Der Konvent für Deutschland und unsere Verfassung

BerichtSeit längerer Zeit schon frage ich mich, warum der Verfassungsschutz nicht den Konvent für Deutschland beobachtet, im Verfassungsschutzbericht explizit erwähnt und dort V-Männer eingeschleust hat. Der Konvent für Deutschland propagiert ganz offensichtlich einen Systemumsturz, (einzelne) Mitglieder sind der Meinung, unser Grundgesetz sei nicht mehr zeitgemäß — das Sozialstaatsgebot scheint für den Konvent für Deutschland das zu sein, was der türkische Mitbürger für die NPD-Ortsgruppe ist. Auch wird nach Artikel 14, Eigentum verpflichtet, nicht mehr gefragt, womit die Wirtschaft der Gesellschaft, den Menschen, unserer Demokratie zum Wohle der Allgemeinheit dienen muss — offen wird propagiert, wie sich Alles und Jeder der Wirtschaft unterzuordnen hat. Ob der Konvent für Deutschland abschließend eine verfassungsfeindliche Organisation ist, oder sich vielleicht nur unglücklich ausdrückt, will ich nicht beurteilen, auch wenn ich mir darüber meine Meinung gebildet habe — zumindestens aber verachtet er unser Grundgesetz, die Gesellschaft, unser Miteinander. Alles weitere sollte und muss der Verfassungsschutz laut seiner Aufgabe in unserem Land in Erfahrung bringen. Gestern haben einige alte Damen und Herren des Konvents für Deutschland ein neues Buch vorstellt — spätestens jetzt sollte und muss meiner Meinung nach der Verfassungsschutz aktiv werden.

Mut zum Handeln — Wie Deutschland wieder reformfähig wird, so heißt das neueste Machwerk, indem mehrere Mitglieder des Konvents für Deutschland unwidersprochen Interviews geben dürfen, wie sie sich ihr perfektes Deutschland vorstellen und welches die Idealvorstellung einer Gesellschaft ist. Wenn allerdings die FAZ und die WELT klar Stellung gegen das Buch und den Vorstellungen derer beziehen, die dort PR betreiben dürfen, von der Netzeitung ganz abgesehen, dann ist viel passiert im Staate Dänemark Deutschland. Wenn die FAZ davon spricht, dass die Journalisten versucht haben, diesen Wahnsinn im Zaum zu halten (wörtliches Zitat, Hervorhebung F!XMBR), dann fragt man sich, warum nicht von der angesehensten deutschen Tageszeitung die Frage nach dem Verfassungsschutz gestellt wird — es wäre durchaus eine logische Schlussfolgerung. Es könnte natürlich damit zusammenhängen, dass einer der Herausgeber der FAZ ebenso zu den PR-Leuten Jounalisten gehört, die zum Buch beigetragen haben. Vielleicht will man es sich mit den alten Freunden aber auch nicht zu sehr verscherzen — wer weiß das schon so genau.

In der Riege derer, die das Buch gestern vorstellt haben, befinden sich bekannte Namen. An vorderster Front wäre da natürlich Roman Herzog zu nennen, der sogenannte Ruck-Präsident — der meiner Meinung nach mit seiner Forderung nach einem neuen Wahlrecht einen Staatsstreich offen propagiert hat. Seine Begründung war ebenso gelogen, wie hanebüchen. Sinngemäß hat er davon gesprochen, dass die Väter und Mütter des Grundgesetzes nicht davon ausgehen konnten, dass es einmal in Deutschland ein instabiles Parteiensystem geben wird — welches heute durch den Einzug der Linkspartei in die Parlamente und dem daraus resultierenden 5-Parteien-System gegeben ist. Roman Herzog vergaß den Menschen aber zu sagen, dass bei der Verabschiedung des Grundgesetzes 10 Parteien im Bundestag vertreten waren — parteilose MdB nicht mit eingerechnet. Und natürlich darf bei so einer Veranstaltung auch der Mann, der sich mit Parasiten sehr gut auskennt, Wolfgang Clement, nicht fehlen. Meine Meinung über Wolfgang Clement ist bekannt — er ist offenbar über das geistige Niveau eines Boulevard-Journalisten niemals hinweggekommen. Dass die SPD ihn nicht aus der Partei geschmissen hat, ist ein Armutszeugnis ohne gleichen für diese Partei. Das aber nur am Rande.

