Der nächste Dreck rollt an: Shoppero

AssBlogger verarschen Blogger — nicht wirklich fein, oder? Aber so ist das mit den Business-Kaspern — wenn es ums Geld geht, ist jeglicher Idealismus schnell vergessen. Ein superduper neues Geheimprojekt ist gescheitert, so schreiben die Bloggerverarscher von deutsche-startups.de. Einer der Finanziers, Bloggerverarscher Jens, scheibt über die ach so investigativen Blogger. Geht stricken Jungs und macht Euch nicht weiter lächerlich, das ist doch nicht auszuhalten. Was wirklich hinter den Kulissen abgelaufen ist — und von den Business-Angeln wie Robert unterstützt wurde, erklärt die von mir sehr geschätzte lanu:

Da ruft mich doch einer aus dieser Hamburger Bude, deren Namen ich nicht nennen darf, an und fragt mich, ob ich denn nicht bei dem Boohei um dem Lumma sein nächstes Projekt mitmachen würde. Weil, der will das nächste Woche vorstellen und son bisschen Gerüchteküche wäre doch cool.

Tja, so ist das mit dem Geheimprojekt, was gescheitert ist und den investigativen Bloggern — nichts weiter als profane Bloggerverarsche — reines Marketing. Na immerhin zeigt man dort schon vor Start das wahre Gesicht: Verarsche, mehr Schein als Sein — man lässt andere für sich bereitwillig mitspielen. Es war nichts, ist nichts und wird nie etwas sein.

Aber schauen wir noch mal bei Jens vorbei, was es denn mit Shoppero auf sich hat — es geht um Trafficveredelung.

Trafficveredelung bedeutet, dass der User gezielt auf Informationen gelenkt wird, die für ihn relevant sind. Und dort können dann Werbemaßnahmen teuer verkauft werden. Anders verhält es sich, wenn ein Blogger über das neue Nokia E61 schreibt. Wenn neben diesem Bericht Werbung für das Nokia E61 eingeblendet wird, dann wird die Klickrate deutlich höher sein und auch der Kaufabschluß ist wahrscheinlicher.

Also werden die Besucher von unseren Business-Kaspern demnächst dann gleich zum nächsten Koks-Dealer und den nächsten Puff geleitet, richtig? Nein, kleiner Scherz. Werbung ist und bleibt crap, erst recht solche penetrante Scheiße. Orangemedia z. B. wird mittlerweile von den gängigen Werbeblockern geblockt, und das ist auch gut so — es wird nicht lange dauern, und Shoppero wird es ähnlich ergehen. Nach Start werden da wohl ein paar Mails geschrieben, Hinweise an die Macher der gängigen Werbeblocker geschrieben — kann ich mir zumindest vorstellen. 😉

Naja, aber unsere Business-Kasper wären nicht unsere Business-Kasper, wenn sie nicht ganz im Old Style der New Economy wie Dagobert Duck mit Fantastilliarden um sich schmeißen würden: Es gibt mittlerweile in Deutschland eine Reihe von Angeboten mit mehreren Milliarden PageImpressions pro Monat. Ja genau, besonders auf den einzelnen Blogs ist diese Entwicklung zu beobachten — oder auch nicht. Einer der bekanntesten deutschen Blogger schrieb mir letzte Woche in einer Mail: Ich versteh’s einfach alles nicht, wir sind mitten drin in der neuen Blase. Tja, und die ganzen Business-Angel da draußen kommen mir vor wie Klaas Klever — nichts Halbes, nichts Ganzes, nichts Gekonntes. Mehr Schein als Sein — und zum Schluß gewinnen eh immer die Guten… 😀

Ich habe so das Gefühl, dass ich irgendwann mal sagen werde: adical — das sind die Guten… 😉

Bild: Jason White unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

26 Antworten zu “Der nächste Dreck rollt an: Shoppero”

  1. Falk sagt:

    Wenn ich da schon wieder Zielgruppe lese. Sorry, solche Worthülsen können sich Werber wirklich langsam dorthin stecken, wo die Sonne niemals hinkommt.

  2. Chris sagt:

    Buzzwords, Worthülsen, ja, das ist das Leben solcher Leute. Eigentlich traurig…

  3. Grainger sagt:

    Die Werbekasper wollen auf die Art und Weise den Eindruck erwecken, das eine angeblich auf die Bedürfnisse (wobei schon der Begriff Bedürfnisse interpretationsfähig ist) und Wünsche der Zielgruppe zugeschnittene Werbung von dieser nicht als Belästigung empfunden wird.

    Natürlich ist das purer Unsinn (oder genauer gesagt: eine von vielen Marketing-Lügen).

    Nun wird nicht nur uns Konsumenten in der Werbung eine schöne heile Welt vorgegaukelt, zunehmend gewinne ich den Eindruck das die ganzen Werbefuzzis ebenfalls in ihrer eigenen Traumwelt leben (nicht zwangsläufig in der gleichen Traumwelt die sie für uns Konsumenten erdacht haben) und den ganzen Mist, den sie so von sich geben, vielleicht tatsächlich selbst glauben.

