der Brotkasten

Ein kurzes «who is who» bezüglich des C64, seiner internen Helferlin und deren Verbindung zur Außenwelt, wie er funktionierte und zu welchen Höchstleistungen dieser auflaufen konnte. Das alles erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und entspricht nur meinen Erinnerungen 😉

1982 in den USA bzw. 1983 in Deutschland, erschien der Commodore 64. Er besaß einen MOS 6502 Prozessor der auch im damaligen Apple 8Bit Computer zum Einsatz kam, später wurde dieser durch den baugleichen 6510 ersetzt bzw. bzw zuletzt durch den 8500 (CMOS).

Diese CPU wurde mit ca. 0.97 MHz getaktet, im Vergleich zu heutigen Taktfrequenzen von 3000MHz, diversen Core etc. wird dies einigen sicher ein Schmunzeln entlocken. Selbstredend war die CPU eine 8Bit Variante, d.h. es konnten maximal 64Kb angesprochen werden, mehr Speicher als beim C128 (oder auch Schneider CPC6128) wurde durch sogenanntes «banking» erreicht: man schaltete schnell zwischen den Speicherbänken um, genutzt wurde dafür das «DOS-ähnliche» Betriebssystem CP/M.

Aber zurück zum eigentlichen Thema, unter Basic konnte man jedoch nur ca. 38Kb nutzen — erst mittels Assembler war es möglich, knapp über 50Kb zu adressieren. Apropos Basic, auch wenn es manche nicht gerne hören, es war eines der schlechtesten Basic-Varianten, welches je die Computerwelt erblickte. Keinerlei Grafikbefehle1 und auch sonst kaum übliche «Komfort-Befehle» — glücklicherweise gab es aber sehr viele Firmen die schnell in die Bresche sprangen und Erweiterungen anboten, wie mein geliebtes Simons-Basic.

Der Grafikchip2 bot für damalige Verhältnisse einige Besonderheiten und gewiefte Coder vermochtet es immer wieder dem C64 einiges an «Wundern» zu entlocken, was auch das riesige Software-Angebot bzw. den langanhaltenden Erfolg erklärt. Zudem muß man auch bemerken, daß es damals einigen Computern an Hardware-Sprites mangelte, welche essentiell für damalige Computerspiele waren. Computer die zu dieser Kategorie zählten waren z.B. der Apple, Amstrad/Schneider CPC und der Spectrum3. Sprites hin oder her, leider konnte der C64 nur mit einer Auflösung von 320×200 aufwarten, sprich 40 Zeichen pro Zeile. Dennoch ließ sich kaum einer davon entmutigen und schrieb mit dieser nicht ergonomischen Auflösung sogar seine Dissertation. Es gab natürlich auch gewisse Tricks, um eine Art 80 Zeichenmodus zu erzeugen, da diese Art der Darstellungsweise aber nicht besonders effizient war, kam sie auch nicht häufig zum Einsatz.

Auch der Soundchip4 wußte seinerzeit zu begeistern, man konnte zwar nicht mit gesampelten Audiosequenzen aufwarten — dazu fehlte schlicht und ergreifend der Speicher5 — aber mittels direkter Programmierung entlockte man diesem eine Vielzahl synthetischer Klänge. Keinesfalls sollte man die Qualität dieser mit den billigen Effekten früherer Soundblaster-Karten vergleichen, diese waren eher ein Rückschritt. Bekannte Soundmagier auf dem C64 waren z.B. Chris Hülsbeck6 und Rob Hubbard7, neben diversen anderen.

Last not least, die Kommunikation mit der Außenwelt: 1 x IEC (seriell), 1 x Userport, 1 x Modulport, 1 x Audio/Video, 1 x HF (Antenne), 1 x Datasette, 2 x Joystick. Insbesondere der Userport ermöglichte es dem C64 in vielen Bereichen Einzug zu erhalten: Mess– u. Regeltechnik, Festplatten, Scanner usw., der Computer war quasi für alles offen. Auch für schöne Basteleien bot der C64 alles was das Herz begehrt, eben diese Funktionalität vermisse ich bei heutigen Computern …

Nicht vergessen sollte man darüber hinaus die Speichermöglichkeiten des C64: die Datasette und die Diskette — auf Dauer waren die Floppies8 natürlich die bessere Wahl aber auch kostspieliger. Nachteilig bei diesen Floppies war die sehr langsame Anbindung an den Computer über eine serielle Leitung. Erst die 1571 bot die doppelte Geschwindigkeit wie beim C128 — allerdings gab es dank der ausgefeilten und somit sehr nervigen Kopierschutzmechanismen — deja vu — mehr als oft Probleme. Die 1581 z.B., eine 3.5″ Floppy, war leider hauptsächlich nur für Daten zu gebrauchen, bei vielen Spielen versagte sie ob zuvor genannter Gründe.

Ein paar Schmankerl hatte die Floppy des C64 aber zu bieten: da sie auch von einer CPU angetrieben wurde, konnten findige Programmierer diese parallel nutzen z.B. für Mandelbrot-Generatoren oder gar «Musik». Im Prinzip sah wir hier die frühe Form eines «Dualcore» 😉

Wie schon oben erwähnt, sollte dies nur einem groben Überlick dienen. Untenstehend bzw. im Text verlinkt findet man ein paar Adressen für die weiteren Retro-Ausflüge bzw. «hardcore-Interna».

Weiterführende Informationen:

Bild: Wikimedia Commons: I, II
Artikel: verfaßt 2006 für F!XMBR, überarbeitet 2010 für akephalos.de

  1. diese mußte man über Pokes direkt in die Register des Grafikchips schreiben []
  2. VIC 6566/6567/6569 []
  3. bei Atari 800XL und Acorn BBC bin ich mir nicht sicher []
  4. SID 6581, mono, 3 Stimmen []
  5. es gab Ausnahmen wie z.B. Impossible Mission []
  6. welcher auch später auf dem Amiga die Zuhörer verzauberte, z.B. bei «The Secret of Monkey Island» u.a. []
  7. siehe beispielsweise «International Karate» und dessen Nachfolger «IK+» []
  8. original 1541 []

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7 Antworten zu “der Brotkasten”

  1. […] schnell den Geist aufgab1 — der ZX Spectrum … 25 Jahre ist er jung 😀 abgelöst von C64 und auch Amstrad (bei uns Schneider) CPC 6128 [↩]Share This Post a comment — […]

  2. […] meines Vaters daher kam, mit Basic und erfreute sich an dem 1Kb Speicher, dicht gefolgt vom eigenen 64er, Schneider CPC6128 (128kb mittles banking und CP/M!) und nicht zu vergessen einer Menge Amigas bis […]

  3. […] anderer als der allseits verehrte Brotkasten gibt sich die Ehre mittels Lan und speziellem Spiel diese Tradition zünftig fortzuführen. […]

  4. Wolf-Dieter sagt:

    Simon’s Basic? Mein Favorit war Comal (kam später, aber war deutlich billiger). Das bot außer Grafikbefehlen auch die Möglichkeit, strukturiert zu programmieren (lange Variablennamen, namentlich aufgerufene Subroutinen und Funktionen). Basic, aufgebohrt in Richtung Pascal. (Ich erinnere mich gern daran zurück …)

  5. […] Podcast zum Brotkasten … da kann ich ja gar nicht dran vorbei. Gehört einfach dazu — ich finde es cool, daß der […]

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