Und natürlich findet sich in diesem exklusiven Club auch Hans-Olaf Henkel wieder, ehemaliger Präsident des BDIund umjubelter Star auf PI. Es versteht sich von selbst, dass man auf diese Person nicht weiter eingeht. Eigentlich ist für solche Menschen schon die namentliche Erwähnung zu viel des Guten. Auch der zukünftige FDP-Mann Oswald Metzger findet man in dem üblen Machwerk wieder, ebenso wie hochrangige Mitglieder unserer Wirtschaft. Sie alle dürfen fast unwidersprochen ihre Botschaften unter die interessierten Buch-Leser bringen — flankiert von Deutschlands sogenannten Top-Journalisten. Man könnte auch sagen, die PR-Maschinerie läuft: Deutschland befindet sich im Reformstau, Deutschland braucht mehr Reformen, Reformen, Reformen. Und natürlich bringen die Damen und Herren auch gleich Ideen mit — Vorschläge zu einer neuen Föderalismusreform lassen sich dort ebenso finden, wie der größenwahnsinnige Vorschlag nach einer Weltregierung — da fragt man sich, wer der vorstehen soll. Selten hat sich eine Vereinigung mit ihren aufrechten Mitgliedern argumentativ derart ins Aus geschossen. Während man über Eliten und deren Förderung schwadroniert, hat man für das normale Fußvolk nur Verachtung übrig — oder wie es die Netzeitung ironisch auf das Interview mit Jutta Limbach bezogen ausdrückt: Jugendliche, die sich verzweifelt um eine Lehrstelle bemühen, werden ihre Ermahnung zu Pünktlichkeit bestimmt zu schätzen wissen. So ist wohl die einfache Denke dieser Personen vom Konvent für Deutschland. Man kann sich ungefähr vorstellen, was in diesem Menschen vorgeht. Oben, die, die man unterstützen sollte, denen man alles, was sie wollen, geben muss — natürlich zählt man sich auch selbst dazu. Unten die, denen man zu sagen hat, was sie zu tun haben — aus Tipps werden schnell Gesetze und Verordnungen. Diese Elitenbildung, man entschuldige diesen scharfen Satz, hat schon zur Gründung der SS geführt — vor gar nicht allzu langer Zeit. Merken manche Leute eigentlich gar nichts mehr?

Das Buch ist wohl ein ganz übles Machwerk. Es setzt erneut die Axt an unsere Gesellschaft an, unser Miteinander, das, was unsere Vorfahren über Jahrhunderte aufgebaut haben. Es ist der beste Beweis dafür, warum der Konvent für Deutschland vom Verfassungsschutz unter Beobachtung gestellt werden muss. Lesen muss man das Buch weiß Gott nicht — das scheinen im Übrigen auch die Macher selbst zu wissen. Wolfgang Clement gibt freimütig zu, dass er insbesondere die Stellen gelesen habe, die er beigesteuert hat, und auch Roman Herzog hat es noch nicht das ganze Buch gelesen. Angst vor der eigenen Courage oder einfach nur simpelste PR — der Konvent für Deutschland wird mal wieder in den Medien zitiert, den Leuten wird eingetrichtert, dass das Land neue Reformen braucht? Wie bereits erwähnt — wenn selbst die FAZ und die WELT davon sprechen, dass hier ewig Gestrige in Sabine Christiansen-Manier die gleiche Litanei runterbeten, als sei in den letzten 10 Jahren nichts passiert, dann sollte man vielleicht doch ins Nachdenken kommen. Diese Damen und Herren haben über Jahrzehnte Politik gemacht, über das Leben der Menschen bestimmt. Das Land, die Gesellschaft, das Miteinander ist fast so gut wie zerstört worden. Und was wird propagiert? Eine noch höhere Dosis: Nun wird selbst ganz offen vor dem Wahlsystem, dem Grundgesetz und ganz elementaren Stützpfeilern unseres Landes kein Halt gemacht. Wenn ich mir das Wirken des Konvents für Deutschland so anschaue, kann man zu der Meinung gelangen, dass diese Organisation ganz dringend unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestellt werden muss, gegebenfalls so schnell wie möglich aufgelöst gehört. Die Macher gehören meiner Meinung nach vor Gericht gestellt und verurteilt — und sei es nur moralisch wegen Unmenschlichkeit, sollte sich wider Erwarten die Verfassungsfeindlichkeit nicht beweisen lassen. Das ist aber nur meine ganz persönliche Meinung, die man nicht teilen muss.

