der Kopierschutz

Am Anfang war das Wort und dieses galt es zu finden, so begannen damals schon die Hersteller diverser Text-Adventures eine Interaktion mit den mitgelieferten Gimmicks1. Man konnte per se noch nicht einmal von Kopierschutz reden, es war halt mehr Interaktion, um den Spielfluß zu erhöhen. Wenig später jedoch begann man damit bestimmte einzelne Wörter innerhalb des Handbuchs abzufragen. Lang dauerte diese Praxis jedoch nicht an, da es ein leichtes war derlei Code-Listen zu verbreiten. Man ging also dazu über Code-Scheiben zu nutzen, lustige Papierscheiben, die man gemäß der Anweisung auf dem Bildschirm, in Kombination zueinander setzen mußte, um den gewünschten Code zu erlangen. Auch hier wollte man nicht mit der Tür ins Haus fallen und startete erst einmal mit einer zaghaften Umsetzung, z.B. bei Monkey-Island, bis hin zu recht komplexen Anordnungen wie z.B. bei den bekannten Rollenspiel-Klassikern von SSI2 . All diese Dinge alleine machten jedoch alleine auch nicht glücklich und so ersann man Methoden die auch heute noch usus sind, wenn auch das Medium selbst einem Wandel unterzogen war.

Schon zu frühesten Zeiten versah man Spiele auf Kassette mit absichtlichen Fehlern, verwendete spezielle Lade-Routinen usw., letztendlich konnte selbst der ehrliche Köpfer so manches Mal dieses Spiel kaum noch nutzen. Grund war die recht fragile Beschaffenheit des Mediums, sowie die mit der Zeit schwindende Qualität des Tonabnehmers in der Datasette. Kleinste Änderungen konnten sich hier zu einem Desaster auswirken. Nicht wirklich ein Grund zum verzweifeln, denn auch ohne derlei Machenschaften verweigerte so manches Band mit der Zeit auch den Dienst am Käufer. Die Floppy Disk im Flex-Format, sprich 5.25″, leitete eine neue Qualität ein, jedenfalls im Verhältnis zum Band, tatsächlich besser waren erst das exotische 3″ Format3 oder das wesentlich verbreitetere 3.5″ Format. Eine neue Qualität feierte jedoch ebenso ihren Einstand und zwar wiederum der Kopierschutz. War man doch beim Band noch recht beschränkt in Art und Umfang des Schutzes bzw. wußte um den massiven Kolateralschaden, so sah es doch bei der Diskette weitaus besser aus. Hier konnte man erst einmal nach herzenslust Fehler unterbringen, die Anfangs für Befriedigung sorgten. Aber o Graus, mit der Zeit lernten auch die User das Medium besser kennen und so begann ein Wettlauf um den besten Kopierschutz, der wiederum ein ähnliches Desaster wie anno tobak bei den Bändern offerierte. Zu allem Überdruß begannen nun auch einige ganz gewitzte Hersteller, erstmals bildeten sich wohl in jener Zeit Firmen die Kopierschutzmechanismen für Spiele erstellten, damit die CPU der C64 Floppy zu programmieren, eben um noch einen gewitzteren Kopierschutz unterzubringen. Es kam wie es kommen mußte, ein massiver tolerierter Kolateralschaden.

Etwas später machte man sich auch Gedanken Anwendungen zu schützen, insbesondere jene teuren wie z.B. Autodesks 3D Studio für MS-DOS. Das simple Code-Eingaben nicht wirklich fruchten wußte man auch dort und beglückte somit die User mit einem Dongle. Einer kleinen blackbox die mittels Treiber eingebunden und vom Programm abgefragt wurde. Auch hier gab es wie sooft recht schnell Gegenmaßnahmen, Gegenmaßnahmen wiederum die recht schnell auch von ehrlichen Käufern genutzt wurden, da sich der Dongle in der Praxis oft als recht wiederspenstig herausstellte im jeweiligen Kontext. Insbesondere die recht fragile Speicherverwaltung unter DOS mutierte so oft zu einem entweder/oder-Spiel. Dongles existieren selbst heute noch und sind keineswegs unter der Kategorie funktioniert einwandfrei abzuhaken. Aber wie dem auch sei, dieser kleine Ausflug in die Welt der Applikationen sollte nur eines aufzeigen, auch diese kam nie zu kurz, wenn die Methodik dort auch weitaus verhaltener von statten ging. Gekrönt werden heutzutage Anwendungen immer noch von Lizenseingaben, recht teure Vertreter auch mit Lizensierungsservern4, im mittleren Segment langt da die Aktivierung mittels Internet. Letzteres Verfahren ist vielen Windows-Usern ein Begriff, ebenso die zum Teil einhergehende Problematik. Lösung dort, die Verwendung spezieller Firmenversionen. So oder so erreicht der illegale Nutzer in der Regel sein Ziel und oft genug müssen die identischen Lösungen herhalten für ehrliche Käufer, um dem Aufwand/der Problematik bei der Benutzung des geschützten Produkts zu umgehen.

