Der asoziale SPIEGEL continues

Job-Wunder auf Zeit schreibt heute der SPIEGEL. Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt, so will uns der SPIEGEL heute weismachen (und alle anderen abhänigen Medien natürlich auch). Wie das Hamburger Magazin darauf kommt? Nun, im Juli steigt im Normalfall die Arbeitslosigkeit aufgrund der Sommerpause, dieses Jahr ist die Arbeitslosenzahl um sagenhafte 12.000 Menschen gesunken. Sie beträgt nur noch 4,386 Mio. Menschen. Das sind doch mal gute Nachrichten. Nur noch etwas mehr als 4 Mio. Arbeitslose, so Nebensächlichkeiten wie 1-Euro-Jobber, Umschüler, die nicht mit eingerechnet werden, lassen wir mal beiseite. Wie zynisch und pervers muss man sein, um diese immer noch dramatischen Zahlen für unser Land als gute Nachrichten zu verkaufen? Reichen schon 12.000 Menschen in einer eh gefälschten Statistik, um den SPIEGEL zu Begeisterungsstürmen zu bewegen? Aber der SPIEGEL kann es noch besser:

Kinder sind so reich wie nie, so der SPIEGEL heute in einer Meldung. Ja, unsere reichen Kleinen können über 1/70 unseres Vermögens verfügen. 😀 Reiche Kinder, hm, hatte ich vor einem Tag etwas anderes gelesen? Achja, jedes sechste Kind lebt in Deutschland nach Angaben des Kinderschutzbundes in Armut. […] Wieviele Kinder sozial total verwahrlost sind, wird nicht erfasst. Die Zahl 2,5 Millionen bezieht sich auf die Hartz IV-Empfänger. Aber es verwahrlosen eben auch viele Kinder, die nicht von Hartz IV betroffen sind. Da muss ich doch mal scharf überlegen, wo ich das gelesen habe… Ja ne is klar, im SPIEGEL. 😉

Der SPIEGEL in seiner heutigen Form ist (leider) nur noch das neoliberale Kampfblatt der Regierung, dabei ist völlig egal, welche Partei gerade den Kanzler stellt. Er plappert alle Pressemeldungen ohne Überprüfung nach, macht daraus Sensations-Artikel, mit Journalismus nur hat das wahrlich nichts mehr zu tun. Vesteht einer, dass es mir jeden morgen leicht übel wird, wenn ich am SPIEGEL-Gebäude vorbeigehe…

11 Antworten zu “Der asoziale SPIEGEL continues”

  1. Oli sagt:

    Zu den reichen Kindern,
    Tagesschau, auch dort kann man es nachlesen. Und es stimmt sogar, denn irgendwoher muß der Konsum ja kommen und die Problematik mit Klingeltönen, Handies allgemein usw., oder? Problem ist, viele Familien in Deutschland leben über ihre Verhältnisse und sind hochverschuldet. Es paßt schon, wenn es einerseits tatsächliche Kinderarmut gibt und zum anderen reiche Kinder, ein Blick in die Schulen genügt.
    Nicht alle Statistiken sind gefälscht, wie man es gerne immer annimmt, viele sind einfach nur aus dem Zusammenhang gerissen oder gar falsch interpretiert.

    Nimmt man z.B. mal das statistische Bundesamt und betrachtet deren Rohdaten so erhält man meist ein anderes Bild, als jenes auf das sich der jeweilige Politiker beruft.

  2. Grainger sagt:

    Das jedes sechste Kind in Armut lebt wiederspricht ja nicht der Aussage das die restlichen 5/6 der Kinder über viel (zu viel?) Geld verfügt.

    Dafür sprechen ja auch die Anstrengungen die unsere Wirtschaft unternimmt um an das Taschengeld der Kinder und Jugendlichen zu kommen, von Animeserien (die nichts anderes als Dauerwerbesendungen für irgendwelche dämlichen Kartenspiele sind) über Handyklingeltöne und –logos bis hin zu Spartenkanälen für Kinder (in denen dann alle 15 Minuten zielgruppengerechte Werbespots laufen).