10 Antworten zu “Der Konvent für Deutschland und unsere Verfassung”

  1. Steven sagt:

    Gestern die News zu dieser Buchveröffentlichung gelesen und ziemlich fassunglos gegenüber diesem Brandstifter Gedankenspiel der Änderung des Grundgesetzes gestanden. Pyromanische Eliten die ihre eigenen Feuerkinder heranziehen um die Welt nach ihrem Bilde und zu ihrem Vorteil verändern zu wollen. Wäre es nicht so elendig real, würde ich glauben einen Ludlum zu lesen.

    Stark geschrieben. Danke.

  2. marc sagt:

    Wenn ich mich nicht vertue, ist das Zitat von Jutta Limbach nicht von ihr selbst, sondern eine leicht ironische Kritik der Netzeitung zu ihren Forderungen.
    Ansonsten Danke für den Artikel, ein guter Rundumschlag. :)

  3. Chris sagt:

    Ich habs mal präzisiert. Kam wohl ungenau rüber…

  4. Jan sagt:

    Im diesem Zusammenhang ganz interessant:

    Klick

    Absolut erschreckend, und kaum einer ist darüber informiert…

  5. fenrir sagt:

    Sehr gut geschrieben. Wenn wir dieses Ausbeuterpack gewähren lassen sieht es in der Tat dunkel aus in Deutschland.
    Bitte mehr solche Artikel.

  6. […] genug davon bekommen. Zu den vielen News zu diesem Strip: Ein Link auf die Netzeitung und zu einem wunderbaren Essay von Chris von F!xmbr  in seiner bekannten gepflegten […]

  7. nexuslex sagt:

    Aber gelesen hast Du das Machwerk?
    Ich nicht, will hier auch keine Meinung auftischen. Mir fiel nur die grundsätzliche Ablehnung einer Weltregierung auf, weil das ein Gedanke ist, der mich stark beschäftigt… ob nämlich ein Welt, in der die meisten in relativer materieller Bescheidenheit existieren, mit einer wohlhabenden Elite, für die Aufstiegswilligen.. ob eine solche Welt zu realisieren, schon basierend auf der Grundidee der UN, aber im Gegensatz zu der quasi-faschistoiden Möchtegernweltregierung, die wir jetzt bestreben, nicht evolutionär wäre. Eine schwierige Frage… mir geht es um die Frage der Ausrichtung, ich halte eine globale Föderation der Nationen, wenn es denn sein muss, nicht für grundsätzlich verdammenswert. Weil, soziale Gerechtigkeit, nur im nationalen Rahmen realisiert, hat auch etwas hartherziges.
    Obwohl, mit dem Übergewicht an Armut eine weltweite Abstimmung der Interessen gleichen Gewichts aberwitzig sein könnte…

    Schwierige Frage, persönlich verteidige ich auch meine individuelle Souveränität

  8. […] zu dem Schluß kommen, dass eine geistige und ideologische  Nähe zur INSM und zum Konvent für Deutschland vorhanden ist. Flexiblere Arbeitszeiten, die Lockerung des Kündigungsschutzes sowie die […]

  9. […] diesem Bericht über den Konvent für Deutschland sind auf Flier’s Welt Internas aus dem innersten Zirkel veröffentlicht worden. Heute […]

  10. Mit Gauck wittert der Konvent jetzt Morgenluft:

    1.) Direktwahl des Bundespräsidenten
    2.) Ermächtigung des Bp, Gesetze abzulehnen
    3.) Ermächtigung des Bp, das Parlament aufzulösen

    Bonapartismus als Vorstufe zum Faschismus.

    http://andreaskemper.word.….schland/

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