Der asoziale SPIEGEL

Der SPIEGEL ist doch links. Der SPIEGEL ist für uns kleine Menschen da. Gut, dass es noch den SPIEGEL und die BILD gibt. 3 beispielhafte Zitate, wenn man Menschen heute auf der Straße über den SPIEGEL ausfragen würde. Doch die Wahrheit, wie sollte es anders sein, sieht mittlerweile ganz anders aus. Der wirtschaftliche Erfolg, der mit Aust kam, ging einher mit journalistischem Niedergang und ein Anbiedern an die Arbeitgeber und denen, die in unserem Land soziale Kahlschläge durchführen wollen — natürlich zum Wohle aller.

Gabor Steingart ist der Leiter des Hauptstadtbüros des SPIEGELS, die Wikipedia schreibt über ihn: Kritische Beobachter wie etwa Roger Willemsen sehen in Steingart die Verkörperung eines Wandels des SPIEGELs seit den 90ern hin zu neokonservativen und neoliberalen Themen. Gabor Steingart schreibt manchmal Kommentare — Kommentare, die auch aus der Feder des Arbeitgeberpräsidenten stammen könnten, zumindest könnte man meinen, dass sie von dort diktiert wurden. Im Normalfall überliest jeder normaldenkende Mensch diese asoziale Propaganda, man denkt vielleicht noch an alte Zeiten, was ist nur aus dem SPIEGEL geworden, und sucht sich halt andere Informationsquellen — der SPIEGEL indes gilt bei vielen Menschen nur noch zur Belustigung.

Heute aber schießt der Herr Steingart mal wieder den Vogel ab, zeigt doch folgendes Zitat seine gesamte soziale Kälte, wie asozial er und seine Denke ist:

Die Ausweitung der sozialen Zone kommt noch hinzu. Die aufgestockten Hartz-IV-Zahlungen für Ostdeutsche und ein großzügig in Aussicht gestelltes Elterngeld für alle nähren einmal mehr jene Ansprüche des Einzelnen an die Gesellschaft, die Merkel einst aus gutem Grunde begrenzen wollte. Nun versucht auch sie eine Wohlstandsillusion zu verlängern, die Schröder als solche schon enttarnt hatte.

Ausweitung der sozialen Zone in den letzten Monaten? Hab ich was verpasst? Wie pervers muss ein Mensch sein, um so etwas zu behaupten?

Shame on you, SPIEGEL!, Shame on you!
(Pro Wort ein interessanter Link)

8 Antworten zu “Der asoziale SPIEGEL”

  1. Falk sagt:

    Ausweitung der sozialen Zone in den letzten Monaten?

    Na aber sicher doch, nur eben nicht für die Mehrzahl der Bevölkerung. Aber die Elite des Landes hat doch ein gutes soziales Polster oder nicht?

  2. zaf sagt:

    Ich vermute die «soziale Zone» auch irgendwo in Berlin, im Regierungsviertel, dort wo sich die Herren mit den schwarzen Köfferchen treffen…

  3. maloXP sagt:

    Zumindest die Sache mit dem Elterngeld ist auch einfach mal sachlich falsch. In den Kommentaren im Morgen fand ich folgende Info:

    Den Kindern bringt das in der Tat nichts, das ist bloß eine Wurfprämie. Beschämend zudem, dass die Zeche des Elterngelds die sozial schwachen Eltern zahlen. Denn bislang gab es 300 Euro Erziehungsgeld für alle 2 Jahre lang, zukünftig gibt es für Geringverdiener und Arbeitslose dann nur 12–14 Monate lang ebenso 300 Euro.

    Soll heißen: Für den Abschaum der Gesellschaft Geringverdiener wird die Wurfprämie gekürzt, lediglich die obere Kaste profitiert.

    Jaja, der Spiegel…

  4. Oli sagt:

    Es läuft doch ohnehin immer darauf hinaus, irgendetwas — einen Bonus — in den Medien zu «hypen» und hintenrum zieht man es doppelt und dreifach wieder ein. Problem bei der Sache, wer keine Kinder hat oder was auch immer, sprich nicht betroffen ist, bekommt das alles nur am Rande mit und erkennt nicht wirklich die Fallstricke im System.

  5. Falk sagt:

    Wobei das mit dem Erziehungsgeld schon recht schwierig ist/war. Denn man verzichtet im selben Atemzug ja — sofern berufstätig — auf sein «geregeltes» Einkommen. Die Verkürzung um 1 Jahr trifft imho alle. Der Widerspruch ist nur, das es wohl kaum Arbeitgeber gibt, die dies gern sehen, das sich da ein Angestellter für 1 Jahr aus dem Berufsleben ausklinkt. Dieses Thema hatte ich vor der Geburt meiner Tochter ja auch und wollte mir die Zeit mit meiner jetzigen Frau teilen. Ging nicht. Kinderbetreuung unter 3 Jahren? Fehlanzeige! Was blieb einem übrig, das der Kerl schuften geht und das Frauchen das Haus hütet. Ob jetzt Erziehungsgeld 1 oder 2 Jahre gezahlt wird und es sich naturgemäß am Einkommen orientiert, täuscht doch auch nur darüber hinweg, das in diesem Land in Bezug auf Kinder grundlegend eine Menge schiefläuft.

  6. Links gegen die Hitze (#4)…

    Falls sich wer wundert: Es erscheinen im Zitronengras-Blog derzeit nicht allzu viele, und wenn, dann nicht allzu geistreiche Eintr…

  7. trolley sagt:

    Dann ergibt auch die Aussage von Roger Willemsen Sinn, die er vor Jahren in einem TV-Interview wohl gab: In Hamburg wohnen die nettesten Arschlöcher.

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