    Wären da nicht Milliarden zu holen gäbe es den ganzen Unsinn doch gar nicht, insofern gint es imho schon eine wirtschaftlich interessante (und somit vermutlich gar nicht mal so kleine) Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit zuviel Geld.

    Das auch diese Kinder sozial verwahrlosen können ist unbestritten, ich sehe in meinem Bekanntenkreis durchaus Familien mit materiell hervorragend versorgten Kindern, denen es aber massiv an elterlicher Zuwendung fehlt.

    Diesen Kindern wäre mit einem zusammen mit den Eltern verbrachten Sonntagnachmittag im Zoo wesentlich mehr gedient als mit der jeweils neuesten Spielkonsole.

  3. EuRo sagt:

    Wenn man das so liest, liegt der Gedanke nahe, Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis anzutriggern, neben Bildblog.de auch noch ein Spiegelblog.de zu etablieren. Das Niveau driftet stark in die Richtung.
    Augstein dreht sich im Grabe herum — wahrscheinlich bohrt er sich gerade durch…

  4. Chris sagt:

    Ach Gottchen, es gibt genügend Kinder, die haben doch zu viel Geld, das hätte ich ja nun nicht gedacht. Darum gehts doch gar nicht. Wenn ich so einen Artikel verfasse, MUSS zumindest auf jeden Blickwinkel hingewiesen werden, erst recht, wenn einen Tag vorher ein solcher Artikel erschienen ist. Wenn das nicht der Fall ist, hat das Ganze mehr die journalistische Qualität eines Blogs, nichts weiter.

    Im Übrigen sprach ich bei gefälschter Statistik von der Arbeitslosenstatistik. Nicht alles, was ich schreibe, muss relativiert werden.

  5. Oli sagt:

    MUSS zumindest auf jeden Blickwinkel hingewiesen werden

    Wer macht das außer vielleicht ein paar linke Kampfblätter bzw. Blogs oder aber entsprechende Kommentare in den Medien? Wäre mir neu, wenn das plötzlich anders von statten ging. Und wenn man das kritisiert, muß man auch selbst darauf hinweisen, nur die andere Seite pauschal zu benennen, macht die Aussage in dem Fall eben nicht richtiger.

    Den Spiegel trifft man, indem man ihn ignoriert. Hinweise auf Fehlungen, wirken auf die Außenwelt wie Nachtreten der Blogs gegen die Profis.

  6. dico sagt:

    Betrachtet man beide Spiegelmeldungen im Zusammenhang, stellt man fest, dass die Schere zwischen Arm und Reich auch bei Kindern immer weiter auseinander klafft.

  7. Oli sagt:

    Chris ging es wohl eher darum, das die Info eben nicht dabeisteht und ein grobes drüberlesen, usus im Netz etc., eben zu der Denke verleitet hey denen gehts doch allen blendend.

  8. Chris sagt:

    Genau, jetzt Olis und dicos Kommentare zusammengelegt, das wollte ich eigentlich ausdrücken.

    Ich hätte vorher 10 Minuten Pause machen sollen, ich war gerade erst reingekommen. 😉

  9. Oli sagt:

    Ich verstehe in der Regel alles von dir Geschriebene, ich ergänze nur — weniger ist es Kritik. Dann würde ich Dinge schreiben, wie …pack dich, …Käse oder die korruptsche Verbalguillotine … geh sterben 😀

  10. Chris sagt:

    Btw, im letzten Monat war WM. Da wurden nicht wenig Volunteers beschäftigt, von den zusätzlichen Arbeitskräften z. B. im Gaststättengewerbe mal abgesehen.

    Und btw. ein Grund für den Rückgang lt. Tagesschau: Ein-Euro-Jobs. 😉

    Ich sage zu dieser Volksverarsche nichts mehr.

  11. Chris sagt:

    Wolfgang Lieb kann ein wenig besser schreiben, als ich. 😀

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