Der CCC — Vom Paulus zum Saulus?

Der Kampf gegen die Aushöhlung der Freiheitsrechte, gegen das Data-Mining, whatever — es gibt auf F!XMBR und .get privacy dazu viel zu lesen. Und auch der CCC kämpft seit Jahren als Vorreiter in diesem Bereich. Seit heute jedoch frage ich mich, ob zumindest ein paar dort vom Paulus zum Saulus werden.

Der Chaos Computer Club (CCC) hat auf dem Jahreskongress der Hackerszene zu einer stärkeren Kontrolle von «Problempolitikern» durch die Netzbürger aufgerufen. Es gehe um einen «Ausbau der Überwachung auf allen Ebenen», wobei auch «Problemgruppen» wie Regierungsmitglieder stärker im Auge behalten werden müssten, betonte der Ex-CCC-Sprecher Ron am Abschlusstag des 23. Chaos Communication Congress (23C3) in Berlin. Angesichts der vielen Berichte über schwarze Kassen handle es sich schließlich um potenzielle Straftäter, bei denen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu treffen seien. «Politiker bestechen und drücken Gesetze durch, damit Firmen mehr Geld kriegen», ergänzte CCC-Veteran Frank Rieger. Im kommenden Jahr müsse daher eine «ordentliche Datensammlung über alle Politiker» aufgebaut werden, diese hätten schließlich prinzipiell «nichts zu verbergen».

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Mehr Transparenz in der Politik ist das Ziel — sicherlich ist das Ziel begrüssenswert, doch der Weg ist nicht wirklich der richtige. Man kann sich doch nicht der Mittel bedienen, die man seit Jahren verdammt, aber gut, das Thema hatten wir schon hier — nun verdammt mich wieder, auf dass ich es wage, den CCC zu kritisieren. 😉

12 Antworten zu “Der CCC — Vom Paulus zum Saulus?”

  1. Oli sagt:

    Vom Faktor her nun hau ich dir eine aufs Maul, weil du es auch getan hast paßt es sicherlich und ist auch nicht unbedingt zu verdenken, allerdings verdammt man es prinzipiell so wirkt die Sache doch arg befremdlich. Nun ja jeder wie er mag …

  2. Kai Raven sagt:

    Spontane Einfälle dazu: Die Videoüberwachungskamera, die auf Merkels Zimmer gerichtet war, die Eyeballserien bei Cryptome. Eine Theorie von Widerstand besagt, die gleichen Waffen, die der «Gegner» einsetzt, gegen den Gegner zu richten. In dem Sinne und weil es gegen diejenigen zielgerichtet eingesetzt würde, die in gleichen bzw. erheblich größerem Ausmaß den Überwachungs-Komplex auf alle Bürger entfesseln, in meinen Augen legitim. Für die Sousveillance-Bewegung («Gegenüberwachung von unten») ist es gar Hauptmethode. Kommt auf die argumentative und rhetorische Vermittlung an :)

  3. Oli sagt:

    Rhetorische Vermittlung? Würde langen ich bin intelligenter. Und Sinn, wenn überhaupt, würde es nur machen, wenn die Politiker gemäß dem Motto handeln würden denn sie wissen nicht was sie tun, ich denke aber schon das sie es wissen. Ergo warum sollten sie sich auch von derlei Gegenmaßnahmen beeindrucken lassen oder gar selbst mit der rechtlichen Keule ausholen? Wäre schließlich nicht das erste Mal und des heuchlerischen Faktors, der dieser Reaktion inne wohnt, wurde letztendlich in D doch keiner gewahr.
    Wäre last not least die Option Kopf in den Sand stecke oder intelligentere Praktiken ersinnen. Wozu wie du mir, so ich dir hinführt sieht man bei Kriegen oder um das Verhältnis besser zu verdeutlichen (Bürger — Staat), bei Eltern — Kindern.
    Ich weiß, man griff sich Theorien irgendwelcher hochintelligenten Männer auf und machte sich diese zu eigen, ohne jedoch weiter einen Gedanken daran zu verschwenden — diese klugen Männer hingegen taten es jedoch irgendwann einmal initial 😉

  4. Mellowbox sagt:

    Hi,
    diesen Vortrag empand ich als nicht ganz ernst gemeint, Dinge wie abgeortnetenwatch (und alles was 2007 noch folgen wird) sollten aber als selbstverständlich angesehen werden. Soll ich dir den Vortrag mal hochladen? evtl liegt auf er auch auf einem der vielen Servern.

  5. Genmutant sagt:

    Bei «Staatsfeind Nummer 1″ hats doch so auch funktioniert 😉

  6. Chris sagt:

    Ich schau mir den Vortrag auf alle Fälle nochmal an Mellowbox. Mein erster Gedanke war: Geniale Satire eines ernsten Themas. Dann aber habe ich die Reaktionen in den Medien nachgelesen, Heise, Golem, und bin zu dem Schluß gekommen, es ist ernst gemeint. Schau m’er mal. Über das unsägliche Abgeordnetenwatch haben wir hier ja schon geschrieben.

  7. Terrahawk sagt:

    Manchmal ist Angriff die beste Verteidigung..

  8. Oli sagt:

    Jup Auge um Auge, Zahn um Zahn, Angriff ist die beste Verteidigung, Vorsicht ist besser als Nachsicht usw. Aber auch,

    Es gibt Leute, die einen töten, indem sie einen verteidigen.

    Francis Picabia

  9. Grainger sagt:

    … Auge um Auge, Zahn um Zahn …

    Andererseits führt aber das christliche «die andere Wange auch noch hinhalten» nach meiner bisherigen Lebenserfahrung meistens nur dazu, das man gleich noch mal eine rein kriegt. 😉

    Aber nur zwischen zwei Extremen zu wählen ist wohl meistens kontraproduktiv.

  10. Oli sagt:

    Nein Grainger, einfach nur den Kopf selbst benutzen, im Moment macht sich da der Herdendrang breit jedem hinterherzulaufen ohne wirklich mal zuvor den eigenen Verstand zu gebrauchen. Das Auge um Auge entstammt zudem einer falschen Übersetzung und ist im hebräischen Original weitaus differenzierender bzw. keineswegs absolut. Insofern *ist* es eine christliche Tradition, die Wange hinhalten, das kam wohl noch nirgends zur Anwendung, oder?

  11. […] Letztens wurde auf F!XMBR darüber diskutiert, ob der CCC vom Paulus zum Saulus geworden ist, basierend auf eine Vortrag auf dem 23C3, indem eine Vollüberwachung von Problempolitikern gefordert wurde und entsprechende Reaktionen in den grösseren Medien. […]

  12. […] oder neuformuliert privater Bürger, gläserner Staat ist der Slogan der Piratenpartei und auch der CCC kämpft seit Jahren gegen die Vorratsdatenspeicherung. Neuerdings kommen da aber seltsame Vorschläge aus dessen Reihen. Vollüberwachung für Problempolitiker, was ist den ein Problempolitiker? Würden Politiker eigentlich von einer Vorratsdatenspeicherung ausgenommen? Soll das jetzt etwa auf den Spruch im Alten Testament ?Aug um Aug, Zahn um Zahn? hinauszielen? Wird damit der CCC wie f!xmbr bemerkt vom Paulus zum Saulus? Jedenfalls ist für mich der Weg, einigen Politikern klar zu machen, dass via Vorratsdatenspeicherung ihre halbseidenen Geschäfte leichter auffliegen könnten, der falsche Weg. Bei Frank, einem derjenigen von denen dieser für mich absurde Vorschlag stammt, kann jedenfalls im Blog dazu diskutiert werden. […]

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