Der Hype um eine Ein-Themen-Partei

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Eines haben die Landtagswahlen in diesem Jahr gezeigt: Der Hype um die Ein-Themen-Partei neigt sich so langsam dem Ende zu. Vor einer Woche noch waren sie in aller Munde, klopften sich selbst auf die Schulter und zeigten sich als einzige Partei der Vernunft. Auch wenn man es öffentlich nicht zugibt, so hat man sich am Wochenende in Bremen durch die Berichterstattung weitaus mehr erhofft, als die paar Wähler, die es schlussendlich geworden sind. Doch ein neuer Vorsitzender reicht nicht aus, um in Bremen zu triumphieren. Als Ein-Themen-Partei liegt man am Boden — erst Recht, wenn man bedenkt, dass selbst die beiden großen Parteien, CDU und SPD, Wähler und Mitglieder verlieren, obwohl diese einen Großteil der gesellschaftlichen Themen abdecken. Eine Nische wird nicht besetzt, auch wenn man es immer wieder behauptet, man hat sich selbst schlicht und ergreifend überflüssig gemacht.

Braucht es diese Ein-Themen-Partei in Zukunft noch?

Die Antwort ist einfach: Nein. CDU, SPD und Grüne und die Linke als Protestpartei decken derzeit das Parteispektrum in Deutschland ab. Wie viele Neustarts und Aufbrüche haben wir in den letzten Monaten gesehen? Fast monatlich wurde ein «Jetzt erst Recht» beschworen — doch der Wähler urteilt hart und eindeutig: «Mit uns nicht mehr». Ein Streifzug durch die (links-grüne) Blogosphäre zeigt: Es reicht nicht einmal mehr zur Kritik, die Partei wird ignoriert, im günstigsten Fall belächelt, selbst die politischen Mitbewerber finden kaum noch Gegenargumente, weil aus der Partei selbst keine Argumente kommen.

Die Partei ist an ihrem Image selbst schuld. Sie haben daran lange und mit anhaltendem «Erfolg» gearbeitet. Sie hat sich selbst überflüssig gemacht, obwohl eines ihrer Kernthemen, gerade in Zeiten des Bürgerrechtsabbaus, für Menschen und Demokratie in unserem Land seit Jahren eine existentielle Frage bedeutet. Freiheit — ein großes Wort, immer wieder beschworen. Doch die Wählerinnen und Wähler haben sich die Freiheit genommen, der Partei das Vertrauen zu entziehen, sie nicht mehr zu wählen. Das Steuersenkungsmantra wirkt in heutigen Zeiten irrwitzig — dem neue Parteivorsitzende fällt wie seinem Vorgänger nichts anderes ein, als von Steuerentlastungen bis 2013 zu sprechen. Die Partei hat nicht nur ein Glaubwürdigkeitsproblem, wie es in den eigenen Redaktionsstuben landauf, landab heruntergebetet wird:

Die FDP ist überflüssig.
Die Menschen haben verstanden.
Endlich.

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11 Antworten zu “Der Hype um eine Ein-Themen-Partei”

  1. Balkonschlaefer sagt:

    Die Wirtschaft wird dann einfach die Parteispenden, die sich jetzt bei der FDP einsparen kann in die anderen Parteien pumpen. Die haben keine Sorgen, deren Forderungen werden schon erfüllt, halt nur nicht mehr so schreiend auffällig wie es in letzter Zeit bei der FDP passiert ist.

    Ist den ganzen Bossen eh lieber, wenn die Klientelpolitik für sie nicht mehr so im Licht der Öffentlichkeit steht.

  2. K. Zar sagt:

    Feine Analyse, obgleich ich erst beim Steuerthema darauf kam, dass nicht die Piraten gemeint sind.

  3. Andi sagt:

    @K.Zar: Für mich war das bei «in aller Munde» klar. 😉

  4. […] nach der Wahl in Bremen verlinkt: Der Hype um die Ein-Themen-Partei ist vorbei… […]

  5. Paul sagt:

    Komisch, bis zu dem Teil mit dem Steuersenkungsmantra hab ich bei dem Artikel an die Piraten gedacht :)

  6. Harald sagt:

    Hehe, gut gemacht! Auch ich dachte beim Lesen zuerst «Och, nicht schon wieder Piratenbashing.» Tschüss, FDP! Wir werden dich nicht vermissen.

  7. […] Oder aber auch Der Hype um eine Ein-Themen-Partei […]

  8. dura sagt:

    Naja, die «jetzt reicht’s»-Partei (BIW) hat in Bremen ja (leider) ganz gut abgesahnt. Ebenso die Piraten, die eventuell mehr Listenstimmen hat, als die FDP.
    Ich frage mich, wie dass bei Grünen bzgl. Anti-Terrorgesetzte laufen würde. Die würden dass doch einfach (wieder) abnicken!
    Ich bin kein Fan der FDP, aber das Justizministerium haben sie richtig besetzt.

  9. Kloppi sagt:

    Hmmm… kleiner Schwenk fehlt mir noch bei diesem Artikel. Diese Partei war auch mal die Heimat von Hamm-Brücher und ist es noch von Hirsch und Baum. Und deren Standing beim Ziehen vors BVerfG fehlen der SPD und der Linken.

    Wir brauchen sehr wohl eine FDP, welche Bürgerrechte und Freiheit nicht nur als Monstranz vor sich herträgt und deren Mitglieder wie Hirsch und Baum, für die ich weit und breit keinen Ersatz sehe. Nicht einmal ansatzweise. Eine FDP als Steuersenkungsmantrapartei brauchen wir aber sicherlich nicht. Die CDU oder SPD würde ich aber ebensowenig vermissen…

  10. käptnjack sagt:

    Selbst die FDP hat tatsächlich mehrere Themen (siehe Programm), ebenso wie die Grünen seit ihrer Gründung mehrere Themen haben, und sich nicht nur auf «Umweltschutz» oder «mehr Demokratie» oder «Klima» beschränkt haben. Das ist auch nur natürlich, denn Parteien bestehen aus Menschen und werden von Menschen gewählt. Und die allermeisten Menschen sind nicht eindimensional, sondern vielschichtig, haben diverse Interessen und Änderungswünsche und Ideale, die vielleicht benachbart oder miteinander vereinbar sind. Oder nicht mal das.

    Hätten aber etwa die Grünen ausschließlich Klimaschutz oder Gleichstellung im Programm und würden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, sich auch um andere aktuelle Fragen der Gesellschaft zu kümmern, würden sie wohl nur von Scheuklappen-Menschen gewählt, deren einziges oder Haupt-Interesse Feminismus oder die Erderwärmung ist. Solche gibt es zwar sicher, aber das sind vermutlich 2–3% der Bevölkerung.

    Und da man nicht eine Partei nur für ein Thema wählen kann, und eine andere für ein anderes, sondern unter unseren Verhältnissen mit der Wahl einer Partei immer ein ganzes «Bündel» an weiteren Themen und Antworten mitwählt, würde man da dann bei einer Ein-Themen-Partei bei allen Themen außerhalb des Kernthemas «weiß nicht, sollen mal die anderen Wähler/Parteien entscheiden» wählen — bei Fragen von Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Sozialem, Umweltschutz, Arbeit, Innenpolitik… das wäre die Katze im Sack, das machen die meisten Wähler nicht mit.

  11. käptnjack sagt:

    Aber ich glaube, die «Fußballpartei» könnte trotzdem gewinnen.

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