Der Norden hat gewählt

Tja, Schleswig-Holstein hat kommunal gewählt — die CDU stürzt ab, wie kaum jemals zuvor, um 12% auf gut 38%. Von dieser Zahl kann die SPD nur träumen. Sie landet bei den in den letzten Monaten schon oft postulierten gut 26%. Ein Desaster für beide Parteien der Großen Koalition, sowohl in Schleswig-Holstein selbst als auch im Bund. Die Linke schafft auf Anhieb 6,9% — das grüne Gemüse und die wirtschaftshörige FDP haben ebenso teils große Gewinne zu verzeichnen. Die CDU kann weiter lachen, bleibt stärkste Kraft, die SPD wird sich rausreden, das hat keine bundespolitische Bedeutung, die kleinen Parteien werden das Ende der Großen Koalition im Bund fordern, erst recht, wenn heute der Sturm nach der Schwan-Nominierung richtig los geht. Hab ich etwas vergessen? Ja, ausnahmsweise die Sorgen und Nöte der Menschen in diesem Land. Und da liegt dann auch die Begründung für das Wahlergebnis. Wer die Gesellschaft, die Menschen, unser Miteinander auf diese Art und Weise brutalstmöglich missbraucht, der muss sich nicht wirklich über solche Abstürze und Wahlergebnisse wundern. Die Menschen trauen der politischen Führung in diesem Land nicht mehr. Ist es ein Wunder? Nein, unsere Politik, unsere Elite hat dieses Vertrauen, dieses Miteinander einseitig aufgekündigt.

//Notiz an die Telekom und andere Behörden: Meine IP: 127.0.0.1//

Stern — Wahldebakel für Union und SPD im Norden

8 Antworten zu “Der Norden hat gewählt”

  1. .campino2k sagt:

    Meine IP ist 127.6.6.6 :) Wo wir schon beim Thema sind.

  2. Oliver sagt:

    Wahlen ab 16? Schlagt mich, aber für mich wäre das ein Grund auszuwandern. Ein 25-jähriger muß auch nicht viel mehr auf der Latte haben, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch höher und mit 16 ist es schlicht unmöglich in diversen Bereichen. Symbolwert dort hat für mich also allenfalls die stetig gesunkene Wahlbeteiligung auf nun ca. 49.5%. 1998 kam man immerhin noch auf 62.8%. Die Genossen selbst verloren seit 2003 knapp 2.3%. D.h. der gewaltige Absturz der SPD erfolgte schon 2003, denn zuvor konnte man immer noch mit knapp 40% oder gar mehr klotzen. In Schleswig-Holstein wird die Politik auch u.a. geprägt wie man mit den dortigen Minderheiten (z.B. den Dänen) verfährt, dazu kommt auch noch die immer stärker werdende Frage ob man nun mit HH fusioniert — keine Ahnung beispielsweise wie die SPD dazu steht, die Bevölkerung ist der Statistik nach mit knapp 50% dabei. Dazu muß man bemerken, ob das nun kommunal überhaupt von Interesse ist. Alles in allem also zwar ein Verlust in Folge für die Genossen, aber imho kaum exemplarisch. Auf Kommunalebene kenne ich auch viele die CDU wählen und auf Bundesebene genau das Gegenteil — wohl noch der einzige Bereich z.B. gegenüber Großstädten, dem Land oder gar dem Bund, in welchem man Politik noch direkt umgesetzt sieht. Irgendwelches Geschwafel zeigt auf Kommunalebene umgehend seine Wirkung, zerreden kann man dort nichts. Kurzum auf Kommunalebene zählt oft so manches Mal auch ob das Eckstüble weichen mußte und ob beispielsweise ein nervender Verkehrskreisel etabliert wurde 😀 Alles wichtig, aber nur für die Leute vor Ort …

  3. Chris sagt:

    die SPD wird sich rausreden, das hat keine bundespolitische Bedeutung

    Dazu muß man bemerken, ob das nun kommunal überhaupt von Interesse ist.

