Der Fair-Use– und der Opensource-Gedanke in Deutschland — eine Utopie?

In den letzten Tagen haben wir mit ein paar Leuten über ein neues Projekt philosophiert, vorab nur soviel: Es geht um Creative Commons-Musik. Es kam in den Diskussionen daraufhin doch eher ernüchternde Erkenntnisse zu Tage — sowohl vom Musik-Profi, der gerade mit CC-Musik viel Erfahrung hat, als auch vom BSD-Profi, der seinen Einsatz eher auf den englischsprachigen Raum begrenzen muss, da in Deutschland trotz deutschsprachiger Distribution kaum jemand auf den Zug aufspringt. Das ganze ist ziemlich traurig.

Der Falk promoted die Band All:My:Faults zur Zeit über den Fair-Use-Gedanken, per einzelner Creative-Commons-lizensierter Tracks und einem kpl. Album. In der Nachbetrachtung zu meinem Review, das Angebot des Gewinnspieles, kamen auch für mich eher unschöne Erkenntnisse zum Vorschein. F!XMBR hat nicht wenig Leser, doch ganze 4 dieser Leser haben am All:My:Faults-Gewinnspiel teilgenommen, ich mag es kaum sagen, zwei davon habe ich mit der Nase drauf gestossen, hier mitmachen. Ich habe hier immer noch 4 ungenützte Gutschein-Codes rumliegen. Und selbst bei dieser qualitativ höheren Version ist die Lizenz userfreundlich, wie man es kaum jemand kennt — sie darf nicht im Internet verbreitet werden, aber kopieren für Freunde ist überhaupt kein Problem, im Gegenteil, dazu wird man eingeladen. Kommen wir kurz zu den Download-Zahlen der CC-Version, die bei uns auf dem Server liegt: 23mal wurde das Album von unserem Server geladen. Zieht man die Leute, die daran beteiligt waren ab, bleibt nicht mehr viel. Und auch die Download-Zahlen unserer Download-Ecke sind nicht wirklich hoch — ganze 17 Downloads für alle angebotenen Alben/Bücher.

Der Profi hat ähnliche Erfahrungen gemacht — kommt die überwältigende Anzahl der Interessenten — und derer die den Fair Use-Gedanken tragen — von All:My:Faults doch aus den USA, Kanada, Frankreich und Italien. Deutschland? Fehlanzeige. Der Markt in Deutschland ist kaputt, schrieb Falk mir in einer Mail. Ich habe vorgestern einem Arbeitskollegen All:My:Faults vorgespielt. Gut, es war nicht seine Musik, aber seine Reaktion: Das ist ja tolle (technische) Qualität, dafür, dass es nichts kostet, ich hab da kein Rauschen oder so gehört. Ich glaube da kommen wir der Denke und der Erwartungshaltung der Deutschen ein gutes Stück näher, dazu aber später mehr.

Oli indes ist, wie wir alle wissen, ganz tief in der DesktopBSD-Materie, ist dort mit am Entwickeln, Moderator auf dem offiziellen Desktop-BSD-Forum, und hat eine eigene DesktopBSD-Seite ins Netz gestellt. Oli hat ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Falk im Laufe der Jahre. Ein großer Teil des Entwicklerteams ist deutschsprachig, es wird aber gezielt primär der englischsprachige Raum bedient, warum? Eben weils in Deutschland so gut wie nicht ankommt (selbst Linux kaum bzw. Opensource oder auch CC), was mich aber wiederum nicht abhält dennoch ein paar Infos anzubieten, so Oli vor ein paar Minuten in seiner letzten Mail.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum ist es so, wieso lebt der Fair Use-Gedanke in allen Teilen der Welt, nur nicht in Deutschland. Sicherlich ist die Antwort vielschichtig, ich selbst möchte mal ein paar Gedanken dazu niederschreiben, vielleicht hat der eine oder andere ja ein paar weiterführende Gedanken, ein paar Ideen, die mir so noch gar nicht in den Kopf gekommen sind.