Doch zurück zu den Spielen, mit dem Aufkommen der Compact Disc wurde das Medium Diskette recht schnell abgelöst und auch hier gab man sich zuerst mit dem simplen Schutz der Unkopierbarkeit zufrieden. Denn wer besaß schon einen CD-Brenner? Aber das war alles nur eine Frage der Zeit, der Reigen wiederholte sich und dauert bis zum heutigen Zeitpunkt an. CDs werden geschützt, DVDs kamen zuerst mangels Kopierbarkeit ohne daher, der Schutz wird verstärkt, der Kolateralschaden erhöht sich, immer perfidere Methoden wurden und werden ersonnen, teils auch absurde Kombinationen aus bereits bestehenden Mechanismen. Der Kolateralschaden nahm teils derartige Ausmaße an, daß ein Kopierschutz wie Starforce angeblich Laufwerke beschädigte, zumindest grub sich dieser derartig ins System ein, daß damit Angriffen von außen Tür und Tor geöffnet wurden. Auch Sony offerierte hier eine völlig neue Dimension des Schutzes, das Rootkit.

An diesen Beispielen sieht man übrigens auch das heutzutage Kopierschutz nicht mehr eine Frage der Anwendung ist, sondern einfach nur eine Frage des Respekts, die eine Firma dem Kunden überhaupt noch entgegenbringt. Das vice versa natürlich ebenso oft der Respekt fehlt ist kein Geheimnis. Das der Respekt jedoch schon seit Beginn bei den Firmen fehlte, sieht man in dem Umstand bestätigt, das schon mit dem Advent der Heimvideorekorder versuchte wurde eben diese zu verbieten. So kann man sich weiterhin vortrefflich dem Diskurs der Henne/Ei-Problematik hingeben, während zeitgleich der Kunde mehr und mehr ins Hintertreffen gerät.

Just gesellte sich ein neuer Schutz hinzu, quasi ein Remix bekannter Absurditäten, EA nutzt diesen und es handelt sich um eine neue Version von Securom. Erst wird wie üblich ein Code eingegeben, dieser wird Online verifiziert, das Medium selbst ist danach nicht mehr notwendig. Wohl aber ist die Online-Verbindung notwendig, da nach 10 Tagen erneut geprüft wird. Um den User jedoch nicht zur Anwesenheit zu pressen, nimmt man diese Überprüfung schon fünf Tage vorher vor. Klappt letztendlich beides nicht, darf man sich mit dem Support von EA herumschlagen. Änderungen am System etc. oder sonstige etwaige Probleme werden natürlich schon recht früh zur Kontaktaufnahme mit dem Support zwingen.

Wie man sieht ist der Fantasie der Hersteller nicht wirklich eine Grenze gesetzt, aber auch die Selbstkasteiung der Konsumlemminge kommt nicht zu kurz. Dabei wäre es recht einfach, würde man diese Titel gänzlich ignorieren. Diese Vorgehensweise funktionierte und funktioniert recht gut im Bereich der Musik, dort zumindest ist ein Umdenken der Hersteller zu beobachten. Und wo wird all dies enden? Nirgends, denn mit fortschreitender Technologie erhöhen sich auch die Möglichkeiten der Schutzmechanismen, in naher Zukunft vielleicht der Retina-Scan vor dem Spiel und ein zusätzlicher Core eröffnet gar Dimensionen künstlicher Intelligenz 😉

Bild: Wikipedia

Addendum

EA hat diese Frist mit den 10 Tagen anscheinend aufgegeben, ansonsten jedoch bleibt alles unverändert.

