Der SPIEGEL entblößt sich

SPIEGEL

leer

Oh man, ist der SPIEGEL wieder niveaulos.

Meine Worte zu einem Kollegen, als wir den SPIEGEL-Titel heute morgen sahen. Wohl wahr, so seine Antwort. Was war passiert? Nun, wenn auf dem SPIEGEL-Titel plötzlich steht: Ich im Internet — wie sich die Menschheit online entblößt — dann kann das nicht viel werden, und so wurde die heutige SPIEGEL-Ausgabe nicht die eine, die ich mir mittlerweile wohl im Jahr noch gönne.

Gott sei Dank, dachte ich vorhin bei mir, als ich Thomas’ Artikel gelesen habe. Der ganze SPIEGEL-Artikel ist noch viel schlimmer als erwartet, und das heißt eine Menge. Ich übernehme einfach mal ein paar Zitate, ich verlasse mich da auf Thomas.

So entblößen sich Abermillionen im Netz — mal als Besserwisser bei Wikipedia & Co., mal im eigenen Online-Tagebuch, mal ganz profan mit verhuschten Nacktfotos vor der heimischen Schrankwandkombination.

Was für ein von Vorurteilen durchzogener Blödsinn. Gut, bei der Wikipedia läuft intern zur Zeit ein Kampf, um die Qualität zu verbessern. Dies als Besserwisserei abzutun, ist eher peinlich — ich erinnere daran, dass sich SPIEGEL Online auch schon mal peinlicherweise inkl. Kommatafehler bei der Wikipedia bedient hat, ohne Quellenangabe. Die Weblogs dieser Welt, zumindest die, die von einer größeren Leserschaft verfolgt werden, sind meiner Meinung nach auch schon mehr, als ein profanes Tagebuch. Dass er dann noch das Beispiel bringt, worüber wir vor Jahren mal gelacht haben — Mann fotographiert Möbelstück für eBay, Spiegelung zeigt ihn nackt — beweist, wie peinlich die ganze Story dann doch eher ist.

Ich meine das nicht böse. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden.

Das ist dann doch mal wieder interessant. Nun ist man laut SPIEGEL-Redakteur Frank Hornig ein Idiot im griechischen Sinn, wenn man sein Wissen (Wissen ist Wissen, das kann man sich nicht ausreden lassen, es sei denn, es ist falsch, doch dann ist es kein Wissen) oder seine Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden lässt — ja witzig, es wäre wohl kaum eine Leidenschaft, wenn man sich das ganze so leicht ausreden lassen würde. So ein Satz kommt dabei raus, wenn ein Möchtegern-Philosoph intellektuell über Web 2.0 schwadroniert. Kennt jemand Mr. Bean’s BINGO!?

Wer viel von sich preisgibt, wird interessant, er wird in anderen Blogs erwähnt oder mit «comments» überhäuft.

Der SPIEGEL ist so cool, comments statt Kommentare. Wenn das mal nicht Internet-stylish ist. Hey, wenn ich nun die Farbe meiner Schamhaare bekannt gebe, werde ich dann auf den Top 10 der deutschen Blogcharts erwähnt, bekomme ich dann 200 Kommentare? Nein lieber Frank, Du musst erst ein wenig bekannt sein, und der entscheidene Punkt ist ein interessanter Artikel, und nicht, ob man viel von sich preisgibt. Was für ein Schwachsinn Du da von Dir gibst.

Die Macht entgleitet den alten Eliten in unserer Branche, den Chefredakteuren, Verlagsführern und Eigentümern.

Das altbekannte Szenario wird aufgebaut, ich kann es mir so richtig vorstellen, die bösen Weblogs, die nicht recherchieren können, machen den etablierten Medien Feuer unter dem Hintern. Halt, nein, ich nehme alles zurück — als Beispiel nennt er dann MySpace. Der pure Wahnsinn. Inkompetenz pur beim SPIEGEL.

Wenn ich mir die Zitate des SPIEGEL-Redakteurs Frank Hornig anschaue, kann man ohne Wenn und Aber über den heutigen SPIEGEL-Titel sagen, dass es die Luftblase 2.0 ist.

6 Antworten zu “Der SPIEGEL entblößt sich”

  1. Oli sagt:

    «Was für ein von Vorurteilen durchzogener Blödsinn. Gut, bei der Wikipedia läuft intern zur Zeit ein Kampf, um die Qualität zu verbessern. Dies als Besserwisserei abzutun, ist eher peinlich — ich erinnere daran, dass sich SPIEGEL Online auch schon mal peinlicherweise inkl. Kommatafehler bei der Wikipedia bedient hat, ohne Quellenangabe.»

    Bei Wikipedia sind im Schnitt mehr kluge Köpfe zu finden, als beim Spiegel, sofern derartige Kompetenzen überhaupt vorhanden sind.

    Ja nicht nur einmal und diese Besserwisserei ist gemeinhin auch Qualitätskontrolle genannt, etwas von dem der Spiegel nur träumen kann. Der Spiegel rennt der Realität her, verdammt Dinge deren Marktwert er zu spät erkannte — Futterneid par excellence.

    Zum Spiegel und Wikipedia, das hat Tradition,

    http://www.wortfeld.de/20.….irieren/
    http://www.rochuswolff.de.….0.51.40/

    …da gibts noch mehr.

    Ein etwas älterer Artikel der taz zum Spiegel,

    http://www.taz.de/pt/2005.….5.1/text

  2. Korrupt sagt:

    Ich meine das nicht böse. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden.

    Ich fuerchte, das muss ich wirklich noch im Kontext lesen gehen. Nicht, dass es mich verblueffen wuerde, wenn der Spiegel passend zum Elitenwahn das großflächige Klappehalten des dummen Volks propagiert.

  3. Chris sagt:

    Das ist allerdings wahr. In die Richtung habe ich noch gar nicht gedacht — vielleicht denke ich immer noch zu gut vom SPIEGEL. 😉

  4. Hype 2.0…

    Da kann man es dann schon verstehen, dass sich beispielsweise Chris darüber ärgern, wenn ausgerechnet Autoren, die für Deutschlands führendes Besserwisser-Blatt schreiben, despektierlich von ?Besserwissern? schreiben, die sich auf Wikipedia ?ent…

  5. Wir sind wichtig…

    Bild: (F!XMBR)

    Der SPIEGEL bleibt mit gro…

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