demographischer Unsinn

Eine Rücknahme der Rente mit 67 wäre unverantwortlich, weil wir in der langen Zeit, bis sie eintritt — nicht etwa 2012, sondern erst 2029 — etwa drei Jahre älter werden. Sie bedeutet also zwei Jahre länger arbeiten und ein Jahr länger die Rente genießen.

Rente mit 65: »Verantwortungslose Vogel-Strauss-Politik«

Man kann recht anschaulich an diesem Beispiel beobachten, welchen Unfug man mit Zahlen anstellen kann. Diese Wissenschaften abstrahieren die Gesellschaft derart, dass letzendlich nur noch nackte Zahlen über bleiben, die wiederum jedoch ausgiebig genutzt werden, um eben diese zuvor mittels Zahlen geleugneten Menschen dennoch in ihrem weiteren Lebensverlauf dramatisch zu beeinflussen. Mein spontaner Gedanke, hat dieser Wirtschaftswissenschaftler und Mathematiker in seinem Leben schon einmal über eine längere Periode harte körperliche Arbeit genossen? Kennt jener Handwerker, Industriearbeiter, Leute vom Hoch– u. Tiefbau, Fernfahrer etc. pp und deren gesundheitliche Problematiken? Sicherlich nicht — Zahlen und statistische Modelle sind dessen Metier. Aber diese Menschen, welche hier wohlwollend vernachlässigt werden, werden selten in ihrer Gesamtheit statistisch erfaßt, da sie gesundheitliche Mali ihres Berufes wegstecken ob Angst vor dem allgegenwärtigen Arbeitsplatzverlust.

Dazu kommt, dass wir ein falsches Berufsbild mit uns schleppen. Wir sind kein Volk von Dachdeckern. Wir verlangen nicht von diesen über 57jährigen, dass sie auf Dächern turnen, sondern dass sie ihre Erfahrung und ihre Menschenkenntnis in eine Dienstleistungs– und Wissensgesellschaft einbringen. Sicherlich sind wir kein Volk von Dachdeckern, wir sind aber auch kein Volk von Kopfarbeitern deren größtes Problem ist den Fahrstuhl rechtzeitig zu erwischen, respektive den Weg über den Parkplatz heil zu überstehen — wobei ich auch diesen Bereich mit Besorgnis betrachte, zu nennen wäre hier einfach mal das Burnout-Syndrom. Der Dachdecker, im erwähnten Beispiel, turnt auch noch mit 60 nahe den Wolken, er findet sich leider Gottes auch recht schnell in HartzIV-Gefilden wieder, da er nicht mehr die geforderte Leistung erbringen kann bzw. schon gesundheitliche Folgeerscheinungen mit sich schleppt: kaputte Knie, Karpaltunnelsyndrom, Hörsturz usw.

Solange wir das Vorurteil pflegen, dass ältere Mitbürger weniger leistungsfähig sind,[…] solange können wir diese älteren Mitmenschen auch weiterhin gemäß dem eigenen Gusto und absurden statistischen Erhebungen ausbeuten. Für eine gesunde Gesellschaft müßte das Credo infolge lauten: früher in Rente, wider der wirtschaftlichen Unmenschlichkeit, welche Menschen kühl als Humankapital betrachtet.

Es sind jene Zahlenspielereien, welche die Realität Lügen straft. Es sind jene Zahlenspielereien die absurde Systeme wie HartzIV rechtfertigen, viel Arbeit für noch weniger Geld fordern, von der Lebenserwartung wohlwollend schwafeln und die zu zahlende Zeche außer Acht lassen. Es sind jene Zahenspielereien, welche Altersarmut kaschieren, den einzelnen reicher und gesünder machen als jener es Angesichts der Realität je glauben würde. Es sind eben jene Spielereien, die Wirtschaft pushen und den Sozialabbau stetig vorran treiben.

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5 Antworten zu “demographischer Unsinn”

  1. Chris sagt:

    Bevor hier weitere Deppen-Kommentare aufschlagen, empfehle ich zur Recherche zum Thema Demografie diese Lektüre

    Danke. :)

  2. Oliver sagt:

    Einige haben noch nicht verstanden, dass ich Wirtschaftswissenschaften gar nicht ernst nehme in puncto Gehalt — allenfalls als Gefahr ansehe. Derlei Dinge sind inkompatibel zum Menschen.

  3. Steve sagt:

    Ich glaub das Problem ist ja nicht das die Menschen zu lange arbeiten müssen, sondern die Bediengungen. Ich meine ein Maurer zum Beispiel kann irgendwann einfach nicht mehr so harte körperliche Arbeit machen ohne seinen Körper zu ruinieren und das muss verhidnert werden. Er kann aber dafür sich andere Aufgeben übernehmen die ihm mehr liegen (z.B. bei der Ausbildung neuer Maurer helfen, da ist Erfahrung sicher ein großer Pluspunkt). Bei anderen Berufen die Körperlich nicht besonders Vordernd sind (Anwalt z.B.) kann man ja noch länger arbeiten ohne irgendetwas wechseln zu müssen.

    Was aber wichtig ist das mehr auf die Bedürfnisse, aber auch auf die besodneren Fähigkeiten die sich ältere Menschen angeeignet haben eingangen wird und dabei auch ordentlich bezahlt wird. Ich kann es mir nicht vorstellen das die meisten Leute mit 60 nur noch zuhause rumgammeln wollen und tv schauen, ich denke sogar das viele noch etwas leisten wollen (vlt nicht so viel wie in der Jugend und dafür etwas mehr reisen und aber das sollte ja möglich sein).

  4. blabla sagt:

    Mann denke dabei mal auch an Pflegepersonal und Krankenschwestern mit Vollzeit und Schichtdienst.. die Zuschläge zu lezteren wurden ja erst gekürzt. Dabei ist es medizinisch bekannt das Schichtarbeiter schwere Folgen zu tragen haben. Insbesondere bei Frauen erhöht sich das Riskio von Brustkrebs erheblich, vorallem bei geschlossenen, klimatisch künstlichen Umgebungen.

  5. Rente mit 67: Milchmädchenrechnung in der Diskussion…

    Seit einiger Zeit werden sogar in der «BILD» die Forderungen nach Aussetzung der «Rente mit 67″ laut. So rührte Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold in dem Blatt am (22.06.2009) die Wahlkampftrommel: «Ich gehe davon aus, dass d…

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