  1. Infocom Adventues, Magnetic Scrolls, Origins Ultima-Reihe []
  2. Pool of Radiance, Secret of the Silver Blades etc. []
  3. Japan, Europa Amstrad/Schneider CPC/Joyce []
  4. Beispiele: Maya, Renderman []

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10 Antworten zu “der Kopierschutz”

  1. DrWatson sagt:

    Pool of Radiance hatte schon so ein kompliziertes Ding? Hatte das nicht noch eine simple Abfrage à la «Wort 9, Zeile 7, Seite 35″? Egal, erst kürzlich war ich kurz davor, ein paar dieser Klassiker auf ebay zu ersteigern, um sie in der DOSBox wieder zu spielen 😉 Aber wenn da dann freilich das Handbuch fehlt … :/

  2. Oliver sagt:

    Das hatte die Handbuch-Schwarte dabei, Secret of the Silver Blades dann jedoch die Scheibe. Neuere Inkarnationen von Pool of Radiance kamen jedoch auch mit der Scheibe.

  3. Max sagt:

    Ich kann echt nicht verstehen, warum jemand ein Spiel mit einem derartigem Kopierschutz kauft.
    Ich frag mich, ob die bei sowas auf die totale Fanboy-Verblendung bei PC-Spielern setzen, oder ob es genügend Leute einfach nicht interessiert in 10–15 Jahren einfach nochmal ihre echten Klassiker spielen zu können, auch nach dem das Internet als Hort des Terrorismus und Querulantentums abgeschaltet werden musste.
    Ich hoffe zu mindest, dass die damit schön auf die Nase fliegen, auch wenns nachher wieder die Raubkopierer waren, die ein weiteres unschuldiges Studio in den Ruin getrieben haben. Allen Defcons, SoaSEs und M&Bs zum trotz, die zeigen, dass man ohne faschistoides DRM mit guten Spielen durch aus erfolgreich sein kann.

    Ich hoff diese Systeme und die dazugehörigen Publischer sterben alle schnell, noch einmal ein solches träges dahinsiechen wie bei der tradtionellen Contentmafia wär nicht zu ertragen.

  4. Marcel sagt:

    Bioshock ist hier auch ein sehr unrühmliches Beispiel. Die PC Version wurde auch mit SecuRom ausgeliefert und war zu beginn so restriktiv, dass man das Spiel auf zwei Rechnern jeweils nur 3 mal installieren durfte, dass man wohl jetzt auf 5×5 erhöht. Ausserdem musste es _vor_ der Installation aktiviert werden. Klar, dass man die ersten Tage erstmal nicht spielen konnte.

  5. Oliver sagt:

    >dass man das Spiel auf zwei Rechnern jeweils nur 3 mal installieren durfte

    Sofern ich den Aussagen glauben darf,soll es bei diesem aktuellen Titel wohl auch dabei bleiben.

  6. Oliver sagt:

    >warum so misstrauisch?

    Erfahrung? Nichts anderem sollte der obige Exkurs dienen.

  7. ckwon sagt:

    Stimme dir zu. Je mehr Kopierschutz es gab (oder je stärker er angeblich war) umso größer die Kolateralschäden und umso schneller waren sie umgangen.

    Da ich eh nicht mehr soviel Zeit zum Spielen habe, werde ich mich vor den nächsten Spielekäufen informieren, wie stark der Käufer gegängelt wird.

    Und selbst biometrische Schutzmaßnahmen wird man irgendwann irgendwie umgehen können…ganz davon abgesehen, dass sowas bei der Einführung je nach Toleranz auch viele Berechtigte aussperren wird.

  8. Oliver sagt:

    Umgehen kann man letztendlich alles irgendwie, aber es ist eine Frage der Mittel und des Aufwands. Last not least tendieren die heutigen Staaten in Richtung Ächtung der notwendigen Mittel und daraus resultiert zumindest für viele Anwender ein enormer Aufwand. Es ist ein Wettlauf, jedoch unter ungleichen Startbedingungen.

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