Mein erster Gedanke beim Suchen nach den Gründen ist immer das jahrelange Monopol der Telekom. Während in anderen Ländern, die USA und Japan sei hier als Beispiel genannt, die Highspeed-Flatrate zum Festnetzanschluß usus war, gingen wir in Deutschland noch analog ins Netz — zumindest die Geeks und Nerds. Und selbst heute ist das Internet für den Großteil unserer Bevölkerung ein Mysterium und eben keine Selbstverständlichkeit. Mein Rechner z. B. läuft rund um die Uhr — er ist 24 Stunden pro Tag online — für mich ist das gar keine Frage, dass, wenn ich eine Information brauche, sie auch sofort habe (im Regelfall). Und wer kennt das nicht — wie oft klingelt das Telefon, Chris, kannste nicht mal eben schauen. Es wäre kaum daran zu denken, dass sich diese online unbeholfenen Menschen selbst ins Internet einwählen sollten.

Ein kleines Beispiel dazu von gestern Nachmittag: Ich musste per Bus — von der Arbeit nicht weit entfernt — einen Termin wahrnehmen. Ich habe die Kollegen gefragt, wie komme ich da am besten hin. Kollegin antwortete, kein Problem und fängt an zu zeichnen. Ich bin schnell zum Internet-Rechner, HVV aufgerufen, mir die Route angeschaut, 1 Minute später hatte ich die gewünschte Information, während die Kollegin noch grübelte. Als ich sagte, ich weiß bescheid, schauten mich alle mit großen Augen an. Und das sind aufgeweckte Menschen, mit denen ich da zusammenarbeite, die haben auch alle einen Rechner zu Hause, aber Internet — ja, die Mails bei Freenet lesen.

Zurück zur Telekom: Während sich also in anderen Ländern ein Opensource-Markt entwickelte, jeder gibt ein Teil, damit alle als Großes davon profitieren, waren wir hier immer noch auf Steinzeit-Niveau, manchmal denke ich sogar, politisch gewollt, um das Volk dumm zu halten.

Heutzutage leben wir in einer reinen Ellenbogen-Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der nächste. Hilfe untereinander gibt es traurigerweise kaum noch. In anderen Ländern ist dies auch der Fall, doch dort konnte sich ein Miteinander im Internet entwickeln, während Deutschland die Möglichkeit nicht hatte. Hinzu kommt meiner Meinung nach dann die Erwartungshaltung. Nicht umsonst ist z. b. die Schuluniform immer wieder ein (Sommerloch-) Thema der Politik, nur was gut und teuer ist, ist auch (qualitativ) gut — mehr Schein als Sein, Hauptsache der Nachbar sieht, was für ein toller Hecht ich bin. Sachen, die es kostenlos gibt, können gar nicht gut sein. Viele Familien können da gar nicht mehr mithalten und sind auch eben aufgrund solcher Geschichten in unschönen Situationen gelandet.

Als letzten Punkt möchte ich dann noch die Nehmer-Mentalität in weiten — auch internationalen — Kreisen des Internets ansprechen. Wenn z. B. Korrupt in den gulli:news nicht müde wird, die Politik der Contentindustrie anzuprangern, dann muss man auch, wenn man es differenziert sehen will, die Nehmerqualität der Gesellschaft sehen. Man kennt dort kein Maß mehr, nimmt mit, was man nehmen kann — ob es nun Mainstream-Musik auf dem russischen Server oder eben die CC-Musik ist, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, auch mal etwas zurückzugeben. Dementsprechend bin ich durchaus der Meinung, dass solche Projekte wie gulli dem Opensource– und dem Fair Use-Gedanken erheblich schaden.

Zusammenfassend kann man vielleicht sagen, dass mehrere Faktoren in Deutschland zusammentreffen: Die Bevölkerung ist trotz, dass sie im Jahr 2006 lebt, noch nicht im Internet angekommen — das WWW ist immer noch ein großes Mysterium, indem sich Kriminelle, Terroristen und Pädophile tummeln. Zudem herrscht die Geiz-ist-geil-Mentaliät vor, ein Zurückgeben ist von einen Großteil der Menschen unvorstellbar und nicht zuletzt ist es die Erwartungshaltung der Menschen in unserem Land, nur das war teuer ist, kann auch gut sein.