    Oliver, Du saugst das alles schon ganz gut auf, das Gerede der Genossen… 😉

  4. Oliver sagt:

    Nein ich kenne die Geschichte von Schleswig-Holstein recht gut, denn diese ist recht markant seit Jahrhunderten innerhalb dieses Landes, darüber hinaus lebe ich kommunal seit einigen Jahrzehnten. Für dich ist das Gros der Hamburger Vertreter so entfernt wie für alle anderen u.U. der Bundespräsident, einem Bürgermeister und anderen politischen Vertretern vor Ort begegne ich hingegen selbst beim Einkaufen — und das gilt für das Gros der deutschen Bevölkerung. Das dümmste was man tun könnte, wäre vor Ort auf Kommunalebene einfach blind ein Kreuz bei jenen zu machen, die man auf Bundesebene wählt bzw. vice versa. Habe ich nie getan und werde ich auch nie tun, auf Bundesebene muß ich erst einmal Worten lauschen und mehr oder weniger glauben, auf Kommunaleben sehe ich die unmittelbare Aktion und das politische Geschwafel betrifft auch lokale Realität.

  5. Chris sagt:

    Das ist natürlich ein Argument. Ich hadere ja mit mit und der SPD praktisch seit meinem 16. Lebensjahr. Und heute wäre es ein Ding der Unmöglichkeit da einzutreten. Okay, mit Ortwin Runde, das wäre weniger ein Problem. Aber Hamburg-Wandsbek wäre auch Johannes Kahrs. Ich und der Herr in einem Raum? 😀

    Mord und Totschlag… *g*

  6. Robert B. sagt:

    Von was für 16jährigen wird denn hier ausgegangen? Und seit wann ist denn eine marginale Wahlbeteiligung ein Argument, bestimmten Gruppen das Wählen zu erlauben oder zu verbieten? Mit anderen Worten: Welche handfesten Argumente sprechen gegen das Wählen mit 16?

  7. Oliver sagt:

    >Von was für 16jährigen wird denn hier ausgegangen?

    Von jungen Menschen ohne nennenswerte Erfahrung.

    >Welche handfesten Argumente sprechen gegen das Wählen mit 16?

    Mangelnde Erfahrung. Extreme Ausnahmen bestätigen die Regel in beide Richtungen. Aber man kann über alles reden, setzten wir das Jugendstrafrecht ebenso herunter auf 16, dann kann man sich gerne auch politisch die Hörner abstoßen im Moment ist das ohnehin Jacke wie Hose :)

    >Und seit wann ist denn eine marginale Wahlbeteiligung ein Argument, bestimmten Gruppen das Wählen zu erlauben oder zu verbieten?

    Was das eine nun mit dem anderen zu tun hat entzieht sich mir — vielleicht sollte man nicht ausschließlich zwischen den Zeilen lesen und Wunschdenken projizieren, sondern einfach nur was tatsächlich oben steht?

    Gegenfrage: reden wir jetzt über Politik oder geben wir uns der sonst im Netz üblichen Dampfplauderei hin, sowie blindem Aktionismus? Aber betrachte ich diese Gesellschaft wundert mich wirklich nicht mehr allzuviel.

  8. Robert B. sagt:

    Natürlich reden wir über Politik! Wenn ich mir anschaue, was unsere heutigen Schüler z.B. bei diesen beliebten Zeitungsprojekten fabrizieren, dann sehe ich da vielleicht mangelnde Lebenserfahrung, aber den Willen zur (politischen) Gestaltung. Das sind mit Sicherheit Ausnahmen, aber scharfsinnige, die eine Absenkung des Wahlalters rechtfertigen. Welche Ausnahmen sprechen dagegen? Protestwähler?

    Was meinst du eigentlich mit dem Jugenstrafrecht? Meint der Satz, dass es erst ab oder nur bis 16 gelten solle?

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