Der größte Lump im ganzen Land

Heute fand ich mal wieder Spam in meinem Briefkasten vor — also dem im Real Life. Doch diesmal waren es nicht irgendwelche Werbetütchen mit Luftballons und Trillerpfeife, worüber mancher Blogger dann seitenlang wirbt und sich sehr wichtig dabei vorkommt. Seht her, ich habe Werbung zugeschickt bekommen, ich bin Mr. Wichtig. Nein, diesmal war es ein Buch — also so richtig totes Holz. Und da das Lesen einer meiner Lieblingsbeschäftigungen ist, kämpfte schon das kleine Teufelchen oben mit dem kleinen Engelchen ob man denn nicht bei Gefallen etwas Positives über das Buch schreiben sollte. Doch als ich es auspackte, musste ich schon stutzen, stach mir doch sofort das Wort Online-Personenrecherche entgegen. Der Untertitel des Buches: So googeln Sie Schuldner, Nachbarn, Bewerber und ihr nächstes Date. Ihr lest richtig: Es ist kein Buch mit Tipps und Tricks wie man Einträge in diverse Datenbanken verhindert, wie man sich schützt. Das Machwerk will keine Sensibilität schaffen — es will genau das Gegenteil. Der Nachbar ist der Terrorist, der Bewerber Alkoholiker und das nächste Date bietet ihre freizügigen Dienste direkt über das Internet an.

Auf der Rückseite steht geschrieben:

Alles was Sie zur Personenrecherche wissen müssen, erfahren Sie in diesem Buch von Barbara G und Michael B.  Die beiden Datendetektive verfügen über mehrjährige Berufserfahrung, kennen die Kniffe des Data Minings und verraten Ihnen, wie Sie bei der Recherche unbekannt bleiben.

(Hervorhebung von mir)

Das Inhaltsverzeichnis lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Stasi hatte lange nicht die technischen Möglichkeiten, die das heutige Web 2.0 bietet. Jeder kann und darf heute ganz legal seinem eigenen Überwachungsfetisch frönen. Es braucht keine privaten Sexvideos auf einschlägig bekannten Portalen — der deutsche Michel kann sich seinen feuchten Schlüpper direkt über Google holen. Die großen Unternehmen, wie StudiVZ, Xing und Facebook werden ebenso besprochen, wie die ganzen sogenannten Personensuchmaschinen, angefangen bei dem deutschen Stalker-Projekt Yasni. Bonitätsprüfungen und die Recherche im direkten Umfeld der Zielperson, also Nachbarn, Freunde, Verlinkungen, fallen dabei gar nicht mehr auf. Manch durchgeknallter Web 2.0-Irrer wird sich sicherlich über das Buch freuen, ich für meinen Teil habe es nach der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses angewidert beiseite gelegt. Bleibt nur auf die Vernunft und die Einsicht derer zu hoffen, die über dieses Buch stolpern und es als das Ansehen, was es ist: Ein ganz übles Machwerk, welches zum Ausspionieren und zum Stalken gegenüber den Mitmenschen aufruft. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben konnte die heutigen technischen Möglichkeiten nicht voraussehen. Deshalb sind seine Worte heutzutage Understatement:

Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

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5 Antworten zu “Der größte Lump im ganzen Land”

  1. Sebastian sagt:

    Was es nicht alles gibt. Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn es die DDR heute noch gäbe. Der Mielke würde aus seinem Büro wohl gar nicht mehr rauskommen.
    Zum Thema «Weglegen»: Sowas macht man doch nicht. Les es doch lieber bis zum Schluss. Und wenn es noch so langweilig ist.

  2. willi sagt:

    Udo vom Lawblog hat das Buch auch bekommen.
    Ihm hat’s auch nicht gefallen.

  3. Lupus sagt:

    LOL, wendet die Methoden, die da beschrieben werden einfach mal auf die Autoren an und veröffentlich die «Recherche», denn da düften ja nur Sachen rauskommen, die öffentlich im Internet stehen und daher völlig «normal» sind xD

  4. […] Und jetzt auch noch die Anleitung für jedermann Das Inhaltsverzeichnis lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Stasi hatte lange nicht die technisc… […]

  5. Wolf-Dieter sagt:

    Das Buch handelt offensichtlich von Spitzeltricks mit zeitgenössischen technischen Mitteln. Aber maßlos abscheulich finde ich es eigentlich nicht. Wer im zwischenmenschlichen Bereich spitzeln will, tut es, mit oder ohne dies Buch.

    Erinnert mich an Kleinanzeigen aus den 70er Jahren, wo irgendwelche Wunderdoktoren ihre Röntgenbrillen angepriesen haben.

    Das Buch ist mir eher Wurscht. Interessant allenfalls als Realsatire.

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