Es wird meiner Meinung noch Jahre dauern, bis diese Barrieren durchbrochen werden. Man kann nur hoffen, dass bis dahin solche Menschen wie Falk und Oli nicht aufgegeben haben — augrund von unzähliger Enttäuschungen der Vergangenheit, der Gegenwart und derer, die sie in unserem Land noch erleben werden. Der Markt in Deutschland ist kaputt, die Frage ist wirklich, wie schnell lässt er sich wiederbeleben, lässt er sich überhaupt wiederbeleben, oder war es das ganz einfach?

47 Antworten zu “Der Fair-Use– und der Opensource-Gedanke in Deutschland — eine Utopie?”

  1. Oli sagt:

    Lassen wir mal den Computer ganz beiseite, GPL, CC etc. Nur das Geben, gebe ist seliger denn nehmen — Kultur lebt davon. Woher kommen denn die ganzen Entwicklungen letztendlich? Selbst die Hippiekultur war ein Import, public domain — ist mitnichten ein initialer Computerbegriff, sondern allgemein gebräuchlich für kulturelle Errungenschaften.
    Woran es hängt? An der Geisteshaltung, nehmen ja, geben nein — mal ehrlich wie oft hat es schon jeder vernommen «und was verdienst du dran?», «nichts» … «schön blöd».
    Es gibt das natürlich auch hier, nur von hier ging nie eine Intialzündung los, obwohl gerade unsere Altvorderen von diesem freien Geben lebten und die Kultur maßgeblich davon provitierte. Kultur ist opensource. Vielleicht geht man es auch hierzulande völlig falsch an, indem man den Leuten immer nur «frei», im Sinne von Computergedöns vorschwärmt.
    Das eben blockt, weil viele nur nutzen möchten, nicht aber weiterdenken. Ergo muß man diesen die anderen Bereiche nahebringen, Kultur allgemein.

  2. Falk sagt:

    Da ich grad recht wenig Zeit habe — Sendung muss noch vorbereitet werden — (Danke nochmal Chris und ja, das ist absolut okay, wenn ich aus Mails zitiert werde — ich steh dazu *g*), verweis ich grad mal auf meinen Nachbarn, der sich aus einer anderen Perspektive heraus dazu auch nächtliche Gedanken gemacht hat (Artikel: In dieser Botschaft steckt jede Menge Selbstoffenbarung…).

    Und in Bezug auf die Musikindustrie hierzulande muss ich dem Chris zustimmen, ein Großteil der Krusten entstanden *auch* durch die Verbraucher. Aber das Thema ist recht komplex — ich mag da jetzt grad auch nicht wirklich viel zu sagen. Außer das der Text da oben viel «Wahrheit» enthält.

    «und was verdienst du dran?», «nichts» ? «schön blöd».

    Wer da der Dumme ist, wird sich später zeigen. Ich hab damit zumindest mein Glück gefunden 😉 Wen Geld glücklich macht, der darf das auch gern sein, aber seine Maßstäbe haben dann für mich auch keine Relevanz.

  3. Oli sagt:

    ein Großteil der Krusten entstanden *auch* durch die Verbraucher

    Imho sogar nur durch diesen, da Volk diese Geisteshaltung besitzt und die Mannen aus der Industrie (egal welcher) bzw. die aus der Politik letztendlich auch Volk sind und aus diesem stammen.
    Will man das Problem angehen muß man es global betrachten, im zeitlichen Kontext und erst recht global im Bezug auf das Gut.

  4. Falk sagt:

    Ja, aber das erfordert die Abkehr vom Angstgefühl, dass einem wer was wegnehmen könnte. IMHO fast unmöglich und wenn man solche Ideen äußert, wird man sofort auch zum Kommunisten gestempelt. Besitzstandswahrung wird ja speziell hierzulande ganz groß geschrieben, auch wenns schon seit Jahren nicht mehr zur Entwicklung der Gesellschaft (global) passt.

