Der Geist des Don Corleone

Am besten lässt sich der aktuelle Zustand der SPD mit der Seele von Don Corleone vergleichen. Verbittert und einsam, von Freunden und Familie verlassen, nimmt Michael Corleone am Ende des zweiten Teils an allen grausame Rache, die sich jemals gegen ihn gestellt haben und von denen er enttäuscht wurde. Er schreckt selbst vor Brudermord nicht zurück. Mit dieser beispiellosen Vendetta vernichtet er alle Feinde innerhalb der eigenen Familie und sichert sich so seinen unwiderruflichen Status Quo auf Jahrzehnte hinaus. Gleiches passiert zur Zeit innerhalb der SPD.

Gerhard Schröder, Frank Müntefering und die Familienrechten haben jahrzehntelang die Geschicke der Partei gelenkt. Nach ihren Gutdünken sind sie dabei buchstäblich über Leichen gegangen. Die Basta-Politik ist noch heute legendär. Doch dann wurde Don Schröder von der eigenen Familie gemeuchelt — sein bisheriger Consigliere Franz Müntefering wurde sein Nachfolger. Doch auch Don Müntefering wurde schnell von der eigenen Familie hinterrücks mit dem Messer angegriffen, so dass er keine Wahl hatte und sich zurückziehen musste. Der bisher in die Ecke gedrängte Teil der SPD-Familie übernahm die Geschäfte: Ein schwacher Don Beck ließ sich dabei immer mehr von der Familienlinken beeinflussen. Doch sollte dies nicht lange anhalten. Don Müntefering und seine Vasallen warteten auf den Tag der Abrechnung, den Judgement Day. Dieser Tag sollte sehr schnell kommen.

Mit Hilfe der Presse, die schon immer unter Kontrolle der Familienrechten stand, wurde erst Problemdon Beck in den Ruhestand geschickt um dann wieder Franz Müntefering zu inthronisieren. Mächtiger denn je war der alte und neue Don auferstanden. Mit seinem neuen Consigliere Frank-Walter Steinmeier und seinen Getreuen begann er sogleich die Familie nach seinem Willen umzubauen. Er geht dabei mit einer Brutalität vor, die seinesgleichen sucht. Dazu gehörte selbstverständlich auch Rache an denen zu nehmen, die sich ihm und seinen Getreuen in der Vergangenheit in den Weg gestellt haben. Zuerst wurde Hubertus Heil das Messer in den Rücken gerammt, damit Karl-Josef Wasserhövel die Interessen der Familie in Berlin übernehmen konnte. In einem nie zuvor gesehenen blutrünstigen Attentat wurde das hessische Familienoberhaupt von vier Parteirechten geradezu vernichtet. Sie, deren Name nicht mehr genannt werden darf, wurde nicht nur mit unzähligen Messerstichen abgeschlachtet, auch wurde ihre persönliche Ehre und Integrität den Wölfen zum Fraß vorgeworfen.

Zuletzt wurde einer der einflussreichsten Familienlinken in Hamburg von den Familienrechten angekettet zum Baden in die Elbe geschickt. Niels Annen wird Don Müntefering in Berlin nie wieder belästigen. Die Familienrechten nehmen derzeit grausame Rache an allen, die jemals das Wort links in den Mund genommen haben. Beobachter der Familienverhältnisse erwarten, dass bald die als Familienlinke geltende Andrea Nahles Messer aus ihrem Rücken ziehen muss. Es tobt keine Schlacht, es ist nur noch ein Schlachtfest, so hocherfreut eine anonyme Stimme aus dem innersten Zirkel des Don Müntefering. Diese bestialische und brutale Vendetta wird Don Müntefering und seinen getreuen Familienrechten auf Jahrzehnte hinaus die Vorherrschaft innerhalb der Familie sichern. Don Müntefering ist am Ziel — insbesondere wenn er nächstes Jahr die Zusammenarbeit mit seinen geistigen Brüdern der CDU-Familie verlängern kann.

Das Ende von Don Müntefering wird dem Ende von Michael Corleone gleichen. Don Corleone stirbt als gebrochener Mann, einsam und verlassen in einem Rollstuhl — niemand ist bei ihm. Die Menschen sind ihm nicht aus Überzeugung gefolgt, sondern aus Angst. Er hat die Menschen nicht mitgerissen, er hat Gefolgschaft blutig erzwungen. Er hat sich Problemen nicht gestellt, er hat Menschen aus dem Weg geräumt und verschwinden lassen. Das gleiche Schicksal steht der SPD sowie Don Müntefering bevor: Völlig entmutigt und resigniert, von Gott und der Welt verlassen lebt man im hohen Alter nur noch von vergangenen Zeiten. Damals, als man Kate der Familie vorstellte, überglücklich war und die ganze Welt umarmen wollten, damals, in Godesberg, als man mit einem überzeugenden Programm die ganze Welt umarmt hat. Damals, als sich Michael Corleone und Franz Müntefering noch nicht Don nannten. Damals, als sie noch nicht mit Menschen und deren Existenzen Schach spielten.

, , , ,

5 Antworten zu “Der Geist des Don Corleone”

  1. Solarix sagt:

    Schoen geschrieben, ein netter Vergleich.

    Der entscheidende Unterschied ist aber, Don Michael Corleone, hat das hundertfache an Ausstrahlung im Vergleich zur «Fuenf Watt Birne» «Muente» und ungefaehr den gleichen Glamourfaktor wie ein Hollywoodstar. Muente und seine «Gang» eher den von haesslichen «Gartenzwergen» 😀

    Das wirkt weder gefaehrlich noch glamouroes. 😉

  2. Luca.Freytag sagt:

    Nur mal so nebenbei: es heißt Consigliere (Berater/m), die weibliche Form endet mit «a» und Consiglieri ist die Mehrzahl. Wir wollen es doch dem «Capo degli Capi» recht machen.

    Der Vergleich ist aber goldrichtig. Zur Zeit ist ein vermehrtes Favoritensterben zu beobachten. Dein Fazit wird sich als richtig herausstellen, wenn die letzten aufrechten Linken zur Konkurrenzfamilie übergelaufen sind und mit ihnen die Wähler.

    Eigentlich traurig aber unausweichlich.

  3. Chris sagt:

    Hm, ich habe die Bezeichnung extra noch einmal im Buch nachgelesen…

    *am kopf kratzt*

  4. Markus Merz sagt:

    Das ist ja alles schön und gut. Aber wer wird denn bitte schön bei der verschnarchten & und schrumpfenden SPD mal Staub wischen?

  5. Luca.Freytag sagt:

    Meinst Du das Buch von Mario Puzo? Consigliori ist anscheinend die amerikanische Form und ist eigentlich in keinem italienischen Wörterbuch so zu finden. Wie auch immer, jeder weiß, was gemeint ist.
    @ Markus, bei der SPD liegt der Staub inzwischen meterhoch. Mit Staubwischen ist da nix mehr zu machen.

RSS-Feed abonnieren