    Diese Form des selbstinduzierten Selbstbetrugs (eiegntlich schon eine Form des Realitätsverlustes) finde ich fast noch erschreckender als die fortwährenden Betrugsversuche an den Konsumenten.

  4. […] geschieht. Sicher sollte man niemandem pauschal an den Karren pissen, aber der eine oder andere kritische Blick sollte doch wohl drin […]

  5. kobalt sagt:

    Das Internet verkommt zunehmend vom Informationsmedium zum Unterhaltungsmedium.
    Das ist schrecklich, aber es liegt auch Hoffnung darin, denn Menschen, die nur konsumieren wollen, sind der Tod der Mitmach-Web-2.0-Blase.

    Es erstaunt mich immerwieder, daß Banken Menschen bereit sind, Kredite auf der Grundlage von Worthülsen wie «user generated content», «social shopping», «urban style sharing» etc. zu geben.

    Das zeigt aber auch die Geringschätzung, die der Zielgruppe durch das Unternehmen entgegengebracht wird. Das Unternehmen hält seine User für dumm genug, an inhaltsleere Worte zu glauben.

    Davon abgesehen sollten die User, die den Content generieren, für ihre Arbeit bezahlt werden, wenn sie schon mitmachen.

  6. Chris sagt:

    Die nette Frau Zypries wird irgendwann mal beim Bundesverfassungsgericht landen… Omg…

  7. Falk sagt:

    Social Commerce

    Wer den Fehler in dieser Wortschöpfung findet, ist ein Klugscheisser und bekommt von mir ein Bussi-Wassereis spendiert.

  8. Chris sagt:

    *rofl*

    Ich schicke Euch zu lanu, da kommentiere ich das Geschehen… 😀

  9. […] den Fehler in dieser Wortschöpfung findet, ist ein Klugscheisser und bekommt von mir ein Bussi-Wassereis spendiert.[1] Kann allerdings auch gut sein, dass ich […]

  10. maternus sagt:

    Als reizendes Detail am Rande sei kurz bemerkt, daß die Namenswahl zumindest in den Ohren von Leuten, die des Italienischen mächtig sind, etwas unglücklich ausgefalllen ist:

    «Sciopero» heißt da nämlich Streik.

  11. XSized sagt:

    Und irgendwie ist der Name «Shoppero» nun nicht wirklich neu

    Fiel mir bei einem zufälligen Vertipper heut morgen auf.

  12. […] Shoppero — Das ist kein Spiel […]

  13. Mainbube sagt:

    Ich würde ja einfach mal abwarten was passiert bevor ich Leute als «Verarscher» bezeichne.

  14. Chris sagt:

    Ich hab die Gerüchteküche nicht angeheizt… 😉

  15. PeterS sagt:

    Herr Kunath steht kritischen Kommentaren offenbar nicht ganz so offen gegenüber, wie es sein Blog Glauben machen soll. Jedenfalls wurde ein Kommentar von mir auf seinem Blog gerade gelöscht. Nur wenige Minuten hat er überlebt.

  16. Chris sagt:

    Darf ich fragen, was Du geschrieben hast?

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Macher des Web 2.0-Startups Shoppero und Web 2.0 nicht wirklich miteinander vertragen…

  17. PeterS sagt:

    Klar darfst Du. Ich hatte hier:

    Klick

    folgendes geschrieben:

    «Jeder, der hier mit Herrn Kunath ins Geschäft kommen möchte, sollte sich vorher einmal über seine Praktiken informieren. Zum Beispiel hier:

    http://forum.kanzlei.de/s.….php?t=70

    Sehr aufschlußreich. Sehr abschreckend.»

  18. Chris sagt:

    Sehr aufschlußreich — wohl wahr. Obwohl: Gerüchte ja sagen, das war alles eine Verschwörung der Verbraucherschützer mit der Presse…

  19. PeterS sagt:

    Natürlich.…

  20. […] Morgen stellt Nico das neue super-duper grandiose Social Commerce-Web 2.0-Startup Shoppero vor. […]

  21. […] ich sage nun nicht, wir haben es von Anfang an gewusst. Ich weise auch nicht darauf hin, dass, als dieser Artikel online ging, bis auf die […]

  22. […] Nachdem das Projekt diese Woche auf der next07 vorgestellt wurde, war die Resonanz, sagen wir mal, nicht einhellige Begeisterung (hier oder hier zum Beispiel). Nun äußert sich Nico Lumma auf dem Shoppero-Blog zu einigen der Kritikpunkte, und Robert Basic bewertet das ganze noch einmal neu. Einen anderen Aspekt, nämlich den der Haftung für den benutzer-generierten Inhalt auf Shoppero, hinterfragt XSblog2.0. Auch fixmbr steht dem ganzen sehr kritisch gegenüber. […]

  23. […] Shoppero wurde ja bereits viel geschrieben. Fast alles findet meine […]

  24. […] Ihr Euch noch an Shoppero? Ich war von Anfang an nicht begeistert, doch man stellte schnell klar, das ist kein Spiel. Wir lernten, dass nicht Nico selbst für […]

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