Demokratiefreunde

In Wiener Hotel Rathauspark saßen denn vom 17. bis 19. Oktober Beamte des österreichischen Verkehrsministeriums, Techniker von Siemens, Ericsson und Motorola dem deutschen Bundesverfassungsschutz, dem holländischen Geheimdienst PIDS und dem britischen Innenministerium gegenüber.

Zusammen mit einschlägig spezialisierten Firmen wie der französische Aqsacom, der israelischen Verint, oder deutschen GTEN wurden etwa die vom Criminal Intelligence Unit des FBI eingereichten Schemata zur Überwachung von Konferenzschaltungen evaluiert.

futurezone ORF

Unsere Demokratiefreunde bekommen Nachhilfe in Bespitzelung mittels neuen Technologien, damit man auch morgen weiß, was der Heinz am Nachmittag machte …

Apropos Wien, mal ein kleiner Ausflug in die Geschichte via Wikipedia

Der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 abgehaltene Wiener Kongress war eine Konferenz von politisch bevollmächtigten Vertretern aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, darunter allen bedeutenden Mächten Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reichs.
[…]

Ziele Wiederherstellung des altes Gefüges, sprich Restauration mittels Bespitzelung etc., Polizeistaat in Reinkultur.

Der Leiter des Kongresses Klemens Wenzel Lothar von Metternich,

Als Gegner von Demokratie und Liberalismus errichtete er einen Polizeistaat, zu dem Zensur und Spitzelwesen gehörten, und versuchte seine Ideen auch im Reich durchzusetzen. Dieses Gefüge politischer Leitlinien wurde als Metternich’sches System bekannt.

[…]

Der Vater der Initiative …

Noch unmittelbar vor dem letzten Sieg über Napoleon in der Schlacht von Waterloo vereinbarten die meisten Monarchien und Fürstentümer Europas unter prägendem Einfluss des österreichischen Diplomaten und Staatskanzlers Fürst von Metternich auf dem Wiener Kongress die gemeinsame Politik der Restauration. Mit ihr sollte im Sinne der herrschenden Fürstenhäuser die «gute alte Zeit» des Ancien régime wiedererstehen. In Deutschland ging dies kulturell mit dem Biedermeier und der Romantik einher. Die Menschen beschränkten sich in der Biedermeierzeit auf ein (ungewolltes) Leben, weil sie gegen ?die da oben? nicht viel unternehmen konnten. Sie gaben sich mit allem zufrieden.

[…]

Das Wesen dieser Wiederherstellung, der alten Ordnung. Biedermeier ist eine Bezeichnung die beinhahe heutzutage auch wieder treffend ist.

Deutsche Studenten demonstrierten gegen die reaktionären Kräfte in den wieder entstandenen deutschen Kleinstaaten für einen Nationalstaat und eine freiheitliche Verfassung.Ihr Wahlspruch war: «Ehre, Freiheit, Vaterland». Ihre Fahne hatte die Farben Schwarz-Rot-Gold.

Man sollte bei letzterer Aussage nicht den Begriff national mit dem geprägten Begriff aus dem dritten Reich verwechseln! Die Zitate stammen aus diversen Bereichen der Wikipedia und zwar Wiener Kongreß, Vormärz, Wartburgfest — lesenswert, wenn man fähig ist Eckpunkte von damals, heute in unserem Kontext auszumachen … dürfte nicht so schwer fallen.
Und wo ist die Wiederherstellung der alten Ordnung? Nun im übertragenden Sinn ist das bei uns hier die Zeit vor den 70ern, denn im Gegensatz zu einigen Kritikern behaupte ich mal, das die 68er schon einiges hier anstießen, dem wir gerade wieder mit Siebenmeilenstiefeln verlustig werden.

7 Antworten zu “Demokratiefreunde”

  1. Chris sagt:

    Aber es geht doch gegen die pöhsen Terroristen. Traurig ist, wenn man im RL in Diskusionen schief angeschaut wird, wenn man darauf hinweist. Wie kann man nur heute mit damals vergleichen… 😉

  2. Oli sagt:

    Kann ja nichts dafür wenn mangelndes Geschichtsbewußtsein und Fähigkeit zur Differenzierung vorherrscht.

  3. spiefelwuetz sagt:

    .….das die 68er schon einiges hier anstießen.…

    Der Sender Jerewan würde sagen : im Prinzip stimmt das, aber es sind z.T. die gleichen 68er, die das, was sie mit den Händen aufgebaut haben, jetzt mit dem Arsch wieder einreißen.

  4. Oli sagt:

    Die sogn. 68er waren nicht «3 Pappkameraden», die heute in der Politik hausen und dort etwas von ihrer Vergangenheit fabulieren. Da war schon etwas mehr — nun wo sind diese? Diese sind immer noch da, man findet auch so manchen Blogger älteren Semesters z.B. Problem aber das Volk stand damals nicht dahinter und heute auch nicht und glaubt der Propaganda …
    Also von den 68ern reden, die da heute was kaputt machen ist ziemlich sinnfrei — das heute keiner mehr den Arsch hoch bekommt, dafür können die Ehemaligen auch nichts für.

  5. spiefelwuetz sagt:

    @oli, ich hatte «z.T.» geschrieben und nicht von den 68ern schlechthin, ich meinte einige heutige staatstragende 68er.
    Allerdings bin ich der Meinung, daß die 68er-Bewegung zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Versuche gemacht hat, das Volk für die Bewegung zu begeistern und einzubinden. Sie blieb leider eine elitäre Veranstaltung, die ihr Potential nicht ausreizte. Womit ich nicht gesagt haben will, daß nichts erreicht wurde. Stichwort Beendigung des Vietnamkrieges, Thematisierung der NS-Vergangenheit führender Politiker etc.
    Zum Thema Arsch hoch kriegen: im Moment bin ich mit einigen Mitstreitern dabei, die Montagsdemos hier im Ort wieder zu beleben. Es st sauschwer; die Gewerkschaften mauern, (die haben die Tontechnik und sitzen wie die Glucken drauf). Die Studentenvertretungen der beiden Hochschulen haben nicht «so viel» Interesse, weil Proteste gegen Studiengebühren wichtiger sind (sic!). Es bleibt schwierig.

  6. Oli sagt:

    Die Studentenvertretungen der beiden Hochschulen haben nicht ?so viel? Interesse, weil Proteste gegen Studiengebühren wichtiger sind (sic!). Es bleibt schwierig.

    Wichtig sind diese Proteste gegen Studiengebühren auf jeden Fall, für viele bedroht das die Existenz, für die schon Arbeitssuchenden eine zusätzliche Schwämme von Anwärtern.
    Aber sei beruhigt, auch dort bekommt kaum einer den Arsch hoch, von z.B. 17.000 Studenten kannst du vielleicht maximal 1000 mobilisieren, weitaus mehr sind jedoch betroffen.

  7. spiefelwuetz sagt:

    Aber sei beruhigt,…

    nee, beruhigt bin ich darüber ganz und garnicht! Es wäre schon mal eine neue Qualität, wenn die potentielle und reale Klientel der Agentur für Arbeitslosigkeit gemeinsam die Ärsche hochkriegen würde.

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