Der Münte– und Steinmeier-Effekt

Projekt 18Letzte Woche noch hat die SPD gefeiert. Der ungeliebte Problembär Kurt Beck wurde zurück in die Provinz geschickt, dafür Kurnaz-Freund und Harz IV-Macher Frank-Walter Steinmeier inthronisiert. Ihm zur Seite gestellt, wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, Franz Müntefering. Die Medien feierten — endlich war der Provinzfürst geschasst, der weltgewandte, sich gleich dem Stürmer der BILD am Sonntag stellende Retter der SPD war empor gestiegen um der Partei, den Menschen, dem Volk, dieses+m Land den rechten Weg zu weisen. Auch die Basis der SPD hat gefeiertjetzt geht es vorwärts, war überall zu vernehmen. Via BILD am Sonntag verkündete der Jesus Christus der SPD, Frank-Walter Steinmeier, dann auch gleich, mit wem er 2009 nach der Bundestagswahl zu koalieren gedenke: Eine Ampel-Koalition solle her. An seiner Seite werden die FDP mit Guido, der Kanzlertäufer stehen — sowie die Grünen mit Maria Magdalena Roth. Die Grünen sind für jeden Spaß zu haben — nur der Guido, der ziert sich noch, spielt ein wenig den Judas. Macht nichts — die Presse hat ihren Spaß und es soll tatsächlich Menschen da draußen geben, die ernsthaft an einen Bundeskanzler Frank-Walter Steinmeier glauben. Manche Medienkampagne könnte man durchaus als bewusstseinsverändernde Droge einstufen.

Man hätte es ja schon letzte Woche erahnen können — es gibt innerhalb der Bevölkerung keinen Münte– und/oder Steinmeier-Effekt. Über längere Zeit schon sehen verschiedene Umfrageinstitute die SPD bei rund 25% — mal einen Prozentpunkt weniger, mal einen mehr. Diese Kaffeesatzleserei ist immer lustig anzuschauen. Es gab allerdings eine Ausnahme: FORSA. Unter politisch Interessierten ist und war bekannt, dass man gerade mit den Zahlen von FORSA sehr vorsichtig umgehen muss. Dass der STERN und Bertelsmann mit diesem Umfragen Woche für Woche Politik betrieben haben, schließlich großen Anteil an den Entwicklungen der SPD haben, sei nur am Rande erwähnt. Mission accomplished — so wird man vielleicht im Hause FORSA gedacht haben. Denn, oh Wunder, auf einmal glich FORSA seine Zahlen den der anderen Institute an. Ein sensationeller Münte– und Steinmeier-Effekt, die SPD steigt um 4%. Die Medien überschlugen sich mal wieder — die SPD auf dem Weg nach oben. So etwas noch Journalismus zu nennen, fällt schwer. Über Monate zeigen anderen Umfrageinstitute eben genau diese Zahlen für die SPD, nun gleicht sich FORSA an — und es gibt einen Münte — und Steinmeier-Effekt. Mag sich jeder selbst dazu etwas denken.

In diese ganze Posse passt, dass FORSA die SPD nun wieder auf einem absteigenden Ast sieht. Es ist einfach nur noch lächerlich. Dabei muss man da draußen einfach nur mal die Menschen fragen. Oder auf Webseiten lesen, die nicht den großen Medienhäusern angeschlossen sind oder ein Parteibuch mitsichtragen. Die SPD hat insbesondere ihr Wählerklientel verraten und verkauft. Nicht Kurt Beck ist daran schuld, dass die SPD derart von den Menschen in diesem Land verabscheut wird. Der Beginn war bereits die Mitte-Rechts-Koalition unter dem aufrechten Deutschen Helmut Schmidt, der Höhepunkt die Agenda 2010 unter Gerhard Schröder. Die Auflösungserscheinungen der SPD manifestieren sich nicht in Kurt Beck, einen angeblichen, aber wirklich nie dagewesenen Linksruck. Sie manifestieren sich in dem eigenen Spiegelbild. Die SPD hat sich selbst, die eigenen Geschichte, die Menschen in diesem Land verraten und verkauft. Dass gerade Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering und Gerhard Schröder als Wahlkämpfer, die für den jüngsten Verrat stehen, wie kaum eine andere Person, nun als Retter gefeiert werden, ist mehr als bedenklich und lässt mich fragen, inwieweit es in diesem Land noch unabhängigen Journalismus gibt. Oskar Lafontaine kann soviel Blödsinn fordern, wie er will. Solange die SPD eine Partei bleibt, die Union und FDP rechts überholen will, eine Partei bleibt, die mehr Armut über unser Land gebracht hat, wie die Kohl-Regierung es jemals gekonnt hätte — solange sie also unwählbar bleibt, wird sie von ein paar unverbesserlichen Parteisoldaten leben und denen, die immer noch an die Mär vom kleineren Übel oder der Wahl zwischen Pest und Cholera glauben. Ein wirkliches Glauben an die SPD, an die sozialdemokratische Idee gibt es in diesem Land aber nicht mehr.

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Eine Antwort zu “Der Münte– und Steinmeier-Effekt”

  1. Carlos sagt:

    Irgendwie kommen mir Münte und Steini gerade vor wie Protagonisten in diesem Höhlengleichnis von Plato. Das einzige, was sie zu sehen bekommen, ist die SPD-Basis (Ok, nicht wirklich ein erfreulicher Anblick, das habt ihr hier ja schon mal beschrieben), und so träumen sie sich ihre eigene Realität zurecht.
    Es könnte aber für beide ein böses erwachen geben, wenn sie mal mit dem «normalen» Bürger konfrontiert werden.

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