  5. Missi sagt:

    Wir haben hier eine «Was nichts kostet, kann nichts wert sein» Mentalität. Ganz simples Beispiel: Da wird Software illegal gezogen ohne Ende, wenn du dann auf Sourceforge, etc, verweist, bei dem es ja nun wirklich zu allem irgendeine Alternative gibt, kostenlos und legal, winken se ab. Das ist bei der Musik doch das selbe. Da rennt den ganzen Tag der Esel/Torrent, whatever. Zeigste denen Jamendo, winken se ab. Was der Bauer nicht kennt,… neh? 😉

  6. Oli sagt:

    Aber nehmen wir z.B. http://www.efb.nu, wie lange möchtest du es den Leuten noch zeigen und in Foren wie dem G:b, dem CC-CB, dem CSB etc. verbreiten? Seit 2001 existiert das Forum und es hat Zuspruch, aber nur unter ferner liefen (im Verhältnis betrachtet).

    @falk

    IMHO fast unmöglich und wenn man solche Ideen äußert, wird man sofort auch zum Kommunisten gestempelt.

    Anarchist, Kommunist, whatever. Gerne, sehe ich nicht als Beleidigung :)
    Da wird auch keiner geboren mit, aber entwickeln sollte man sich wenigstens — man bezeichnet sich doch auch nur allzu gerne als intelligent, oder?

  7. […] Ja kommen wir — wer alles lesen möchte — hier gehts lang! […]

  8. Falk sagt:

    man bezeichnet sich doch auch nur allzu gerne als intelligent, oder?

    Zumindest tun dies die meisten Leute, mit denen ich bisher zusammentraf. Aber eigene Wahrnehmung und Tatsachen sind ja auch zwei verschiedene paar Stiefel. Ich mag ja auch gar nicht, das sich jeder mit dem Prinzipien einer freien kulturellen Welt unbedingt intensiv auseinandersetzt. Aber diejenigen, die sich mit den Themen beschäftigten sollten es tun.

    Btw. empfind ich Kommunist auch nicht als Schimpfwort. Denn ich assoziiere damit sicherlich etwas anderes, als gemeinhin damit gemeint ist 😉

  9. Oli sagt:

    Funktioniert aber letztendlich nur gemeinsam, im Alleingang machts Spaß bleibt aber recht fruchtlos.

  10. Missi sagt:

    Porn, Wrestling, Soap Opera’s and TomTom remain top in searches month to month.

    (Quelle)

    Das interessiert die Leute. Und nichts davon will ich unter cc sehen 😀

    (Ich weiß, des es da schon was gibt. 😉 )

  11. Falk sagt:

    Der Mainstream halt — aber ja beeinflusst durch die Medien 😉

  12. Chris sagt:

    Porn […] Und nichts davon will ich unter cc sehen

    Klick

    😉

    Geben ist seliger denn nehmen

    Das hat Oli geschrieben — und genau das ist das Problem. Andersrum ist Kult(ur). 😉

  13. Missi sagt:

    Was an «Ich wills nicht sehen» war jetzt eigentlich der unverständliche Teil? 😀

  14. Chris sagt:

    Kennst mich doch. 😀

  15. […] Warum Open Source bei uns nicht zieht — Chris hat sich da so seine Gedanken gemacht. […]

  16. Musikdieb sagt:

    Ein wenig werden hier ja 2 Themen vermischt:

    Einmal die «Computer-Muffeligkeit» bzw. Konsumhaltung bezüglich dieses Mediums, der ja eigentlich ein Werkzeug ist, das man selber gestalten und konfigurieren kann. Genauso beim Internet. Die meisten Leute hier sind es wohl nicht gewöhnt, auch senden zu können anstelle nur zu empfangen.

    Zum anderen die Fair Use / Open Source Geschichte. Die Kultur hierzulande funktioniert ja noch etwas anders als woanders. Wir sind hier schon länger der Beeinflussung einer extremen Medien-Maschinerie ausgesetzt. Eine eigene Kultur, die sich von Generation zu Generation tradiert gibt es kaum noch. Hinzu kommt, dass wir in vielen Bereichen Kulturförderung haben, die das Bild weiter verzerrt. Irgendwelche Gremien oder Jurys bestimmen, was künstlerisch wertvoll ist.

