehnten fesselt und ich damit auch zum Teil nicht nur privat mit zu tun habe, dann mache ich es eben. Wenn ich z.B. Dinge politisch/historisch beurteile, dann mache ich es aufgrund meiner Ausbildung und sonstigen Erfahrung. Das ist eben mein Niveau, wir schreiben halt nicht für Hinz und auch nicht für Kunz. Und wenn dir Kauderwelsch a la Kleber zusagt dann ist das völlig okay, von *meiner* Warte aus ist das niveaulos. Schau dich bei deinem Technikkram um, bildest du dich dort mit Computerbild fort oder ist diese für dich ein probates Informationsmittel? Wahrscheinlich nicht, sie ist unter deinem Niveau. Eben diesen kleinen Punkt sollte man doch verstanden haben, wenn man selbst auch eine eigene Netzpublikation pflegt.

  15. Dr. Dean sagt:

    Neben BBC haben die Briten noch den Gurdian. Da kann schon mal Neid aufkommen. Was Kleber angeht: Er war halt 15 Jahre in den USA, aber mit dem neokonservativen «Antiterrorkampf» kann er wenig anfangen. Er schreibt:

    Noch immer habe ich für mich kein endgültiges Urteil gefällt über dieses Land, das hierzulande als erbarmungslos gilt und doch, wie ich gesehen habe, oft besser für seine Behinderten, für seine sozial Schwachen und für seine großen Begabungen sorgt als uns das gelingt; das immer wieder eine treibende Kraft für das Gute war, obwohl es auch irrte und von seinen Führern getäuscht wurde; das in seinen Südstaaten, in seinen Städten und im Ausland, von Vietnam bis San Salvador, von Santiago de Chile bis Bagdad immer wieder schreckliche Fehler machte – die meisten durch das Handeln, während die Fehler meines Landes in den letzten Jahrzehnten meist durch die Angst vor dem Handeln entstanden.

    Selbst in einem eigenen Buch gibt sich Kleber verschlossen und deutet seine Haltungen nur an. Ich schätze, die SPIEGEL-Journalisten bzw. deren 5 Vertreter in der Mitarbeiter KG hatten genug von einem Chefredakteur Aust, der missliebige Artikel einfach wegbügelte, wenn sie ihm nicht neoliberal genug waren.

  16. Dr. Dean sagt:

    Ich mein natürlich den Guaridan Guardian (Unlimited).

  17. Solarix sagt:

    >Natürlich man kann immer alles auf eine Neiddebatte reduzieren und schon hat es sich mit der Kritik. Und zur BCC, ich schrieb vom Kontext, auch Radiosendungen zähle ich dazu. Ich redete jetzt mal ausnahmsweise nicht vom Technikkram, sondern auch von den Historiksparten die auf Niveau *Fernsehen* dennoch besser daherkommen.

    Mir ging es gar nicht um Neid. Die Frage war so gemeint wie sie gestellt war, es hat mich wirklich interessiert.

    >Was kritisierst du jetzt eigentlich? Das Leute eine Meinung haben, die sie auch politisch/historisch en detail begründen können z.B. in puncto Spiegel. Ein Blog ist ja Meinung, wir heucheln erst gar nicht Objektivität, weil die per se überhaupt nicht existiert, jedoch ein prima Verkaufsargument darstellt.

    Stimmt Blog ist Meinung keine Frage, Objektivität heucheln ist lächerlich, Objektiv ist sowieso niemand. Auch wenn wir das vermutlich alle sehr gern wären.
    Ich habe mich nur über das «Entsetzen» gewundert. Das war alles.

    >Und letztendlich ist es unser Niveau, wenn ich hier Nerdkram bringe, weils mich seit Jahrzehnten fesselt und ich damit auch zum Teil nicht nur privat mit zu tun habe, dann mache ich es eben. Wenn ich z.B. Dinge politisch/historisch beurteile, dann mache ich es aufgrund meiner Ausbildung und sonstigen Erfahrung. Das ist eben mein Niveau, wir schreiben halt nicht für Hinz und auch nicht für Kunz.

    Das verlangt ja auch niemand, ich geh nur vorurteilsfrei an Kleber ran und deshalb hab ich nachgehakt.

    Ich kann es verstehen wenn man was gegen Henrik M. Broeder hat.Ich teile zwar weder sein Weltbild, oder seine Meinung, aber er provoziert ziemlich gekonnt.

    >Und wenn dir Kauderwelsch a la Kleber zusagt dann ist das völlig okay, von *meiner* Warte aus ist das niveaulos. Schau dich bei deinem Technikkram um, bildest du dich dort mit Computerbild fort oder ist diese für dich ein probates Informationsmittel?

    Ne mit Computerbild bilde ich mich nicht fort, genausowenig wie Du. 😉

    >Wahrscheinlich nicht, sie ist unter deinem Niveau. Eben diesen kleinen Punkt sollte man doch verstanden haben, wenn man selbst auch eine eigene Netzpublikation pflegt.

    Nun ja Netzpublikation halte ich in meinem Fall für übertrieben. 😉

  18. Oliver sagt:

    Ich sehe Netzpublikation einfach als die profane Beschreibung dessen was man macht, eben im Netz publizieren. Kurzum eben eine Veröffentlichung, privat ist es ja eben nicht mehr 😉

    Und Kleber, nun wie soll man vorurteilsfrei herangehen, wenn man seine «Eckdaten» kennt. Würdest du an Schröder, Kohl ebenso vorurteilsfrei herangehen, wenn diese sich nochmals um ein neues Amt bemühen würden? Wohl kaum, man würde sie an ihren vorherigen Taten bemessen.

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