Der fehlende Anstand des Alexander Dobrindt

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Screenshot: ZDF

Alexander Dobrindt ist Generalsekretär der CSU in München. Zu seinen Aufgaben gehört es, rhetorisch an «vorderster Front» für seine Partei zu kämpfen, völlig unabhängig ob es gegen den Koalitionspartner oder den politischen Gegner geht. Schon immer waren Generalsekretäre für einen Lacher oder für Aufregung gut – wenn man heute die trostlose Andrea Nahles (SPD) oder den fast nicht existenten Hermann Gröhe (CDU)1 sieht, dann denkt man mit Wehmut an einen Heiner Geissler zurück. Es gibt allerdings Tage, da haben selbst Generalsekretäre zu schweigen. Heute war einer dieser Tage.

Nicht nur Duisburg und Nordrhein-Westfalen haben heute getrauert – viele Menschen in Deutschland haben heute beklommen auf die Trauerfeier in der Salvatorkirche geschaut. 21 Menschen haben ihr Leben verloren – auf schreckliche Art und Weise. Die Politik und die Verantwortlichen, namentlich Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Organisator Rainer Schaller, haben sich bisher schändlich verhalten und die Menschen mit ihrem Schmerz allein gelassen. Die letzte Woche war eine Schande für die so genannte Elite in unserem Land.

Heute, eine Woche später, hat die Politik endlich die richtigen Worte gefunden. Hannelore Kraft hat eine eindrucksvolle, bedrückende und emotionale Rede gehalten – sie hat mit jedem Satz die richtigen Worte getroffen. Jede ihrer Gesten hat gezeigt, dass sie wirklich betroffen ist und dem Menschen, wenn auch kaum möglich, Trost spenden möchte – verbunden mit dem politischen Versprechen, die Tragödie aufzuklären.

Ausgerechnet während der Trauerfeier in Duisburg hat sich Alexander Dobrindt aus dem fernen München zu Wort gemeldet und bezeichnete Hannelore Kraft, während diese in Duisburg mit den Tränen kämpfte und den Angehörigen der Opfer Mut zusprach, als «das faulste Ei in der deutschen Politik». Meine Großmütter hätte früher gesagt, «das war unanständig». Es war mehr. Alexander Dobrindt hat jeglichen politischen und insbesondere menschlichen Anstand verloren. Dobrindt gehört zu den Menschen, mit denen ich mich nicht in einem Raum aufhalten möchte.

  1. Unglaublich, aber den Namen musste ich gerade nachschlagen. []

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11 Antworten zu “Der fehlende Anstand des Alexander Dobrindt”

  1. G.S. sagt:

    Dobrindt und Anstand? Wer gedacht hätte, nach Söder könnten die CSU-Generalsekretäre nicht mehr tiefer fallen, der hat Dobrindt noch nicht erlebt. Ich sag nur Türkei und Westerwelle.

  2. Das sind «normale» politische Scharmützel, das hier hat andere Qualität…

  3. Teo sagt:

    Ich gehe mal davon aus, dass sich auch Hannelore Kraft darüber im Klaren ist, dass sie derzeit am längeren Hebel sitzt und diese Rede ihr auch politisch Nutzen bringt. Die Feigheit und Menschenverachtung, die Sauerland und andere CDUler gerade den Opfern ins Gesicht spucken, ist nur schwer zu ertragen. Mit ihrer Rede hat sie genau die richtigen Töne getroffen, was aber für jemanden, dem nicht der schwarze Peter in dieser Angelegenheit zugeschoben werden kann, leichter sein dürfte, als jemandem, der tatsächlich Verantwortung übernehmen müsste.

    Ehrlich gesagt fällt es mir auch ein bisschen schwer ihr die Tränen abzunehmen, das mag aber auch an einem mittlerweile generellen Misstrauen gegenüber Politikern liegen.

  4. Andi sagt:

    Heute, eine Woche später, hat die Politik endlich die richtigen Worte gefunden. Hannelore Kraft hat eine eindrucksvolle, bedrückende und emotionale Rede gehalten – sie hat mit jedem Satz die richtigen Worte getroffen. Jede ihrer Gesten hat gezeigt, dass sie wirklich betroffen ist und dem Menschen, wenn auch kaum möglich, Trost spenden möchte

    Das ist wohl Ansichtssache. Mein Eindruck ist der, dass die erste Hälfte der Rede eine Ansammlung von Allgemeinplätzen ist, die von Kraft mehr vorgelesen als vorgetragen werden. Erst in der zweiten Hälfte bringt sie dann doch eine Verbindung mit den Zuhörern zustande, weil sie emotional wird, und zwar recht glaubhaft. Da sind dann die Worte aber wiederum nachrangig. So gesehen hat sie den zweiten Teil wirklich sehr gut gemacht; sie wollte Mitgefühl ausdrücken, das ist nicht einfach, und es ist ihr gelungen. Aber eine rhetorische Glanzleistung war das alles nicht. Was aber auch gar nicht der Zweck einer solchen Ansprache ist.

    Das entschuldigt Dobrindt natürlich nicht, aber es ist ja auch nichts neues, dass der Kerl kaum satisfaktionsfähig ist. Der Söder war in seiner ganzen Grobschlächtigkeit wenigstens noch halbwegs unterhaltsam…

  5. Jürgen sagt:

    Auch auf mich hat die Rede authentisch und ehrlich gewirkt. Es waren gar nicht mal die Worte die mich beeindruckten, sondern die Art, wie sie die Rede gehalten hat. Mehrmals war sie den Tränen nahe. Sie war vermutlich auch involviert, da ihr eigener Sohn auch auf der Veranstaltung war. Erst nach Stunden hat sie erfahren, dass er unverletzt war.

  6. Jens sagt:

    @TEO:
    Da Hannelore Kraft selber im Verwandten– (der eigene Sohn!) und Bekannten-/Freundeskreis Besucher der Loveparade hatte, nehme ich ihr das sehr wohl ab und halte die Schilderung von der Angst der Angehörigen, die auf Lebenszeichen warten für sehr realistisch geschildert.

  7. […] wie eine Monstranz vor sich her trägt4, sollte man was anderes als einen so sehr fehlenden Anstand erwarten […]

  8. […] Text auf fixmbr.de Ausrechnet während der Trauerfeier in Duisburg hat sich Alexander Dobrindt aus dem […]

  9. Dobrindt will sich entschuldigt haben. Ich lese da nicht wirklich eine Entschuldigung. Naja, wer so tief sinkt, wie Dobrindt…

  10. Hamburger sagt:

    «Unanständig» ist einer der heftigsten Kraftausdrücke, zu dem Hamburger fähig sind — insofern hätte Großmutter das richtig eingeordnet.

  11. […] dann Alexander Dobrindt, dem Generalsekretär der CSU, vorbehalten, Hannelore Kraft als „das faulste Ei in der deutschen Politik“ zu bezeichnen. Er bezog diesen bajuwarischen Biertischspruch zwar auf seinen Rote-Socken-Vorwurf, […]

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