    Wie soll sich in dieser Umgebung eine eigene musikalische Kultur entwickeln, die auch wirtschaftlich funktioniert?

  17. Oli sagt:

    Wenn die Leute endlich begreifen würden was Kultur überhaupt ist, würde es auch damit klappen. Einfaches Beispiel, wie wären heute nicht hier, hätte man vor Jahrhunderten so gedacht.

  18. Falk sagt:

    Irgendwelche Gremien oder Jurys bestimmen, was künstlerisch wertvoll ist.

    Da sagt er was 😉 Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker wurde ein Staat der Richter und Lenker. Und williges Publikum, was nur konsumiert, ohne selbst aktiv zu werden. Aber mir wurde dann gestern noch gesagt, ich würde jammern *ggg*

  19. […] Und hier dann die kurzfristige Programmänderung. Und auch wenn man mir vorwirft, ich würde jammern — das was der Chris da nebenan schrieb hat nichts mit Jammern zu tun. Schlimm genug, dass wieder genau die Sprüche kamen, die ich erwartete. DIE Musikindustrie ist es selbst schuld — aber nach meinem “Nach deiner Logik gehör ich ja auch zu DER Musikindustrie” war plötzlich Ruhe und das Thema verlagerte sich auf zu zahlende Studiengebühren. Ich wollt ja nun wirklich von keinem eine Rechtfertigung und Fair Use hat *nicht* ausschliesslich was mit Geld zu tun. Sondern eben auch mal nur mit dem Gedanken, sich für etwas zu bedanken, was anscheinend selbstverständlich ist. Da reicht auch eine Mail und die kostet *kein* Geld, sondern nur etwas Zeit. […]

  20. Musikdieb sagt:

    Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker wurde ein Staat der Richter und Lenker.

    genial! Muss ich mir merken.

  21. Missi sagt:

    Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker wurde ein Staat der Richter und Lenker.

    *notier* Passt wie Faust aufs Auge.

  22. […] Da ich jetzt nicht weiss, wer die Kommentare bei F!XMBR verfolgt — ich üb’ mich da jetzt mal in einem Eigenzitat, da ich diesen spontanen Einfall doch ganz gut finde Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker wurde ein Staat der Richter und Lenker. […]

  23. […] Ich glaube, oder hoffe, dass es dafür einen anderen Grund gibt. Meiner Meinung nach gibt es überhaupt keine nennenswerte Lobby für Open Source Software und Musik die unter die Creative Commons gestellt wird. Überall gibt es kleine Projekte die sich um die eine oder andere Sache kümmern, sei es in Foren oder Portalen, die die Güter verbreiten und eine Basis für die Community bilden. Es muss einfach mehr getan werden, um den Menschen in Deutschland zu zeigen, dass Open Source Software, durchaus eine Alternative darstellen kann, und dass Musik, die unter die Creative Commons gestellt wird, mit nichten schlecht sein muss. Am schönsten ist es wenn man de Menschen auch noch zeigen kann, dass eine Beteiligung an einen der Projekte, sei es aus dem künstlerischen Bereich, oder aus den Softwarebereich, Spass macht, und einen ein positives Erlebnis vermitteln kann. […]

  24. Ralph sagt:

    Ich denke, daß da noch ein weiterer Faktor eine nicht unwichtige Rolle spielt: Neben «Nur was etwas kostet, ist auch qualitativ hochwertig» vermitteln uns die Medien mit den Schauermeldungen über die klagegeilen Bluthunde der Musikindustrie auch noch den Eindruck, daß «nur das, was etwas kostet auch legal ist».

    Eine duale Veröffentlichung kostenlos und gleichzeitig in iTunes ist da auch nicht gerade förderlich. Versuch doch dem durschnittlichen Benuzter zu erklären, wie etwas einerseits kostenlos, andererseits auch gegen Kohle erwerbbar sein kann.

  25. Falk sagt:

    Eine duale Veröffentlichung kostenlos und gleichzeitig in iTunes ist da auch nicht gerade förderlich.

