Der heraufbeschwörte Mob

Noch während Moni um ihren Ruf kämpfte, hat es Dr. Web getan, Medienrauschen.de hat es getan, sogar zweimal. Jörg-Oliver hatte es auch vorher auf seinem Blog veröffentlicht. Zum Schluß reihte sich sogar in Johnny in diese Reihe ein. Wovon die Rede ist? Vom ach so schlimmen Blogger-Mob, der pöbelnd und gröhlend durch die Internetwelten zieht, lt. Meinung (Befürchtung) dieser Herrschaften. Die Blogosphäre — das sind wirklich ganz schlimme Burschen und Mädels.

Großartig darauf antworten möchte ich nicht mehr, wirres bringt aus auf den Punkt, ebenso Jens, mein Standpunkt kann ebenso bei Spreeblick nachgelesen werden, kurz zusammengefasst:

Dann kam der Fall Hessi — und die Blogosphäre hat bewiesen, was sie ist: Verantwortungsvoll, recherchierend und ich behaupte auch: erwachsen — in Bezug auf die alten Medien. Der Aufschrei nachdem die Abmahnung bekannt wurde, war riesengroß — aber ebenso schnell flachte diese Empörung wieder ab, schnell wurden Hintergründe recherchiert — wenn ich es mal so ausdrücken darf: Der Mob bewies, dass er eben dies nicht ist.

Es liegt natürlich in der Sache, dass diese Recherchen nicht von allen Bloggern ausgeführt werden konnten / können. Nicht jeder Blogger ist automatisch ausgebildeter Journalist — aber auch die, die innerhalb der Blogosphäre über solche Fälle nur berichten, schreiben und verlinken haben ganz schnell sehr besonnen reagiert.

Nein, die Blogosphäre Deutschlands im Jahre 2006 ist erwachsen und eben kein pöbelnder Mob. Dass es natürlich auch schwarze Schaafe gibt, wie Johnny sie beschreibt — die gibt es (leider) in jeder Bevölkerungsgruppe und dies keine Besonderheit der Blogosphäre.

Warum ich hier auch noch was dazu schreibe? Nun, ich sehe viele Blogs als reale Alternative zu den klassischen abhängigen Medien. Auf den unzähligen verschiedenartigen Blogs habe ich Emotionen und auch Informationen — in der Regel völlig unabhängig zu irgendwelchen Industrien, Parteien oder sonstigen Institutionen. Ich sehe die so genannte Blogosphäre als ernsthafte Alternative zu den SPONs und SZs dieser Welt. Und dann finde ich es schade, wenn die Blogosphäre als pöbelnder und gröhlender Mob dargestellt wird — und das auch noch von Bloggern selbst.

Ich schrieb es, natürlich muss man sich selbst immer hinterfragen, in seinen Möglichkeiten recherchieren — und das tut auch der Großteil der Blogger. Dass es auch schwarze Schaafe gibt, who cares, diese gibt es überall zu bestaunen. Wenn dieses Verhalten von Ausnahmen dann auf die gesamte Blogosphäre übertragen wird, ist es einfach schade, und muss man sich auch nicht wundern, wenn die klassischen Medien dieses Bild übernehmen und auch weitertragen. Heise schreibt heute in der wöchentlichen Kolumne Was war. Was wird.:

Moni macht Urlaub, ihr Rechtsanwalt verkündet Erledigung und der Bloggermob wendet sich neuen Dingen zu, an denen sich die Schwarmintelligenz aufgeilen kann.

Über solche Sätze in den Medien muss man sich nicht wundern, geben sie doch nur Worte aus der Blogosphäre wieder. Ein typisches Problem, was man sehr oft in unserer Gesellschaft beobachten kann — das Verhalten einzelner wird auf eine ganze Gruppe übertragen. Hier tritt das wahre unrecherchierte, unreflektierte Verhalten zu Tage.

Update 03.04.2006:

Auch sehr lesenswert: Werbeblogger.de — Krise zum Sonntag

Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog vor 4 Tagen:

Eine Zeitungsredaktion muss mit einer begrenzten Menge Leute einen möglichst vollständigen Überblick über die Nachrichtenlage auf einem limitierten Raum zu einem bestimmten Zeitpunkt liefern.
Weblogs recherchieren mit einer unbegrenzten Personenmenge ohne den Anspruch auf Vollständigkeit der Nachrichten zu haben. Dabei haben sie unbegrenzten (OK, irgendwann platzt der Server, aber das dauert) Platz und keinen festen Abgabetermin.

Und deshalb ist es legitim auch Geschichten zu schreiben, die vielleicht nur halbgar sind. Die Bereitschaft, zurückzuziehen, zu korrigieren, sich zu entschuldigen und den Kotau zu machen — die muss allerdings vorhanden sein.

3 Antworten zu “Der heraufbeschwörte Mob”

  1. Oli sagt:

    Wieviel Enten die etablierten Medien aufsetzen können zeigt Eindrucksvoll das Thema des intelligentesten Europäers … unkritisch wurde es überall feil geboten. Wird einem aus dem Ausland Honig ums Maul geschmiert, juckt die Integrität der Quelle nur noch wenig.
    Wenns darum geht Infos aus Wikipedia ohne Nennung der Quelle zu übernehmen, tun sich eben diese etablierten Medien wieder besonders hervor …
    Blogs sind nicht der Weisheit letzter Schluß, aber auch wenn sie mal irren können — irren ist menschlich — sind sie doch glaubwürdiger als so manches hochgeistige Blatt.

    Die Medien haben Angst, da sie schon lange gegen das Internet verloren haben …

  2. Don Alphonso sagt:

    Das bei Heise sollte man nicht missverstehen: Derr Mob und die Schwarmintelligenz ist m.E. ein Seitenhieb auf die Markt– und Zukunftsforscher, die in den Blogs auch nur dröge, zu bescheissende Konsumenten sehen.

  3. Chris sagt:

    Okay, ist aber auch nicht der wirkliche Kern der Kritik. Der geht eher in die Richtung der Blogger, die uns schlechter reden, als wir sind — und das teilweise mit drastischen Worten (Mob, Rudel, etc.). Da haben z. B. unsere amerikanischen Kollegen ein völlig anderes Selbstverständnis:

    Politblogger in den USA dürfen weiterschreiben

    http://www.gulli.com/news.….5–11-18/

    Nichtsdestotrotz interpretiere ich Heise trotzdem anders, im nachfolgenden Absatz wird ja noch nachgelegt:

    Wer auf Anwalts Spuren oder den Rudeleien der Blogger Nachrichten produziert

    Da wird aber auch nur Hal Farber drauf antworten können, und ich glaube kaum, dass der sich auf unser kleines F!XMBR verlaufen wird. 😀

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