der gemeine Buchdieb

Es muss auch künftig der Entscheidung von Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, kurz: allen Kreativen freigestellt bleiben, ob und wo ihre Werke veröffentlicht werden sollen.

Ein Zitat aus dem offenen Brief Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte, welcher in der FAZ offeriert wird und von Verlegern und einem Literaturwissenschaftler verfaßt wurde. Es dreht sich um das leidige Thema Google Books und dem kann ich auch gerne beipflichten, Google zieht daraus kommerziellen Nutzen und das kann nicht sein. Gleichsam geht jedoch mit diesem Anspruch, sofern man seitens des Staats dem Ruf Folge leisten würde, eine massive Beschränkung der Kultur einher. Schon heute ist es ein Unding sinnvoll wissenschaftlich zu arbeiten, man schlittert zwischen Urheberrechten umher, Verlagen die den Kulturremix wieder und wieder vergüldet sehen möchten.

Sicherlich, die Beschränkung im wissenschaftlichen Bereich ist hausgemacht: man möchte kostenfrei arbeiten, aber den eigenen kulturellen Remix später kräftig entlohnt wissen. Auch ist die Marge für Fachverlage relativ gering, die Preise ergo über die Gebühr usw. Dieser Problematik kann man nicht mit dem Betrug am Autor begegnen, vice versa rechtfertigt dieser Umstand jedoch auch keine drakonischen Maßnahmen, um die Remixe aus dem kulturellen Kreislauf zu entziehen. Denn nichts anderes ist es, wenn das Werk wieder und wieder teuer verkauft wird und die Menge der potentiellen Nutznießer gewaltig einschränkt.

Wer nicht an Kultur partizipiert, ist es auch nicht Wert von dieser zu zehren.

Jeder Autor und wenn er auch das gruseligste Stück Literatur veröffentlicht zehrt von eben dieser Kultur die ihn von Kindesbeinen an tagtäglich umgibt. Kostenfrei wurde er von dieser genährt, von Geschichten, Eindrücken, Bildern etc. pp. — die Aufzählung ist Legion, wenn nicht gar unmöglich. Die Neuanordnung dieser Elemente, die Interpretation, eben diese kulturelle Mashup ist selbstredend schützenswert. Aber um welchen Preis? Für 50, 100 Jahre oder mehr? Eher kürzer sollte es sein, wir schützen hier keine Kopfgeburten, sondern kulturelle Wiederverwertung. Selbstredend also verdient der Autor Schutz, Schutz um von den Früchten seiner Arbeit auf Zeit leben und wiederum ertragreich weiter arbeiten zu können. Vielleicht also ein Schutz für 5,10 oder maximal 15 Jahre — je nach Charakter des Werks. Ein Schutz, der es dem Autoren ermöglicht an seinem Remix zu verdienen und in dieser Zeit weitere Werke zu schaffen.

Was aber rechtfertigt einen lebenslangen Schutz oder gar jenen über den Tod des Autoren hinaus? Der momentante Anspruch ist absurd durch und durch, der Wirtschaft entsprungen — dem Hort aller Kulturbanausen. Google ist eine Facette dieser kommerziellen Ausbeutung von Kultur, aber keinesfalls das Problem per se wie man sieht. Wir schauen Zeiten kultureller Entmündung der Gesellschaft seitens wirtschaftlicher Interessensverbände — eine nie zuvor gesehene Enteignungs– und Wegschließmentalität, die allenfalls für teures Geld und unter absurden Auflagen umgangen werden kann.

Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder[…]

Vielleicht wäre es also an der Zeit die richtigen zu addressieren, anstatt auf Beihilfe der Volksvertreter zu hoffen. Vielleicht würde man beim tatsächlichen Kulturträger, den Völkern dieser Erde, mehr Akzeptanz finden, wären denn die Ansprüche gen diesem formuliert und nicht von absurden Wirtschaftsinteressen geprägt. Ein Versuch wäre es wahrhaftig wert …

Bild: Wikimedia

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