    Das kannst so nicht ganz sagen — das haben wir ja gemacht und ich bin durchaus positiv überrascht. Vor allem wars ursprünglich bei All:My:Faults nicht mal geplant, dies auch auf iTunes zu veröffentlichen, sondern es wurde *angefragt*. Das nächste Mal bin selbst ich dann schlauer :)

    Versuch doch dem durschnittlichen Benuzter zu erklären…

    Wo ist da das Problem? Den Mehrwert muss man dann schon rausstellen. Sei es, das eine Kaufversion zusätzliche Songs bietet, ein geändertes höherwertigeres Artwork, die Texte enthält, Bonusmaterial bietet, welches mit Hilfe von Codes auf der HP freigeschaltet werden kann und und und…nun seid doch nicht alle so fantasielos 😉

    An dem Punkt, was die Medienkritik betrifft muss ich dir allerdings 110% zustimmen. Das ist unterste Schublade — aber es sind ja nicht mal die Medien *nur* selbst, sondern die Musikindustrie suggeriert dies durch ihren Feldzug der IFPI gegen Filesharer ja auch mit. [ironie]Ich mag meine «Kollegen» wirklich sehr…[/ironie]

  26. Ralph sagt:

    Wo ist da das Problem? Den Mehrwert muss man dann schon rausstellen.

    Nur wo wird dieser Mehrwert denn genau beschrieben? Gehe ich auf die Homepage der Band — ist ja auch die erste Anlaufstelle — finde ich folgende Möglichkeiten, um an die Musik zu kommen:

    Download bei iTunes (kostenpflichtig)
    Download von der Seite (kostenlos)
    Download von Jamendo (kostenlos)

    Nun bieten mir der direkte Download und die beiden Downloadmöglichkeiten bei Jamendo und der Download über iTunes jeweils unterschiedliche Qualität und unterschiedliche ‘Ausstattung’. Dann wäre da noch der kostenpflichtige Download über Potatosystem, der sich preislich und qualitativ (im Sinne von Bitrate und Kompatibilität mit Abspielgeräten) von der iTunes-Fassung positiv abhebt.

    Ich kann zusammengefasst also klanglich bessere Qualität mit Kompatibilität kostenlos bez. zu einem niedrigeren Preis bekommen, oder zu einem höheren Preis niedrigere Qualität mit DRM (widerspricht das nicht dem CC-Gedanken des Weitergebens?) und bin damit dann an iTunes und iPod gebunden.

    Vielleicht sehe ja nur ich das so, aber der primäre Mehrwert bei Musik aus dem Netz sind doch Klangqualität und Kompatibilität, oder?

  27. Falk sagt:

    Nur wo wird dieser Mehrwert denn genau beschrieben?

    Du, da geb ich dir Recht — das hätten wir besser machen können. Hatten wir allerdings halt alles eher in den News und den Verteilern beschrieben und dann auf der Downloadseite selbst nicht mehr. Danke für den Hinweis.

    Dann wäre da noch der kostenpflichtige Download über Potatosystem, der sich preislich und qualitativ von der iTunes-Fassung positiv abhebt.

    Tut er ja — aber scheinbar ist das Thema auch noch nicht wirklich durch die Medien geschwappt, in der solche Musik besprochen wird. Ich hab mehrfach versucht die Leute über den riesen Vorteil von Potatosystems aufzuklären, aber scheinbar ists momentan noch nicht wirklich interessant. Warum iTunes hatte ich ja weiter oben geschrieben — das war eine Entscheidung, weils angefragt wurde (USA, Kanada und Japan).

    …widerspricht das nicht dem CC-Gedanken des Weitergebens?

    Nein keineswegs. Wir haben auch an anderer Stelle schon bemerkt, das der Gedanke und die Lizenz Creative Commons noch sehr erklärungsbedürftig scheint. Fakt ist aber, auch wenn eine Version des Albums unter dieser Lizenz erscheint, schliesst diese *nicht* aus, das man andere (auch kommerzielle) Lizenzen als Urheber vergibt. Man überlässt halt dem «Verbraucher» die Wahl für welche man sich entscheidet.

    Und letztendlich muss ich auch dazu sagen, das dies in der Form das erste mal war und wir auch jeden Tag noch dazulernen und versuchen zu verstehen, was die Menschen da draussen (neben der eigentlich Musik) eigentlich haben möchten 😉 Und daher ist der Tip, dies noch klarer auf der Seite zu beschreiben ein verdammt hilfreicher.

