Der heimliche Sieger

apostel_guido_620

Neben den Piraten gibt es nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin einen weiteren Gewinner: Guido Westerwelle. Vor der Wahl wurde spekuliert, dass er bei einem neuen Desaster seinen Stuhl räumen muss, laut Hannoversche Allgemeine war im FDP-Präsidium bereits ausgemacht, dass ihm Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Amt des Außenministers folgen sollte. Davon ist heute Nichts mehr zu hören. Westerwelle verweilt in New York, während sich die FDP in der Auflösung befindet und die neue Parteiführung stotternd und bleich vor die Kameras tritt. Der Start der neuen FDP-Führung unter Parteichef Phillip Rösler und Generalsekretär Christian Lindner war an Dilettantismus nicht zu überbieten. Heute wird nicht mehr über Guido Westerwelle diskutiert, sondern über den Parteichef und seinen Generalsekretär.

Von Guido Westerwelle war kein Wort zur Berlin-Wahl zu hören, lediglich seine Staatssekretärin und Vertraute, Cornelia Pieper diktierte den Hauptstadtjournalisten in die Notizblöcke, «dass es ein Fehler war, die Europartei FDP in Richtung Europa-Skeptiker zu profilieren». Auch wenn sie Rösler nicht direkt angesprochen hat, war dies ein direkter Angriff auf den Parteichef und seine populistischen Irrungen vor der Berlin-Wahl. Es darf als sicher gelten, dass diese Retourkutsche mit Westerwelle abgesprochen war. Es war die nicht allzu späte Rache des ehemaligen FDP-Vorsitzenden an seinem Nachfolger. Man kann in jedem dieser Worte eine große Genugtuung spüren.

Guido Westerwelle sitzt heute im Amt des Außenministers fester als in den letzten zwei Jahren zuvor. Es ist nicht davon auszugehen, dass er noch einmal einen ähnlichen Fehler begeht, als Deutschland sich im UN-Sicherheitsrat zur Libyen-Resolution enthielt. Westerwelle ist damit als Außenminister bis zum Ende der schwarz-gelben Koalition gesetzt. Gestern war er noch Buhmann, heute sollte man keine Wette darauf annehmen, dass er zurücktritt oder von der Partei ausgetauscht wird. Dies ist aber nicht auf die Stärke Westerwelles zurückzuführen, sondern auf die Schwäche der FDP und die unglaubliche Unfähigkeit der neuen Parteiführung. Und wer weiß: Wenn er seinen egomanischen Egoismus in Griff bekommt, sich von der eigenen Partei emanzipiert, scheint ein Umschwung in den Umfragewerte durchaus möglich.

Guido Westerwelle ist der heimliche Sieger der Berlin-Wahl.

, , , , , ,

2 Antworten zu “Der heimliche Sieger”

  1. asozialdemokrat sagt:

    Immer wieder hört und liest man vom Fehler Westerwelles, sich bei der UNO-Resolution 1973 bezgl. Libyens enthalten zu haben. Wieso eigentlich Fehler? Die Ergebnisse dieser Resolution oder besser seiner Interpretation durch die Nato, (es sollte lediglich eine Flugverbotszone durchgesetzt werden) sind jetzt zu besichtigen: eine weitgehend zerstörte Infrastruktur, tausende tote Zivilisten, ein sich ausweitender Bürgerkrieg, Pogrome gegen schwarze Arbeitsmigranten, unzählige Flüchtlinge sowie einen Übergangsrat, dessen Mitglieder noch nicht einmal in Gänze bekannt sind, aber eilfertig von einigen Ländern als wahre Vertreter Libyens «anerkannt» wurden. In Anbetracht des Desasters hätte Westerwelle eigentlich mit Nein stimmen müssen. Aber das wäre vermutlich der noch größere «Fehler» gewesen.

  2. Midnight Angel sagt:

    Nun; ich muß zugeben, daß ich mit dem Verbleib Frau Leutheusser-Schnarrenbergers im Amt der Justizministering nicht unglücklich bin. Ein etwaiger Umzug von ihr ins Außenministerium hätte den Weg freigemacht für einen weniger unbequemen Justizminister; einen, der sich nicht in Fragen der Voratsdatenspeicherung so querlegen würde wie sie (immerhin gibt es ja schon vielfache Stimmen aus der Union, die genau dieses Beharren auf Freiheitsrechten als nicht zielführend angreifen).

RSS-Feed abonnieren