  28. Ralph sagt:

    Man überlässt halt dem ?Verbraucher? die Wahl für welche man sich entscheidet.

    Und genau hier hakt es meiner Meinung nach ein wenig: Man mutet dem (zahlungswilligen) Konsumenten zuviel zu. Kostenpflichtig oder kostenlos, verschiedene Qualitätsstufen, verschiedene Ausstattungen, mit/ohne DRM und Kompatibilität. Ich denke, daß das den durchschnittlichen Benutzer/Konsumenten eher verwirrt. Der will ja schließlich nur Musik erhalten und kein Auto kaufen… Diese Qual der Wahl gibt es halt bei CDs aus dem Laden — bis auf Preisschwankungen — nicht.

    Wenn sich diese neue — sehr begrüßenswerte — Vertriebsform für Musik durchsetzen und für die breite Masse attraktiv werden soll, wird das nur klappen, wenn es auch leicht verständlich und transparent ist.

    Und daher ist der Tip, dies noch klarer auf der Seite zu beschreiben ein verdammt hilfreicher.

    Gern geschehen! Wie wärs mit einer Matrix (Bitrate, Format, DRM, Ausstattung,…) was der Konsument denn wo erhält?

  29. Oli sagt:

    Man mutet dem (zahlungswilligen) Konsumenten zuviel zu.

    Denkender Mensch, mündiger Kunde will halt gelernt sein.

  30. Falk sagt:

    Und genau hier hakt es meiner Meinung nach ein wenig: Man mutet dem (zahlungswilligen) Konsumenten zuviel zu.

    Vom Prinzip nicht — wie gesagt, wir arbeitens ja grad raus, warums da verwirrend wurde. Denn die grundlegende Entscheidung hiess (so wurde es auch anfangs propagiert): «Du hast die Wahl zwischen kostenfreier Variante und Kaufversion». Der Rest (Jamendo, iTunes) kam später auf Anregung dazu.

    Wie wärs mit einer Matrix

    Ziemlich coole Idee — ich schau mal, was ich da mache. Und ich glaub auch, wir sollten iTunes fürs Ausland lassen und hier in Deutschland auf Potato setzen. das kann ich ja auch nochmal trennen 😉

  31. Missi sagt:

    Die Matrixgeschichte da oben fänd ich keine schlechte Idee.

  32. Falk sagt:

    Die Matrixgeschichte da oben fänd ich keine schlechte Idee.

    Work in progress…

    Ich haus später dann mal drüben bei mir raus zum verbessern/kritisieren 😉

  33. Carsten Dobschat sagt:

    Warum denn iTunes nur für’s Ausland? Wäre doch mal interessant zu sehen, wie die Entscheidung ausfällt, wenn der Kunde die Wahl hat… Fände ich zumindest interessant :)

  34. Falk sagt:

    Also vom Prinzip ist die Quote hier auf 1000 free Downloads 1 Kauf. Aber das kann ich jetzt auch nicht verallgemeinern, da es halt auch keine CD und bis Ende des Jahres auch keine Gigs gibt 😉

    Und ja, das Interesse, was passiert war es, was auch uns dazu trieb, es einfach mal so zu machen 😉

  35. Oli sagt:

    iTunes, soll Leute geben die das aus Prinzip nicht nutzen, die dennoch Macs mögen, egal … von daher finde ich jede Alternative in Ordnung :)

  36. Chris sagt:

    Frei nach Michael Jackson: I love you, i love you all. 😀

    Ich finde die Diskussion hier noch weitaus spannender, als den Artikel.

    Der Tipp mit dem klarer Herausstellen der Vorzüge der Verkaufsversion ist wirklich Gold wert. Wenn ich mal zurückdenke, mir war das auch nicht bewusst, bis Falk mir das im Zuge des Gewinnspiels per Mail mitteilte.

  37. Ralph sagt:

    Tunes, soll Leute geben die das aus Prinzip nicht nutzen, die dennoch Macs mögen, egal

    Bin auch Mac– und iTunes-Nutzer, aber das einzige was ich mir aus dem Shop hole, sind kostenlose Podcast-Abos. Musik kaufen würde ich dort nie.

    Allerdings möchte ich noch einräumen, daß ein Kauf des Albums über den iTMS auch seine Vorteile hat. Keine andere Downloadlösung ist so komfortabel gestaltet, daß es praktisch keinen Übergang zwischen Herunterladen, in die Library einfügen und anhören gibt.

  38. Ralph sagt:

    Was eigentlich noch gar nicht zur Sprache gekommen ist, mir aber doch fehlt, sind qualitativ höherwertige Downloads. Mp3 und Ogg Vorbis in hohen Bitraten schön und gut, aber wie wärs zusätzlich mit (kostenpflichtigem?) Donwload als verlustfreie Dateien (Flac, Monkey’s Audio)? Magnatunes bietet z.b Musik als Flac-Dateien an.

    Jeder der ensprechendes Equipment (mobiler Player, Streaming-Client) einsetzt, ist für die höhere Qualität dankbar!

  39. Falk sagt:

    Haben wir mit dem Download von Hungry Lucy auch schon getestet und für gut befunden und ich werds beim nächsten CC-Release (Ende September ists evtl. fertig) sicher dann da auch machen.

    Zu dem Punkt der Einfachheit von iTunes schrieb ich auch schonmal was. Dies erklärt den doch beachtlichen Erfolg dieser Plattform ja zum größten Teil und sie dann auszuschliessen wäre zwar konsequent aber aus Künstlersicht falsch :)

  40. Falk sagt:

    Ich finde die Diskussion hier noch weitaus spannender, als den Artikel.

    Ich auch 😉

  41. […] Im Laufe der Diskussion um alternative Vertriebsmodelle und dem Fair-Use-Gedanken kam folgende Kritik: Nur wo wird dieser Mehrwert denn genau beschrieben? […]

  42. […] Neben dem üblichen Kram wie telefonieren und den Haushalt hier schmeissen, sich um die Promo von Bands kümmern und nebenan diskutieren und gute Ideen finden, hab ich sogar noch ein wenig Luft gehabt hier zwei Kleinigkeiten einzubauen. […]

  43. Prospero sagt:

    Dito. 😉
    Soso, da kommt also im September ein CC-Sampler raus, Falk? *veg*
    Ansonsten muss ich mir doch mal das Potato-System genau anschauen, das Design der Seite hat mich davon bisher abgehalten…
    Ad Astra

  44. Falk sagt:

    Es gibt eine Plattform, die das Potato recht clever integriert — allerdings muss man da die Dateien wiederum deren Kontrolle überlassen.

    Kuck: http://www.endmix.de/

  45. Falk sagt:

    Soso, da kommt also im September ein CC-Sampler raus, Falk?

    *Den* Sampler weiss ich noch nicht. Ich sprach da eher von der ersten Demo «Mirrors» von All:My:Faults, die aber nochmal gemastert werden muss. Und darauf wart ich grad noch 😉 Ansonsten proben die Jungs grad wie doof wieder und wollen eventuell noch Ende des Jahres 1–2 Gigs spielen.

  46. […] Open Source funktioniert in Deutschland nicht? Chris und Dobschats Blog diskutieren das — Blick in die Kommentare lohnt bei beiden Postings. […]

  47. […] Warum läuft das hier etwas langsamer an als woanders? Gerade bei Fixmbr: «Der Fair-Use– und der Opensource-Gedanke in Deutschland — eine Utopie?» Interessantes Thema. Auf meinen Kommentar dazu fiel Falk der Spruch ein «Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker wurde ein Staat der Richter und Lenker». Carsten Dobschat hat das Thema etwas neutraler analysiert als Chris bei Fixmbr, kommt aber zu ähnlichen Ergebnissen. Netzpolitik hält auch einen Hinweis bereit, warum das hier langsamer geht als woanders. Aber Rettung naht. Die Piratenpartei tritt nach hoffentlich ordnungsgemäßer Gründung am Samstag bald für Fair Use und Open Source ein! bs […]

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